Ausgabe 
30.4.1937
 
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Die Arbeit.

Von Paul E r n st.

Die Morgensonne hell scheint in die Kammer, Nun kann ich frisch zu meiner Arbeit stehn; Führ' ich den Pflug, schwing ich den schweren Hammer, Lausch ich mit Mühn des Geistes dunklem Wehn.

So vor der Armut sklavisch dumpfem Jammer, Wie vor des Reichtums sklavisch leerem Gehn Die heil'ge Arbeit schützt; durchs irre Leben Hat sie mir Weg, hat sie mir Ziel gegeben.

Die Sonne steigt zum Mittag, fällt zu enden. Da übermannt mich süße Müdigkeit, Nun stelle ich mein Werkzeug aus den Händen, Es ist die heitre Feierabendzeit.

Für Weib und Kinder hab ich Brot zu spenden;

Mein Werk gerückt ist eine Strecke weit;

Nun kann ich ruhn und kann am Herde träumen. Beim Gehn der Frau, der Kinder Spiel mich säumen.

So rinnen Tag und Woche, Jahre rinnen, In steter froher Arbeit werd' ich alt. Die Sonne langsam hob sich beim Beginnen Des Lebenstags, ging rasch, und fällt nun bald. Nun werd' ich müde. Feierabendsinnen Kommt wider meinen Willen mit Gewalt. Nun schicke, heil'ge Arbeit, mir am Ende Traumlosen Schlaf. Ich falte meine Hände.

Oie alten Fertigkeiten.

Bon Ernst W. Freißler t.

Manchmal denkt man, wenn's möglich wäre und man könnte für einen von den alten Großvätern Urlaub aus dem Himmelreiche erbitten und ihm die vielen Neuigkeiten vor Augen führen die Lämpchen ohne Docht und Oe! die Wagen ohne Pferde und überhaupt die ganze Maschinerie wie der sich dann wohl anstellte? Da könnte es gerne sein, daß ein solcher Großvater aus der alten Zeit mit unserem Gemache nichts anzu­fangen wüßte und gleich wieder zurückbegehrte:Laßt mich zur Ruhe was soll ich denn da, wenn die Maschinen alleine arbeiten? Da müßt ich ja mit mir nichts anzufangen, das Zusehen hab' ich nie gemocht!"

Ja, das könnte leicht zutreffen, daß so ein alter Vater von den neu­modischen Dingen gar nichts wissen und sich das Leben nach der alten Art höher schätzen wollte. Und wenn man auch heute noch die ganz alten Leute von ihrer Jugend erzählen hört, wo sie keine Maschinen zur Hilfe und doch noch so viel Zeit für allerhand Nebenher hatten, da kann es einen wohl dauern, daß alle die alten Fertigkeiten verloren und ver­gessen sind, und insgeheim kommt es einem vor, als wäre das ganze Leben ärmer geworden, wenn nicht anders, dann an der Zufriedenheit.

Es ist doch noch keine fünfzig Jahre her, da waren die Zündhölzer nicht dieSchweden", sondern die Schwefelhölzer, die erst eine ganze Weile unbändig stanken, ehe sie richtig sprühten, da waren die doch noch äußerst selten, weil sie eben gekauft werden mußten, und jeder Kreuzer zuvor siebenmal angesehen wurde. Da gab es eben Stein, Stahl und Schwamm dafür; Stein und Stahl kosteten wohl auch ein paar Kreuzer, hielten aber lebenslang vor, und den Schwamm konnte sich jeder selber suchen, dörren und schneiden, an Buchenschwämmen war kein Mangel. Heute ist es darin ja anders, man läßt die Buchen nicht mehr so alt werden, daß sie richtig Schwamm ansetzen, es fragt ja auch kein Mensch danach. Dazumal aber konnten manche Leute im Gebirge ein Gewerbe daraus machen und fuhren den Schwamm, sein gedörrt, ge­schnitten und geklopft, bis nach Breslau hinaus zum Verkaufe. Dafür hatten sie dann eigene Schwammkarren, mit doppelt hoher Rücken­lehne, damit sie aud) genug auspacken konnten, das Zeug war ja gar zu leicht. Mit einer richtigen Karre voll vom Oberdorse zu Fuß nach Bres­lau und wieder zurück da dürfte man heute lange suchen, bis man Liebhaber dafür fände!

Dann das S ch l e f f e n ft o ß e n da kann sich heute kaum der hundertste Mensch was vorstellen, wenn er davon hört. Bis gegen das neue Jahrhundert hin waren doch die Petroleumlampen eine Seltenheit. In vielen Häusern hatten sich wohl Oellampen ein Glas drei Viertel voll Wasser, ein Viertel Oel, und darauf zwischen drei Korken als Schwimmern, einen kleinen Docht, das war die ganze Kunst. Aber vielen Leuten war auch das bißchen Oel noch zu viel Ausgabe, und sie bleiben bei den Schiessen, den Kienspünen, die mit einem eigenen Schlessenhobel

Er fast gar nichts mehr und wurde täglich schwächer, so schwach, daß er kaum mehr aufstehen konnte. Vergeblich stellten wir ihm vor, wie wir ihn in Java auf die Weide führen würden, wie wir den schönsten Klee für ihn sammeln und trocknen wollten. Ein paar Tage hielten wir ihn noch, indem wir alle unsere Dosenmilch opferten und sie ilM emfloßten. Aber es war mit ihm wie mit einer Lampe, die zu wenig Oel bekommt: er starb uns hin. . , , n . ,,,

Die letzten Nächte ließen wir ihn an Deck auf einer Luke schlafen, damit er die Frische und die Kühle genoß. Da besuchte ihn eines Morgens, tura vor acht Glas, der alte Robert, sein Doppelgänger: und weil er einen flehenden Blick in den Augen des Tieres sah, setzte er sich zu ihm. Friedel legte seinen Kops in den Schoß seines alten Freundes, warf ihm einen dankbaren Blick zu, und sein Schwänzchen wedelte, matt, aber glücklich. Er versuchte noch die Hand des Alten zu lecken; da aber lief ein Zucken durch seinen hageren Leib, und er war tot.

aus ganz trockenem, ausgesuchten^ Holz gestoßen wurden. Ganz trocken mußte es sein, sonst rauchten die Schiessen und löschten gar aus, und dann wurden die Mütter böse. Da gab es auch Leute, die sich eigens darauf verlegten, und der Abrechtsgrund heißt immer noch nach dem Holzmacher Albrecht, der dort feine Baude hatte und Schlesien auf Vorrat stieß. _ .

Und Hoffmannzaches, der große Schindelmacher wer weiß noch von dem. Der hatte von der Herrschaft Erlaubnis, daß er weit oben im Gebirge oberhalb dem Plänterfteige, die alten Wetterfichtenanspanen durfte bis er die richtigen herausfand, die er kaufen wollte. Denn für Schindeln war nicht jedes Holz zu brauchen, es mußte gut und lmg spalten. Wenn die rechten Bäume gefunden waren, dann blieb oer Scbindelmacher oben, bis er sie aufgearbeitet hatte, denn die fertigen Schindeln waren ja viel leichter zu befördern als die rohen Stamme. Die von Hand gespaltenen und geschnitzten Schindeln hielten der Witterung, besonders der Sonne viel besser stand, das kann man an manchen alten Jägerbauden sehen, die heute noch damit gedeckt sind. Aber die Leute sind ja 'für Schindeldächer nicht mehr so eingenommen, und wenn wirklich einer noch den Gusto hat, da läßt er das Zeug auf der Kreissäge schneiden, womöglich aus grünem Holze, das trockene ist ja selten geworden. Nein, ein Schindelmacher hätte heute kein Auskommen mehr.

Es sind ja die Köhler auch verschwunden, und waren doch eine viel größere Zunft. Da und dort heißt wohl noch ein ebener Plan im Walde zur großen oder kleinen Kohlstätte, aber die Kinder kennen die Bewandtnis gar nicht mehr, und auch die Eltern meist nur vom Hören­sagen. Die Großeltern natürlich, die erinnern sich, da kann man viel erfahren

Dazumal brauchten noch die Stahl- und Eisenwerke Holzkohle in großen Mengen, darum kauften sie von der Herrschaft ganze Waldflächen, ließen sie auf eigene Rechnung schlagen, abrücken und auf den Kohl­stätten zu Meilern schichten. Aus einen Meiler gingen vierzig bis fünfzig Raummeter Holz auf, und das Schichten alleine war eine ganze Wissen- schäft. Der ganze Kegel in der Form ähnlich wie die Käppchen von Herrenpilzen wurde mit Wafen und alter Holzkohle gut zugedeckt, auch die vielen Zuglöcher, die genau eingerichtet waren. Wenn dann alles soweit fertig war, dann wurde der Meilerangeleuchtet", indem man in eines der Zuglöcher ein paar brennende Späne hineinschob.

War der Meiler erst in Brand, bann hatte der Köhler für die ganze Zeit meistens zwei Tage und drei Nächte strengen Dienst. Wenn ein Meiler besonders groß war, oder wenn gar zwei zugleich brannten, wurden auch immer zwei Köhler bestellt, damit ja nichts versehen werden sollte.

Denn es mußte genau geachtet werden, wie der Wind stand, und wie überhaupt der Meiler brannte, bas Holz war ja auch nicht immer ganz gleichartig. Sowie ber Brand an einer Stelle zu stark wurde, mußte der Köhler ein ober zwei Zuglöcher verstopfen, manchmal sogar mit Wasser abhelfen. Nun hatten ja bie Köhler immer Bretter auf den Meilern liegen, trugen auch ihre Köhlerpantoffeln mit brei Finger bicken Holz­sohlen unb einem Schutzleder für bie Zehen. Dazu hatten sie noch recht langstieliges Werkzeug, Schaufeln, in ber Art wie bie Bäcker, Reisig­besen unb Zinkenscharren, damit sie nicht gar zu nahe hin mußten. Denn oft brannten gerade unter den Zuglöchern ganze Kämmerchen aus, bie von außen kaum zu kennen waren. Wenn ba ein Köhler nicht sehr auf­paßte, war ein Unglück gleich geschehen: Der Hoffmannköhler brach ein­mal bis zum Bauche ein und konnte von Kameraden, die zum Glück bei ber Hand waren, nur schwer verbrannt gerettet werben. Er sprach banach oft, baß er bas Fegefeuer schon geschmeckt hätte und sich vorsehen wollte! Unb einmal trat bas Pferd von einem Holzfuhrwerk, bas zu nahe an ben Meiler herangekommen war, beim Umkehren burch unb verbrannte sich so sehr, baß es gleich zum Schinber mußte.

Ja, solange ber Meiler brannte, war immer Gefahr, wenn nicht anders, dann die, daß der Meiler selbst zu Asche verbrannte. Wenn aber alles gelungen, die Wasen abgedeckt, unb bie Kohle auseinanbergefdjarrt war, bann hatte ber Köhler ausgesorgt, und die Fuhrleute tarnen an die Reihe. Die hatten für die Holzkohle eigene Leiterwagen mit aroßen Spankörben als Einsatz, unb nach bem Gesetz mußte jeder solche Wagen zwei Eimer Wasser mitführen. Denn bei aller Achtsamkeit konnte es doch sein, daß noch ein Fünkchen glühende Kohle in der Ladung war, unb das brauchte dann nur einen Luftzug, da brannte alles lichterloh. Da war besonders der rote Berg gefürchtet, weil dort immer Wind ging. Da hatte so mancher Fuhrmann nur mit größter Not noch das Ausspannen fertig gebracht, sonst wären die Pferde mitsamt dem Wagen verbrannt.

Bei der Ablieferung auf ben Werken würbe bie Kohle in großen Körben gemessen, bie nach Raumtonnen geeicht waren. Dabei gab's aber gerne Zauberei, beim zur Eichung würben bie Körbe mit Stangen aus­gespreizt, aber danach zum Gebrauch mit Ketten zusammengezoaen, daß der Unterschied mitunter gleich vier bis sechs Tonnen ausmachte. Das war denn ein schönes Profitchen für Werkmeister und Fuhrmann. Gott verzeih ihnen die Sünde es ist ja lange ber!

So sind die Köhler ziemlich ausgestorben. Wenn man aber von altern Brauch redet, darf auch der Flachs nicht vergessen fein, der früher in so großem Ansehen war und heute bereits zur Seltenheit geworden ist.

Da gab es unheimlich viel Arbeit, mit der Herrichtung des Landes, das wie ein Möhrenbeet bearbeitet fein mußte, bann mit bem vielen Jäten, bem Rupfen unb Rösten, bem Dörren unb Pleidern, bem Hecheln unb Aufwallen viel Arbeit, bis es soweit war, baß bie Mädchen von einem Häuschen ins andere zum Rocken gehen konnten. Zu den Spinn­abenden, die damals geradezu als Lustbarkeit galten, weil die Arbeit ja nicht schwer war.

Wir haben ja von Lustbarkeit und Feierabend eine ganz andere Vor­stellung bekommen; wenn man aber den alten Leuten zuhört, möchte man doch bezweifeln, ob wir heute gar so viel zufriedener sind, als die dazumal waren.

lverantwörtlich, l)r. Hanü Thyriot. Druck und Verlag: Brühl'sche Univerfitäts-Vuch. und Steindruckerei. R. Lange, Gießen,