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Endeslant war einige
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Worte, wir standen beide unter dem Schick- nicht den Sieg wünschen, aber ich konnte liebte wie einen Sohn, mir erhalten bleiben
1ÖU JIÖQä hast du?" fragte Siebold, als ich eintrat.
Ich reichte ihm die Rolle, die ich eben erhalten hatte.
Siebold las und stand auf. „Mach dich sosort fertig, Fuentes
Und nun geht's los, auch für mich", frohlockte Miguel und rüttelte an den Gitterstäben des Fensterkorbes, als wären es die Stabe eines Kerkers der Freiheit, der nun gesprengt werden sollte.
Die ruhige Zuversicht seines Wartens hatte sich in Ungeduld gewandelt. Er wanderte im Haus herum, er stand stundenlang am S)OV tor und schaute die staubige Straße entlang, die über das Dorf nach Madrid siihrte, er lief ein Stück des Weges in die Stadt und kehrte wieder um, voll Angst, die ersehnte Nachricht könnte wahrend seiner Abwesenheit eintrefsen. , ... , , .
Endlich konnte er mir mitteilen: „Es ist soweit! cheute nacht breche ich aus."
Es war am Abend desselben Tages, daß auch ich eine Botschaft bekam Ich -hatte einige Stunden an meinem Steintisch verbracht und mich bemüht, meine Bangigkeit durch Arbeit zu vertreiben. Als ich in der Dämmerung zum -aus zurückkehrte, trat mir bei einer Gruppe von Pinien plötzlich ein Mönch entgegen. Es war ein Dominikanermönch, und unter den Boten, die Fuentes empfangen hatte, waren so
„Sie sind unvorsichtig gewesen, Graf', sagte Siebold, al- Cndes-
viele Mönche gewesen, daß ich ohne weiteres annahm, er habe dem Freund eine Nachricht zu überbringen.
Sie suchen den Grasen Fuentes? fragte ich.
'llfi (U*e Sie" antwortete der Mönch. Er berührte mit einem Stab, um "den ein Papier gerollt war, leicht meine Schulter, streifte das Pa- p^r vom Stab und drückte es mir in die -and. Lautlos verschwand der Mönch in der Dunkelheit der Gebüsche. -
Es war ein seltsamer Bote gewesen, und es war eine seltsame Bot. schäft, die mich erzittern ließ.
Miquel hatte seine Vorbereitungen beendet und wartete nur auf mich. Er saß mit Siebold im kühlen Speisezimmer, ich 'm rw^n Jahr mit Fresken zu schmücken begonnen hatte, und sie hatten eine tanö Lrte zwilchen fl'Z aus der Miguel dem Doktor irgend etwas er-
rmt. »°»l halb um". .«.*« W4 -1* Hube Nachrichten bekommen, man braucht mich in Zaragossa.
’S esiaÄt"ändaß ich mich hier verstecke, jetzt, wo jeder ^Jch ^roufite? daß ^Fuentes nur um meinetwillen so lang geblieben roar bis ich mich mit meinem Schicksal abgefunden hatte. Es war ein ni-abes Opfer das mir (eine Freundschaft damit gebracht hatte, nun ßhim er wohl zu glauben, daß ich mein seelisches Gleichgew'ch wieder einigermaßen zurückbekommen hatte; ich durste ihn nicht halten
Wenige Tage später tarn eine kleine Schauspielertruppe auf ine | Wiese vor meinem Landhaus. Es war em herumziehendes Karren. theater wie sie bei uns von Dorf zu Dorf wandern, um die verstümmelten' und fast unkenntlich gewordenen Stucke unserer großen spa- nischen Dickter in volkstümlicher Vereinfachung zu spielen. Zwei b- gerackerte Maultiere zogen einen Wagen; wenn ein passender Platz erreicht war, wurden ein paar Bretter abgeworsen, über -olzbocke gelegt, ein Tisch und zwei Stuhle darausgesetzt und die Vorstellung konMe b^9^Qre ^(»-2 Trompeters machte mich austnerkfam, bas bunte Bild dieses Treibens zog mich an, ich mischte mich unter die Menge, die um die Bühne stand. Ich weih nicht mehr, welches Stuck sie damals spielten, aber plötzlich mischte der eine der Schauftneler unter die Verse, bie er sprach, etwas ganz anderes, was gar nicht zuseiner Rolle gehörte Er hatte einen Barbier zu geben, der wortreich und zungengewandt seinen Kunden während des Einseisens unterhalt.
Geben Sie acht, Sennor", sagte er, „ich habe Ihnen etwas zu sagen, was jedem guten Spanier Freude machen wird.
Dann sprach er wieder ein Stück seiner Rolle und fuhr dann sort: Wissen Sie schon, daß der General Dupont mit achttausend Mann bei Ballen eingejchlossen worden ist und die Massen niedergelegt hat. Er idiabte mit dem Messer an der Wange des Dasitzenden herum und fuhr eine Weile später fort: „Und drei Tage spater sind die Divisionen Vadel und Dufour mit über neuntausend Mann gefangen unb in Eabiz auf bie Schisse gebracht worben. Ach Sennor , schlaft „schabe, bah es kein Franzose ist ben ich hier so gut an ber Kehle habe, ich möchte auch gern etwas für das Vaterland tun.
Am Abend dieses Tages kam Endeslant, um Abschied zu nehmen. Das bayrische Regiment Prinz von Thurn und Taxis hatte Marsch befehl erhalten, es wurde nach Zaragossa geschickt, um Lesebvres Truvpen zu verstärken.
Wir machten nicht viel sal, ich konnte Endeslant möge^°Span?en^s'ollt" d?n'Feind vertreiben, auch ohne daß Melchior dabei zugrunde ging.
Tage fort, da begann eines Morgens ein großes' Glockenläuten ist der Stadt. Die Glocken hatten lange geschwiegen. Sie waren seit dem zweiten Mai trotzig verstummt, die
-auptstadt hatte ihre erzenen Stimmen den Landesfelnd nicht mehr
hören lassen wollen. Seit dem ©turmlauten jenes Schreckenstages riefen die Glocken zum erstenmal wieder von Turm zu Tunn. Die
gewaltigen Klänge, die selbst den -immel über meiner ländlichen Ein
samkeit dröhnend erfüllten, rüttelten mich auf. Ich glaubte zuerst, es fei wieder eine Empörung ausgebrochen; aber was die Glocken riefen, war nicht Not, sondern Jubel.
Fuentes kam atemlos aus der Stadt zurück Neuigkeiten, Fran- ceseo!", rief er, „Neuigkeiten." Er umarmte und küßte mich, er klatschte vor Freude mit der flachen -and an die Wand.
ndi wußte wenig von dem, was sich außerhalb der Umfassungsmauer meines Landgutes zutrug. Meinem Kummer hmgegeben hatte ich der Gespräche zwischen Miguel und Siebold nicht geachtet. Nun drang das Geschehen mit Macht auf mich em.Jene Niederlagen und Wassenstreckungen französischer Generale, deren Kunde durch wandernde Schauspieler und andere Boten von Ort zu Ort verbreitet wurde, hatten den Feind empfindlich geschwächt.
Dieser Joseph, der sich König von Spanien nennt", keuchte Miguel, hat' Madrid verlassen. Er sühlt sich nicht mehr fidjer genug in seiner Hauptstadt. Er weiß, daß er den Gebärden der Ergebenheit und den Beteuerungen der Treue seiner Untertanen nicht vertrauen darf, er ist zu wenig Soldat, um den Kampf auszunehmen. In der Nacht ist er mit seinen Franzosen aus Madrid abgezogen. Es heißt, daß er sein Hauptquartier nach Burgos verlegen roiri)/'
Das also war es, was bie wiedererwuchten Glocken übet ötoot uno
^Miguel nahn/dem Doktor das Papier aus ber -and und hielt unter bie Kerzenflammen.
„Die Inquisitionl" stammelte er.
Ja es war eine Ladung, mich nächsten Abend um neun Uhr Kloster San Jeronimo vor dem geistlichen Gericht einzusinden.
„Warum nur? Warum?" fragte Miguel bebend.
Es stand in ber Ladung nichts davon, welche Anklage gegen mich erhoben morben war. Es war mir nur für ben Fall meines Aus- bleibens bebeutet, daß ich ohne Gehör v^urtellt werden wurd-.W-r vruifcto mir in nenau um was es sich handelte. !/tun yaire
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S"6.*eÄ& Ä - ÄÄ «... brgch°ns gesetzt. Das geistliche Gericht war gegen mich aufgeboten, und es würde ohne Erbarmen und Rücksicht gegen mich emfdjre ten ba die Franzosen abgezogen waren, hatte es feine alte unheimliche Wacht roiebergeroonnen, seine Kerker waren wieder geöffnet, Segen sei Urteile gab es keine Berufung, vor ihrer Vollstreckung keine Rettung.
Auch Siebold hatte erraten, was diese Ladung zu bedeuten Ha ie (=;„ mirft ein neues Netz über dich, Francesco, und eines, dem nicht f'o leicht zu entkommen ist. Sie bewaffnet den gefährlichsten ^emd gegen dich Der Streich mit Avilas Mord ist ihr mißlungen. Die weltliche Macht ist harmlos und leicht abzulenken. Aber nun hat sie einem alten und erbitterten -aß den Weg gezeigt, dich zu vernichten.Sie haben es dir nicht vergessen, daß du sie Faultiere und Gespenster genannt hast. Alle Bosheiten, bie du gegen fte gezeichnet, radiert und gemalt hast haben sie sorgsam gesammelt, den Zerrbildern ihrer Laster und Fehler' haben sie das Gift ausgepreßt, das dann enthalten war, und haben es in jahrelanger Garung 3,u tobhdjer W'^ng Segen d ch sechst' gesteigert. Sie haben an dich nicht herankommen können. Er kennst du, wie geschickt die Singdogmo den Zeitpunkt gewählt hat, um sie gegen dich loszulassen?"
Das Löwengesicht?" fragte Miguel, „diese Isabel Calderana?
Isabel Calderana ist tot. Sie hat Madrid verlassen, sie ist verschwunden. Das -aus ist leer, die alte Pastrana hüte: ees nun 3 ab l ist in das Reich des Ungedachten zuruckgekehrt, in dieser Gestatt ist bie Singdogmo zerfallen und wird uns nicht mehr begegnen. Aber sie hat3 einen alten rachsüchtigen und blutgierigen Schatten belebt und seinem Willen, dir Uebles zuzufügen, ein Werkzeug gefunden, das zu
Miguel'sah^mich besorgt an: „Meinst du daß es jene alte Geschichte ist? Wollen Sie dich deshalb vor Gericht stellen?
Ja" sagte ich, „ich zweifle nicht daran. Es ist wegen Blandina. Ja "ich habe3 eine Nonne entführt, ich habe den heiligen Frieden eine Klosters entweiht und eine Braut Christi ihren Gelübden abwendig gemacht. Aber soll ich mein ganzes Leben deshalb Sutern rnusiem soll ich mich nie von dieser Schuld sreisprechen dürfen? Was kann ich da für, daß Blandina ins Kloster kam, ehe sie mich kennenlernte? Du hast recht, Miguel, die Zeit ist unser Schicksal! Kehr einmal den Vorgang um ' laß mich kommen, ehe die Klostertür hinter Blandina zuste wo' ist dann eine Schuld? Eine andere Schuld als b.e ^der anderen Liebe — wenn sie nicht bie große, einzige ist — daß he °ufflammt, batz sie eine Zeitlang brennt und bann verlischt? Fast jebe Liede ist wie ein Licht, sie lebt, indem sie sich selbst verzehrt. Ich habe Manbina verlassen, sie hat mich gesucht sie ist nur nachgewandert und ist ach bem Weg gestorben. Ich habe sie preisgeben müssen. Ich habe sie ochern rnüffen — meiner Freiheit unb meiner Kunst. Wenn eine Schu baran ist, so muß ich sie auf mich nehmen. Aber gerade wegen die er Schuld werbe ich ja nicht verfolgt. Sie wollen mich nicht deshalb strafe , weil ich bie Frau, bie mich geliebt hat, verraten habe, sondern well ich bie Gefangene eines Klosters befreit habe. Unb eben von dieser Schulb spreche ich mich selber frei."
„So gefällst bu mir roieber, Francesco!" sagte Siebold, indem er mich auf bie Schulter schlug.
Es war, weiß Gott, eine völlige Wanblung mit mir vorgegangen. War ich nicht die ganze Zeit über wie betäubt gewesen unb rote ge lähmt durch bie Tage geschlichen, als hatte mir ein Vampyr das Blut ausgesaugt? Ich hatte den Kopf hängen lassen, ich hatte mich 8er9r“be^ anstatt mich den Ereignissen innerlich entgegenzustemmen und den Drucr abzuschütteln. Wenn das Löwengestcht ober wer schon immer gj* hatte mich durch ben neuen Angriff noch mutloser zu mache»y so follt« das ein Irrtum gewesen sein. Ich war durch den Z°rn wachoerutte ^ ich stand plötzlich wieder fest in meinem alten Selbst, ich wollte Kamps ausnehmen.
(Fortsetzung folgt.)


