Ausgabe 
26.11.1937
 
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unsere wurde

Rhein versenkte, der allein das Opfer dieser vermeintlichen Volkserhebung geworden war. von deren Gefahr und kaltblütigen Abwendung em Ge­heimbericht des Kommandanten noch große Worte nach Paris sandte, indessen dort schon der Kaiser sein letztes Aufgebot raffte.

3n der Steppe verirrt.

Line wahre Begebenheit aus Süd-Wefl-Afrika.

Von Konrad Blümers, Kreisfachredner und Presseleiter des Reichskolonialbundes.

Am Oranje, der südlichen Grenze von Süd-West-Afrika, liegt Farm Vaaldorn. Sie ist einige hunderttausend Morgen groß und zur deutschen Zeit gegründet. Mit Sparsamkeit und großem Fleiß hat meine Mutter das Land bearbeitet und zu einer Mustersarm entwickelt. Viele tausend Rinder und Schafe weiden auf der großen Fläche, und nicht selten sindet man morgens Springböcke und Antilopen, die friedlich in der Herde mitgrasen. Wir freuen uns über jeden Besuch, der aus der Durchfahrt bei uns einkehrt. Es ist die große Regenszelt. Mein Bruder und ich haben Ferien und verbringen diese aus der Farm, da wir dort den besten Zeitvertreib finden. Bäume und Büsche stehen im herrlichsten Grün, und im Garten duftet alles nach dem erfrischenden Regen. Meine Aufgabe ist es, die Arbeit an die Schwarzen zu verteilen und ste zu

Stelle wo Pkt auf Ne Spur gestoßen ist. Den Ovambo Thomas schick« ich mit einer Notiz zu meiner MutterAengstige Dich nicht mehr, wir haben die Spur und werden Hans jetzt finden." Dem Davonreitenden rufen die Eingeborenen noch nach, Kost und Wasser mitzubringen.

Planlos läuft die Spur des ermatteten Jungen durch das Feld. Das Suchen geht nur langsam voran, viel zu langsam für mich. Gegen Abend vermehren sich die Schwierigkeiten. Auf den harten Kalkrändern verrät oft nur «in umgekehrtes Steinchen den Verlauf der Spur. Noch habe ich einige Patronen bei mir; vielleicht können diese zur Erfüllung meines Wunsches führen. Aber wo ab feuern? War mein Bruder hier in der Nähe? Es ist kurz nach Sonnenuntergang. Langsam nachein­ander krachen drei Schüsse. Das Heulen der Schakale höre ich als Antwort. Ganz unheimlich ist es mir zumute. In der Ferne sehe ich ein Feuer, das die Eingeborenen sich angezündet haben; denn abends wird es auch bei uns ganz empfindlich kühl. Die Eingeborenen sind müde. Ich frage, was können wir tun, um Hans zu retten. Da meinen sie:Laß mal, Mister, die Nacht kann die Menschen ntscht tun; auch Eingeborene Mensch sieht nicht. Mister muß erst essen und schlafen." Da verspreche ich dem Finder meines Bruders ein neues Hemd und eine gute Hose. Damab will sich den Lohn nicht entgehen lassen. Er zündet sich einen Holzspan an und geht los, um zu suchen. Wenn er ein trockenes Stück Holz sindet, entzündet er wieder an dem brennen­den und marschiert so weiter. Meine aufgeregten Nerven lassen mich nicht an Schlaf denken. Ich zittere, als ich dasHouh, houh!" der wilden Hunde und das Heulen der Hyänen höre, die ihre Beute schon verfolgen.

Im Morgengrauen kehrt Damab zurück und berichtet mir, daß er eine Lagerstätte meines Bruders gefunden hat. Wir machen uns alle dorthin auf den Weg. Abgerissene Zweige, blutige Dornen und zerbissene Blätter sind als Zeichen der nahenden Verschmachtung zurückgeblieben. Von dieser Stelle an können wir die Spur des Knaben auch gut ver­folgen, denn sie ist frisch und nicht vom Regen verwaschen. Groß war mein Erstaunen, als die Eingeborenen mir eine Stelle zeigen, wo eine andere Spur kreuzt. Damab sagt mir:Die Affäre ist moi (gut)! Guck! Hier Buschmann gelaufen, Hans gefunden!" Die Eingeborenen merken, daß ich blaß werde, und ermuntern mich:Buschmann macht Hansi nicht tot, tut keinem Kind was, gibt Bubi Kost."

Wie ich später erfuhr, durchstreifte am Morgen desselben Tages ein Buschmann die Gegend. Stolz und leichtfüßig schritt die nackte, hell­braune, noch jugendliche Gestalt dahin. Es war der Sohn des Häupt­lings, eine für einen Buschmann ungewöhnlich schöne Erscheinung. Bei der Verfolgung eines Gnubullen, den er mit feinem Giftpfeil an- geschossen hatte, kreuzte er die Spur des Knaben. Ihm bangte um seine Sicherheit; denn viele Buschmänner waren von den Weißen erbarmungs­los wie ein Stück Wild erschossen worden, da sie furchtbar wilderten. Er blickte in die Runde, verließ die Wildfährte und folgte der Menschen- spur; denn die planlose Spur sagte ihm, daß ein Kind sich hier ver­irrt hatte. Die Spur war noch frisch, jedoch stellte er fest, daß das Kind vor dem Gnu die Stelle passiert hatte; denn die Spitze seines Hufes hatte die Spur des Kindes gestreift. Auch entdeckte er, daß eine starke Hyäne dem Kinde gefolgt war, wegen ihrer Feigheit wagte sie sich aber nicht an das Lebende. In kommender Nacht hoffte sie auf einen leckeren Biff en, und um den Rest würden sich Schakale und Aasgeier balgen.

Nach kurzem Suchen fand der Buschmann meinen Bruder Hans. Mit feinem Gesicht im Grase lag der Körper in der prallen Sonnen­hitze. Dito drehte ihn auf den Rücken, es schien noch Leben in ihm. Dann nahm er ein paar rote Gurken aus feiner Tasche und drückte den Saft in Hansis trockenen Mund, um ihn darauf in den Schatten eines Baumes zu legen. Als Tiko selbst noch ein paar Wasserwurzeln verzehrt hatte, rüstete er mit Sonnenuntergang zum Aufbruch. Er trug feine kostbare Last zur Werft, die im dichten Busch versteckt lag. Die Bufch- mannkinder freundeten sich bald mit Hans an und teilten Fleisch, Feld­kost und ein Straußenei, das in glühender Asche gekocht worden war, brüderlich mit ihm. Nur der alte Häuptling Toko kraulte sich verdrießlich seinen Wollkopf.Richtig war es, den Knaben zu retten. Falsch aber war es, das Kind zur Werft zu bringen und uns damit zu verraten; denn der weiße Mann wird uns von hier vertreiben, wenn er uns findet. Deshalb befehle ich, den Knaben auf feiner Spur zurückzubringen. Wir werden gegen Norden ziehen, dort hat es gut geregnet und wir können dort viel Wild jagen. Tiko, du folgst dann auf unserer Spur."

Nachdem Damab feftgeftellt hatte, daß Hans von dem Buschmann gerettet worden war, lenkte er feine Schritte nach Westen, wo er die Bufchmannswerft vermutete. Er begab sich allein dorthin; denn er wußte, daß die Buschmänner sich sonst verstecken. Im letzten Augenblick sah er, wie ein Buschmann sich im Busch verstecken wollte. Der Buschmann weigerte sich, die Werft zu verraten und versuchte ihn mit Ausreden zu beschwichtigen. Da riß Damab die Geduld. Er faßte ihn am Arm und hielt ihm seine mächtige Faust unter die Nase und sagte:Willst du Damab anlügen wie einen weißen Mann?" -Darauf brachte er ihn end­lich zur Werst.Guten Tag kleiner Baas!" sagte Damab und schüttelte Hans die Hand. Dann sagt er allen Dank, und daß er am nächsten Tag den Lohn für die Rettung meines Bruders bringen werde. Darauf nimmt er Hans auf feine kräftigen Schultern und bringt ihn zu mir zurück. Auf der Farm angelangt, wusch meine Mutter den Ausreißer und kühlte ihm die Wunden. Müde legten wir uns, um den wohlverdienten Schlaf nachzuholen. Am nächsten Morgen mußte Damab zur Bufchmannswerft reiten und ihnen Kaffee, Zucker und Tabak als Dank für ihre edle Tat bringen. Verlassen war die Stätte. Da trat Tiko aus dem Dickicht. Damab fragt auf Namaqua:Wo ist der Häuptling Toko, dein Vater?' Tiko war bei der deutschen Schutztruppe und antwortete auf deutsch: Ich keine weiß nicht!" Beide lachten und Damab händigte Tiko die Belohnung aus, dann trennten sie sich. Die (Eingeborenen der Farm er­hielten Kleidungsstücke und den fettesten Ochsen für ihre Bemühungen. Am Abend entfachten sie ein großes Freudenfeuer und tanzten, obwohl kein Mond am Himmel stand, bis in den grauen Morgen.

beaufsichtigen. *

Als die größte Mittagshitze vorüber ist, schlage rch mit einem Prügel an die alte Kohlensäureflasche, um die Jungens zur Arbeit zu rufen. Der Vormann, ein kräftiger und muskulöser Hottentokk mit finsterem Blick, gilt bei den anderen als Relpektsperson. Er ist mürrisch, aber sonst ein sehr guter Arbeiter. Bei mir darf sich der Kaffer keine Widerrede er­lauben. Als ich Damab feinen Arbeitsplatz anweise, hat er etwas einzu­wenden. Ich gebe ihm einen Verweis, mein junger Bruder Hans aber glaubt dies noch durch einige Stockhiebe betonen zu müssen; denn er konnte Damab nicht leiden. Zornig wende ich mich gegen meinen Bru­der und befehle ihm, zur Mutter ins Haus zu gehen. Er geht dem Farm- Haufe zu, und ich mache mich an meine Arbeit, um den Eingeborenen «in gutes Beispiel zu geben. Auf der Veranda hört Hans meine Mutter, geht aber vorbei, um sich hinter dem Haus in den Schatten eines Baumes zu legen und feine Wut auszuweinen. Die dem Gewitter vor­ausgehende Schwüle läßt ihn bald in einen tiefen Schlaf versinken. Als ihn Regentropfen wecken, ist es dunkel um ihn; der ganze Himmel hak sich im Nu mit schweren Gewitterwolken überzogen. Blitze werfen ge­heimnisvolle Lichter und Schatten, und der grollende Donner ängstigt meinen kleinen Bruder. Furchtsam sieht er um sich. Die sonst von weitem sichtbaren Windmotoren waren in Wolken eingehüllt. Da, ein Lichtschein, der gleich wieder verschwindet. Hans glaubt, der Schein kommt vom Haus und geht eilig nach dieser Richtung. Die Scheinwerfer eines Last­autos hatten für eine Sekunde die Wolkenwand durchbrochen, und so irrt er weiter hinein in die endlose Steppe, aus der schon mancher den Weg nicht mehr zurückgefunden hat. Die Dornen haken sich in seine Kleider, als wollten sie ihn zurückhalten, sie zerreißen ihm Gesicht und Hände, aber die Angst treibt ihn weiter.

Auf der Farm geht inzwischen trotz der Schwüle die Arbeit ihren Gang weiter. Die sich auftürmende Wolkenwand erfreut mich; denn Regen ist der größte Segen für Süd-West. Damab sagt, um mich zu versöhnen:Bas heute stiev (viel) Regen!" Als die Sonne im Westen versinkt, schicke ich die Kaffernweiber in den Kral zum Melken; denn die Kühe sind wegen des aufziehenden Gewitters früher als sonst ein- getrieben worden. Als ich in den Proviantraum gehe, um Kost zu ver­teilen, fallen die ersten Regentropfen. Wie erstaunt bin ich, als ich beim Abendessen meinen Bruder nicht am Tisch sehe. Wo ist der Junge? Schon mache ich mir Vorwürfe, daß ich ihn vielleicht beleidigt habe. Ich eile hinaus in die dunkle, stürmische Nacht und rufe aus Leibes­kräften. Keine Antwort. Dann renne ich zu der 200 Meter entfernten Eingeborenenwerft, um zu sehen, ob Hans dort vor dem Regen Zuflucht gesucht hat. Er ist nicht zu finden. Da kommt mir der Gedanke ver­irrt! In letzter Zeit hatten sich verschiedene Kinder verirrt, sind ver­schmachtet und wurden dann von den gierigen und stinkenden Hyänen aufgefreffen. Grausen packt mich. Ich frage Damab:Hast du Hans was getan?"Ne", sagt er,was soll ich ihm tun, Hans ist noch Kind!" Dann ordne ich an zu suchen, alle sollen suchen, nach allen Richtungen. Den fettesten Ochsen verspreche ich als Lohn demjenigen, der Hans findet. Damab sagt:Mister, schieß!" Der Gedanke ist gut. Ich eile zur Wohnung und hole Gewehr und Patronen. Kurz hintereinander krachen mehrere Schüsse. Der starke Regen dämpft den Schall. In einer halben Stunde sind wir startbereit. Die Pferde sind für die Jungens gesattelt und die anderen müssen zu Fuß die Spur aufnehmen. Fünf Kaffem nehme ich im Auto mit und lasse sie 20 Kilometer vom Hause in ver­schiedenen Richtungen ausschwärmen. Dann geb« ich wieder einige Schüsse ab und mache ein großes Feuer an, damit die Eingeborenen ihr« Rich­tung in der Dunkelheit hakten können. Einige wollen einen brennenden Holzspan mitnehmen um die Spur zu verfolgen, aber er erlöscht bald durch den starken Regen.

Meine Mutter schwebt zu Haase in Aengsten. Oft glaubt sie etwas zu hören oder zu fehen, aber es sind nur Täuschungen. Den strömenden Regen, den so heiß ersehnten, kann niemand bannen. Er verwischt die Spuren des Knaben. Schwach hört man in der Ferne das Rufen der Suchenden. Nach Mitternacht kehr« ich heim, um zu sehen, ob der Ausreißer viel­leicht da ist. Die anderen kehren auch nacheinander zurück. Der Regen läßt nach, und gegen Morgen hört er auf. Noch ehe der Tag graut, ist schon alles wieder auf den Beinen. Höher steigt die Sonne am Firmament, und wir finden noch immer keine Spur. Erst gegen Mittag findet der Herero Pit, der «in guter Spurenleser ist, diese. Einige Keine umgefallene Steinchen haben ihm verraten, wo mein Bruder hingeirrt ist. Schnell bringe ich die restlichen Eingeborenen mit dem Auto an die

Deranlwörtlich: Dr. Han» Thyrivt. Druck und Derlag: Brühlschr Universitätsdruckerri R.Lang«. Gießen.