Ausgabe 
26.2.1937
 
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hinaus.

Denkmäler.

zusammen.

lichen Erfolg zu haben.

Im Jahre 1648 wurde die Preußen erobert. 1814 ging endgültig zu Preußen kam.

Einst von Kämpfen und

(Liliencron,Adjutantenritte", 1884.) Gegenwart.

Kaum waren wir drei bis vier Minuten im Marsch, als die Riesen­gestalt unseres Brigadegenerals auf seinem gelben flandrischen Hei-zste UNS entgegenraste. Sein Adjutant konnte kaum folgen. Bon fern schon schrie er:Links um machen, die Oesterreicher sind dal" Und kurz vorm Bataillon brachte er mit mächtigem Ruck, sich tief im Sattel zurückbiegend, sein Pferd zum Stehen, um es augenblicklich wieder herumzureißen und, dem Gaul die Zinken einsetzend, in die Richtung gegen den Femd uns voran zu sprengen. Roch seh ich die fliegenden Quasten seiner Schärpe.

Links um!" und wir steigen inKolonne nach der Mitte" die Anhöhe hinan. Der Schützenzug schwärmte aus. Schneidig ging er vor. Der Haupt­mann ritt selbst mit. Ich führte das Soutien. Wir Offiziere zogen die Säbel (ich mit einem gewissen theatralischen Schwung) und liehen sie im gleißenden Sonnenlicht ihre Freude haben. Bald kam der Hauptmann zu uns zurück. Nichts war zu hören, nichts zu sehen.

Da bssssssssssstbum! Die erste Granate.

Sie flog weit über unsere Köpfe. Aber wir alle, ohne Ausnahme, hatten eine tiefe Verbeugung gemacht. Selbst der Hauptmann schien einen Augenblick die Mähne seines Pferdes mit den Lippen berühren zu wollen. Die zweite Granate flog über uns weg. Die Verbeugung war schon weniger tief.

Der Hauptmann, die Faust mit dem Säbel auf die Kruppe fernes Pferdes setzend, sah uns lächelnd an. Aus seinen Augen strömte eine solche Ruhe, daß wir wie auf dem Exerzierplatz entgingen.

Nun knallten die ersten Gewehrschüsse. Bald hatten wir ein Wäldchen erreicht und breiteten uns hier am anderen Rande hinter den Bäumen aus. Tak, tat, tat, sagte es; tat, tat, tat tat tattattat tattattat tattaf tat tat tat tat tat ...

Wie in einem großen Telegraphenbüro hörte sich's an. Es waren die feindlichen Kugeln, die mit diesem Geräusch in die Stämme schlugen, hinter denen wir standen. Wir konnten nichts vom Feinde sehen.

Zum Kuckuck, wo kommen die Schüsse her? Ah so, ja, ja! Von der Kirchhofsmauer uns gegenüber.

Da trifft die erste Kugel. Dicht neben mir sinkt einer meiner Füsiliere, mitten durch die Brust geschossen. Ich sehe vor mir: das Gewehr entfällt ihm, sein Mund öffnet sich weit, es ist wie ein kräch^nder Ton, die Augen werden ganz groß, dann bricht er, mit den Händen greifend.

(Eichendorfs,Ahnung und Gegenwart", 1815.) Realismus.

verschiedenen Stellen auf die Stadttore zu, deren Stralsund zwölf besaß, sechs auf der Seeseite, sechs nach dem Lande zu. Witzlaws Nachfolger der die Stadt zur zweitmüchtigsten neben Lübeck im Hansebunde machen wollte, ordnete auch den Grundriß der Stadt neu

Im Jahre 1339 ging Stralsund ein Schutzbündnis mit den Stadien Greifswald, Anklam und Demmin ein. Die unbedeutenden nordischen Hansastädie räumten ihr das Monopol em nicht nur de» direkten Ein- und Verkauf der Waren an Ort und Stelle zu tätigen, sondern auch, was das Wichtigste war, den ganzen Zwischenhandel zu über« "^Durch diese großen Einnahmequellen kam die Stadt bald zur höchsten Blüte Gegen Ende des 14. Jahrhunderts war Stralsund der Haupt- stap'el platz für den gesamten O st s e e h a n de l. Getreidever­kauf und Heringsfang warfen große Umsätze ab, aus den Niederlanden und aus England führte man Tuche ein; Engländer, Franzosen und Holländer besuchten häufig die reiche Stadt und brachten auf diese Weise wiederum Geld nach Stralsund. Der Wohlstand zeigte sich allenthalben. Die alten Häuser wurden verbessert, neue errichtet. An den Feiertagen trugen die Kaufmannsfrauen seidene Kleider, mit Gold- und Silber­fäden durchwirkt, im Winter kostbare Zobelpelze. Die Kaufleute brachten von ihren Reisen duftende Wachskerzen, zierliche venezianische Glaser und allerlei seltene Tauschobjekte mit heim. Von einem einheimischen Dichter, Zacharias Orthus, besitzen wir folgende Befchreibung der Stadt aus dem Jahre 1541:

Lustwandelst du fröhlich umher in den Garten der Vorstädte, so siehst du alles ergrünen von Blumen allerlei Art. Hier umschließt eine Dornhecke einen Lustgarten, dort umzieht eine Flanke üppige Gemüse­felder. Hier ladet ein schattiger Sitz unter einer Weinlaube zur Ruhe ein dort rankt Efeu an den Giebeln stolzer Häuser hinauf. Hier weidet sich das Auge an regelmäßig abgemessenen Blumenbeeten, dort erblickst du, nicht fern von der Ringmauer, waldige, mit vielen Eichen besetzte Höhen. Was soll ich erwähnen die ungeheuren Dämme, die Schiffswerft, die Brustwehren und vielen Wälle und Warttürme? Was die Ge­bäude, mit Marmor und reichem Zierat geschmückt und die Häuser aus- geftattet mit gestickten Vorhängen? Beschreiben, wie das Rathaus mit goldenen Sternen durch die Lüfte darherglänzt ober wie die Spitzen der Türme fast an die Wolken reichen? Da kaum Homer, auf dessen zarter Lippe eine Biene saß, daß alles würde verherrlicht haben, so ver­mag auch ich nicht alle Preiswürdigkeit der sundischen Stadt zu er­wähnen."

Erst im 17. Jahrhundert, als der Hansabund schwere Schädigungen erlitt, war die Blütezit Stralsunds zu Ende. Sie erlangte erneut große Bedeutung durch die vergebliche Belagerung Wallen st eins im Jahre 1628. Die heldenmütigen Bewohner vermochten es, unterstützt von Dänen und Schweden, dem gefürchteten General standzuhalien. Zu jener Zeit waren die Vorstädte bereits recht ausgedehnt. So zählte zum Bei­spiel die Frankenvorstadt nicht weniger als 300 Häuser, in denen 500 Familien wohnten. Um den oordringenden Feinden keine Unterschlupf zu bieten, wurden sämtliche Bewohner der Vorstädte in die Innenstadt zurückgenommen und die Häuser der Vorstädte niedergerissen und ein­geäschert. Einen Beweis für die Güte der Befestigungswerke lieferte die Wallenfteinsche Beschießung am 3. Juli 1628, bei der 22 Geschütze gegen einen bestimmten Punkt gerichtet, 1564 Schüsse abgaben, ohne svnder-

den Augenblick darauf, nachdem er mit dem Wundarzt mich in ein Boot weggebracht. Die Russen hatten Feuer in das türkische Schiff geworfen, und weil ihr eigenes an dem anderen festhing, brannte es nut auf.

(Hölderlin,Hyperwn , 1797.)

Romantik.

Soeben fielen von mehreren Seiten Schüsse tief unten im Walde. Es war das verabredete Zeichen zum Aufbruch. Sie wollten den Feind nicht erwarten, sondern ihn von dieser Seite, wo er cs nicht vermutete, selber angreifen. Alles sprang auf und griff nach den herumliegenden Waffen- In kurzer Zeit hatten sie den Feind im Angesicht. Wie ein heller Strom brachen sie aus ihren Schlüften gegen den blinkenden Damm der feind­lichen Glieder, die auf der halben Höhe des Berges steif gespreizt standen. Die ersten Reihen waren bald gebrochen, und das Gefecht zerschlug sich in so viele einzelne Zweikämpfe, als es ehrenfeste Herzen gab, die es auf Tod und Leben meinten. Es kommandierte, wem Besonnenheit oder Begeisterung die Uebermacht gab. Friedrich war überall zu sehen, wo es am gefährlichsten herging, selber mit Blut Überdeckt. Einzelne rangen oa auf schwindligen Klippen, bis beide einander umklammernd in den Ab­grund stürzten. Blutrot stieg die Sonne auf den Höhen, ein wilder Sturm wütete durch die alten Wälder, Felsenstücke stürzten zermalmend auf den Feind. Es schien das ganze Gebirge selbst wie ein Riese die steinernen Glieder zu bewegen, um die fremden Menschlein abzuschütteln, die ihn dreist geweckt hatten und an ihm heraufklettern wollten. Mit grenzenloser Unordnung entfloh endlich der Feind nach allen Seiten weit in die Taler

lieber der Front zog sich das Gewitter zusammen. Eines Tages brach das Trommelfeuer los. Die Leute hatten in den vergangenen Wochen einen tiefen Stollen in die Erde getrieben, darin lag ein Halbzug, während der andere Grabenwache hatte. Der Hauptmann war finster. Er sagte nur:Jetzt kommt die Probe auf die Unsterblichkeit."

Der Boden begann zu dröhnen. Staubige Erdwogen rauschten auf und ab. Als Verluste eintraten, zog der Hauptmann den Wachzug in den Stollen, im Graben ließ er nur schwache Pasten stehen und ließ sie alle halbe Stunde ablösen. Die Leute saßen auf der Treppe des Stollens. Jrn Inneren drängten sich die Verwundeten, Blut roch herauf b«s in das Freie.

Gegen Mittag griff der Feind an. Man sah feine langen blauen Linien überall im dünnen Nebel laufen. Die Stollenrnannschafi war recht­zeitig alarmiert. Der Hauptmann stand inmitten feiner dreißig Leute. Die ersten feindlichen Wellen wurden niedergemäht, auch in den Flanken schufen die Leute Luft. Als sich aber der Nebel hob, sahen sie im dünnen lichten Raume auf allen Seiten blaue Mäntel im Lauf. Der Feind war durchgebrochen, ihre Insel allein lebte.

Sie holten alles, was sie an Munition besaßen, aus dem Stollen und stapelten es im Graben auf. Dann schossen sie in den lichten Kreis. Der Franzose wurde stutzig. Seine Wellen sanken unter die Erde, sie sammelten sich, bann zuckten sie einzeln und von allen Seiten gegen die Insel. Der Hauptmann blieb ruhig. Er hatte seine Rechte auf die Schulter Wolfs gelegt, der forschend und ein wenig irre neben ihm stand. Sein Kruzifix lag in einer Erdnische ...

(Wehner,Sieben vor Verdun", 1935.)

Sie Schlacht.

Ihr Bild im wandel der Zeilen und Stilformen.

Zusammengestellt von Erwin Dietrich.

Klassizismus.

Die Schlacht begann. Die Schisse der Türken hatten sich in den Kanal, zwischen die Insel Chios und die asiatische Küste hinein, geflüchtet und standen am festen Lande hinauf bet Tschesrne. Mein Admiral verließ mit feinem Schiff, worauf ich war, die Reihe und Hub das Vorspiel an mit dem ersten Schiffe der Türken. Das grimmige Paar war gleich beim ersten Angriff bis zum Taumel erhitzt, es war ein rachetrunkenes schreck­liches Getümmel. Die Schiffe hingen bald mit ihrem Tauwerk aneinander fest; das wütende Gefecht wurde immer enger und enger.

Ein tiefes Lebensgefühl durchdrang mich noch. Es war mir warm und wohl in allen Gliedern. Wie ein zärtlich Scheidender fühlte zum letztenmal sich in allen feinen Sinnen mein Geist. Und nun, voll heißen Unmuts, daß ich Besseres nicht wußte, denn mich schlachten zu lassen in einem Gedränge von Barbaren, mit zürnenden Tränen im Auge, stürmt ich hin, wo mir der Tod gewiß war.

Ich traf die Feinde nahe genug, und von den Russen, die an meiner Seite fochten, war in wenig Augenblicken auch nicht einer übrig. Ich stand allein da, voll Stolzes, und warf mein Leben, wie einen Bettelpfennig, vor die Barbaren, aber sie wollten mich nicht. Sie sahen mich an, wie einen, an dem man sich zu versündigen fürchtet, und das Schicksal schien mich zu achten in meiner Verzweiflung.

2luc> höchster Notwehr hieb denn endlich einer auf mich ein und traf mich, daß ich stürzte. Mir wurde von da an nichts mehr bewußt, bis ich auf Paros, wohin ich übergeschifft war, wieder erwachte.

Von dem Diener, der mich aus der Schlacht trug, hörte ich nachher, die beiden Schiffe, die den Kampf begonnen, seien in die Lust geflogen,

Stabt schwedisch, 1678 und 1715 von den sie in dänische Hand über, bis sie 1815

Stürmen umtobt, ist Stralsund heute ein friedlicher Ort, behaglich und gemütlich, ein Sammelpunkt der Ostsee- reisenden, interessant und sehenswert durch seine kulturgeschichtlichen

Verantwortlich: Dr. HanS Thyriot. Druck und Verlas: Brühl'sche UniverlitäiS-Duch» und Steindruckerei, A. Lange, Gießen.