Ausgabe 
26.11.1937
 
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GiehenerZamilienbMer

Unterhaltungsbeilage zum Giehener Anzeiger

Jahrgang 1957 Hreitag, den 26. November Nummer 92

Der General

Von Albrecht Schaeffer

Copyright 1934 by Rütten und Loening Verlag, Potsdam r. Fortsetzung.

Ich aber hielt ihre Hand umschlossen. Ich ließ nicht los die Fähig­keit dazu war nicht vorhanden. Heute noch, wo ich seit fünfundzwanzig Jahren diese meine Hand nicht mehr habe, fühle ich in ihr Knöchel und Finger, die ganze warme, zarte, leichte Gliederung ihrer Hand. Also saßen wir nebeneinander und hielten uns wie lange mag es ge­dauert haben? So lange, bis sie mit Kopf und Hals eine nicht zu be- schrelbende Bewegung machte, die nur sanft war. Da tat meine Hand sich auf. Vor meinen Augen war ein Gezuck und Geflirr von Lichtern und geröteten Gesichtern, über denen bunte Helme und Kappen tanzten. Mit einem Geprassel und Geknatter von Stuhlbeinen hob sich das alles nach oben, auch ich mit und verbeugte mich sinnlos nach allen Seiten.

Den übrigen Abend, wenn ich auch alles tat, was von mir verlangt wurde, blieb mein Wesen gelähmt. Ich war eine Wolke, in der mitten eine ungeheure verzauberte Gewalt sah, ein schlafender Riese, mit ver­siegelten^ Lippen, der vom Zeh bis zum Scheitel Gesang war. Ein Wimpernzucken und er hätte die Erde in Jubel ertränkt.

Ihr kam ich bis auf fünf Schritte nicht nah geschweige daß ich hätte mit ihr tanzen können und wozu auch? Sie war das Bild: die Wirkliche hielt meine Hand umschlossen. Doch waren sie und ihre Figur" dergestalt miteinander verbunden, daß ich diese Figur" sah, wo immer sie ging und stand, auch hinter dem Rücken.

Ich war ihr verschmolzen.

Kluge Leute gibt er ja heutigen Tages, die herausgesorscht haben, daß alle Erscheinungen des Lebens im Sexus wurzeln; was aber nicht danach aussehe, was tn den sublimierten Höhen von Seele und Geist vorzugehen scheine, das fei Illusion.

Ich will hiergegen nur die Frage tun, was mich in jener Nacht be­wog, beim Berlassen des Hauses sogleich meine Augen zu erheben und dazustehn unter den Leuchten des Firmaments, wie vom Donner Ä. Diese Sterne waren in dem Augenblick aus meiner Knaben- ach dort oben hinaufgesprungen. Mein eigenes gestirntes Inneres sah "mich vom Himmel aus an und sagte: Nun bist du; von heute an bist du da. Und ich war kein Knabe mehr, sondern Mann, ein ganzer Mensch, zu der Urdoppelheit ergänzt, die das All erfüllt, und reichte so an die Sterne.

Der gestirnte Himmel über mir und das Gesetz in mir sch hatte sie beide. Und ich frage nur an, wie sie in dem Augenblick in mich hmeinkamen. v

Oder könnte es sein, daß vielmehr ich es war, der hmeinkam

Fügung und Wendung.

Liebe Kinder, ich bin wohl viel zu ausführlich geworden. Alte Leute, wenn fie sich erinnern, werden sie ja geschwätzig. Interessiert es euch überhaupt? Dich, Luise, vielleicht, du stehst noch zwischen den Zeiten. Aber du, Wolfgang, Jahrgang 1901, hast dich bereits entschieden, du arbeitest im neuen Bau, du stehst oben auf schwankem Gerüst und hast bitteren Wind in der Nase. Nur zu, mein Junge, kümmere dich um nichts. Aber sei so gut, leih mir für eine Minute deine Kelle. Da unter deiner Türschwelle entdeckte ich ein Loch, und wenn du nichts dagegen hast, lieber Sohn, will ich diese kleine Kapsel hineinversenken. Und wenn tman einmal nach unzähligen Jahren auch dein Haus einretßen wird, um ein neues dafür zu errichten, so wird man villeicht die Kapfet uno darin etwas unkenntlich Verdorrtes finden. Aber ein Duft steigtaus den kennen die Menschen, sie sagen: /Das ist nicht neu; das blüht hier auch überall; das blüht immer*.

Also laßt mich noch fortfahren eine Weile. n , ,. .,

Damals war März; es verging beinah ein halbes Jahr, bis ich bet einem Morgenritt in den Lindenalleen, die von unserer Kaserne, vorn Königsworther Platz aus in vierfacher Reihe nach Herrenhaufen fuhren, einen Primaner meines Lyzeums sitzen sah den ich kannte, und wem Roß vor ihm zügelte. Friedfertig saß er auf seiner einsamen Bank und betrachtete mich anerkennend. Er sagte zu mir:

»Ein Kilometer gleich tausend Meter gleich zehn Junten.

Herrenhäuser Allee"", erwiderte ich,gleich zwei Kilometer gleich zwanzig Minuten.'" ,,

Dies war der Anfang einer Tabelle geographischer Muße und Mfern, k sich vom trauten Heimatort über all« Erdteil« in da» Unioerju

spannte. In unsere Köpfe waren sie so hineingehämmert, daß zweie von uns am Nordpol und in Tibet, unter jeder Verkleidung, mit ihren ersten Sätzen als Gleichgeschundene der Jugend einander erkennen konnten. In der Sonne sich räkelnd, erzählte er mir, ihm wäre in der Klasse ganz schlecht geworden, so daß er ins Freie habe eilen müssen, um sich da zu erfrischen. Es ging ihm auch schon viel besser, er sein Wurstbrot, das er nicht vergessen, mit Appetit und sagte, auf diese Weise schöpfe er Kraft zu sportlicher Höchstleistung beim morgigen Schulfest. Und er lud mich großmütig ein, daran teilzunehmen und vielleicht auch mit einem Muskel zu trillern, indem er sagte:Gymnos heißt aber nicht nackt, sondern leicht bekleidet".'" Wir lachten er hoffend ein Jahr vor­aus, ich versonnen ein Jahr zurück.

Wurden noch Schulfeste gefeiert? 2teroberte die Welt sich nie?

Dieses Schulfest, das alljährlich im August an einem schönen Tage im Tiergarten vor sich ging einem mehrere Stunden von der Stadt entfernten Wäldchen, in dem Damwild gehegt wurde, ist wohl für viele Schülergeschlechter die goldengrüne Oase in jahrzehntbreiter Sand- wüste geblieben. Zu meiner Zeit noch mit der Eisenbahn fuhren die Klassen, zwölf mit der Vorschule, mit ihren farbigen Mützen und seidenen Fahnen hinaus, marschierten von der Station zum Wäldchen und hin­durch zum herzanschwellenden Einzug auf die weite Wiese vor dem Forsthaus, wo sie, im Kreis der schon wartenden Angehörigen zum Ringe geschlossen, .Gaudeamus" fangen. Ach, dieser eine Nachmittag im Jahr war Freiheit, Frohsinn und Stolz auf die Gemeinschaft, die sonst eine Zwangsinnung von Kulis war. Hier konnte selbst der geistig Kum­mervollste einen Ausgleich finden im Weitfprung ober im Diskuswurf. Denn nach dem Kaffeetrunk mit den Anverwandten unter großen alten Eichbäumen rings um die Wiese die farbigen Seidenfahnen lehnten nun, leise Falten schlagend, an Pfosten, die rund um den Rasenplatz Girlanden von Tannengrün und bunten Lampions hielten, fingen bald die Wettspiele an, auf Rasen jenseits der Eichen, jede Klasse für sich, die Primen im olympischen Fünfkampf. Später war Preisver­teilung mit schöner Rede des Primus omnium auf der Freitreppe des Forsthauses; es gab Lorbeerkräroze mit f eiben en Schärpen in ben Klaffen- farben weißrot, grünrot, weißblau, die aber von den Kränzen ge­nommen und auf die linke Schulter geheftet wurden. Das war ein Stolz, das war ein Sommer und Glanz und Gefchwelltheit, Mädchenkleider und weiße Kieler Blusen, breite Brustschärpen der Fahnenträger und Gold- fransen und keine Angst vor Unpräpariertheit. In den Eichbäumen rauschte Nachmittagsleuchten, in der Himmelsbläue stand lächelnd eine ewige Minute, 400 junge Kehlen fangen Deutschland über alles, mann­haft und ernst. Gleich nach Dunkelwerden begann das Feuerwerk auf der Waldwiese, das mit einem riesigen flammenden L fein Ende nahm; die Menge löste sich mit Beifallsgeschrei auf, die Kleinen fuhren bald heim mit den Ihren sie zogen mit schimmernden Lampions durch die Waldesnacht zur Station; für die Großen nahm der Tanz im offenen Zelt, nahm das eigentliche Fest feinen Anfang. Die Polonäse auf der Wiese, die ewige Klarinette, die in vierzehn Jahren immer wieder- kehrerode Melodie ich kann fie noch heute flöten.

Diese goldengrüne kleine Oase: vierzehnmal nacheinander erlebt, hatte sich Mal aus Mal aUfeinanbergelegt und ineinandergepreßt wie zu einer harten goldenen Münze, unverlierbar im Schrein des Gedächtnisses. Damals freilich war sie noch nicht verhärtet, sondern noch blumig frisch. Wenn ich nun auch ein freier Mann war, der die Festtagsfreiheit vom Schulzwang nicht mehr erleben konnte, so fühlte ich mich doch verlockt, noch einmal dabei zu sein, zu sehn, ob noch alles so war.

Denn das war die dumme kleine Bewußtseinserscheinung, die der Schicksalswink in mir annahm. *

Als ich nämlich, unter den Primanern hinausgefahren, auf den sonnig offenen kleinen Bahnsteig sprang, traute ich meinen Augen nicht. Dem, da stieg sie Ulrike Sosie, aus einem unfernen Abteil, einen fetten, blonden, kleinen Pöx an der Hand, der ihr Neffe war. Dies kam so, daß ihre verheiratete ältere Schwester, bei der sie wieder einmal zu Besuch mar, ihren Sprossen mit fünfzig anderen Knirpsen seiner Klasse unter der Obhut nur eines Lehrers ben Gefahren einer Bahnfahrt nicht aus- zusetzen wagte im Jahr 1887, selber aber bettlägrig war. So nahm die Schwester-Tante die Beschirmung auf sich, und da noch andere Mütter ähnlich fürchteten, schloß sie sich mit der Gouvernante einer befreundeten Familie zusammen; denn sie mußte ja für sich selbst einen Schutz haben. Beide zusammen, war auch die Gouvernante schon dreißig alt befanden sich aber in der Hut des Lehrers, der ein schöner Greis mar. Er hieß Ahrens; für eine löbliche Arbeit küßte er uns. So war eg damals. Ihr glaubt es nicht. Wäre es aber nicht so gewesen, so hätte meine Mutter mich ja in das Lichterfetder Kadettenkorps stecken können, statt ins Lyzeum in Hannover.