neuem ein. - .
Noch mehrmals erwachte sie hierauf und schien sich etwas darüber zu wundern, daß ihre Mutter ihr nicht nachgekommen war. Jedenfalls aber war sie weder da noch in Sicht; soweit war also alles in Ordnung. Sie beendete chr Schläfchen und begann dann, da sie sich sehr erfrischt fühlte, zu überlegen, was sie nun beginnen sollte. Das Nächstliegende war natürlich, sich ins Wasser zurückzubegeben. Das Becken zu ihren Füßen sah auch wirklick recht verlockend aus. Hinunter also! Sobald sie sich näherte, schwärmten die Pinguine auseinander, und das machte ihr Spaß. „Komisch^, so schien sie zu denken, während sie sie sich betrachtete, „rote diese Geschöpfe sich davonmachen — es müßte ganz spaßig sein, ein bißchen auf sie loszugehen." . m. . ,
Sie rutschte ins Wasser, wo wieder eine Menge Pinguine herum- schwammen. Sie schlug erst ein paar Purzelbäume, tauchte, wirbelte um den eigenen Schwanz und amüsierte sich herrlich. Als sie endlich genug davon hatte, kam ihr der Bedanke, sich die Zeit ein bißchen mit den Pinguinen zu vertreiben. . ,, ,,
Daß sie ihnen etwas tun wollte, glaube ich nicht. Zwar fressen besonders hungrige Robben gelegentlich auch Pinguine, doch bezweifle ich, daß diese junge Robbe das wußte. Jnsttnktiv mag sie gesuhlt haben, daß ein Pinguin dazu da ist, um gejagt zu werden, genau wie ein junger Hund ein Kätzchen jagt, nicht weil er ihm wirklich etwas tun will, sondern weil — nun, weil das Kätzchen doch offenbar zu nichts anderem auf der Welt ist. Wie dem auch fei, unsere Robbe schwamm geradeswegs auf die Pinguine zu, die sich dort tummelten, und als sie in ihre Nähe kam, tauchte sie. .
Die Pinguine schossen nach allen Richtungen auseinander: sie wußten nicht recht, was sie von der Sache halten sollten, beschlossen aber auf alle Fälle, sich nicht unnötig in Gefahr zu bringen. Als die Robbe an die Oberfläche kam. war kein Pinguin mehr da, doch gewahrte sie nicht weit davon eine Gruppe von Vögeln, die offenbar dieselbe war. So näherte sie sich ihnen wieder und tauchte im kritischen Moment von neuem. Selbstverständlich passierte genau dasselbe und die junge Robbe sagte sich, daß das ja ein ganz famoses Spiel sei. Gelang es chr, mitten in einer Gruppe von Pinguinen emporzutauchen, banjt hatte sie einen Punkt gewonnen, hatten sich die Pinguine in Sicherheit gebracht, dann bekamen sie einen Punkt. Stundenlang konnte man so weiterspielen. Da die Pinguine ihr, soweit ich es seststellen konnte, eine Menge Punkte abgewannen, hatte sie allen Anlaß, sich weiter tüchtig anzustrengen, um zu gewinnen, lieber diesem Zeitvertteib vergaß sie alles andere: Mutter und Vater, die sie sicherlich angsterfüllt jenseits der Felsschranke suchten, die beim Zufückebben des Wassers jetzt als unüberschroimmbare Mauer aufragte; die Art und Weife, wie sie in das Becken hereingelangt war; und was am wichtigsten war, wie sie wieder hinausgelangen sollte.
(Fortsetzung folgt.)
eine weit entfernte ynsel zurück und fetzt sieht man sie nur noch selten bei der Pinguininsel.
Dennoch stellen sie sich bann und wann em.
An einem Morgen während meines dortigen Aufenthaltes kam eine ganze Robbenfamilie Über das Überflutete Riff in die Bucht geschwommen, in der ich vor mehreren Monaten selbst gelandet war. Dort war das Wasser ruhig, und die Robben-Eltern sanden anscheinend, daß dies ein einladender Ruheort sei. Träge schwammen sie umher und erfreuten ich des Sonnenlichts und des friedlichen Wassers.
Aber man weiß ja, wie es ist, wenn sich auf einem Ferienausflug Vater und Mutter in einem hübsch ruhigen Winkel gemütlich niedergelassen haben: die Spröhlinge machen sich unweigerlich davon und ttften Unheil an. ,
In diesem' Falle war nur ein Sprößlmg da» doch Lasur ein um |0 abenteuerlustigerer, der seinen Eltern, nach diesem einem Mal zu urteilen, icher oft genug Sorgen machte. Kaum waren die alten Herrschaften omeit eingenickt, daß sie nicht mehz gehörig aus Um aufpasjen konnten, o begab er sich auf Entdeckungsreifen und schwamm durch die Bucht an dem Sandstrand vorbei, der den natürlichen Landungsplatz »Orient, bis zu den Felsen hinüber. An dieser Stelle zieht sich eine Felswand entlang, die einen Tümpel umschließt — „die Lagune" nannten wir ihn; — dort war das Wasser jederzeit ruhig und die Pinguine badeten dort besonders gerne. Bei Ebbe ragt der Felskamm hoch aus dem Wasser auf und wehrt so allen nichtgeflügelten Tieren den Zugang oder Ausgang; bei Flut aber wird die Schranke überspielt und dre Wogen tragen alles Schwimmende leicht darüber hinweg.
Die junge Robbe kam bei Flut über den Felskamm. Wie das genau ,uging, kann ich nicht jagen. Sicherlich erzählte sie ihren Eltern hinter- >er, daß die Wellen sie einfach hinübergeworfen hätten und sie nichts dafür konnte; ich glaube aber, dah sie unnötig nahe heraugefchwommen kam, um auszuprobieren, ob das geschehen würde oder nicht. Kurz und gut da war sie nun in dem Becken, und eine solche Gelegenheit zu weiteren Entdeckungen kann sich natürlich kein junges Lebewesen ent- gehen lassen. So ging unsere Robbe an Land und schob sich mit ihren langsamen rollendert und klatschenden Robbenbewegungen die Felsen hm- aus, bis sie mehrere Meter landwärts gekommen war.
Eine derartige Fortbewegung aber ist (zumal wenn es sich, wie hier anzunehmen war, um den ersten Landausflug handelt) recht anstrengend, und bald legte sich die junge Robbe auf einen glatten Felsen zum Ausruhen nieder. In der Ferne gewahrte sie eine Reihe Heiner Geschöpfe — Vögel wie es schien — zum Teil im Wasser, zum Teil auf dem Lande; aber um Vögel kann eine Robbe sich natürlich nicht scheren, zum mindestens nicht, wenn sie müde ist. Die gähnte also zweimal und gab sich dem Schlafe hin.
Als sie auswachte, sah alles noch ziemlich rote vorher aus, nur war sie nicht mehr allein. Ringsherum standen Pinguine, die sie voller Inter- esse unverwandt anstarrten. Das waren gewiß die Vögel, die sie früher am Tage von weitem gesehen hatte. Da sie draußen aus hoher See oft.Pinguinen begegnet war, wußte sie einigermaßen Bescheid über sie: es waren alberne Geschöpfe, mit denen sich nichts anfangen ließ. So kratzte sie sich nur mit einer Flosse an eine Stelle, wo es sie gerade juckte, gähnte ein paarmal, streckte sich lang aus und schlies von
die Bucht zurück. , , ,
Nur wenige Pinguine baden jetzt noch, der Strand aber ist mit ihnen überjät. Außer denen, die ins Meer hinausgejchwommen sind, sind fast alle wieder an Land gegangen und verleihen dem Sandstrand ein ganz eigenartiges Aussehen. Alle die Tausende von Pinguinen, die diese kleine Bucht füllen, liegen langausgeftrerft da, entweder schon schlafend ober kurz davor. Und genau ebenso sieht es um diese Stunde an den verschiedenen andern laubigen Stranbpartien aus. Die Nistkolonien liegen verhältnismäßig verlassen ba, bie Buchten aber sind gedrängt voll schlafender Pinguine. , . _ ,,
Die ganze heiße Tageszeit verschlafen sie so tm Sand, und erst wenn bie Abendkllhle anhebtf steht einer um ben andern auf. Gern wird noch ein zweites Erfrifchungsbad genommen, bann beginnt ber Rückmarsch. Von neuem formiert sich die endlose Prozession und wächst an Zahl, je mehr Schläser erwachen, und bald ist der Weg über Fels und Sand wieder von der vorrückenden Kolonne bedeckt. Wie sie dahinwapdern, den Rücken ber See zugewandt, fällt das Licht der Sonne auf die Helle Brust dieser Tausende von sonderbaren kleinen Gesellen und verwandelt ihr weißes Gefieder in Silber. Mit einem Male ist es, von vorn betrachtet, ein Zug von schneeweißen Vögeln. Schritte man freilich hinter ihnen her, so sähe man ein völlig anderes Bild: schwarze Rücken und Kopse, die in scharfem Schattenriß vor der untergehenden Sonne auf und niedertanzen.
Zwölftes Kapitel.
Eine Robbensamilie. — Der hoffnungsvolle Spröhling. — Die „Lagune". Zeitvertreib. — Gefangen. — Die hilfreiche Flut.
In früheren Zeiten und vielleicht sogar noch vor vierzig Jahren war die Insel der Pinguine die Heimat von Robben. Doch bas Geschick ber Robben war hart: sie trugen ein Fell, bas ber Mensch hoch bewertete, und bie Fischer glaubten allgemein, wenn auch ganz fälschlicherweise, daß sie große Mengen von Fischen verttlgen. Aus biesen beiben Gründen würbe ihnen ber Krieg erklärt, und ba bie Insel verhältnismäßig leicht zugänglich war, beschlossen bie Robben alsbald vernünftigerweise, sich eine entlegene« und sichere Heimat auszusuchen. Sie zogen sich daher auf
6er Detrlebmacher, der zu rufen scheint: „Kommt einmal alle miteinander her, wir machen eine Gaudi!"
Alle sind sie ba, alle... *
Der Vater, ben wir während dieser Abschweifung seinem Schwatz mit Freunden überlassen haben, stellt jetzt fest, daß es Zeit zum Baden für ihn wird, und geht zum Wasser hinunter. Ein paar Schritte seewärts, bann läßt er sich auf bie Brust nieber, treibt davon ... und plötzlich ist er unversehens tauchend verschwunden. Erst ein paar Minuten spater erscheint er wieder, fast zweihundert Meter weit draußen wie ein dunkler ^Nun“fteuert «“'quer^urd) bie Bucht und lanbet am Rande des Strandsands. Selbst hier ist ein Vorposten von Pinguinen, und er muß sich zwischen ihneck hindurchdrängen, vorbei an welchen, bie eben oom Baden kommen und ihre Febern schütteln, vorbei an andern, die sich den Schnabel auf der Brust putzen, gleich sonderbaren lebendigen Fragezeichen, vorbei an Faulenzern im Sonnenbad, an schwatzenden und zärtlichen und streitsüchtigen Paaren bis hin zu den hohen Felsen, die die eine Seite der Bucht umrahmen. . ,
Hier ist bas Wasser bewegter und Gischt spritzt auf — eine herrliche Stelle zum Springen und Tauchen. Den Pfad entlang, ben Generationen leibenschaftlicher Hochspringer unter ben Pinguinen ausgetreten haben, spaziert unser Familienvater über die großen glatten Uferfteme, und es ist fast zu fürchten, daß er dabei seine Familie im Augenblick völlig vergißt ober sich zum mindesten voll Gottvertrauen darauf verläßt, daß seine Frau schon auf die Kücken aufpaßt. Unterwegs bemerkt er ein paar Familien, die in felsigen Höhlen nisten, und andere, die ebenso so nahe am Wasser wie diese unter vorspringenden gelsleiften auf ihren Eiern sitzen. Doch er schenkt ihnen keine Beachtung, so sehr erfüllt ihn der Gedanke an fein Vorhaben und die Frage, ob er diesmal vielleicht von ganz oben abjpringen kann — aus fast sechs Meter Hohe.
Jetzt steht er am Rand des Felsenriffs. Unter ihm liegt von umbrandeten Felsen eingefäumt das Springbecken, wo er vollkommen sicher durch auffpritzenden Gischt in tiefes Wasser gelangen kann. Emen Augenblick dauert es, bis er fein Gleichgewicht hergestellt hat, dann springt er ab, mit ausgebreiteten Flossen und die Füße voraus — gerade ins Wasser hinab. Gleich beim Eintauchen legen sich die Flossen zum ersten Schwimmstoß nach hinten, während er unter dem Wasserspiegel ver- ^^Auch andere Pinguine springen von hier. Wohl über ein Dutzend steht am Felsrand beisammen, und gut bie Hälfte springt im selben Augenblick wie beim Start zu einem Wettschwimmen. Elegante unb graziöse Springer nach unseren Begriffen sind sie fteilich nicht. Mit heftigem Aufplumpsen lassen sie sich ins Wasser fallen. Aber sie ahnen ja auch nicht, daß ein Photograph danebensteht, und genießen ben Augenblick mit kritiklosem Vergnügen. , , _.
Selbst die Freuden des Springens aber vermögen nun unfern Familienvater nicht mehr viel länger im Wasser zurückzuhalten. Die Stunden verfliegen und er hat jetzt die Wahl zwischen zwei Dingen.
Erstens könnte man sich auf ben Fischfang begeben. Mehrere seiner Freunde sind bereits dahin unterwegs unb aus ber Bucht hinaus ins offene Meer geschwommen. Falls ihnen bas Glück günstig ist und sie rasch einen Fischschwarm sichten, können sie in ein bis zwei Stunden zurück sein. Andernfalls müssen sie einen halben Tag ober noch mehr opfern. Er fühlt sich oerfucht, ihnen zu folgen, anberfeits aber ist es noch nicht gar so lange feit feiner Mahlzeit, und fo beschließt er, vorläufig vom Fischfang abzusehen. Denn was seiner statt dessen wartet, lockt ihn wirklich bedeutend mehr. ,
Dieses Etwas ist nicht mehr oder weniger als ein wohltuendes Schläfchen, eine Siesta während der heißen Tageszeit. Nichts Gesünderes nach einem langen Bad! So schwimmt er in der Richtung auf bie Küste durch


