Ausgabe 
2.12.1938
 
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Verantwortlich; Dr. Hans Thhriot. Druck und Verlag: Brühlsche Unlversitätsdruckerei R.Lange, Gieße».

Oie MichSbauernstadt Goslar.

Bon Dr. Anneliese Rapmunt>.

jturje <jeit bevor Heinrich I., deutscher König aus sächsischem Ge­schlecht, im Jahre 924 mit den Ungarn zu Werla einen neunjährigen Wasfenstillstand schloß, gründete er am Nordrand des Harzes Goslar. Ursprünglich nur eine Schutzburg für die ringsum verstreut wohnenden Bauern und Waldleute, gewann der Ort in weniger als hundert Jabrcn Bedeutung als häufiger Sitz der Kaiser und Stätte berühmter Reichsversammlungen. Seine wachsende Blüte verdankt Goslar zu einem Tei! der zur Zeit Ottos I. erfolgten Entdeckung der Silberadern des Rammeisberges, die der Sage nach das Pferd des Jägers Ramm mit den Hufen aus der Erde scharrte, zum anderen dem Wunsche der säch- siüinn Kaiser, eine Residenz in ihrem heimatlichen Herzogtum zu be- sitz: i. Die fränkischen und staufischen Kaiser übernahmen diese Borliebe fi: Goslar als Erbschaft und erhoben die Stadt zu einem der bedeu- ti tcn Herrschaftssitze des Reiches. Der Bau der Kaiserpfalz, der be- re? von Heinrich II. in der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts be- g.j ien wurde, und des Domes sowie die Stiftung verschiedener Klöster uh . Georgenberg, Petersberg, Riechenberg und Neuwerk sind noch heute sich .-re Zeichen von Goslars einstiger Größe.

Ttr mächtige Saalbau der Kaiserpfalz, in langen Zeitabschnitten er­baut, vielfach erweitert, zerstört und wiederhergestellt, ist der älteste

und auch Richard Strauß ausrichtete. Trapps erste Werke sind, obschon ! der Welt teinesnegs verborgen gehalten, I T. Manuskript geblieben. Klavi-rstücke und Kammermusikwerke mit und ohne Klavier. Aus seinen (im Druck erschienenen) Liedern vp. 6 und 9 spr^t ein Komponist, der wohl gelegentlich die Straußtsche Geste annimmt. Aber welche Stimmung welch ein Farbenzauber welche plastische Me­lodik herrscht schon in diesen überlegen geformten Liedern Bon den vor dem Krieg gefchaffenen größeren Werken sei hier wenigstens das Nocturna für kleines Orchester op.13 erwähnt: ein zärtlicher, leidenschaftlich aufwallender Liebesgesang und zugleich eine Schöpfung, die bei aller Farbenpracht nach persönlicher Linienführung strebt. Diese zeigen auch seine ersten Sinfonien. Es Ist kein Zufall, daß Furt- wängier nach Ihnen griff. Ihre charaktervolle sich mmer mehr von Vorbildern lösende Musik, die ganz persönliche Art, wie h er die große Form wahrhaft erfüllt wird, hatten damals wenig Ebenbürtiges.

Die Musik desmittleren" Trapp trägt bei aller Geformthett noch ausgesprochen subjektive, der Spätromantik nahe 3üge. Das ze.^ nich nur seine vierte Sinfonie, sondern auch z. B. das V i o 1 i n - konzert op. 21. Es ist ein richtiges Solisten konzert, dabet aber auch eine dreiteilige, in einen Satz verschweißte und thematisch durchaus einheitliche Sinsonie mit leidenschaftlich bekennender, höchst reizvoller Tonlvratde. Aber schon im op. 25, einer Klaviersonatine, ist der Durchbruch zum Ueberpersönlichen erfolgt. Dieses Werk atmet reine Spielfreude, die sich motorisch in Passagen und Arabesken auslebt aber nicht im Sinne jenerneu'en Sachlichkeit unjellgen Angedenkens. Denn aus den Figuren taucht Immer wieder die Melodie auf, und in der Mitte sieht eine kontrapunktisch eingefaßte,barock ausgesponnene Arietta. Wie immer, wenn Trapp das Klavier verwendet, sind dessen Möglichkeiten meisterlich ausgenutzt. Das zeigt sich beim Klavierpart seines Klavierkonzertes op. 26, das in den leidenschaftlichen Ausbrüchen des ersten und in den weichen Naturstimmungen des zweiten Satzes wohl noch manches romantisch Bekennerische offenbart, im luftig grotesken letzten Satze aber einer zeitgemäßenMotorik huldigt. Einen Schritt weiter auf dem neuen Wege bedeutet das Divertimento op 2 7. Hier ist fast alles gelöste Heiterkeit und bedeutsames Spiel. Alte Formen mischen sich mit der Motorik und dem Klangwesen des modernen Lanzorchesters, und das Ganze ist getragen von pikanter Rhythmik und mufikantischem Schwung.

Wir sind bei dem Trapp vonheute" angelangt Gs_ ist der des op. 30 bis 35, jener Werke also, in denen traft der Persönlichkeit aus alt und neu etwas geschaffen wurde, das, organisch gewachsen, über Mode und Tageserfolg hinaus, jenegroße Gültigkeit hat, die uns er­laubt, hier von einem Komponisten zu reden, der den Stromnotwen­diger" deutscher Musik in unserer Gegenwart weiter führte. Da ist die sinfonische Suite op.3 0 mit ihrer konzertanten Musizlerseligkelt und der Neubelebung alter Formen, das Konzert für Orche ft e r op. 3 2 mit seiner melodieerfüllten, polyphon fo straff geführten, aber auch im lyrischen sich auslebenden Musik. Da ist die 5. Sinfonie op 33 ein klar und knapp geformtes, warm durchblutetes Meisterwerk, dessen aus einem Keim entwickelte, echt sinfonische Themattk sich kon­trapunktisch oder in leidenschaftlich aufblühendem Gesänge entfaltet und dessen männlicher, vom Pastoralen bis zum Hymnischen reichender Aus­druck überwältigt. Lebt tn den langsamen Sätzen dieser Werke das Sinnen und Singen ewig deutscher Romantik, so knüpfen die vier K1 av ie r st ü ck e op. 35 mit ihrer durchsichtigen Kontrapunktik an den Stil der Klaviersonatine op. 25 an, leben sich aber in seelenvoller Melo­dik aus.. Das Cellokonzert op.34 endlich Ist mit seinem herrlich musikaniischen Schwung und seiner einheitlichen sinfonischen Durch­formung ein restlos beglückendes Werk. Hier hat der durch Barock und Klassik gegangene Romantiker Trapp die ersehnteVerschmelzung von Inhalt und Form" erreicht.

Noch ein Letztes zur Wesensbestimmung des Komponisten: Er ist in seinen Mußestunden Maler, und seine keineswegs alltäglichen Land­schaften zeigen, daß die Farbe ihm nie Selbstzweck ist, sondern unter das Gesetz des Ganzen gestellt wird. Genau so ist es mit seiner Musik bestellt. Bei aller Besonderheit ihrer Klanggestalt und Farbgebung fällt st? nie ins Impressionistische. Auch dies ist ein deutscher Zug eines Musikers, der zu den stärksten Künstlererscheinungen unserer Tage zählt.

erhaltene große weliNche Bau Deutschlands und der Schauplatz be- deutender Ereignisse in der Geschichte unseres Volkes. Hier in der Gos- tacr Pfalz wurde jener Heinrich geboren, der in Canossa durch ferne Demütigung dem großen Papst Gregor VII. den schon gesicherten Sieg aus den Händen wand; in der utrichskapelle ruht in einem Stein* sarkophag das Herz seines Vaters Kaiser Heinrichs III. Lothar wieder aus sächsischem Hause, erhob Goslar zur Stadt, und wiederholt hielten die Kaiser in der Pfalz glänzende Reichsversammlungen ab. Bon hier aus forderte Friedrich Barbarossa Heinrich den Löwen vor (Bericht, mit dessen Geschlecht, den Welfen, ich erst Friedrich II. unter Ueberlaffung des Bergwerksregals von Goslar wieder ausföhnte. All diese Erinne­rungen werden lebendig angesichts des wuchtigen, breitgelagerten Baues, dessen beherrschende Lage auf einem Hügel vor dem großartigen Hinter­grund der dunklen Harzberge heute leider etwas durch die Kasernen- bauten beeinträchtigt wird. Man muß sich an deren Stelle den alten, 1819 wegen Baufälligkeit abgeriffenen Dom vorstellen, sicher 'eines der schönsten Werke frühromantscher Baukunst, um den überwältigenden Eindruck ahnen zu können, den die gesamte Anlage in jener Zeit auf die Menschen machte. Von dem Dom ist heute nichts erhalten als die sogenannte D o m k a p e 11 e, eine ehemalige Vorhalle mit großen bunten Steinfiguren im Giebelfeld, die aus einer weltentrückten Wen seltsam fremd auf uns herniedersehen.

Fremd und kühl erscheinen uns auch die Heiligen und Könige der Chorgemälde in der fast rein erhaltenen romanischen Neuwerkskirche, während sie tn der reichgeschmückten Frankenberger Ktrche viel von ihrer Strenge einbüßen, erheitert von dem schelmischen Lächeln der Barock* enget, die über der geschnitzten Kanzel ihr Wesen treiben.

Mit dem versinkenden Glanz der Hohenstausenzeit schwand die Be­deutung Goslars als Kaiserstadt. An die Stelle der Fürsten und großen Herren traten die Bürger, Kaufleute und Handwerker, die der wachsen­den Stadt ein neues Antlitz, die Zyge behäbigen Wohlstandes und bürgerlichen Selbstbewußtseins, gaben. 1281 trat Goslar der Hante bei, und die folgenden Jahrhunderte find die Zeit feiner höchsten Blüte. Die alte Stadt, wie sie sich heute unseren Blicken bietet, ist zum größten Teil damals entstanden. Stattliche Befestigungen mit starken Türmen, Wällen und Hßefjrgängen schützten die Bürgerschaft vor unerwünschten Eindringlingen, und hinter ihnen entfaltete sich der Reichtum der Stadt in prachtvollen Profanbauten des gotischen Stils und der Renaissance.

Mit Recht gilt noch heute Goslars Marktplatz als einer der schönsten alten Plätze Deutschlands. Das gotische Rathaus mit seinen spltzbogigen Arkaden und seiner schönen Treppe, überragt von den ungleichen Türmen der Marktkirche, zur Linken die Kaiserworch, das ehemalige Gildehaus der Gewandjchneider mit seinem Erkerturm und dem be­rühmten Dukatenmännchen, umschließen mit den benachbarten Häusern einen kleinen Platz, dessen strahlenförmiges Pflaster zum kräftigen Erz- decken des alten Marktbrunnens hinführt, der auf gedrungenem Schaft einen wunderlich sich spreizenden Reichsadler trägt. Im Huldigungssaal des Rathauses, jenem einzigartigen kleinen Wunderwerk mittelalterlicher Jnnenausfchmückung, verhandelten die Bürgermeister und Ratsherren der Stadt mit hohen Fürstlichkeiten und kredenzten ihnen den Will- kommstrunk aus der berühmten Bergkanne aus Goslarer Silber.

Die Straßen und Gäßchen' um den Markt zeigen eine Fülle der schönsten Fachwerkhäuser im Sill der ausgehenden Gotik bis zum Barock. Neben den berühmten Patrizierhäusern wie dem Brusttuch, dem Siemenshaus, dem Mönchehaus usw. stehen eine große Zahl kleinerer unt> kleinster Häuschen, die Goslar den unvergleichlichen Reiz einer mittelalterlichen Stadt geben. In den Formen der Ausschmückung offen­baren sich nicht nur die verschiedenen Stilepochen, sondern auch Reich­tum und Einfachheit, Ernst und fröhliche Laune, ja mitunter ein recht derber niedersächsischer Humor. Der Grundriß der Häuser ist dem nieder­sächsischen Bauernhaus verwandt, die Schieferbedeckung der Dächer und auch der Giebelflächen und Seltenwände für Goslar typisch.

Nicht nur am eigenen Haus, sondern auch in wohltätigen Stiftungen zeigt sich der Reichtum und zugleich die Frömmigkeit der Bevölkerung. Das Große Heilige Kreuz mit feinem malerisch vorspringenden Giebel ist eine Stiftung des Stadtrates, das St. Annen-Stift und das. Kleine Heilige Kreuz dagegen find Stiftungen wohlhabender Bürgerfamilien; sie dienen noch heute ihrem ursprünglichen Zweck. An diesen Stiften wie an den Kirchen und Klöstern, die sie mit freigebiger Hand aus« schmückten, hing das Herz der Bürger; dennoch zögerten sie keinen Augenblick, alle vor den Toren liegenden Kirchen und Klostergebäude zu zerstören, als das Wohl und die Freiheit der Stadt es erforderten. Das war im Jahre 1527, als der Braunschweiger Herzog, neidisch auf den Reichtum der Stadt, vor den Toren stand, um ihre Selbständigkeit zu vernichten. Von Kaiser und Reich verlassen, flüchtete Goslar zum Schmalkaldener Bund und geriet so unabsichtlich in die Wirren des Dreißigjährigen Krieges. Von den Folgen seines unglücklichen Aus­ganges hat sich Goslar nie wieder erholt, seine Blütezeit war vorbei, es wurde eine von den vielen kleinen stillen Städten, an denen die Jahr­hunderte spurlos vorbeizugehen scheinen.

Erst in unseren Tagen hat Goslar erneut Bedeutung erhalten durch die Ernennung $ur Reichsbauern st ad!. Alljährlich einmal ver­sammeln sich in Goslar die Spitzen der bäuerlichen Organisation aus ganz Deutschland, um hier die richtunggebenden Anweisungen für das nächste Jahr zu erhalten. Gleichzeitig hat sich durch die Wiederaufnahme des Bergbaues eine starke industrielle Neubetebung bemerkbar gemacht. Lange schon ist Goslar ein bekannter Mittelpunkt des Fremdenverkehrs geworden, nicht nur wegen seiner eigenen Schönheit, sondern auch dank seiner zentralen Lage als Einfallstor in den Oberharz.