Montag, -en 3. Mai
Nummer 34
Jahrgang 1937
Roman von Theodor Fontane
Küss' die Hand
oanes/S r Sache daraus zu sagen habe, das ist das. Ich pictä^y- i jemand Briefbeschwerer heißt, und überlaß' es
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Das Feuerversicherungsmännchen aber, das zufällig so sonderbar hieß, das mar so dünn wie'n Strich."
„Ja, Dubslav, was soll das nun alles wieder? Du gibst da deinem Zeisig mal wieder ein gut Stück Zucker. Ich sage Zeisig, weil ich nicht verletzlich werden will."
»er ein Kugelmann sein will. Aber ich habe sehr iefbeschwerer, nu, das ist bloß ein Zufall, Melu-
Schwiegeroater ihren ricyngen mien «ui«
Sie ging aus ihn zu und küßte ihm die Hand.
Dann bin ich beruhigt", wiederholte der Alte. „Melusine gefallt fast' immer. Aber manchem gefällt sie freilich auch nicht. Es gibt so viele Menschen, die haben einen natürlichen Haß gegen alles, was liebenswürdig ist, weil sie selber unliebenswürdig sind. Alle beschränkten und aufgesteifte'n Individuen, alle, die eine bornierte Vorstellung vom Christentum haben — das richtige sieht ganz anders aus —, alle Pharisäer und Gernegroße, alle Selbstgerechten und Eitlen sühlen sich durch Personen wie Melusine gekränkt und verletzt, und wenn sich der alte Stechlin in Melusine verliebt hat, dann lieb ich ihn schon darum, denn er ist dann eben ein guter Mensch. Mehr brauch ich von ihm gar nicht zu wissen Uebrigens könnt es kaum anders sein. Der Apfel fallt nicht weit vom Stamm. Aber auch umgekehrt: wenn ich den Apfel kenne, kenn ich auch den Stamm ... Und wer war denn noch da? Ich meine, von Verwandtschaft?"
„Nur noch Tante Adelheid von Kloster Wutz", sagte Armgard.
"Das ist die Schwester des Alten?"
,'Ia. Papa. Aeltere Schwester. Wohl um zehn Jahr älter und au-b nur" Halbschwester. Und eine Domina."
„Sehr fromm?"
„Das wohl eigentlich nicht." , , „
''Du bist so einsilbig. Sie scheint dir nrcht recht gefallen zu haben. ^Nun,°Melusine,^ dann sprich du. Nicht fromm also; das ist gut. Aber "^.Fast könnte man's jagen", antwortete Melusine. „Doch paßt es
nen Woldemar daneben denke! Der is ja solcher ang an verloren. Eh er noch weiß, was los ist, itzdem er doch bloß ihr Schwager ist. Oder viel- ,. Und dazu das ewige Sichbiegen und -wiegen ie zum Beweise, daß es mit der Schlange denn , Und wie sie nun gar erst mit dem Lorenzen der ist womöglich noch leichter zu fangen als immer an wie ne Offenbarung. Und sie ist s kein Zweifel. Aber wovon?"
Hochzeit.
32. Kapitel.
Zu guter Zeit waren die Reisenden wieder in Berlin zurück. Woldemar hatte Braut und Schwägerin bis an das Kronprinzenufer begleitet, mußte jedoch auf Verbleib im Barbyschen Hause verzichten, weil im Kasino eine kleine Festlichkeit stattfand, der er beiwohnen wollte.
Der alte Graf ging, als unten die Droschke hielt, mühsamlich auf seinem Zimmerteppich aus und ab, weil ihn sein Fuß, wie stets, wenn das Wetter umschlug, mal wieder mit einer ziemlich heftigen Neuralgie quälte.
„Nun, da seid ihr ja wieder. Der Zug muß Verspätung gehabt haben. Und wo ist Woldemar?"
Man gab ihm Auskunft und daß Woldemar wegen seines Nichterscheinens um Entschuldigung bäte. „Gut, gut. Und nun setzt euch und erzählt. Mit dem Conte, das ließ damals allerlei zu wünschen übrig .. v^eih, Melusine. Da möcht ich denn begreiflicherweise, daß
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kotten Ä uni) eig^ M dem elfen auf »er weiß weit oben ’Mpänen* Denn tüt und h» blieb uet e fertigen mmt. Di, Witterung, Ken alten Leute sind tlid) einet schneiden, den. ’Rein, doch eint Plan ini kennen di, >m Hörem man nie!
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wie die Komtesse sind verwöhnt: das merkt man. Aber ich mochte sagen, je verwöhnter sie find ..."
„Desto besser gefallen sie dir. Das sieht dir ähnlich. Ich liebe mehr unsre Leute. Beide sind doch beinah wie Fremde."
„Nun, das ist nicht schlimm." _ .,
„Doch. Mir widersteht das Fremde. Laß dir erzählen. Da war ich vorigen Sommer mit der Schmargendorf in Berlin und ging ju Josty, weil die Schmargendorf, die so was liebt, gern eine Tasse Schokolade trinken wollte."
„Du hoffentlich auch."
„Allerdings. Ich auch. Aber ich kam nicht recht dazu, nippte bloß, weil ich mich über die Maßen ärgern mußte. Denn an dem Tische neben mir saß ein Herr und eine Dame, wenn es überhaupt eine Dame war. Aber Engländer waren es. Er steckte ganz in Flanell und hatte die Beinkleider umqekrempelt, und die Dame trug einen Rock und eine Bluse a_ r , , — <x„r, k„h» -in Windlviel. das immer
Gießener zaimIienbMer
Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger
"Unt)( Sch^t"en"wewl?ch . Ach, Adelheid, wir kötmen uns über so was nicht einigen. Ich gelte schon für leidlich altmodisch, aber du, du bist ja geradezu petrefakt." . „
„Ich verstehe das Wort nicht und wünsche nur daß es etwas ist dessen du dich nicht zu schämen hast. Es klingt fonderbar genug. Abe ich weih, du liebst dergleichen und liebst gewiß auch (und hast so deine Vorstellungen dabei) den Namen Melusine.
„Kann ich beinah Jagen."
"la, Schwest^er^du hast gut reden. So sicher wie du, wohnt eben nicht jeder. Adelheid! dos ist ein Name, der paßt tmE. Und im Kirchenbuche wie mir Lorenzen erst neulich gezeigt hat, steht sogar Adelheid«^ Da- Schluß-,e< ist bei der schlechten Wirtschaft tn unserm Hause so mit draus- gegangen. Die Stechline haben immer alles„ vermocht.
.Ich bitte dich, wähle doch andere Worte. , . .
„Warum? Vermischt ist ein ganz gutes Wort. Und ^h^dein, schon der alte Kortschädel sagte mir mal, man müsse gegen Wörter nicht s streng sein und gegen Namen erst recht nicht, da sltze manch einer m einem Glashause. Hältst du Rentmeister Fix für einen schonen Namen? Und als ich noch bei den Kürassieren in Brandenburg war m meinem letzte Dienstjahr, da hatten wir dicht bei uns einen kleinen Mann von der Feuerversicherung, der hieß Briefbeschwerer. Ja Adelheid wenn i ch d e m gegenüber so verfahren wäre, wie du jetzt m,t Gräfin Melusine, so hakt ich mir den Mann als eine halbe Bombe oorftellen müssen o „ . . Kugelmann. Denn damals, es war anno vierundsechzig, waren alle.Brief beschweret bloß .Kugelmänner’: ne Mmtenkugel oben unb ^roei SIm en kugeln unten. Und natürlich ne Kartatschenkugel als Bauch m der JJUtte.
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I, und ich kann dir bloß sagen, diese Melusine iusine. Alles an dieser Person ..." ieib ..."
te, wenn sie durchaus so etwas fein soll, ist ver- was von Koketterie noch nie gesehn. Und wenn
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b, unb mit tnmer ganjf mußte bei mit Wasse, >n Meilen litten hol) i noch rech! ter, Reisig .fiten. Dem >n aus, bit hi sehr auf' • brach em| n-®lü(t bei, iratf) banadi chen wollte! m zu och' verbrannte wenn nich Wenn ab« ibergeschH . tarnen °> mit aroße> ilche ®agen t tonnte e> nq war, un> lob Da ®°'
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