Ausgabe 
26.2.1937
 
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er

sine ..."

freilich fiert Gras.

"Also du hast doch auch so was gesehen. Alles dreht sich immer um die" Wie denkst du dir nun den Rittmeister? Und wie denkst du btr die' Damen? Und wie steht es überhaupt? Ist es die oder ist es die?

Ja ficrr Graf, wie soll ich darüber denken? Mit Damen weiß man ja nie vornehm und nicht vornehm, klein und groß, arm und reich, das is all eins. Mit unsrer Lizzi ist es gerad ebenso wie mit Gräfin Melusine Wenn man denkt, es is so, denn is es so, und wenn man denkt es'is so denn is es wieder so. Wie meine Frau noch lebte, Gott habe'sie selig die sagte auch immer: ,Ja, Jeserich, was du dir bloß denkst- wir sind eben ein Rätsel/ Ach Gott, sie war ja man einfach, i aber das können Sie mir glauben, Herr Graf, so sind sie alle." | - - (Fortsetzung folgt'

Jeserich nickte. . ... -

Und glaubst du nicht auch (denn warum tarne er sonst so oft), daß was vorhat?"

Glaub ich auch, Herr Graf."

Na, was glaubst du?"

Gott Herr Graf ..."

Ja, Jeserich, du willst nicht raus mit der Sprache. Das hilft dir aber nichts. Wie denkst du dir die Sache?" . .

Jeserich schmunzelte, schwieg aber weiter, weshalb dem alten Grafen nichts übrig blieb, als feinerfeits fortzufohren.Natürlich paßt Arm­gard besser, weil sie jung ist; es ist so mehr das richtige Verhältnis und überhaupt, Armgard ist sozusagen dran. Aber, weiß der Teufel, Melu-

aard sprich auch; du bist nicht mehr jung genug, um noch ewig di- Ver­legene zu spielen. Ich bin sonst gegen alle Gutachten, namenttch w Prozeß- sacken (ich weiß ein Lied davon zu singen), aberein Gutachten. von ^hnen da laß ich all meine Bedenken fallen. Außerdem bin ich für. ~ut0. ritäten und wenn es überhaupt Autoritäten in Sachen von Geschmack unb Mode gibt, wo wären Sie besser zu finden als "N Regiment Jh Saiierlick Königlichen Majestät von Großbritannien und Indien, woher kll gute Geschmack"kommt, alle alte Kultur, alle Schals und Teppiche, Buddha und die weißen Elefanten. Also antreten.Armgard; du natürlich an den rechten Flügel, denn du bist großer. Und nun, lieber Stechlm, wie finden Sie uns?"

Aber meine Damen ...

Keine Feigheiten. Wie finden Sie uns?

fiXS* Sie, Stechlin, nett ist kein Wort Wenigstens kein nettes Wort. Oder wenigstens ungenügend.

s)<hv Uran Gräfin daß ist ja die reine Geschichte nut dem seligen Par§ Bl?b er hatte'es viel legier, weil es drei waren. Aber zwei. Und noch dazu Schwestern."

"Mm wenn es denn durchaus sein muh, Sie, gnädigste Frau.

"Schändlicher Lügner. Aber wir behalten diese zwei Hute. Lizzi, gib all das andere zurück Und Jeserich soll die Lampen bringen; draußen em Streifen Abendrot unb hier brinnen ein verglimmendes Feuer, bas ist benn doch zu wenig oder, wenn man will, zu gemütlich.

Die Lampen hatten draußen schon gebrannt, so daß sie ^eich da waren.

Unb nun schließen Sie bie Balkontür, Jeserich, unb (agen Sie s Papa, daß" der Herr Rittmeister gekommen. Papa ist nicht gut bel Wege wieder die neuralgischen Schmerzen; aber wenn er hort, daß Sie ba (mb, so tut er ein übriges. Sie wissen. Sie sinb sein Verzug. Man weiß immer, wenn man Verzug ist. Ich wenigstens habe es immer gewußt.

Das glaub ich.j"

Das glaub ich! Wie wollen Sie bas erklären?

"Einfach genug, gnädigste Gräfin. Jede Sache will gelernt sein. Alles ist schließlich Erfahrung. Und ich glaube, daß Ihnen reichlich Eigenheit gegeben wurde, der Frage .Verzug ober Nichtverzug praktisch naher- zutre^en. Aber nun, Arrngarb, sage bem Herrn von Stechlin

(ich persönlich getraue mich's nicht), daß mir in einer halben Stunde sort müssen, Opernhaus, .Tristan und Isolde'. Was sagen Sie dazu? Nicht zu Tristan und Isolde, nein, zu der heikleren Frage, daß wir eben gehen, im selben Augenblick, wo Sie kommen. Denn ich sehe es Ihnen an. Sie tarnen nicht so bloß um ,five oclockteas1 willen, Sie hatten es besser mt uns vor. Sie wollten bleiben ..."

"All/gelösten. Und zum Zeichen, baß Sie großmütig sind und Ver­zeihung üben, versprechen Sie, daß wir Sie bald Wiedersehen, recht, recht bald. Ihr Wort darauf. Und dem Papa, der Sie vielleicht erwartet, wenn es Jeserich für gut befunden hat, die Meldung auszurichten, dem Papa werd ich sagen. Sie hätten nicht bleiben können, eine Verabredung, Klub oder sonst was. *

Während Waldemar nach diesem abschließenden Gespräch mit Melu­sine die Treppe hinabstieg unb auf ben nächsten Droschkenstanb zuschritt, saß der alte Graf in seinem Zimmer unb sah, ben rechten Fuß auf einen Stuhl gelehnt, burch bas Balkonsenster auf ben Abenbhiinmel. Er liebte diese Dämmerung, drin er sich nicht gerne stören ließ (am wenigsten gern durch vorzeitig gebrachtes Licht), unb als Jeserich, ber bas also wußte, jetzt eintrat, war es nicht, um bem alten Grasen bie Lampe zu bringen, sondern nur, um ein paar Kohlen aufzuschütten.

IWer war denn da, Jeserich?"

Der Herr Rittmeister." ,

So, so. Schade, daß er nicht geblieben ist. Aber freilich, was soll er mit mir? Und ber Fuß unb bie Schmerzen, badurch wirb man auch nicht interessanter. Armgard und nun gar erst Melusine, ja, da geht es da redet sich's schon besser, unb bas wirb ber Rittmeister wohl auch fmben. Aber soviel ist richtig, ich spreche gern mit ihm; er hat so was Ruhiges unb Gesetztes unb immer schlicht und natürlich. Meinst du nicht auch?

Melusine befreundete Baronin Berchtesgaden einen solchen W°l)nungs- Lennestraßenstolz gegen uns ins Gefecht Ihre x"n^enben j , PStBrMSSiSstvnS I ßofomotioenraud) durchglüht und in dem Filigranwerk der Ausstellungs- varktürmchen schimmert was will Ihre grüne Tiergartenwand dagegen? Unb dabei wies die Gräfin auf einen gerade voruberdampfenden Zug, 2* gBO r,s.s SS

Tochte?^n ®renn

Rffinber gestemmt Die Stickerei, daran sie bis dahin gearbeitet, hatte sie, KK begann, aus'ber Hand gelegt unb spielte statt dessen mit einem Ballbecher zu dem sie regelmäßig griff, wenn es galt, leere Minuten auszuMen Sie spielte das Spiel sehr geschickt, und es gab Smer einen neunen hellen'schlag, wenn der Ball in den Becher fiel. Melusine stand draußen auf dem Balkon, die Hand an bie Stirn g l g , um sich gegen die Blendung der untergehenden Sonne zu schützen.

Armgard", rief sie in das Zimmer hinein,komm; die Sonne geht

3d) sehe hier lieber in ben Kamin. Unb ich habe auch schon zwölfmal gefangen."

Sßen?"

"Ich" glaube!'du gingst "lieber wen anders. Und wenn ich dich so da- sitze'n sehe, so kommt es mir fast vor, als dächtest du selber auch so was. $U Ach ^du"denkstZimmer nur an Märchen und glaubst, weil du Melu- stne heißt du hast so was wie eine Verpflichtung dazu.

Kann feim Aber vor allem glaub ich, daß ich es getroffen habe. Weiht du, was?

"Ich kann es so leicht nicht sagen. Du sitzt zu weit ab."

"Dann komm und sag es mir ins Ohr."

Das ist zuviel verlangt. Denn erstens bin ich die altere, und zweitens bist du's, die was von mir will. Aber ich will es Jo genau nicht nehmen.

Und dabei ging Melusine vom Balkon her auf die Schwester zu, nahm ihr das Fangspiel fort und Jagte, während sie ihr die Hand auf die Stirn legte:Du bist verliebt. . ,

Aber Melusine, was das nun wieder soll! Und wenn man so klug ist wie du ... Verliebt. Das ist ja gar nichts; etwas verliebt ist man imm®eroi6 Aber in wen? Da beginnen die Fragen und die Finessen." In diesem Augenblicke ging bie Klingel braußen, unb Armgard horchte. Wie bu bich verrätst", lachte Melusine.Du horchst unb willst wissen, "^Melusine wollte noch weitersprechen, aber bie Tür ging bereits auf und Lizzi, bie Kammerjungfer ber beiden Schwestern, trat ein, unmittel­bar hinter ihr ein Gersonscher Livreediener mit einem in einen Riemen geschnallten Karton.Er bringt die Hüte", sagte bie Sammerjungfer.

Äh, bie Hüte. Ja, Armqarb, ba müssen wir freilich unsre Frage ver­tagen. Was boch wohl auch beine Meinung ist. Bitte, stellen Sie h-m. Aber Lizzi, bu, du bleibst unb mußt uns helfen; bu hast einen guten Geschmack, Uebrigens, ist kein Stehspiegel ba?"

Soll ich ihn holen?" ,

Nein, nein, laß. Unsre Köpfe, worauf es doch bloß ankommt, können wir schließlich auch in biefem Spiegel sehen .. . Ich denke, Arm­gard du läßt mir die Vorhand; dieser hier mit dem Hesttrop und den Stiefmütterchen, der ist natürlich für mich; er hat den richtigen Frauen­charakter, fast schon Witwe." _ . f

Unter diesen Worten setzte sie sich den Hut auf und trat an den Spiegel.

,Jch weiß nicht recht, Frau Gräfin, er scheint mir nicht modern genug. Der, den Komtesse Armgard eben aufsetzt, der wurde wohl auch für Frau Gräfin bester passen die hohen Straußfebern, wie ein Ritter- helm, unb auch bie Hutform selbst. Hier ist noch einer, fast ebenso und beinah noch hübscher." .

Beide Damen stellten sich jetzt vor den Spiegel; Armgard, hinter ber Schwester stehend und größer als diese, sah über deren linke Schulter fort. Beide gefielen sich ungemein, und schließlich lachten sie, weil lebe ber anderen ansah, wie hübsch sie sich fand.

Ich möchte doch beinah glauben ...," sagte Melusine, kam aber nicht weiter, denn in eben diesem Augenblicke trat ein in schwarzen Frack unb Eskarpins getleibetcr alter Diener ein unb melbete:Rittmeister von 6leUnmttelbar barauf erschien benn auch Wolbemar selbst und verbeugte sich gegen die Damen.Ich fürchte, daß ich zu sehr ungelegener Stunde komme." .. ,

Ganz im Gegenteil, lieber Stechlin. Um westentwillen quälen wir uns denn überhaupt mit solchen Sachen? Doch bloß um unsrer Gebieter willen, die man ja (vielleicht leider) auch noch hat, wenn man sie nicht mehr hat."

Immer die liebenswürdige Frau.

Keine Schmeicheleien. Und bann, biefe Hute sinb wichtig. Ich nehme es als eine Fügung, daß Sie da gerade hinzukommen; Sie sollen ent­scheiden. Wir höben freilich schon Lizzis Meinung angerufen, aber Lizzi ist zu biplomatri»; Sie sind Soldat unb müfsen mehr Mut haben; Arm-