Ausgabe 
31.5.1937
 
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®ießener$amilienblätter

Unterhaltungsbeilage zum Gietzener Anzeiger

Jahrgang 1957

Montag, den 31. Mai

Nummer 41

Dee GteOlin

Vornan von Theodor Kontane

34. Fortsetzung.

Engelke stand verlegen da.

Nu, was hast bu? Bist du dagegen?"

Lnädger Herr, dagegen bin ich wohl eigentlich nich. Aber ich schlafe doch auch nebenan, und bann is es ja, wie wenn ich für gar nichts mehr ba wär und fast so gut wie schon abgesetzt. Und bas Kind kann doch auch nicht all das, was nötig is; Agnes is ja doch ne lütte Krabb." Ja, das is sie. Und du sollst auch in der andern Stube bleiben und alles tun wie vorher. Aber trotzdem, die Agnes soll kommen. Ich brauche das Kind. Und du wirst auch bald sehn, warum."

Und so kam denn auch Agnes, aber erst sehr spät, als sich Adelheid schon zurückgezogen hatte, dabei nicht ahnend, welche Ränke mittlerweile gegen sie gesponnen waren. Auf diese Verheimlichung kam es aber gerade an. Dubslav hatte sich nämlich wie Franz Moor an den er sonst wenig erinnerte herausgeklllgelt, daß Ueberraschung und Schreck bei seinem Plan mitwirken müßten.

Agnes schlief in einer nebenan aufgestellten eisernen Bettstelle. Dubs­lav, gerade so wie seine Schwester, halte das etwas auffällig heraus­geputzte Kind bei seinem Erscheinen im Herrenhause gar nicht mehr ge­sehen; es trug ein langes, himmelblaues Wollkleid ohne Taille, dazu Knöpfstiefel und lange rote Strümpfe, lauter Dinge, die Karline schon zu letzten Weihnachten geschenkt hatte. Gleich damals, am ersten Feier­tag, hatte das Kind den Staat denn auch wirklich angezogen, aber bloß f° still für sich, weil sie sich genierte, sich im Dorfe damit zu zeigen; jetzt dagegen, wo sie bei dem gnäbgen Herrn in Krankenpflege gehen sollte, jetzt war die richtige Zeit dafür da.

Die Nacht verging still; niemand war gestört worden. Um sieben erst kam Engelke und sagte:Nu, lütt Deem, steih upp, is all seben." Agnes war auch wirklich wie der Wind aus dem Bett, fuhr mit einem mit­gebrachten Hornkamm, dem ein paar Zähne fehlten, durch ihr etwas gekraustes langes Blondhaar, putzte sich wie ein Kätzchen und zog dann den himmelblauen Hänger, die roten Strümpfe und zuletzt auch die Knöpfstiefel an. Gleich danach brachte ihr Engelke einen Topf mit Milch­kaffee, und als sie damit fertig war, nahm sie ihr Strickzeug und ging in bas große Zimmer nebenan, wo Dubslav bereits in feinem Lehnstuhl faß unb auf seine Schwester wartete. Denn um acht nahmen sie bas erste Frühstück gemeinschaftlich.

So, Agnes, das is recht, daß du da bist. Haft du denn schon deinen Kasfee gehabt?"

Agnes knickste.

Nu setz dich mal ans Fenster, daß du bei deiner Arbeit besser sehn kannst; du hast ja schon dein Strickzeug in der Hand. Solch junges Ding wie du muß immer was zu tun haben, sonst kommt sie auf dumme Ge­danken. Nicht wahr?"

Agnes knickste wieder, und da sie sah, daß ihr der Alte weiter nichts zu sagen hatte, ging sie bis an das ihr bezeichnete Fenster, dran ein läng­licher Eichentisch stand, und fing an zu stricken. Es war ein sehr langer Strumpf, brandrot und, nach seiner Schmalheit zu schließen, für sie selbst bestimmt.

Sie war noch nicht lange bei der Arbeit, als Adelheid eintrat und auf ihren im Lehnstuhl sitzenden Bruder zuschritt. Bei der geringen Helle, die herrschte, traf's sich, daß sie von dem Gast am Fenster nicht recht was wahrnahm. Erst als Engelke mit dem Frühstück kam und die plötzlich geöffnete Tür mehr Licht einfallen ließ, bemerkte sie das Kind und sagte: Da sitzt ja wer. Wer ist denn das?"

Das ist Agnes, das Enkelkind von der Buschen."

Adelheid bewahrte mit Mühe Haltung. Als sie sich wieder zurecht­gefunden, sagte sie:So, Agnes. Das Kind von der Karline?"

Dubslav nickte.

Das ist mir ja ne Ueberraschung. Und wo hast du sie denn, seit ich hier bin, versteckt gehalten? Ich habe sie ja die ganze Woche über noch nicht gesehn."

Konntest du auch nicht, Adelheid; sie ist erst seit gestern abend hier. Mit Engelke ging das nicht mehr, wenigstens nicht auf die Dauer. Er ist ja so alt wie ich. Und immer raus in der Nacht und rauf und runter und mich umdrehn und heben. Das könnt ich nich mehr mit ansehn."

Und da hast du dir die Agnes kommen lassen? Die soll dich nun rum- drehn und heben? Das Kind, das Wurm. Haha. Was du doch alles für Geschichten machst."

Agnes", sagte hier Dubslav,bu könntest mal zu Mamsell Pritzbur in bie Küche gehn und ihr sagen, ich möchte heute mittag ne gefüllte taube haben. Aber nich so mager und auch nich so wenig Füllung, und

daß es nich nach alter Semmel schmeckt. Und bann kannst du gleich bei der Mamsell unten bleiben und dir ne Geschichte von ihr erzählen lassen, vom .Schäfer und der Prinzessin' ober vom .Fischer un fine Fru'; Rot­käppchen wirst du wohl schon kennen."

Agnes stand auf, trat unbefangen an den Tisch, wo Bruder und Schwester saßen, und machte wiederholt ihren Knicks. Dabei hielt sie das Strickzeug unb ben langen Strumpf in ber Hand.

Für wen strickst bu benn ben?" fragte die Domina.

Für mich.

Dubslav lachte. Adelheid auch. Aber es war ein Unterschied in ihrem Lachen. Agnes nahm übrigens nichts von diesem Unterschied wahr, sah vielmehr ohne Furcht um sich und ging aus dem Zimmer, um unten in ber Küche bie Bestellung auszurichten.

Als sie hinaus war, wiederholte sich Adelheids krampfhaftes Lachen. Dann aber sagte sie:Dubslav, ich weiß nicht, warum bu dir, so lang ich hier bin, gerade diese Hilfskraft angenommen hast. Ich bin deine Schwe­ster und eine Märkische von Adel. Und bin auch die Domina von Kloster Wutz. Und meine Mutter war eine Radegast. Und bie Stechtine, die drüben in ber Gruft unterm Altar stehn, bie haben, soviel ich weiß, auf ihren Namen gehalten unb sich untereinanber die Ehre gegeben, die jeber beanspruchen durste. Du nimmst hier bas Kind der Karline in dein Zimmer unb setzt es ans Fester, fast als ob's ba jeder fo recht sehn sollte. Wie kommst bu zu dem Kind? Da kann sich Woldemar freuen und feine Frau auch, bie so was .Unberührtes' hat. Unb Gräfin Melusinel Na, bie wird sich wohl auch freun. Und die darf auch. Ader ich wiederhole meine Frage, wie kommst bu zu dem Kind?"

Ich hab es kommen lassen."

Haha. Sehr gut; .kommen lassen'. Der Klapperftorch hat es dir wohl von der grünen Wiese gebracht und natürlich auch gleich für die roten Beine gesorgt. Aber ich kenne dich besser. Die Leute hier tun immer so, wie wenn du dem alten Kortschädel sittlich überlegen gewesen wärst Ich für meine Person tann's nicht finden und sagte dir gern meine Meinung darüber. Aber ich nehme häßliche Worte nicht gern in den Mund."

Adelheid, du regst dich auf. Und ich frage mich, warum? Du bist ein bißchen gegen die Buschen, nun gut, gegen die Buschen kann man sein; und bu bist ein bißchen gegen die Karline, nun gut, gegen die Karline kann man auch sein. Aber ich sehe dir's an, das Eigentliche, was dich auf­regt, das ist nicht die Buschen und ist auch nicht die Karline, das sind bloß bie roten Strümpfe. Warum bist bu fo sehr gegen bie roten Strümpfe?"

Weil sie ein Zeichen finb."

Das sagt gar nichts, Abelheib. Ein Zeichen ist alles. Wovon sind sie ein Zeichen? Darauf kommt es an."

Sie sind ein Zeichen von Ungehörigkeit und Verkehrtheit. Unb ob du nun lachen magst ober nicht (benn an einem Strohhalm fleht man eben am besten, woher der Wind weht), sie sind ein Zeichen davon, baß alle Vernunft aus der Welt ist und alle gesellschaftliche Scheidung immer mehr aufhört. Und das alles unterstützt du. Du denkst wunder, wie fest bu bist; aber bu bist nicht fest unb kannst es auch nicht fein, benn bu steckst in allerlei Schrullen und Eitelkeiten. Und wenn sie dir um ben Bart gehn ober dich bei deinen Liebhabereien fassen, dann läßt du bas, worauf es ankommt, ohne weiteres im Stich. Es soll jetzt viele solche geben, benen ihr Humor unb ihre Rechthaberei viel wichtiger ist als Gläubigkeit unb Apostolikum. Denn sie finb sich selber ihr Glaubensbekenntnis. Aber, glaube mir, bahinter steckt der Versucher, und wohin der am Ende führt, das weiht du, soviel wird dir ja wohl noch geblieben fein."

Ich hoffe", sagte Dubslav.

Und weil du bist wie bu bist, freust bu bich, baß biefe Zierpuppe (schon ganz wie bie Karline) rote Strümpfe trägt unb sich neue dazu strickt. Ich aber wiederhole dir, diese roten Strümpfe, die sind ein Zeichen, eine hochgehaltene Fahne."

Strümpfe werden nicht hochgehalten."

Noch nicht, aber das kann auch noch kommen. Unb das ist bann die richtige Revolution, bie Revolution in der Sitte, bas, was sie jetzt das .Letzte' nennen. Und ich begreife dich nicht, baß bu davon kein Einsehen hast, bu, ein Mann von Familie, von Zugehörigkeit zu Thron unb Reich. Ober der sich's wenigstens einbildet."

Nun gut, nun gut."

Und da reift du herum, wenn sie den Torgelow oder den Katzenstein wählen wollen, und hältst deine Reden, wiewohl bu eigentlich nicht reden

Das is richtig. Aber ich hab auch keine gehalten .. ."

Und hältst deine Reden für König und Vaterland und für die alten Güter und sprichst gegen die Freiheit. Ich versteh dich nicht mit deinem ewigen .gegen die Freiheit'. Laß sie doch mit ihrer ganzen dummen Frei­heit machen, was sie wollen. Was heißt Freiheit? Freiheit ist gar nichts; Freiheit ist, wenn sie sich versammeln und Bier trinken und ein Blatt gründen. Du hast bei den Kürassieren gestanden und mußt doch wissen.