Jahrgang <937
Hreltag, den 2. Juli
Nummer 50
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panien, gewiß. Aber nicht das war es, was mir :r Seele lag. Es war dieses Unbestimmbare, atzende, das sich mit einemmal wieder vor mir
es Gasthofes „Zur Sonne von Austerlitz" ließ igen Wirt Hammelbraten und Käse austragen roten Wein aus Bordeaux. Der Abend war ___i der Hornsignale von der Festung. Ich wußte ■ aß, nur den roten Wein spürte ich, wie er
■ iete und das Hirn wach machte. Es war nötig,
M X/l\\ die zuerst wie betäubt waren und jetzt doch
„ „ , -n. Sie belebten sich, sie schossen durcheinander,
sie suchten nach einem Sinn des Geschehenen.
Wse war das nun mit dem Brief? Immer wieder kehrten die Gedanken zu diesem Punkt zurück. Woher hatte Napoleon mit solcher Sicherheit um meinen Bries gewußt? Schaudernd sah ich in einen Abgrund von Gefahr. Wenn der Brief nun wirklich das enthalten hätte, was in ihm nach den Andeutungen der Auftraggeberin gestanden haben mußte? Ob Napoleon auch dann gegen die Kunst und den großen Meister Rücksicht geübt hätte?
Ich konnte zu keinem Ende kommen. Vielleicht war es besser, schlafen zu gehen, diese Angst mußte in die Schleier des Schlummers gehüllt werden.
Ich lag schon im Bett, da polterte es noch einmal die Treppe hinauf und trommelte an meine Tür. Der Wirt brachte eine Ordonnanz aus der kaiserlichen Kanzlei, und die Ordonnanz hatte einen Paß für mich und den Auftrag, morgen mit Tagesanbruch die Rückreise anzutreten.
Gut. Morgen also, das stimmte genau mit meinem Wunsch überein, der meine Heimkehr möglichst beschleunigen wollte.
Warum hatte man mich überhaupt hierher geschickt? Das war nicht herauszubringen. Und der Brief — wie war das doch mit dem Brief? Aber auf einmal, schon im Einschlafen, gab es einen Knacks in meinem Hirn, und wie durch ein Guckloch sah ich hell beleuchtet eine Bewegung, eine Stirn und eine Hand: einen Brief und die Bewegung, mit der die Hand den Brief an die Stirn legte. Der Doktor Siebold! Wieder
das Löwengesichk |iet|a)te miet) an, eine fürchterliche yroge, grinsens vor Blutgier
Ich schlug wohl mit dem Arm um mich, eine Wasserflasche klirrte zu Boden — Gott sei Dank, das Löwengesicht war fort. Dunkelheit, nur gute, nicht feindliche Dunkelheit, Behagen des Bettes für den ermüdeten Körper. Vielleicht war nur der Bordeaux etwas schwer gewesen — ... man mußte sich das merken, Bordeaux erzeugt Löwengesichter ... *
Es zeigte sich, daß die Uebersendung des Passes mehr gewesen war als eine übertriebene Zuvorkommenheit. Ohne den kaiserlichen Namenszug hätte ich wohl kaum Madrid erreicht, selbst mit ihm gab es alle Spannen lang Aufenthalte und Schwierigkeiten.
Alle Straßen waren voll marschierender Truppen, Napoleons Armeen hatten sich in Bewegung gesetzt, um die Corps Dupont und Moncey, die schon im Land standen, zu verstärken. Wenn die Straße eine Anhöhe erklomm und man einen Ausblick hatte, dann sah ich oft weithin die Landschaft qualmen, das Maigrlln der Felder und Buschwälder war auf ganze Strecken durchzogen von Bändern von Staub, aufgewirbelt durch Tausende von Soldatenstiefeln und Pferdehufen und durch die Räder der Geschütze und Proviantwagen.
Ich wurde immer wieder von Patrouillen angehalten und scharf nach Wer und Was, nach Woher und Wohin befragt, bis ich mich schließlich.
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Ich dachte, daß meine Anwesenheit hier weiter nicht nötig wäre, und ging, da niemand auf mich achtete, still davon.
Ausdem Flur gesellte sich Escoiquiz zu mir. Vor einer halben Stunde ""‘"oanesZx " Nachricht von dem Ausstand gebracht, schon pictSW rkanzlei des Kaisers die Befehle an die Armeen, mb", seufzte der alte Herr, „den er gebraucht ske abwerfen und keine Rücksicht mehr nehmen, ’n für Spanien. Aber er irrt, wenn er glaubt, wird, uns feinem Willen zu unterwerfen."
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die königliche Familie in Bayonne malen zu dürfen. Vielleicht soll ich auch mit auf das Bild kommen? Diesen Brief hätten Sie nicht vor mir zu verstecken brauchen, Prinz Ferdinand! Welcher Blödsinn ist mir da hinterbracht worden? Murat ist ein Esel!"
Ich glaubte nicht recht zu hören. Was war das? Stand das in diesem Brief? Nichts von Ausharren, von äußerstem Widerstand, von unbedingter Weigerung abzudanken, von Berufung auf die heiligen Rechte der Selbstbestimmung einer Nation? Deckte sich der Inhalt dieses Briefes mit dem, was bloß Vorwand für die geheime Sendung gewesen war? Wozu dann das Ganze? Hatte man mich zum Narren gehalten, war ich einer Täuschung zum Opfer gefallen?
Ferdinand war der Lage nicht gewachsen. Er war nicht geistesgegenwärtig genug, sein eigenes maßloses Erstaunen zu verbergen, seinen Mienen war anzusehen, wie verblüfft und überrascht er war. Zum Glück beachtete ihn der Kaiser nicht, er riß Savary den Brief aus der Hand, das höhnische Lächeln war von seinem Gesicht wie weggewischt, der Zorn war wieder da und sprühte mich an. „Eine Komödie! Wie? Jawohl, eine lächerliche Komödie, um mich in Sicherheit zu wiegen. Ich will annehmen, daß Sie nichts davon wissen, daß Sie nur ein Werkzeug sind. Sie würden sich sonst nicht dazu hergegeben haben. Spanien sendet feinen größten Meister, um feine königliche Familie hier zu malen und inzwischen..."
„Inzwischen!?"
-■ Der Kaller hatte fick unterbrodjßn. Er stand knapp vor mir, eine lo-
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schäft, die ihm die Gurgel abschnürt. Ich bringe Spanien die Freiheit, und es empört sich gegen mich." ’
Das also war geschehen. Madrid in Aufruhr, Straßenkämpfe, Barrikaden, es ging wohl arg zu, bei solchen Tumulten kamen immer auch Menschen zu Schaden, die mit der Sache gar nichts zu tun hatten. Neugierige, Zuschauer, zufällig in den Wirbel Geratene — ob wohl Martina so vorsichtig gewesen war, das Haus nicht zu verlassen?
Der Kaiser war inzwischen wieder ganz ruhig geworden, sein Zorn schlug nicht mehr in Flammen aus. „Gehen Sie nach Madrid zurück, Meister. Die Kunst ist mir heilig. Aber jetzt ist wohl nicht die Zeit, große Repräsentationsgemölde einer königlichen Familie zu malen, deren Schicksal sich von dem Spaniens trennt. Gehen Sie, ich will annehmen, daß Sie nichts mit der Sache zu tun haben. Aber Spanien wird sich diesen zweiten Mai merken. Wir werden Ordnung machen. Jetzt habe ich genug von diesen Geschichten hier. Meine Geduld ist zu Ende. Wenn Sie, Prinz Ferdinand, bis Mitternacht nicht Ihren Vater als König anerkannt haben, so werde ich Sie wie einen Rebellen behandeln."
Die Königin kreischte auf. Ihr Gesicht war verzerrt wie das einer keifenden Straßendirne: „Dieser Undankbare, dieser Heuchler, dieser Lump! Schicken Sie ihn aufs Schafott, Sire!"
Der Kaiser sah Maria Luise eine Weile nachdenklich an. Dann wandte er sich zu Savary: „Welch eine Frau! Welch eine Mutter!" sagte er.
Gießener ZamilienbMer
Unterhaltungsbeilage zuin Eichener Anzeiger
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