kam der Soldat
sie freundlich. , ., n
Es war zwar nur ein Dragoner, der im groben, mit weißem Lammfell gefütterten Pelz, die blaue Lagerkappe schief überm Ohr und einem Korb am linken Arm, über die drei Stufen herab in den Laden volterte. Aber die Kerzelmacherei von Sankt Stephan hatte schon feit
scmunenprall so heftig erschrak und den zu schon voichedachter Ausrede hi die Dachstube mitgenommenen Ziegelstein mit einem leisen Aufschrei aus die Stufen sollen lieh. Wo er erst landete, nachdem er den linken Fuß der Vielgratterin gröblich gestreift.
Diese Pein mag die Ueberlegungskraft der Alten so empfindlich gelähmt haben, dah es, als sie sich nach einem Schmerzensschrei wieder gefaßt hatte, zu nichts anderem reichte als zu dem giftigen Gefauch. „Kannst nit aufpassen, dumme Gans? Wo kommst denn du überhaupt 1)11 soll ich denn Herkommen? Das steht doch dieFrauTant. Aus der Dachstuben. Hab mir nur einen Ziegelstein g holt. Will ihn heisi- machen im Backofen, weil ich kalte Füh hab." Ihr Erröten konnte die Alte im Dunkeln nicht sehen. , , „ . ..
„Kalte Füh? In bei’m Alter!" erwiderte, immer noch grollend, Die Vielgratterin. „Du bist schon gang durcheinand!"
Doch das hörte die List schon nicht Mehr. Sie fegte bereits weiter die Treppen hinunter und in ihr Zimmer hinein weil von unten her anqelockt durch den über die Stiege rumpelnden Ziegel, Meister Aloisius Brand wutentbrannt.fragte, ob fein Haus eigentlich ein Narrenturm fei. Glauben könnte man es feit zwei Wochen. .
Die Alte nickte dazu, denn das hatte sie sich eigentlich auch schon 9eb$he Brand wieder in feiner Werkstatt verschwand, rief er noch erbost herauf: „Wo steckst denn überhaupt, Vielgratterin? Was bist denn wieder nit im Laden? Seit einer Viertelstund pumpert einer an der Tür. Grad, dah die Scheiben noch ganz blieben is!" ,
Die Vielgratterin dachte zwar, dah der Brand sich auch einmal selber in den Laden bemühen könnte. Aber so war er. In den Laden stellte er fick nicht. Nicht aus Hochmut. Aber er haßte das Geschwätz 6er Leute, die zwei Kerzen und einen Lebkuchen kauften und dafür noch eine Stunde unterhalten sein wollten.
Hinkend und vor sich hinschimpfend humpelte die Alte die Treppe hinunter, ging gehorsam in den Laden und sperrte aus. Dann knickste
'fein A'Ctt fei
„Der Herr Feldmarschall Daun selber, Frau Lebzelterin!" hatte der Kerl grinsend geantwortet. _ „ . . c
Ein Blinder hätte sehen können, dah er log. Trotz seinem Schafsgesicht, das er vorsorglich schnitt, merkte sie schon längst, dah er sie nur zum Narren hielt und ein ganz Schlauer war.
Darum versuchte sie es anders herum, mit allerlei Fallstricken und harmlos klingenden Fragen. Aber der Kerl ging ihr nicht auf den Leim. Jetzt nach zehn Tagen wußte sie immer noch nicht, ob er für einen General oder Obristen, für einen Rittmeister oder Leutnant kaufte oder doch das Zeug am End selber stoß. In Kriegszeiten hatten die Soldaten ja Geld. Wenigstens glaubte sie es. Weif nämlich der Vater des Brand einiges Geld aus seinen Feldzügen heimgebracht hatte, das er dann freilich an den Spieltischen und beim Weine wieder verloren, mochte sie sich übertriebene Vorstellungen von der Beute der Soldaten.
Immer wieder umstellte sie ihn mit fragen. Dabei merkte sie im Eifer des Ausfragens nicht, wie sie selber ausgefragt wurde. Etwa, ob die Demoifelle Brand verlobt oder verliebt sei oder sonst einen Schatz besitze. Wann die Frau Vielgratterin ihren Mittagsschlaf halte und ob die Demoifelle sie indessen im Laden verttete. Als sie seufzend erklärte, dah sie, Gott sei's geklagt, den ganzen lieben langen Tag aus den Beinen sein müsse, riet er dringend, der Mittagsruhe zu pflegen. Das erhalte Gesundheit und Leben. „Gleich um zehn Jahre jünger tötens aussehen, Frau Lebzelterin!"
Weih Gott, die Jugend hätte sie brauchen können. Manchmal auch die Gesundheit. Wenn auch die List, so die Frau Tank sie wieder einmal geärgert hatte und eine Freundin sie mit dem Hinweis auf das voraussickstlich baldige Hinscheiden der Alten zu tröften versuchte, mit ihrem kecken Mundwerk zur Antwort gab: „Die und sterben! Hundert Jahr wird der Drachen!"
Gebraucht hätte die Vielgratterin die Ruhe manchmal. Aber der Brand lieh ja die List nicht In den Laden. Er fürchtete, dah die schlanke, feine Gestalt der List und ihr hübsches Gesicht das Mannsvolk anziehen könnten wie der Zucker die Wespen. War schon mancher gute Apfel seiner Süßigkeit wegen durch die Wespen verdorben.
(Fortsetzung folgt.)
Lebzelten, Backblechs,i und Kerzen saß, wo er ein Klopfen an der Ladentüre nicht zu hören vermochte, baumelte immer häufiger eine Tafel , komme gleich" windschief an her Klinke der Türe. Doch war dieses .komme gleich" keineswegs wörtlich gemeint, denn es dauerte zumeist eine gute Stunde, bis die Vielgratterin wiederkam, und manchmal auch zwei. Solange wollten die Käufer nicht rparten.
Wenn dann einer der Kunden Aloisius Brand auf der Straße traf und ihm vorwurfsvoll berichtete, daß er am Vormittag, gestern oder vorgestern Lebzelten oder einen Wachsstock habe kaufen wollen, der Laden aber geschlossen gewesen wäre, gab's in der Wachszieherwohnung einen gewaltigen Tanz Zu einem tobenden Gewitter wurde er, wenn der be- schwerdeführende Kunde noch boshaft und anzüglich hinzugefügt: „Da hab ich die Lebzelten halt hinter den Tuchlauben im .Süßen Löchl' g holt, und find auch nit schlechter g'wesen als bei Ihnen, Herr Brand —" In solchen Augenblicken rasch entflammten Zornes konnte der sonst so sanfte Brand grob und kantig werden wie sein soldatischer Vater.
Dann kratzte sich seine Base und Haushälterin mit der Stricknadel un- schuldsvoll den strähnigen Schädel, schüttelte verwundert das Haupt und krächzte entrüstet: „Das muh akkurat in den fünf Minuten g wesen sein, wie ich für den Herrn Vetter den Salat bei der Fratfchlerm g holt hab am Graben. Akkurat! Muh denn der aber auch gleich ins ,Suhe Locht laufen? Freilich, weil dort a paar saubere Larven bedienen. »ojeibs ja, ihr Mannsbilder. Hätt doch auch warten können! Is doch eh die Tafel an der Tür g'hängt, komme gleichst"
Wenn der Aloisius Brand darauf unwillig meinte, daß den Salat schließlich auch die Lisl hätte holen können, fügte sie bissig hinzu: „Mit der is doch nix anzufangen seit zwei Wochen. Die hat doch grab so einen Grant wie der Herr Vetter selber!"
Und einen Grant hatte er wirklich, der Herr Vetter. Sogar die Lisi fuhr er jetzt an, die ihm doch sonst auf der Nase herumtanzen durfte. Wenn sie das für gewöhnlich auch nur sozusagen im zartesten Menuett- schritt tat Der Handschlag, mit dem er dem Kirndorfer versprochen hatte, seinem Franzi die List zu geben, verdarb ihm die Laune.
Das konnte die Vielgratterin nicht wissen und so dachte sie, ob es am Ende nicht doch etwas mit der Kaiserin gegeben habe, wegen des Modeaffen. Sie hatte ja der Lisl gleich gejagt, daß ihr die Scherben vorn Lebzeltenherzen kein Glück bringen würden. Oder ging der Brand am Ende auf Freiersfüßen, weil er gar so sonderbar war? Alt war er schließlich noch nicht. Das hätte der Vielgratterin gerade noch gefehlt: eine junge Frau im Haufe, und sie könnte dann ins Ältweiberstift gehen! Es war schon ein rechtes Kreuz mit den Kerzelmacherischen.
Entrüstet über das Unruhevolle und den Undank der Welt rannte sie wieder zur Nachbarschaft.
An den Abenden aber schlich sie immer eifriger und spähender aus wollenen Strümpfen über die Treppen, durch die kleinen Gange und Zimmer, horchte an den Schlüssellöchern, durchwühlte Schranke und Truhen und untersuchte Kleider, Handbeutel und den Muff ihrer Nichte. Sogar unter bas Kopfkissen der Schlafenden griff sie manchmal, ob sich darunter nicht ein Liebesbrief finde. Das war nicht fchwer. Trog ihrem Liebeskummer hatte Elisabeth Brand einen gottgesegneten Schlaf.
Doch alles Wühlen und Spionieren, alles Lauern an den abendlichen Fenstern der Wachszieherei brachte ihr nicht die Lösung des Rätsels, warum die List bald pfeifend und singend durchs Haus tanzte, bald mit verheulten Augen zum.Frühstück kam ober gar bas Gans! unb ben Karpfen verschmähte. .....
Daß seit einigen Tagen ein junger Offizier tm weilen, weißen Mantel der deutschen Reiter der Kaiserin allabendlich aus dem Stephansplag schräq gegenüber dem Wachszieherladen stand, zu einem Fenster des Nachbarhauses hinaufzustarren schien und unter ben wirbelnden Flocken allmählich zum Schneemann würbe, war ihr nicht weiter verdächtig Um so weniger, als sie nicht bedachte, bah bie Ker^lmacherei von Sankt Stevban sich mit ihrer linken Dachstube so bicht an das äußerste, von zierlichen Steingirlanden umrahmte Fenster des zweiten Stockes des Nachbarhauses lehnte, daß selbst ein schärferes Auge nicht zu unterscheiden vermocht hätte, welches der beiden Fenster der Offizier mit feinem Geäugel nun meinte. Es schien ihr ausgemacht, daß dieser Leutnant der Kaiserin einer der Verehrer der Komtessen sei, die nebenan wohnten. Auf diese Komtessen war sie ohnehin nicht gut zu sprechen, weil sie, wie sie sagte, dem Herrgott den Tag stahlen.
Die Erhaltung ihrer Tugend war der Katharina Vielgratterin schon darum nicht schwergefallen, weil diese Tugend ihr Leben lang niemand ernstlich bedroht hatte. Deshalb hielt sie mit dem Hochmut des Gerechten eine jede für ein abgefeimtes Frauenzimmer, der die Mannsbilder nach- schauten. Vor allem diese Komtesseln, die, wie sie wußte, in der Hofburg mit nackigen Schultern tanzten und denen man In ihren seidenen Toiletten den himmelblauen und rosaroten, blaßgrünen und goldgelben, bis zum Magen sah. Was die Vielgratterin wurmte, weil sich das bei ihr selbst in ihrer Jugend keiner gewünscht. ,
Daß sie mit ihrer Meinung über die Komtessen wieder einmal recht hatte, wie überhaupt sonst, erwies sich an einem dieser blauen, schnee- burchflimmernden Abenbe, an bem in weiten Bogen an bem aus dem Wohnzimmer gereckten Haupte der Vielgratterin vorbei eine rote Rose vor die Füße des lebendigen Schneemannes schwebte. Daß es in diesen Tagen schon die zweite war, die der Leutnant aus dem cchnee hob und zärtlich an die Lippen führte, wußte sie nicht. Aber schon biete eine Senbbotin her Sünde genügte ihr. Entrüstet unb wütenb zischte sie: „So ein Luder!" und schloß zur Bekräftigung zornig bas Fenster. Das war für bie Lisl em Glück.
So erbost war die Alte über bie vermeintliche Unmoral bes abeiigen Fräuleins, baß sich ihr auch jetzt bie Gedankenkette zwischen bem Offizier, der Rose unb her List nicht schloß, als sie hinaus auf die dunkle, nur von einem Nachtlicht biimmrig erhellte Treppe trat unb im gleichen Augenblick ihre Nichte, vam klirrenden Schlagen des Fensters "ufge° Ichesicht, über bie Stiege herunterhuschte. Das Versagen so naheliegenden unb folgerichtigen Denkens hatte feine Ursache freilich auch bann, daß auch bie Lisl "über diesen im Halbdunkel so plötzlich erfolgenden Zu-
polterte. Aber die Kerzelmacherei von Sankt Stephan Jahren keinen solchen Kunden gehabt. Seit zehn Tagen jeden Tag. Bald mittags, bald abends. Und immer packte er bann, wenn bas die Nachbarinnen der Vielgratterin auch nicht glauben wall en, den halben Wachszieherladen in feinen Einkaufskorb: ganze Schachteln voll Honigkuchen und Lebzelten, ein Dutzend Tüten mit Pstffernusien und Zuckerwerk und bie schönsten Kerzeln. Soviel kaufte nicht einmal bet Lakai bes Kaunitz, bes durchlauchtigsten Staatskanzlers der Kaiserin.
Seit einer Woche zerbrach sich bie Vielgratterin den Kops darüber, was der Soldat mit ben vielen Sachen nur wollte. Daß er gerne aß, sah man feinem rötlichen, wohlgenährten Gesicht wohl an. Manchmal chob er auch einen Honigkuchen, zweimal so groß wie seine Reitertatze, ins Maul. Aber vermutlich fraß er hoch weit lieber Knödel und Speck zu einer Kanne Bier oder einem ordentlichen Schnaps, als das fein« Backwerk. Was wollte er bloß damit? Jedesmal nach vollbrachtem Einkauf zog er einen Taler oder gar zwei aus feiner blauen Reiterhose und klatschte bas Geld so großspurig auf bie Labenpudel, als hätte er gerade einen reichen Juden erschlagen. Für sich jelber kauft« er bas Zeug dock sicher nicht. Die Vielgratterin konnte es sich schon denken für wen: wahrscheinlich für so einen Grasteufel von Leutnant, der bann in ben Nächten sein schamloses Weibsstück damit fütterte!
Schon am zweiten Tage hatte sie den Dragoner gefragt, wer denn
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