Mönche.
träumtem
Als er mierenden
Der Ball.
Eine Ostergeschichte von Gottfried K ö l w e l.
Es war an einem Vorfrühlingstag, als ich plötzlich.hörte, daß der langerwartete Osterhase durch den Hof, laufe „Wenn du dich schick, kannst du noch sein Schwänzchen sehen. Da sprang >ch vom Stuhl auf und ließ die Würfel des Steinbaukastens, mit denen ich eben gespielt hatte wirr aus den Tisch zurück. Wie eine Ruine stand die Burg da, die ich eben noch im geheizten Zimmer aufrichten wollte
Was kümmerte mich jetzt die Burg, was der Tisch und der Stuhl! Durch die Tür in den Gang und von hier aus durch> die Oekonomie- qebäude in den Hof, dieser Lauf war so felbstverstandl.ch, so eilig als liefe ich nicht bloß aus der Stube, aus dem Haus, sondern als liefe ich aus dem Winter mitten in den Frühling hinein.
Denn da war nicht bloß ein blauer Himmel über den Dächern, all« Wolken blühten weiß, die Tauben saßen leuchtend vor ihren Schlagen, das Stroh, das da und dort noch aus dem Winkel äugte, glanzte golden. Silberne Mückenschwärme tanzten vor der offenen Stalltur; der dumpf« Geruch, der daraus hervorkam, loste sich in der goldenen Warme des Frühlings auf und wich dem Duft der grünen Nadelstreu, die teils noch um die runden Holzstöcke herumlag, teils in Schuppen bereits zu Bergen aufgeschüttet war, um allmählich als Viehstreu verbraucht zu werden
All dies sah ich zwar, aber ich achtete augenblicklich nicht daraus, denn ich wollte doch den Osterhasen sehen. Den Osterhasen und nichts sonstl Aber da mußte ich hören, daß ich leider schon zu spat käme!
Rasch lief ich an das Tor, um den Fliehenden vielleicht draußen noch zu erspähen. Doch da erblickte ich nur eine troden geworbene Straße, Schneeglöckchen und Krokusse in den Nachbargarten; bie Knospen bränqten schon aus ben Zweigen ber Bäume, ba unb bort grünte es bereits. Ja, überall würbe es neu unb bunt, wohin ber Osterhase seins $ÜU(Jr war t es ja auch, ber die bunten Eier brachte, die Zeichen ber blllhenben Fruchtbarkeit. Also sah ich mich eilig im Hofe um wohin er wohl bas Nest gebaut habe; ich suchte im Streuschuppen, in den Stallungen hinter ber Futtertruhe, in allen Winkeln und Ecken.
I Plötzlich sah ich bas Nest. Es war aus grüner Nabelstreu gebaut, unb barin lag etwas überaus Buntes. Jawohl, es waren Ostereier, rote, blaue grüne gelbe, aber mitten unter ihnen, ba lag etwas, bas nocy bunter und größer war als die Eier, auch etwas Rundes, aber etwas Kugelrundes. . „ „ .
Ich traute kaum meinen Augen. Denn das war ja ein Ball, em neuer bunter Ball, den ich mir schon lange gewünscht hatte I .
Was gab es Verlockenderes und Schöneres im Fruh,ahr, als so einen bunten leuchtenden Ball hoch in bie blaue Luft zu werfen und ihn mit beiden Händen aufzufangen. Als flöge die eigene Freude, das eigens Gluck damit in den Himmel empor, um daraus beglänzt und beschwingt zu einem zurückzukehren; fo ähnlich kam uns Kindern das Ballspiel
wohl vor. t ... .
Da gab es bald keine Hauswand mehr, an der wir nicht den Van
hochwarfen, keine Straße, über die er nicht in kühnem Bogen flog, keine
Wiese, wo er nicht hoch in die blaue Luft taumelte.
So tarn ich am selben Tage, immer freudig hinter meinem Ball her, als liefe ich gar nicht mehr meinem Ball, sondern dem bunten Leben sewsi nach draußen auf den Wiesen an den Fluh, wo die Weiden austrieben. Kinder saßen am Ufer und klopften auf die abgeschnittenen Weidenzweige, um daraus eine Pseise nach der anderen zu machen. Da gab es große und kleine Pfeifen, solche mit einem einzigen Loch, solche mit vielen Löchern, ja gante Flöten wurden da geschnitzt, und die fingen alle 3« pfeifen und zu klingen an, so daß es ein so lautes unb freubiges Getön gab, als bliesen hier nicht nur alle Kinber, sondern als jubilierte der Fruy '"^Zwischen all diesem fröhlichen Pfeifen flog mein bunter Bakl immer wieder hoch in bie Lust, jeher meiner Sameraben wollte ihn auch einmal I in ben Himmel werfen, als wollte jeder der Sonne am nächsten kommen.
Ausgejagte Röte zeigte sich im wohlgepflegten Antlitz des Mllden- burqers, der nach seiner goldenen Schaumünze griff, die ihm auf ben Brustharnisch klingelte. Er sah über ben Strom zu ben mächtigen Umrissen einer Burg. ...,
„Der Ounbagg reitet nicht mit im Zug", sagte er nachdenk ich.
, Sein Haus ist wie Schloß Krak auf ber Straße nach Tripoli , sprach der' Wolfen, „es zeigt an ben doppelten Mauern und dem zwiefachen Graben, daß schon fein Vater gegen die Sarazenen focht."
„Der Gundagg muß Minne üben", lachte spöttisch der Zehren und schloß. „Seines Weibes Augen sehen nicht nur einen Männl ..." Der Milbenburger blickte zu dem zertretenen Stratzengrund nieder und sagte vorsichtig: „Ich will nicht rühren an Eure Rede, der Gundagg hängt an I seiner Hausfrau." ..... ... .. .
„Er soll kommen!" grollte der Zehren, „ich bin immer für ihn bereit " Er fchlug an fein Schwert. „Ein Edler schweigt über seine Minne", verwies der Templer; der Zehren starrte ihn drohend mit funkelnden Augen an. „Laßt der andern Weiber, Ihr Herren!" rief der Mildenburger versöhnlich. „Denkt ans Rasten!" Er bog rechts ein, wo jetzt das Tal zur Breite sank, hier wollen wir lagern!" — „Bleibt zu Pferd", fchlug ber Templer vor, „bis bie andern vorüber sind."
Unabfehbar zogen die Scharen, wirr durcheinander, staubbedeckt. Ritter und Knappen, Bauern und Weiber mit Kindern, Mönche und Troßgefinde in dichten Haufen, schreiend, psalmierend, daß bas Klappern ber vielen Pferdehufe unb das Poltern der Vollräderkarren in ihrem Lärmen nicht zu vernehmen war. Sehnlich hob der Wolfen das Antlitz zum blauen'Frühlingshimmel auf und zog den Duft der weißen Blüten ein, den treibende Fruchtbäume in der Mittagsschwüle ausatmeten.
Aus dem bunten auf- und niederwogenden Zuge ragte die Gestalt eines Schwergepanzerten. Dick wehte Schaum seinem massigen Rappen vom Maule nieder auf die gewölbte Brust. Kein Zeichen trug ber Ritter, auch nicht bas Kreuz. Das Visier feines Helmes war heradgefchlagen, auf bem Bügelfuß staub die gewaltige Lanze ausgestemmt. Der Ritter trabte gerade vor sich hinsehend vorüber.
„Laßt Euch nicht verdrießen, es reitet mancher mit, ber mit ge- lchlossenem Gitter ziehen muß", sagte ber Templer und griff mit seiner Faust im Eifenhandfchuh in ausgerichtete Fischernetze, bie in der Sonne an Stangen zum Trocknen aufgehängt waren und riß bie Stecken aus dem Wiesengrund, schleuderte sie mit den Schnüren zu Boden. Mit schwerem Schwung kam ber Wolfen zur Erde nieder. Seufzend kletterte der Mildenburger, ber die Hilfe feines Knappen gewöhnt war, aus dem Sattel. Der Templer hatte ben Helm ins grüne Gras geworfen und sich daneben ausgeftredt. „Ich will noch ein Stüd weiter", sprach der Zehren, „gehabt Euch wohl."
Der Mildenburger lag der Länge nach auf dem weichen Rasen und sah den Schwalben zu, wie sie in anmutigen Bogen dahinschossen; ihm wurde behaglich zumute. Vielleicht ersah er eines ber verführerischen Fräuleins im Urwald der Ungläubigen, ober in ihrer Wüste; er wollte es bann befreien!) unb sorgsam an seine Brust schließen. Der Wolfen hatte bie Arme unter bem narbigen Kopf gekreuzt, auf bem bie geschwungenen Sarazenenklingen krumme Wege gezeichnet hatten — mit einem Ruck saß er wieber ausrecht: scharfer Stahl schlug in ber Nähe gegen scharfen Stahl! Der Milbenburger hob sich schmerzlich gestört aus seinen Phantasien zur halben Höhe auf. Mit hurtigen Händen fing ber Wolfen Helm und grasenden Gaul, saß auf und stachelte seinen Hengst, dem die Halme von schmausenden Maule niederhingen, mit dem eisernen Zinken an seine Ferse. Schwer angaloppierend bog er in die Landstraße neben dem Fluh ein. Er hörte bald hinter sich des Mildenburgers zartes Reittier fdjnaufcn, er hob sich in den Bügeln und sah zwei Geharnischte, die nun mit ihran Ganzen wider einander anrannten. Er schloß das Visier, da rief ber Milbenburger: „Er fällt!" Nur mehr ein Berittener
Oesterlicher Mi.
Von Walter von Molo.
Seit vielen Wochen waren Lärm unb Rofsetraben in dem sonst fo stillen Donautale mit seinen schönen Waldern, seinen reichen Schlosfern und Klöstern. Glühend stand die Sonne vorn ersten Hahnenschrei bis zum Aveläuten am Himmel. Hart war das Reiten im brudenben Esten- kleid, und der Weg schien ohne Ende. Vereinzelt riefen Horner zur ^'"Wir wollen noch ein Stüd traben", sprach der von der Milbenburg und hob sich den schweren Eisentopf von der Stirn, auf der der Druck des Helmes eine rote Schramme hinterlieh, „und erst halten wenn sich bas Tal ausweitet; hier kann man nicht sehn vor Staub, den die Troß bUbeüafrt rqutn fein", lachte ber vorn Wolfen, „in Antiochia ift’s heißer, und statt ber Troßbuden werben uns bort die Sarazenen ärgern.
Sie ritten wortlos weiter, zur Rechten Festen und hohe Sitten, aur Linken ben breiten, schnell dahin ziehenden Strom. „Kamen jetzt die Sarazenen wären wir wohl Übel beraten?" fragte Klaus Zehren und zeigt? mit scheuem Blick bie Felsen hinan. »Da droben gab S fröhliches Nisten für bie Hunde unb Kobolde ihres heibnifchen Dienstes!
„Sie haben höhere Berge und reißendere Ströme^ in denen Roh und Mann im Strudel finken!" antwortete der vorn Wolfen. „Wer im Morqenlande gewesen, den dünkt alles zwergenhaft daheim. Vertrauet! Er brach ab und horchte mit verändertem Blick dem frommen Lied, bas bie Mönche gerade wieder anstimmten, die an der Spitze zogen; er hängte den Kopf auf feine Brust nieder. Da fragte der Zehren und riß an den Zügeln: „Warum mahnt Ihr, Mildenburger, das Kreuz? .
Zch hab gelobt die Schwachen zu schirmen, und also gab s kein Zögern, als das Kreuz gepredigt wurde zum Schutze des heiligen
Eure Bauern waren schon mit den Pfosten davongezogen unb hatten Eure Dörfer und Weiler leer gemacht, was? lachte der Zehren. „Eure Felder konnten keine Früchte bringen, darum mußtet Ihr nut sollten Eure Hörigen nicht gezogen sein, gegen Euren Willen, wolltet Ihr nicht
rnqfe aus Sern Kopsaewkmmel des Gesindes, das den Streftplatz umstand aus bem der Unbekannte mit blutiger Lanze brach, um bas frete Feld zu gewinnen. Der Templer sperrte ihm den Weg. Breit stand sem Brauner, die mächtigen Beine tief eingepflanzt, seine rotstlberne Schärpe flog im Frühlingswind. „Zeigt Eure Farben!" befahl er herrisch.
Der andere hob sich den Helm ab und zeigte sein Anttitz. Blau sunkelten große unb friedliche Augen über einem flatternden Blondbart.
Der* trieb9 feinen Rappen näher. „Ich half eine Rechnung nut dem Jebren ausmaleidjen", sprach er gelassen, „ s war em ehrlicherHandel! Gott geb ihm Verzeihn unb mir einen fröhlichen Erben Mein Weib hat jem Ruh!" Zu ben Reisigen, bie sich um ben Toten scharten, schrie er oorqeneigt: „Wer mir übel will, der soll's sagen!''
„Es kommt keiner", brummte verächtlich der Ordensritter.
Der Gundagg blickte noch einmal über bie starre Gestalt auf bem zertrampelten Grunb unb rief mit starker Stimme: „Es wird Euch ein Reiter einholen, vom König Konrad; er kündet Landfrieden unb Ruhen aller Privathändel für die Dauer ber Fahrt! Wenn Ihr ben .Heiter nicht seht, nehmt an, er fei in die Irre geritten, die Kunde wißt Ihr!
Bet Reiter feib Ihr", murrte der Templer unb ein Zucken ging über sein faltiges Antlitz, bas von ber Sonne des Morgenlandes wie Pergament gebräunt war, „bleibt dem Konrab treu! ®s werben nicht viele9 rückkehren aus bem verfluchten Land, bann wir nichts M suchen haben." Er zog seinen Braunen herum unb trabte weiter, gesenkten I Hauptes längs des Stromes, bem Osten zu, unb sah sich nicht mehr um.
Der Gundagg ließ seinem Gaul die Zügel. Er ntt im Schritt durch bie Männer, bie vor ihm zurückwichen, über ben 9Qrenben Mdergrunb heimwärts; bie Lanze quer vor sich auf ben Sattel gelegt, mit ver 1 • ' Lächeln in ben Frühling starrend.
bie Donausähre erreichte, verklang der letzte Ton ber p|al-


