Ausgabe 
26.2.1937
 
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SiehMrZamilienblStter

Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger

Jahrgang 1951 Montag, -en t.Zebruar Nummer 9

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Plakat. Und diesen großen Bogen hat er sich in die Waschtoilette ge klebt, und da mahnt es ihn immer."

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,.De.^eiralet), aber in einem fremden Hause, da fangen denn doch die Rücksichten an. Unser guter alter Kortschädel sprach auch immer von ,Dehors5"

Unter diesen Worten waren Woldemar und Gundermann vom Salon her auf die Veranda hinausgetreten, bis dicht an die Treppenstufen heran, und sahen auf den kleinen Wasserstrahl, der auf dem Rundell aufsprang.

Immer, wenn ich den Wasserstrahl sehe", fuhr Gundermann fort, muß ich wieder an unfern guten alten Kortschädel denken. Js nu auch hinüber. Na, jeder muß mal, und wenn irgendeiner seinen Platz da oben sicher hat, der hat ihn. Ehrenmann durch und durch, und loyal bis auf die Knochen. Redner war er nicht, was eigentlich immer ein Vorzug, und hat mit feiner Schwatzerei dem Staate kein Geld gekostet: aber er wußte ganz gut Bescheid, und, unter vier Augen, ich Hab- Sachen von ihm gehört, großartig. Und ich sage mir, solchen kriegen wir nicht wieder ..."

Ach, das ist Schwarzseherei, Herr, von Gundermann. Ich glaube, wir haben viele von ähnlicher Gesinnung. Und ich sehe nicht ein, warum nicht ein Mann wie Sie ..."

Geht nicht."

Warum nicht?"

Weil Ihr Herr Papa kandidieren will. Und da muß ich zurückstehen. Ich bin hier ein Neuling. Und die Stechlins waren hier schon ..."

Nun gut, ich will dies letztere gelten lassen, und nur was das

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oanesZx DOn Gundermann, dagegen ist doch nichts zu sagen." pictäxy all ich auch nicht. Eher das Gegenteil. Es hat ja doch daß es einer so ernst nimmt. Denn er hat zwei Tage 'er wenn solch junger Mensch es so immer liest, so ge­rn. Und dann ist ja auch gleich wieder die Verführung an gerade immer über solche Dinge reden muß; noch p ich mit dem Herrn Hauptmann über unfern Volontär chen habe, netter Mensch, und nun gleich wieder mit kor, auch über so was. Aber es geht nicht anders. Und doch auch wie verantwortlich für seine Seele."

'kte.Gewiß, liebe Frau von Gundermann. Aber was yilf# was handelt es sich denn eigentlich?"

n und für sich nicht viel und doch auch wieder eine >ache. Da haben wir ja jetzt die Jüngste von unserm 5%I»C -dt ins Haus genommen, ein hübsches Balg, rotbraun und Brandt wollte, sie solle bei uns angelernt werden, in großes Haus, gewiß nicht, aber Mäntel abnehmen -.uuiptuivmiercn. und daß sie weiß, ob links oder rechts, so viel lernt sie am Ende doch."

Gewiß. Und die Frida Brandt, o. die kenn ich ganz gut; die wurde jetzt gerade vorin Jahr eingesegnet. Und es ist, wie Sie sagen, ein aller­liebstes Geschöpf und klug und aufgekratzt, ein bißchen zu sehr. Sie will zu Ostern nach Berlin."

Wenn sie nur erst da wäre. Mir tut es beinahe schon leid, daß ich ihr nicht gleich zugeredet. Aber so geht es einem immer."

Ist denn was vorgefallen?"

Vorgefallen? Dos will ich nicht sagen. Er is ja doch erst sechzehn und eine Dusche dazu, gerade wie sein Vater; der hat sich auch erst rausgemausert, seit er grau geworden. Was beiläufig auch nicht gut ist. Und da komme ich nun gestern vormittag die Treppe rauf und will dem Jungen sagen, daß er in den Dohnenstrich geht und nachfieht, ob Krammetsvögel da sind, und die Tür steht halb auf, was noch das beste war, und da seh ich, wie sie ihm eine Nase dreht und die Zungenspitze raussteckt; so was von spitzer Zunge hab ich mein Lebtag noch nicht gesehen. Die reine Eva. Für die Potiphar ist sie mir noch zu jung. Und als ich nu dazwischentrete, da kriegt ja nu der arme Junge das Zittern, und weil ich nicht recht wußte, was ich sagen sollte, ging ich bloß hin und klappte den Wascbtischdeckel auf, wo der Spruch stand, und sah ihn schars an. Und da wurde er ganz blaß. Aber das Balg lachte."

Ja, liebe Fran von Gundermann, das ist so; Jugend hat keine Tugend."

-Jcb.wetL.bock nickt: ick bin auch einmal juna gewesen ..."

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uno yt>r Herr rrarer tagt nur pcy reoen ...

Ich weiß nicht, ob Sie da recht haben. Aber wenn es so wäre, so wäre es doch ein Glück ..."

Ein Unglück, Herr von Stechlin. Wer mit sich reden läßt, ist nicht stramm, und wer nicht stramm ist, ist schwach. Und Schwäche (die destruk­tiven Elemente haben dafür eine feine Fühlung), Schwäche ist immer Wasser aus die Mühlen der Sozialdemokratie."

Die vier andern der kleinen Tafelrunde waren im Gartensalon zu­rückgeblieben, hatten sich aber auch zu zwei und zwei zufammengetan. In der einen Fensternische, so daß sie den Blick auf den mondbefchienenen Vorplatz und die draußen aus der Veranda auf und ab schreitenden beiden Herren hatten, saßen Lorenzen und Frau von Gundermann. Die Gundermann war glücklich über das Tete-a-tete, denn sie hatte wegen ihres jüngsten Sohnes allerhand Fragen auf dem Herzen oder bildete sich wenigstens ein, sie zu haben. Denn eigentlich hatte sie für gar nichts Interesse, sie mußte bloß, richtige Berlinerin, die sie war, reden können.

Ich bin so froh, Herr Pastor, daß ich nun doch einmal Gelegen­heit linde. Gott wer Kinder hat, der hat auch immer Sorgen. Ich möchte wegen meines Jüngsten so gerne mal mit Ihnen sprechen, wegen meines Arthur. Rudolf hat mir keine Sorgen gemacht, aber Arthur. Er ist nun jetzt eingesegnet, und Sie haben ihm, Herr Prediger, den schönen Spruch mitgegeben, und der Junge hat auch gleich den Spruch auf einen großen weißen Bogen geschrieben, alle Buchstaben erst mit zwei Linien nebeneinander und bann dick ausgetuscht. Es sieht aus wie'n

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es immer ein Kognak fein. Aber ich bekenne Ihnen, lieber Hauptmanii, ich mache die Mode nicht mit; wir aus der alten Zeit, wir waren immer ein bißchen fürs Süße. Creme de Cacao, na, natürlich, das is Damen- schnaps, davon kann keine Rede fein; aber Pomeranzen oder, wie sie jetzt sagen, Curaxao, das ist mein Fall. Darf ich Ihnen einfchenken? Oder vielleicht lieber Danziger Goldwasser? Kann ich übrigens auch empfehlen." Dann bitte ich um Goldwasser. Es ist doch schärfer, und bann bekenne ich Ihnen offen, Herr Major .. Sie kennen ja unsere Verhältnisse, sock bißchen Gold heimelt einen immer an. Man hat feins und dabei doch zu­gleich die Vorstellung, daß man es trinken kann es hat eigentlich was Großartiges."

Dubslav nickte, schenkte von dem Goldwasser ein, erst für Czako, dann für sich selbst, und sagte:Bei Tische hab ich die Damen (eben lassen und Frau von Gundermann im speziellen. Hören Sie, Hauptmann, Sie verstehen's. Diese Rattengeschichte .."

Vielleicht war es ein bißchen zu viel."

I, keineswegs. Und bann, Sie waren ja ganz unschuldig, die Gnäd'ge fing ja davon an; erinnern Sie sich, sie verliebte sich ordent­lich in die Geschichte von den Rinnsteinbohlen, und wie sie drauf rumgetrampelt, bis die Ratten raustamen Ich glaube sogar, sie sagte .Biester'. Aber das schadet nicht. Das ist so Berliner Stil. Und un're Gnäd'ge hier (beiläufig eine geborene Helfrich) is eine Vollblutberlinerin."

Ein Wort, das mich doch einigermaßen überrascht."