Jahrgang 1937
Montag, den I.März
Nummer (7
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gegoren .. . JUber ein bißchen anstrengend is es doch mitunter, und man ICL Arten rtm (Cnne ziitxk a>m JW "
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12. Kapitel.
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„Dia höre, Jeserich, das hab ich dir doch noch nicht abgesprochen."
„Nein, nein, .Herr Gras. Gott, man sagt so was bloß. Aber bißchen is es doch damit ..."
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rcöe beständig hingewiesen und die gewollte Wirkung auch richtig erzielt hatte. Allerdings nur bei der Schickedanz selbst und einigermaßen auch bei der Frau Hartwig, die während der ganzen Rede beständig mit dem Kops genickt und nachträglich ihrem Manne bemerkt hatte: „Ja, Hartwig da liegt doch was drin." Hartwig selber indes, der, im Gegensatz zu den meisten seines Standes, humoristisch angeflogen war, hatte für die merkwürdige Fügung von „drei Tage vor Weihnachten" nicht das geringste Verständnis gezeigt, vielmehr nur die Bemerkung dafür gehabt: „Ich weiß nicht, Mutter, was du dir eigentlich dabei denkst? Ein Tag ist wie der andre: mal muß man ran , — worauf die Frau jedoch geantwortet hatte: „Ja, Hartwig, das sagst du so immer; aber wenn du dran bist, dann redst du anders."
Der verstorbene Schickedanz hatte, wie der Tod ihn ankam, ein Leben hinter sich, das sich in zwei sehr verschiedene Hälften, in eine ganz kleine unbedeutende und in eine ganz große, teilte. Die unbedeutende Hälfte hatte lange gedauert, die große nur ganz kurz. Er war ein Ziegelstreichersohn aus dem bei Potsdam gelegenen Dorfe Kaputt, was er, als er aus dem diesem Dorfnamen entsprechenden Zustande heraus war, in Gesellschaft guter Freunde gern hervorhob. Es war so ziemlich der einzige Witz seines Lebens, an dem er aber zäh festhielt, weil er sah daß er immer wieder wirkte. Manche gingen so weit, ihm den Witz auch noch moralisch gutzuschreiben, und behaupteten: Schickedanz sei nicht bloß - ein Charakter, sondern auch eine bescheidene Natur.
Ob dies zutraf, wer will es sagenl Aber daß war sicher daß er sich von Jtfnfong an als ein aufgeweckter Junge LZzeigt hätte. Schon nut
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I pittoreske L>of- und Stallgebäude, drin der gräfliche Kutscher Herr OMWO- „ Ju[ dem die zweite Hälfte des Hauses bil- v 'tief) selbstverständlich noch das kleine niedrige de, drin, außer Portier Hartwig selbst, dessen : und seine Nichte Hedwig wohnten. Letztere d zwar immer nur dann, wenn sie, was aller- irkam, mal wieder ohne Stellung war Die u Hagelversicherungssekretär Schickedanz, hätte m, weil Hedwig ein heiteres, quickes und sehr -thalt der Nichte Hartwigs eigentlich beanstanden n, weil Hedwig ein heiteres, quickes und sehr id manches befaß, was die Schickedanz mit igen Dienstwechsels wieder aussöhnte.
SqÄLM/ 3rau von sechzig, war schon verwitwet, als im Barbys einzogen, Komtesse Armgard damals ..teöanj selbst war um jene Zeit noch in Trauer, herungssekretär, erst im Dezember des vorauf» war, „drei Tage vor Weihnachten", ein ‘t "*•* --/>»,--Prediger, ein junger Kandidat, in seiner Leichen- iihX Xi« «f f £ . CITY < . < . . .
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Waldemar — wie Rex seinem Freunde Czako, als beide über Cremmer Damm ritten, ganz richtig mitgeteilt hatte — verkehrte Ausgang des Winters im Barbyfchen Hause, das er sehr bald andern Häusern seiner Bekanntschaft bevorzugte. Vieles war es, was da fesselte, voran die beiden Damen; aber auch der alte Graf. Er fand Aehnlichkeiten, selbst in der äußeren Erscheinung, zwischen dem Grafen und seinem Papa, und in seinem Tagebuche, das er, trotz sonstiger Modernität, in altmodischer Weise von jung an führte, hatte er sich gleich am ersten Abend über eine gewisse Verwandtschaft zwischen den beiden geäußert. Es hieß da unterm achtzehnten April: „Ich kann Wedel nicht dankbar genug fein, mich bei den Barbys eingeführt zu haben; alles, rvas er von dem Hause gesagt, fand ich bestätigt. Diese Gräfin, wie scharmant, und die Schwester ebenso, trotzdem größere Gegensätze kaum Denkbar sind. An der einen alles Temperament und Anmut, an der «nbern alles Charakter ober, wenn das zuviel gesagt fein sollte, Schlicht- ' Heit, Festigkeit. Es bleibt mit den Namen doch eine eigene Sache; die
<Bräfin ist ganz Melusine und die Komtesse ganz Armgard. Ich habe k bis jetzt freilich nur eine dieses Namens kennengelernt, noch dazu bloß ULJ I «ls Buhnenfigur, und ich mußte beständig an biete denken, wie Jie.ba
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________Unterhaltungsbeilage zum Siebener Anzeiger
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„i und | iryastsrat, und an der Themse wächst man sich anders aus als am in den | Stechlin' — unfern Stechlin dabei natürlich in Ehren. Trotzdem, die .. Q[[e Verwandtschaft bleibt. Und der alte Diener, den sie Jeserich nennen, . [[en5. ^er ist nun schon ganz und gar unser Engelke vom Kops bis zur Zeh.
Ms in -Iber was am verwandtesten ist, das ist doch die gesamte Hausatmo- iphäre, das Liberale. Papa selbst würde zwar darüber lachen — er lacht , uen , über nichts so sehr wie über Liberalismus —, und doch kenne ich keinen
fräb Menschen, der innerlich so frei wäre, wie gerade mein guter Alter. Zu-
a a ii e. leben wird er's freilich nie und wird in dem Glauben sterben: .Morgen
■ t feit i !~a9en fie einen echten alten Junker zu Grabe.' Das ist er auch, aber
Fi? , - l»ch auch wieder das volle Gegenteil davon. Er hat keine Spur von
dun" Selbstsucht. Und diesen schönen Zug (ach, so selten), den hat auch der
jud n>a tüte Graf. Nebenher freilich ist er Weltmann, und das gibt dann den
h Ü nterschied und das Uebergewicht. Er weiß — was sie hierzulande nicht
([en un I Hissen oder nicht wissen wollen —, daß Hinterm Berge auch noch Leute
■eis. »ahnen. Und mitunter noch ganz andre." mtne»en I
ifet Das waren die Worte, die Woldemar in fein Tagebuch eintrug. Bon
r ®|(|f Eem, was er gesehen, war er angenehm berührt worden, auch von ArNZN« »aus und Wohnung. Und dazu war guter Grund da, mehr als er nach inem ersten Besuche wissen konnte. Das von der gräflichen Familie 19-35) tewohnte Haus mit seinen Loggien und seinem diminutiven Hof und ” arten teilte sich in zwei Hälften, von denen jede noch wieder ihre be- ^zßen- taibern Annexe hatte. Zu der Beletage gehörte das zur Seite gelegene
ivuyi nm axeajt. -nenn aroetten kann jeder, das große Los gewinnen kann nicht jeder. Und so blieb er denn bei der Versicherungsgesellschaft lediglich nur noch als verhätscheltes Zierstück, weil es damals wie letzt einen guten Eindruck machte, Personen der Art im Dienst oder gar als Teilnehmer zu haben. An der Spitze muß immer ein Fürst stehen. Und Schickedanz war jetzt Fürst. Alles drängte sich nicht bloß an ihn, sondern seine Stammtischfreunde, die zu seiner zweimal bewährten Glückshand ein unbedingtes Vertrauen hatten, drangen sogar ein Zeitlang ihn ihn, die ßotterielofe für sie zu ziehen. Aber keiner gewann, was schließlich einen Umschlag schuf und einzelne von „bösem Blick" und sogar ganz unfinnigerweise von Mogelei sprechen ließ. Die meisten indessen hielten es für klug, ihr Uebelwollen zurückzuhalten; war er doch immerhin ein Mann, der jedem, wenn er wollte, Deckung und Stütze geben konnte. Ja, Schickedanz' Glück und Ansehen waren groß, am größten natürlich an seinem Jubiläumstage. Nicht zu glauben, wer da alles kam. Nur ein Orden kam nicht, was denn auch von einigen Schickedanzfanatikern sehr mißliebig bemerkt wurde. Besonders schmerzlich empfand es die Frau. „Gott, er hat doch immer so treu gewählt", sagte sie. Sie kam aber nicht in die Sage, sich in diesen Schmerz einzuleben, da schon die nächsten Zeiten bestimmt waren, ihr Schwereres zu bringen. Am 21. September war das Jubiläum gewesen, am 21. Oktober erkrankte er, am 21. Dezember starb er. Auf dem Notizenzettel, den man damals dem Kandidaten zugestellt hatte, hatte dieser dreimal wiederkehrende „einundzwan- zigste" gefehlt, was alles in allem wohl als ein Glück angesehen werden konnte, weil, entgegengesetztenfalls die „drei Tage vor Weihnachten"
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