Ausgabe 
27.12.1937
 
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s ^Sie nahm den Arm des jungen Mädchens und ging mit ihr fort.

Walter kam nach einem Weilchen unter dem Auto hervor. Er kehrte in tiefem Nachdenken nach dem Gutshaufe zuruck. Spater mußte Johannes

war unglücklich, daß es feine Reife nicht fortfetzen konnte. Man erwartete sie bei Freunden. Nun gab es keine Möglichkeit, dorthin zu gelangen. Das Reifeziel war selbst mit dem Auto erft m Stunden zu erreichen, und eine Bahnverbindung gab es nicht. Das erzählte das $ra,U©onn feiern Sie Weihnachten bei uns!", sagte Tante Grete kurz ^Das^Fräulein nahm nach längerem Hin und Her die Einladung an. Es blieb ihm wohl nichts anderes übrig.

Im Laufe des Nachmittags hatten die jungen Leute Gelegenheit, unter vier Augen miteinander zu reden.

Warum hast du mir nie gesagt, daß deine Tante Grete Frau

Nie anders. Merkwürdig, daß sie noch einen anderen Namen hat. So, also ihr kennt euch? Na, da hätten wir's einfacher haben können.

Das Fräulein lachte:Du warst ja von deiner Kriegslist begestterb Wir müssen diplomatisch vorgehen, hast du gesagt, wir müssen Tante Grete

gute Idee von mir, die Panne aus der Landstraße das mußt du zugeben. Und was hat es mich für Muhe ge- kostet, Tante Grete zu dem Spaziergang nach der Muhle öu «berreben. Alles klappte wie am Schnürchen, und dann auf einmal kennt ihr euch!

Arn Abend unter dem brennenden Tannenbaum nahm Tante Grete den Neffen beiseite.Wie gefällt sie dir?", fragte sie leise.

Johannes hat sich wirklich Mühe gegeben", sa^te er verschmitzt.

Was denn?", platzte Tante Grete heraus.

Nun, die Tanne sagte er unschuldig. .

''Wer redet denn von der Tanne? Ich meine das Mädchen.

Walter blickte auf, warf dem Fräulein einen heimlichen Blick zu und taate bann- ,Du weißt ja alles am besten, Tante Grete.

(Sie unterbrach ihn:Weiß ich auch! Du hast keine Augen m Kopf! Du würdest glatt an deinem Glück vorbeilaufen. Es ist bloß gut, daß sie die Panne hatte. Solche Fügung des Himmels h°st du gar nicht verbienb

Beinahe hätte Walter sich verplappert, aber die Magde begannen m diesem Augenblick zu singen, und so blieb es unwidersprochen, daß der Himmel selbst das Fräulein von der Landstraße zur rechten Stunde herein­geschneit hatte.

Nach und nach stellte sich heraus, daß Tante Grete doch.über den Besuch ihres Neffen Walter recht erfreut war.

Daß du hierher zu mir in die Einsamkeit kommst sagte sie an- ertennenb. Ihr letztes Mißtrauen war verschwunden. Sle hatten sich vielerlei zu erzählen. Zwischenhurch fragte sie:Du dich doch nicht etwa an ein Mädchen gehängt? Das überlasse gefälligst mir, für dich auszusuchen. Außerdem hab' ich's deinen seligen Eltern ver-

Ich werde nie ohne deine Zustimmung heiraten!", beteuerte Walter.

,'Das laß dir auch nicht einfallen", drohte sie und schob ihm den Eier- tO02tm nächsten Morgen es war Heiliger Abend, und ein leiser Schnee fiel herab sagte Walter:Ich möchte eigentlich einmal wieder zur Mühle. Willst du nicht mitkommen, Tante? Es ist so ein hübscher Weg.

Wo denkst du hin? Ich habe alle Hände voll zu tun. .

Aber endlich überredete er sie doch zu dem Spaziergang. Sie gingen einträchtig die Landstraße entlang. Kurz vor der Muhle stand em Auto auf der Straße, und eine junge Dame bückte sich hilfesuchend um

Da ist eine, die nicht weiter kann", lachte Tante Grete.Schadet ihnen gar' nichts, überall flitzen sie heute herum." .

Walter gab ihr recht.Stimmt", sagte er.Das kann der Person gar nichts schaden. Sie soll anfrieren."

Xante Grete gab ihm einen Stoß.So sind die Männer heutzutage. Dein Onkel hätte nicht gewagt, so von einem jungen Mädchen zu reden. Sie winkte übrigens. Sieh mal nach, was los ist. ..

,Ich werde mir die Hände schmutzig machen! , murrte Walter.

So, dann gehe ich hin", trumpfte Tante Grete auf und ging auf das ^$ßalter war zurückgeblieben, hatte die Hände ineinander verschränkt, und es sah beinahe aus, als betete er.

Plötzlich ertönte Tante Gretes befehlende Stimme: "Komm her! . Er wandte sich um, sah, daß Tante Grete die Hand des jungen Mabchens hielt, riß die Augen auf, glaubte nicht recht zu sehen und pfiff dann einmal kurz und vergnügt. Dann ging er langsam, als täte ihm jeher Schritt leib, 3U b,EndUch!"° fagtelänte Grete.Das ist hier mein Neffe Walter, ein Tunichtgut. Sieh mal nach, was mit dem Wagen ist.

Das Fräulein stand ganz erstarrt da. Walter warf ihr einen verstohlenen Blick hinter dem Rücken der Tante zu. Er wagte auch,verständnislos> mit ben Schultern zu zucken. Er faßte sich fluchtig an den Kopf. Auch er schien nichts zu begreifen. Dann legte er sich gehorsam unter bas Auto

Xante Grete war auf einmal ganz aufgeräumt.Nein, Kmbchen, daß wir uns hier auf der Landstraße wiedertreffen muffen! So also Ihrer Mutter geht es gut? Ja, Moorbaden tft das einzig Richtige. geht es auch bedeutend beffer. Ich will nächstes Jahr mieder nach Po z>n. Hoffentlich sehe ich Ihre Frau Mutter bann roieber. Ader Sie muffen mit- kommen, Kindchen! Sie müssen sich wieher um uns ® !

Sie es vor zwei Jahren getan haben. Kommen Sie, Kmbchen. Er wirb schon für ben Wagen sorgen. Wack wollen wir hier m ber Kalte habet3

Der Wagen fuhr ächzenb unb stöhnend aus ben Hof. Wahrend Johannes umständlich herunterkletterte, kam Xante Grete auf bas ®e- fäbrt zu Sie faßte ben Neffen einen Augenblick ms Auge, sagte. Nanu?" unb begutachtete bann zunächst die Tanne. Es war ein großer wunderschön gewachsener Baum, und wenn auch Johannes wußte,' daß man so leicht kaum einen besseren finden wurde glaubte er doch, sich von Anfang an rechtfertigen zu müssen. Er sagte.Die Tannen taugen in diesem Jahre nichts. Alles krumm undch'ef keine Krone. Die hier war die einzige, die anging. Ich hab gleich gesagt, damit dar! ick aar nicht nach Hause kommen." , , _, ....

Xante Grete unterbrach ihn schroff.Red' nicht so viel. Schafft sie

Sie ^roar merkwürdigerweise gnädiger, als Johannes es o er mut et hatte. Er beeilte sich, Anton zu holen, der ihm beim Abladen behilflich sein sollte. Im Fortgehen blinzelte er dem jungen Herrn noch zu, uno als er ein paar Schritte hin war, spuckte er dreimal über den Daumen.

Inzwischen war auch ber Neffe vom Wagen geklettert.Du hattest vorher schreiben können", sagte Xante Grete.

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wohl was auf bem Kerbholz?

Er lachte lautu-Mcht bie Bohne!" , , m .

Ich bachte sckM, baß bein Wechsel ...", meinte Tante Grete noch lmt$r tat^beleibigt.Bitte sehr", sagte er, holte die Brieftasche hervor und zupfte ein paar Scheine heraus. .

Merkwürdig", erwiderte Tante Grete. Dann hakte sie ihn resolu. unter und sagte:Also erst einmal was Warmes! Närrische Idee, au dem Leiterwagen anzukommen." -.

Ja ich habe Johannes zufällig getroffen. Sonst wäre ich zu Fuß gelaufen. Wir sind ja jung unb tüchtig."

unvergänglich gemacht. Lange noch wnck ber kleine elnbalsamierte Pharao mir aus seinem Sonnenreich erzählen, unb wenn er langst zerfallen s unb auch ich längst zerfallen bin, bann wirb irgendwo in einer Seele noch etwa-- von seinem seligen Spiele und wei en Lächeln blühen, und wird sich Ster »ererben f» wie bas Golb bes Tutanchamon noch heute glanzt, und das Blut des Heilandes noch heute fließt.

3n der Mettennacht.

Bon Ruth Schaumann.

Als kleines Kind In der Weide Wind Sah ich still, vom Spiel die Hande leer. Glocken schlugen drei Und du gingst vorbei

Unb bas Kreuz auf beinern Arm war schwer.

In ber Mettennacht Hab ich selbst gebracht Meine sieben Söhne zum Altar. Unb ich sah bich neu, Ms ew Kinb in Spreu

Mit bem Blick, wie ber bes Pilgers war.

In ber Frühe Licht

Schmiegt ein Lamm sich bucht

An mein Knien, unb glänzt die Sonne bleich: Wer mich klein gesehn.

Wirb mich groß verstehn .

Wer mich weh geschaut, ber weiß mem Reichl

Das Fräulein von der Landstraße.

Eine Weihnachtsgeschichte von Robert Seitz.

In dem alten Gutshause herrschte eine fieberhafte Tätigt eit. Es mürbe gebacken unb gebraten. UeberaU roch es nach Pfeffernüssen , Honigkuchen. Der alte Anton mußte wieder dw große Weihnachtstast berrickten und hantierte seit Tagen an den wackligen Gestellen herum, die im Lause der Jahre morsch zu werden( begannen Aber ohne diese lanae Xafel die auf hölzernen Bocken ruhte, und auf ber jeoer, v der0 Gutsherrin bis zur jüngsten Stallmagd, unter der hohen Tanne seine Geschenke finden würde', war das Christfest undenkbar Johannes, der Kutcker war unterwegs, um die Tanne zu holen, und »alle im Haufe wußten schon wie er von dieser Fahrt durch ine winterliche Kälte zuriickkehren würde, torkelnd und zu Spaßen aufgelegt und den

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froren im festgemummelten Mantel, doch nut verlangenden Augen, saß

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' k.Ja äe gu7e Tante Grete", lachte der andere S.e hat gar- kerne Abnuna Wie ist denn ihre Laune in der letzten Zeit gewesen?

Der Kutscher kratzte sich am Ohr und spuckte bedächtig über den «>.. fpn ser mferbe. Der junge Herr nickte verständnisvoll und wurde dann recht einsilbig. Er schien ernsthaft nachzudenken. Schließlich feufate er schnipste mit den Fingern, Hopfte dreimal gegen das tjoljerne Sitz- brett unb murmelte: ,Hexenfett!". Es sollte wohl eme Vorsichtsmaß­nahme jein, um bas Unheil abzuwenben. m

Da steht fie" erwiderte Johannes und zeigte mit ber Peitsche nach

-----verantwortlich: Dr Hans Thyriot. - Druck und »erlag: Brühlsche Universitätsdruckerei «.Lange, Gießen.