Gießener Ham ilienblätter
Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger
Jahrgang 1957
Montag, den 2b. Juli
Nummer 57
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Wenn Siebold mit solcher Bestimmtheit sprach, so Sache gewiß, und ich wäre der Letzte gewesen, Avila
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Dennoch war ich selbstsüchtig genug, ihr Opfer stillschweigend schehen zu lassen.
„Glaubst du, daß ich Martina finden werde?" fragte ich.
„Ich glaube es: du wirst sie finden", erwiderte Josepha ernst überzeugt.
Er mußte es noch einmal, langsamer und deutlich sagen, ehe ich ihn verstand. Ich sah, daß er und Siebold zu einem Entschluß gekommen waren, und ein Blick auf Siebold bestätigte mir meine Vermutung.
„Du mußt endlich dir selbst zurückgegeben werden", fügte Siebold hinzu.
Ich zuckte die Achseln, ich wollte hören, was sie vorzuschlagen hatten.
Siebold machte eine grimmige Miene: „Dieser Avila muß gezwungen werden, zu sagen, wo er Martina versteckt hält."
„Ihr kennt den Mann nicht", wandte ich ein, „der ist zäher als ein Eselsbraten. Wenn er nicht will, so ist alle Mühe umsonst." _
Siebold lachte: „Wir werden Mittel finden, ihm zu entreißen. Verlaß dich darauf, Francesco, er wird wir ihn auf die richtige Weise fragen."
Eine seiner ersten Regierungshandlungen war die Begnadigung aller politischen Verbrecher.
„Nun", lächelte Miguel, „ist die Zeit nicht das Schicksal, Francesco?"
Was mich selbst betrifft, so brachte mir bas Schicksal keine günstige Wendung. Sie sänftigte nichts, sie steigerte nur meine Sehnsucht und meinen Schmerz. Der ungeheueren Anspannung und Erregung, in die mich die letzten Ereignisse versetzt hatten, war eine schwere Ermüdung und ein Verfall meiner Kräfte gefolgt. Sie äußerte sich vor allem — peinlich für mich — darin, daß aus der gesteigerten Hellhörigkeit jener aufgewühlten Tage eine völlige Taubheit geworben war, eine Taubheit solchen Grades, wie sie mir bisher noch nicht verhängt gewesen avar. Mit Menschen, die es bisher noch nicht gelernt hatten, so mit mir zu sprechen, daß ich die Worte von ihren Lippen ablesen tonnte,- <jab es keine andere als schriftliche Verständigung.
Mehr als je zuvor war ich von der Außenwelt abgeschlossen und auf mich selbst angewiesen.
Aber diesen Zustand, der mir sonst eine erhöhte Tätigkeit meiner inneren Gesichte und starken Antrieb zu gedeihlichem Schaffen gebracht i>atte, konnte ich diesmal zur Arbeit wenig nützen. Meine Gedanken gehorchten mir nicht, sie ließen sich nicht sammeln und auf einen Punkt richten.
Das war gewiß nicht darum gesagt, weil mir Martina unerreichbar war. Keine bloße schlaue Berechnung einer Frau, die den Zeitpunkt für günstig erachtet, so zu tun, als hätte sie ihre sonstige Kleinlichkeit abgelegt und könne ohne Gefahr, beim Wort genommen zu werden, die Großmütige spielen. Mit Josepha war wirklich eine Wandlung vorgegangen, sie war bereit, mir das Opfer ihrer Liebe zu bringen, sie hatte sich zu einer ungeahnten Hoheit der Seele durchgerungen, sie war durch ihre Trauer und ihre Sorge um mich geläutert und so über mich hinausgeführt, daß ich mir auf einmal recht klein und erbärmlich kam.
GOYA
UND DAS LÖWENGESICHT
ROMAN VON KARL HANS STROBL
12. Fortsetzung.
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sie gewesen, die meine Freunde der Rücksicht , „ vielleicht geglaubt hatten, auf Josepha nehmen zu müssen. Es war am selben Abend nach Josephas Weggang, daß Miguel auf dem Dach des Landhauses, wo wir beim Wein saßen, plötzlich sagte: „Es muß etwas geschehen, Francesco, so kann das nicht weitergehen."
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Seit Fuentes gerettet war, wurde ich Tag und Nacht wieder von dem unsagbaren Kummer zerfleischt, den mir Martinas unbekanntes Schicksal bereitete. Wo in diesem von innerem Beben durchrllttelten Spanien, wo inmitten all der Kriegsgreuel, von denen mir täglich neue bekannt wurden, hatte ich sie zu denken? Welchen Gefahren konnte sie nicht ausgesetzt (ein? Suchten nicht die Franzosen und meine Landsleute einander an Grausamkeit zu überbieten? Wie konnte ich Nachsicht über Martina erhalten?
Während aber meine ganze Seele so mit Martina beschäftigt war, rauchte immer ein anderes grauenhaftes Gesicht vor mir auf, das blau- "ote, gedunsene Antlitz eines Gehenkten, vor die holden lieblichen Züge meiner Geliebten schob sich der seitlich gedrehte Kopf, dieser Kopf, der m einer Schlinge stak und dem eine dicke geschwollene Zunge zwischen *en gebleckten Zähnen heroorguoll, der Kopf des Gil Argensola, meines Sohnes.
Es war, als riefe das eine Bild das andere hervor, als solle mir » dieser unerbittlichen Aufeinanderfolge ein Zusammenhang von Ur- vche und Wirkung aufs eindrücklichste verdeutlicht werden.
Ich merkte bald, daß Siebold und Miguel mich mit liebevoller Angst ' eobachteten. Sie sollte mir verborgen bleiben, aber es konnte mir " icht entgehen, daß sie heimlich miteinander flüsterten und daß sie sich n die Aufsicht über mich teilten, als befürchteten sie, ich könnte irgend Twas Törichtes tun. Und es stand mit mir damals ja auch wirklich “ icht zum Besten, so daß ich ganz gut einer Dummheit fähig gewesen näre, wenn mich nicht eine Hoffnung aufrecht gehalten hätte. Sie jammerte sich, mir selbst zum Widerspruch und bisweilen zur geheimen Beschämung, daran, daß Martina durch jenen Talisman geschützt war, "wer den ich früher überlegen gelächelt hatte. Es konnte ihr nichts
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Ernstes geschehen, so lange er wirksam war und jenes Licht in dem unbekannten Kloster brannte. Aber war es nicht genug an dem daß sie mir entrissen war, und ich nicht wußte, wo sie sich befand?
Auch Josepha kam einige Male jn das Landhaus hinaus, und es war seltsam, daß von diesen Besuchen eine Beruhigung auf mich ausging. Sie war sehr niedergeschlagen, und der Eindruck verstärkte sich in mir, daß sie darunter litt, durch jenen Verrat meinen jetzigen Zustand mitoerschuldet zu haben.
Bayeu war erkrankt, und vielleicht verdankte ich dem Umstand, daß sein Einfluß auf die Schwester minder wirksam war, ihre Annäherung und ihr Werben um meine Verzeihung. Ich entsann mich, daß sie es gewesen war, die sich Dayeus Niedertracht widersetzt hatte; und dies mag dazu beigetragen haben, daß ich mich in ihrer Nähe leichter fühlte und ihre zarte Rücksicht als liebevolle Hilfe empfand.
Mein Landhaus lag vor der Segooiabrücke, etwa eine halbe Stunde von der Stadt. Es war einfach genug, einige Wirtschafts- und Schlafräume umgaben tm Erdgeschoß einen Saal und im ersten Stock meine Werkstatt. Aber der Garten, der dazu gehörte, war groß und fruchtbar, und von der Anhöhe überschaute man die weite Wiese, auf der das Volk von Madrid die Romeria di San Isidro zu feiern pflegte, die ich einst gemalt hatte. Haus an chaus gedrängt, ein grauer Steinwall begrenzte die Stadt im Hintergrund den Blick. Dem Haus zunächst drängte sich in Beeten eine üppige Blumenfülle, die von dem alten Gabriel sorgsam betreut wurde, dann kam ein kleines Gehölz mit Gruppen von Büschen. Es wurde von einem Bach durchflossen und war auf meinen Wunsch in wilder Ursprünglichkeit geblieben. Auf der Höhe, nahe dem luftigen Gartenhäuschen stand vor einer halbkreisförmigen Bank ein runder Steintisch, an den ich mich zurückzog, wenn ich der Bewachung meiner Freunde entgehen wollte und mich zu sammeln versuchte; und hier war es, wo mir Josepha einen Beweis dafür gab, daß sich ihre Liebe zur Selbstlosigkeit durchgerungen hatte.
Ich erinnere mich noch sehr genau des veilchenblauen, gegen Westen von orangefarbenen Streifen durchzogenen Abendhimmels, dessen selige Heiterkeit mir meine qualvolle Zerrissenheit so recht ins Bewußtsein brachte, und meines Erstaunens, als Josepha plötzlich meine Hand faßte und sagte: „Wenn du sie so sehr liebst, Francesco, so gebe ich dich frei . . ."
Jedenfalls warteten wir umsonst aus die Empörung, die nach unserer Meinung ausbrechen mußte, sobald die Hinrichtung des Grasen Fuentes in Madrid bekannt geworden war. Entweder hatten sie die Franzosen gut geheimzuhalten verstanden oder ihre Faust lag zu schwer auf der geöemütigten und seelisch gebrochenen Stadt. Oder aber — und das war mir am wahrscheinlichsten — glomm die Entrüstung im Verborgenen weiter und half, nicht am Tatort selbst, sondern draußen außerhalb des Bereiches der französischen Macht den Aufruhr zu entflammen, der jetzt allenthalben hell entbrannt war.
Murat hatte Madrid verlassen und an seiner Stelle war der neue König von Napoleons Gnaden eingezogen. Das leichtbewegliche Volk schien ihn nicht ohne Wohlwollen aufzunehmen, die Hauptstadt jubelte ihm zu, denn er verstand es, sich recht günstig einzuführen. Sein pomphafter Einzug befriedigte die Schaulust, der Münzregen, der sich über bas Volk ergoß, rief die schönsten Balgereien hervor, und er gewann vor allem die Zuneigung vieler Herzen durch die Gestattung der eine Zeitlang verboten gewesenen Stierkämpfe.


