Prinz Eugen.
Volksweise.
Prinz Eugenius, der edle Ritter, Wollt dem Kaiser wiederum kriegen Stadt und Festung Belgarad.
Er ließ schlagen einen Brucken, Daß man kunnt hinüberrucken Mit der Armee wohl vor die Stadt.
Als der Brucken nun war geschlagen, Daß man kunnt mit Stück und Wagen Frei passiern den Donaufluß: Beim Semlin schlug man das Lager, Alle Türken zu verjagen, Ihn zum Spott und zum Verdruß.
Am einundzwanzigsten August soeben Kam ein Spion bei Sturm und Regen, Schwur's dem Prinzen und zeigt's ihm an. Daß die Türken futragieren, Soviel als man kunnt verspüren, An die dreimalhunderttausend Mann.
Als Prinz Eugenius dies vernommen, Ließ er gleich zusammenkommen Sein General und Feldmarschall.
Er töt sie recht instruieren. Wie man sollt' die Truppen führen Und den Feind recht greifen an.
Bei der Parole tat er befehlen, Daß man sollt die zwölfe zählen Bei der Uhr um Mitternacht. Da sollt all's zu Pferd aufsitzen, Mit dem Feinde zu scharmützen. Was zum Streit nur hätte Kraft.
Alles faß auch gleich zu Pferde, Jeder griff nach feinem Schwerte, Ganz still rückt man aus der Schanz. Die Musketier wie auch die Reiter Täten alle tapfer streiten;
Es war fürwahr ein schöner Tanz.
Ihr Konstabler auf der Schanzen Spielet auf zu diesem Tanzen Mit Kartaunen groß und klein, Mit den großen, mit den kleinen Auf die Türken, auf die Heiden, Daß sie lausen all davon.
Prinz Eugenius wohl auf der Rechten Tät als wie ein Löwe fechten. Als General und Feldmarschall.
Prinz Ludwig ritt auf und nieder: „Halt euch brav, ihr deutschen Brüder, Greift den Feind nur herzhaft an!"
Prinz Ludwig, der mußt aufgeben Seinen Geist und junges Leben, Ward getroffen von dem Blei. Prinz Eugenius ward sehr betrübet. Weil er ihn so sehr geliebet, Ließ ihn bringen nach Peterwardein.
3Riff ins Morgenrot.
Don Wachtmeister Peter.
Benedikt Peter (geb. 1785), Oberwachtmeister bei den württembergifchen Königsjägern, hat als Untertan des Königs Friedrich von Württemberg die großen Napoleonischen Feldzüge mitaemacht, bis in der Schlacht bei Leipzig die wurttem- bergifche Brigade geschloffen zu den Verbündeten überging. Aus feinen erst vor zwei Jahren entdeckten und nun von dem bekannten Kriegsdichter Wilhelm K o h l h a a s herausgegebe- nen interessanten Erinnerungen, die unter dem Tttel „Ritt ins Morgenrot" bei I. Engelhorns N«chf„ Stuttgart, erschienen sind und acht zeitgenössische Kriegsbilder des Ar- lilleriemajors C. W. v. FaberduFaur enchalien, bringen wir einige Leseproben.
Moskau in Flammen.
Am 10. September marschierten wir früh ab und kamen ami 11. lieber als Avantgarde zu unserem Dheaterkönig. Unter stetem Gefecht nit den russischen Horden kamen wir am 14. vor Moskau an. Als wir w>er die schöne Hochebene vorrückten und diese Stadt in SW betonten, nes unser General Walmapel: „Soldaten, wir sind am Eckstein zweier Weltteile, von Asien und Europa, angekommen".
_ Dieser Jubel beim Anblick der Zarenstadt mit ihren Kirchen und Mpellen, einer Menge vergoldeter Kuppeln und dem großartigen Kremt, ton vielen Palästen und KlösternI Alles schrie: »Moskau, Moskau L'r glaubten, hier alles im Ueberfluß und dazu Ruhe A finden, wie urs verheißen war; aber wie bald fanden wir uns getauscht, und unter >-iiden fing nun erst recht anl . . s. OAt
Unsere Brigade zog einen Kordon, um keine Marodeure in dte Stadt
zu lasten, da man glaubte, sämtliche Bedürfniste requirieren zu können; auch wurden alle Maßregeln getroffen, um die Stadt so schonend wie möglich zu behandeln. Napoleon hielt lange aus der Anhöhe, in der Hoffnung, es werde eine Deputation erscheinen, um ihm die Schlüssel von Moskau zu überreichen, aber niemand erschien. Endlich ritt er mit seinem Generalstab ein. Napoleon war für seine Person so prunklos, daß er einem ganz untergeordneten Offizier gleichsah. Auch sein Pferd war nichts weniger als schön, da es eine Abfarbe hatte; es war ein Gold- falch, der nicht über vierzehneinhalb Faust maß. Von diesem großen Mann war alles wohlweislich berechnet, denn er wollte von den Moskowitern nicht erkannt fein. Nach dem Einzug bezog er den Kreml. In diesem Augenblick gewahrten wir auf der Nordseite — wir stunden westlich — das Feuer fürchterlich emporlodern. Bei diesem Anblick bemerkte ich, und zwar ängstlich: „Dieses ist unser Unglück!"
Am dritten Tag nach der Ankunft vor Moskau muhte unsere Brigade eine Patrouille durch die Stadt machen. Wir kamen durch eine breite Straße, wo recht schöne Gasthäuser, Kaufläden und Apotheken standen, aber alles im höchsten Feuer und Flammen. Wir mußten wahrhaftig durch einen feurigen Pfuhl reiten, über uns war ein wahres Gewölbe von Feuer. Unsere Pferde wollten mehrmals nicht vorwärts, namentlich wenn wir an Apotheken vorbeikamen, in denen es oft furchtbar krachte, und aus denen ganze Kreuzstöcke auf die Straße geschleudert wurden.
Dies gräßliche Schauspiel wurde noch erhöht durch die Marodeurs und die losgelassenen Sträflinge. Da jeder das Beste haben wollte,
kamen auch diese hintereinander, und so glich es auch hier einem
Schlachtfelde. Auf den Straßen und in den Häusern schossen sie einander nieder, überall lagen Tote und Sterbende. Es ist nun gewiß,
wenn der Mensch entmenscht ist, ist sich nicht wohl ein Begriff zu
machen, wie es da zugeht. Ich habe dazumal zu meinen Kameraden gesagt: Wenn ich je glauben könne, es gebe Teufel und eine Hölle, so könnte ich doch nicht glauben, daß die Teufel ein noch gräßlicheres Schauspiel ausführen könnten als das, wovon wir Zeugen waren, wo Menschen sich in dem Feuermeer würgten und töteten
Ganze Dächer von Erz und von Kupfer schleuderte das Feuer in die Lust, von wo sie unter furchtbarem Gekrach wieder auf das Pflaster niederfielen. Das Prasseln des Feuers, das Einstürzen der Häuser und großartigen Paläste, dazwischen das Knattern des Kleingewehrfeuers deutete auf unfern Untergang. Als wir endlich nach langer Anstrengung das Ende der Hauptstadt erreichten, kamen wir in eine noch unversehrte Vorstadt, wo wir wieder sorgenfrei marschieren konnten, während wir in der Hauptstadt keinen Augenblick sicher waren, von Feuer verzehrt, vom Rauch erstickt, von stürzenden Dächern erschlagen oder von Räubern erschossen zu werden.
Rückzug 1812.
Der letzte Tag, ehe wir nach Wilna kamen, war gewiß der härtestet Ich blieb mit meinem Scheerer immer mehr zurück; es wurde allmählich Nacht, ich habe mich mühselig mit ihm fortgeschleppt. Nun sah ich vor mir noch eine hohe Steige, und mein Kranker erklärte mir: „Da hinauf komm ich nicht mehr, Bruder. Laß mich liegen und geh du fort; du bist so gesund und kräftig, du mußt dich nicht ganz aufopfern!"
Ich entgegnete: „So wollen wir uns auf den Chausseegraben hinsetzen; in wenig Minuten sind wir nicht mehr, unser Leiden hört auf dieser Welt ja doch nicht auf!" — Ader als wir einige Minuten saßen, stand ich wieder auf; ich fand wieder die Liebe zum Leben und sagte ju meinem Kameraden: „Wir versündigen uns gegen Gott und gegen uns selbst, daß wir uns im schönsten Alter von siebenundzwanzig Jahren freiwillig dem Tod hingeben; ich fühle mich noch zu kräftig, um auf so gemeine Weise zu sterben. Steh auf und häng dich an meinen Arm, ich will sehen, was ein entschlossener junger Mann vermag!" Und wir schritten noch an zwei Stund über den gefrorenen Schnee dahin; mit jedem Schritt brach er ein, so daß wir tiefer einfanten, doch erreichten wir glücklich einen Ort und in diesem im ersten Haus unsere Kameraden. Diese hatten schon ein Schwein geschlachtet; mein Scheerer bekam sogar ein warmes Zimmer, aber das bekam ihm, da er so gefrorene Füße hatte, sehr schlecht, er hatte in selbiger Nacht die fürchterlichsten Schmerzen zu erdulden.
Am Morgen wurden wir in aller Frühe von unserem behaglichen Lager aufgeschreckt; es kamen Leute von uns an, die noch weiter zurücklagen, in den Ort hereingesprungen und riefen: „Kameraden, auf, wer nicht gespießt oder totgeschlagen werden will!" Auf diesen Ruf hat sich alles fortgemacht. Ich blieb bei meinem verlassenen Scheerer, der gar keine Fußbekleidung mehr hatte und seine Füße total erfroren. Er bat mich selbst, von ihm fortzugehen, er sei nicht transportabel, aber ich entgegnete: das sei noch nicht versucht! Ich ging nun in den Hof hinaus, da stand ein kleines Pferdchen, dem schien das Leben auch entleibet zu fein, den Kopf hing es bis in den Boden. Ich ging nach Heu und legte es ihm vor, da fing es sofort zu fressen an, und das gab mir Hoffnung, meinen Kranken fortzubringen. Als ich wieder ins Zimmer kam, fand ich die Bäuerin, glücklicherweise aber den Bauern nicht; ich riß ihr den Pelz vom Leibe und riß die Seitenflügel herunter, band meinem Kameraden die Füße damit ein und trug ihn zu dem Pferdchen, setzte ihn drauf und trieb es mit einem Prügel vor mir her; einen Aermel des Pelzes nahm ich für mich, um zwei Schlüpfer daraus zu machen, da ich keine Handschuh hatte.
Letztes Gefecht vor Straßburg.
Der Feind hatte zweihundert Meter hinter dem Suffeldach auf einer Anhöhe eine starke Batterie aufgeführt. Als die feindlichen Ve- betten vor dem Bach vertrieben waren und die Infanterie vorging, rechts österreichische, die Württemberger links, die Reiterei hielt an der Straße in der Mitte, da bedrohten die Kartätschen dieser Batterie alles, was sich der Brücke näherte, mit dem sicheren Tode. Wir hielten als vorderstes Regiment zunächst der Brücke, die Schwadron von Raßler als erste, als der Flügeladjutant des Kronprinzen herangesprengt kam und sie aufforderte, ihm im Galopp über die Brücke zu folgen. Trotz des starken Feuers gelang es ihnen tatsächlich, die Brücke zu über»


