sinkt sie
eiten zu
„ , . , „ fröstelnd vom
kalten Anhauch, der vom Meere herausweht, zieht er die Toga höher. Agrippa bemerkt es und bittet: „Komm in das Haris, Octavian. Und
Ausllang.
Don Erna Blaas.
Der Wind treibt Blätter, kraus und welk;
Bis unters braune Dachgebälk Brennt wilder Wein in Garben, Da Königinnen starben:
Die Winde siechte hin am Zaun,
Die Malve raschelt, dürr und braun, — Zerfiel nicht auch die Rose?
D Tag der Herbstzeitlosei
Am Seidennetz ein Spinnlein webt, Mein Herz im goldnen Winde schwebt; Kein Leid kann es erlangen.
Ich selbst bin ganz vergangen.
Octavian, der 18jährige Nesse Caesars, geht mit Agrippa durch den Garten des Landhauses, das die beiden gemeinsam mit Salvidienus bewohnen. Die Freunde blicken zur Sonne hinüber. Brandig si hinter Wolkcnmassen, die Ost und West in zwei feindliche Wei trennen scheinen. „Kein gutes Zeichen' , sagt Octavian. Frösteln
Oie Berufung.
Zum 2000. Geburtslage des Kaisers Augustus.
Bon Günther Birkenfeld.
Octavian (der später den Beinamen Augustus erhielt) übernahm das Erbe Caesars, verhinderte neue Bürgerkriege im kaum geeinten römischen Reich und brachte es zur größten politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Machtentfaltung. Welch harte Kämpfe er dabei zu bestehen hatte, zeigt der Augustus-Roman von Günther Birkenfeld (Cotta-Verlag, Stuttgart), dem die folgende Schilderung entnommen ist.
Salvidienus wird ja nun fertig sein." Der dritte der Freunde hatte darauf bestanden, das Abschiedsfest ausrichten zu dürfen, das am Abend beginnen und kaum vor Sonnenaufgang enden sollte. Morgen mußte K werden. Und übermorgen schlief man vielleicht fchon unter dem ,elt im Feldlager.
Die beiden übergeben den Sklaven ihre Togen und betreten den Speisesaal, den Salvidienus mit Rosen und Efeuranken reich ausge- schmückt hat. Die Gäste sind bereits versammelt: die Kommandeure der vierten und der berühmten Marslegiou und die Freundinnen der Jünglinge.
Gleichzeitig mit den Vorspeisen erscheinen Wandermustkanten mit einer griechischen Sängerin. Sie halten Flöte, Aicher und Harfe bereit und erwarten das Zeichen des Salvidienus. Schon will der ihnen zunicken, als der Türhüter hereinkommt und hinter Octavian tritt.
„Was gibt es, Gripus?"
.Julius Marathus wünscht dich zu sprechen, Herr."
Betroffen blickt Octavian in das Ungefähre. Die Gesellschaft verstummt. Der Sekretär der Atia, der Mutter des Freundes, hier fo plötzlich in Apollonia? Das kann nichts gutes bedeuten.
Octavian steht auf. Er ist blaß geworden. Seine Stimme jedoch klingt nicht anders als sonst, indem er die Gäste bittet, sich nicht stören zu lassen, er werde gleich wieder da sein. Er selbst gibt den Spielleuten das Zeichen zum Beginn. Begleitet vom Gedudel der Flöten, vom Gezirp der Saiteninstrumente und vom eintönigen Verssang der Griechin geht er in das Atrium.
Dort steht Marathus. Im Flackerlicht der Oellampen. Octavian erwidert kaum seinen Gruß. Seine Augen wollen dem vertrauten Gesicht des Freigelassenen, der daheim neben ihm heranwuchs, mit dem ersten Blick die Botschast ablesen. Elend sieht der Junge aus, elend und abgehetzt. Wer das kann ja auch von den Anstrengungen der Reise sein.
„Lebt meine Mutter?" fragt Octavian, indem er stch zwingt, langsam zu sprechen.
„3a. Sie grüßt dich sehr, Octavian."
Octavio?"
„Deine Schwester ist wohlauf, Octavian."
Des Jünglings Züge lösen sich. „Wie kommst du denn so plötzlich hierher, Marathus? Es war doch heute kein Schiff fällig? fragt Oc- iavian, schon beinahe im Plauderton.
„Deine Mutter befahl mir, im Notfall in Brundisium einen Schnell- Jetz?stt"di/Angst wieder da. Schweiß erglänzt auf des Jünglings Stirn. Plötzlich bemerkt er, daß Marathus sich den Bart wachsen ließ. — „Du trägst ja einen Bart, Marathus? ... Um wen trauerst du?
In des Boten Augen drängen sich Tranen. Er stt nicht sah'g zu sprechen und deutet nur auf den Bries in seiner Rechten. Octavian miinmt den Brief, reißt hastig das Siegel seiner Mutter von der Kreuz ischnur und — muß unvermittelt daran denken, daß der Vater des Marathus ein Freigelassener Julius Caesars war. ... h
„Wann kommt der Diktator?" fragt zur Erde hin Octavian, wahrend l,r die Briestaseln auseinanderleqt. .
. Keine Antwort. Dann weint Marachus auf. Und geht, das Schluchzen Hm Aermel Des Reisemantels erstickend, in eine der finsteren Ecken des
^Octavian stürzt in fein Studierzimmer, heißt d-n Sklaven die Lampen «n den Aesten des Bronzebaums entzünden und schickt chn hinaus, er
läuft durch den Raum und raunt nur immer wieder: „Caesar tot, Caesar tot ..." Dabei schüttelt er den Kopf. „Das kann nicht sein .. das ist ja ganz unmöglichI"
Octavian hatte den Großoheim nicht nur geliebt als den väterlichen Freund, er hatte ihn geliebt und verehrt als den von den Göttern Gesandten, als den Schützer der Stadt und den Hüter der römischen Herrschaft. Caesars Glück, das war Roms Glück. Und Caesars Fall ... Welcher Gott konnte so grausam sein, ihn sortzurufen vor der Vollendung seines Werkes, ihn zu entreißen den Völkern, die er durch seinen Welt- zug vereinen wollte zum einzigen Friedensreich unter dem Regiment seiner Weisheit und Güte? „Wer, wer war das?" ruft Octavian. „Wer wagt es, einen Julius Caesar zu verdammen zur ewigen Ohnmacht der Elysäischen Felder?" Er tritt vor den Ampelbaum und hält die Brief- tafeln in das Ächt. Die Schrift der Mutter, — wie fchön geschwungen sonst, wie zittrig heut! Octavian küßt das rote Wachs, als spürten seine Lippen der Mutter Hand. Dann liest er:
„Lieber Octavian!
Der beste Juppiter und alle hohen Götter mögen bei Dir [ein. Etwas schreckliches ist geschehen. Faße Dich, lieber Junge. Julius Caesar ist nicht mehr, wurde hingemordet in der Pompejanischen Kurie, hingemordet von den beiden Brutus und Casus Cassius. Und von vielen anderen noch, denen er nur immer Gutes erwies. Ihrer an die sechzig. Ich bin nicht fähig, Dir das Nähere zu fchildern. Laß Dir von Marathus berichten ..."
Octavian vermag nicht weiterzulefen. Die Buchstaben verschwinden in seinen Tränen. Er wirst sich zu Boden und schreit, wälzt sich in maßlosem Schmerz und Zorn, reißt an seinen Haaren und hämmert gegen die Brust, — er trommelt mit den Fäusten auf das Polster des Lesesosas, daß die Briestaseln hochschnellen und auf die Fliesen fallen. Und mit jedem Faustfchlage brüllte Octavian: „Brutus, Cassius, Brutus, Cassius!" Seine Augen, die klarblau sonst lind, werden dunkel und starr, ein Gesicht ist kreidig und überschwemmt von immer neuen Tränen- trömen. Mit ingrimmigen Worten zürnt der Kniende den Göttern, die »lesen „viehischen Meuchelmord" duldeten.
Dann schwinden ihm die Kräfte. Stöhnend lehnt er sich an das Sofa. Leere ist in ihm. Und inmitten wächst ein Wirbel, Der den Schädel sprengen will und der das Zimmer samt den Stühlen und Tischen, den Vasen und Bücherrvllen in sein Kreisen reißt. Mit letzter Kraft ruft Octavian den Diener: „Wasser!" Der Kammersklave siitzt auf feinen nackten Sohlen hin und her. Er reicht dem Herrn den Becher. Octavian trinkt und schickt den Sklaven hinaus.
Von fern bringt Musik durch die Sammetvorhänge. Die Griechin scheint etwas zu deklamieren, — hin und wieder wird ihre singende Stimme vernehmlich. Die Freunde! Octavian will aufstehen. Aber er ist noch zu schwach. Er bemerkt die zerstreuten Briestaseln, nimmt sie auf und lieft die letzte.
er weiß, daß feine Stirn in feinen Augen ist und
bis er ganz erfüllt ist Hirn und leiht Klar- !enem weiten gleich- n Hammer auf die
Verstand stch auf das
durchfpielt.
Er schaut zu Apollo aus. So lange, bis wieder rein sich wölbt, daß wieder Glanz jeder Muskel seinem Willen folgt, — so ' von der Gelassenheit des Gottes. Sie er' sicht feinen Gedanken. Sie stimmt fein mäßigen Takt, in dem der Rudermeist Zinnpfanne klopft.
Mit nüchterner Entschlossenheit richtet sein erste und größte: Julius Caesars verwaistes Werk.
„Du mußt jetzt tapfer fein, mußt ein Mann fein mit Deinen achtzehn Jahren. Wir alle, die Caesar angehören, sind in Gefahr. Bitte, Octavian komm sofort nach Rom! Und laß Dich zu nichts hinreißen. Sei mein kluger, bedachtsamer Junge! So leb denn wohl. Deine Mutter."
Dann folgt noch eine kurze Nachschrift: „Zieh nur Ja drei Tuniken unter. Es ist aus dem Meere noch so garstig"
Octavian senkt den Kopf. Abbiitend gleiten seine Fingerspitzen über die Tafeln. Er schämt sich seiner Wildheit und erschrickt in Erinnerung an die Worte, mit denen er die Unsterblichen angeklagt hat. Und Apollo war Zeuge gewesen!
Octavian tritt vor den Gott hin, der vom Bücherschrank aus ihn nicderblickt. Der Jüngling betrachtet das Ebenmaß dieser Züge, um ber eigenen Maßlosigkeit recht inne zu werden. Wie fern war er diesen Augen gewesen, die, allen Ungestüm verachtend, nach innen blicken — wie fern ber Befonnenheit der sanft gewölbten Stirn, der weit geschwungenen Brauen, die nie ein Zorn verengen wird, — wie fern dem Lächeln, das aus dem Einklang aller Kräfte steigt und licht die Haut
Geptembermorgen.
Von Hermann Claudius.
Komm mit mir in den Garten, Frau.
Auf allen Blättern blinkt der Tau.
Der Morgen Hub erst an den Lauf.
Die Blumen tun die Augen auf.
Ist alles still und feierlich.
Und alles nur für dich und mich.
Ist alles stumm und atmet kaum.
Ist alles noch in halbem Traum.
Und hinter uns bei jedem Schritt, Als ging' der Herrgott selber mit.


