Ich (ob aber auch, daß eS wirklich mit ihr zu Ende ging, das Lächeln, I das fie nun mir voll zuwandte, war das einer Sterbenden

,,Du bist stärker gewesen, Francesco , sagte sie lerse,das hecht. Dem Gott war stärker als mein Teufel/'

Aber noch immer war die Verwandlung nicht beendet, wahrend ste sprach, drängte wie ans den Abgründen ihres Wesens noch em drittes- Gesicht empor, ichob die Züge der Isabel beiseite und nahm mit, immer bekannter

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I-IItzm-, u»->g>°»d«ch- »-»II in ch--m Blick, der die letzten Schleier zu zerreißen schien. Es war als streiche em Nachdenken über die reingewordene Stirn. , I

,Fann man jemals anshören zu lieben", hauchte he, wenn man einmal %et Hauch glitt von ihrem Mund und der Blick aus ihrem Auge. Ihr I Gesicht oisenbarte mir die letzte Wahrheit. .

Die Frau, die verstummt und sich selbst zuruckgegeben vor mir lag, war !

Blandina, wieder jung und schön geworden wie damals, da ich he aus I dem Kloster geraubt und an mein heißes, sündiges Herz gerissen hatte.

*

Den Ausgang des großen Kampfes hast du, mein Freund Endeslant, I in Spanien nicht mehr milerlebt. Dein Regiment ist abgezogen worden, kurz nachdem Zaragoza durch eine zweite Belagerung zu Fall gebracht worden war, aber lang, ehe, nach sieben Jahren der Greuel über dem blu -- getränkten Boden des Vaterlandes wieder bte Fahne der Freiheit sich ent* ^"?lber"E kannst ermessen, welcher Jubel mich selbst beglückt hat, als Spanien den Spaniern wiedergegeben war, mich, den sie den Asrancesado, I den Franzosensreund nannten, weil ich mich damit abfinden mußte, auch I Josephs Hofmaler zu werden und weil ich die Bilder meiner Landsleute I ausgewählt habe, die der Kaiser für würdig sand, in sein Museum zu Paris gebracht zu werden. , , , r , . . ... .

Siebold habe ich in jener Nacht zum letztenmal gesehen, m der sich der Kamps gegen die entschied, der er den Namen Löwengejicht gegeben hatte. Er hat seither nichts mehr von sich hören lassen, und wenn du nicht fernen Aufenthalt kennst, ich weiß nichts von ihm.

Auch Josepha ist von mir gegangen, wie em stiller, grauer Schatten ist I sie aus meinem Leben gewichen. Aber meinen Sohn Francesco Javier habe ich wiedergewonnen, seine Liebe mag ihm wieder erwacht sem, als er 1 sah, daß seine Mutter und ich uns, in Verzicht und Eintracht versöhnt, ge- I funden haben. . , . , _ . , I

Und so hat sich mir auch die Sippe der Gorcoechea wieder zugewendet. Martino, von seinen Leiden wie durch ein Wunder wiederhergestellt, hat I mich in lein Haus in Bordeaux ausgenommen, wo er als Verbannter ge- I lebt hat.

Warum ich Madrid verlassen habe?

Eines Tages stand der Riese vor mir. Ungeheuerlich aufgereckt, mit Glotzaugen und wildem Greisenhaar hielt er einen nackten Men chen in den Klauen, dem er schon den Kops abgebissen hatte und an dessen Arm er schmatzend kaute. ., .. . . . o .

Ich habe ihn bezwungen, indem ich ihn an die Wand meineS Land- ^Äen traf ich zwei Kerle, die, obivohl sie schon bis zu den Knien tn den Boden eingesunken waren, mit Knüppeln wie Irrsinnige aufemanber losschlugen, als hätten sie ben entscheibenben Kampf zwischen Recht und Unrecht untereinanbet auszutragen. Ober waren he zu biesem Zweck aus dem Boben ausgestiegen, zwei Kämpfer aus bet Saat bet Drachenzähne ?

Ich htztte Schreie unb sah eine Frau in ben Hänben wüstet Mannet, die sich anschickten, he mit auseinandetgezertten Gliedern auf ein Kreuz zu nageln. War es die Wahrheit? War es Spanien?

Nachts klopfte es an mein Fenster, und wenn ich öffnete, kam es in Scharen herangeslattert, die dichten Schwärme der Lammen, die Vögel der Nacht mit Eulengehchtern und Geierkrallen, die, von den Leichen der Gehenkten angezogen, um die Galgen flattern. Sie zogen durch mein Haus hin und her, gierige Schreie ausstoßend, zu Klumpen geballt, |ie erfüllten alle Räume, bis sie durch ein anderes Fenster wieder abzogen.

In meiner Küche überraschte ich die Pastrana dabei, wie sie zusammen mit einem Dämon aus meinem Suppennaps eine stinkige Brühe löffelte, einem üblen Gesellen, dem um das gelbe Knochengerüst des Schädels das verweste Fleisch in Fetzen hing. Sie luden mich grinsend zur Mahlzeit ein; gusta usted!, aber ich dankte, ich käme eben vorn Essen.

Nachts erwachte ich und sah Isabel mit gezücktem Messer über mir stehen; bereit, es mir ins Herz zu stoßen, während sie sich in ihrer anderen Gestalt als Pastrana selber zwischen den hohlen Händen dazu das Licht hielt.

Alle habe ich sie überwunden, indem ich sie sesthielt und an die Wand meines Landhauses bannte.

Wenn ich sie einmal so weit hatte, so konnten sie mir nicht mehr ent­rinnen, und ich brauchte sie nicht mehr zu fürchten.

Die Leute haben mich gefragt, was das alles bedeuten solle. Sie haben es mich gefragt in der Sprache der Finger unb inbem fie es auf bie Schiefer­tafel schrieben, bie ich nun immer bei mir trug. Denn nachbem es zur Zeit meines letzten Ringens gegen bas Löwengesicht ben Anschein gehabt hatte, als solle es mit meinem Gehör besser werben, war völlige Taubheit Über mich verhängt worben. Ich ließ sie mit ben Fingern fragen unb aus bie Tafel schreiben unb behielt bie Antwort für mich.

Sie haben mich auch gefragt, wer bie halb verhüllte Frauengestalt ist, bie ich so anmutig unb schwermütig, so ergeben unb geheimnisvoll lockenb gleich an bie Tür bes Saales im Erbgeschoß hingemalt habe. Was brauchen sie es zu wissen, wer bamit gemeint sein soll? Aber bir, Enbeslant, will ich es sagen, baß biese Frau an bet Tür, mein erster Anblick beim Eintritt unb mein letzter Gruß beim Ausgang, meine Martina ist.

Ich habe mein Lanbhaus verlassen, nicht weil ich mich vor ben Gestalten 'Ürchte, bie mich barin umbrängen. Ich kann mit ihnen fertig werben, benn le hnb ja nur Gewesenes, ich stehe mit ihnen aus Du unb Du, sie verwirren

mich nicht mehr. Aber ich muß doch mit ihnen kämpfen, ich muß unablässig auf dem Posten lein, sie nehmen mir Zeit, die ich zu noch anderen Dingen brauche. . , _ m ,,

Die Nacht ist ja nur die eine Seite bet Welt.

Datum habe ich mein Lanbhaus verlassen und bin nach Botbeaux 9ei®enn ich habe noch viel zu tun, ich muß bie ganze Fülle bieses Daseins burch mich hinbutchgehen lassen. .

Ich bin ja auch noch jung, erst zweiundachtzig Iahte, mein Pinsel ist jung und meine Beine sind jung, wie ein Wiesel laufe ich hier wieder die Treppe hinauf unb hinab, nachbem es mir in meinem Lanbhaus zu steigen manchmal schon mühsam würbe. , ... morbm

Unb ich gebenle wie Tizian neununbneunjtfl Jahre alt zu werden.

Nachschrift von bet Hanb Melchior Enbeslants.

Am Tage nach bet Beenbigung bieset Nwberfchrift, am 26. April 1828 ist bet Malet Francesco Goya von bet Treppe fernes Hauses in Botbeaux gestürzt unb nachts herauf einem Schlaganfall erlegen.

Das Goldringlein.

Volksweise.

Balb gras' ich am Neckar, Balb gras' ich am Rhein, Balb hab ich ein Schätzet, Balb bin ich allein.

Was hilft mir bas Grasen, Wann bie Sichel nicht fchneidt, Was hilft mit ein Schätze!, Wenns bei mit nicht bleibt.

Unb soll ich bann grasen Am Neckar, am Rhein, So werf ich mein golbigeS Ringlein hinein.

Es fließet im Neckar Unb fließet im Rhein, Soll schwimmen hinunter Ins tiefe Meer nein.

Unb schwimmt es bas Ringlein, So frißt es ein Fisch, Das Fischlein soll kommen Aus's Königs sein Tisch.

Der König tat fragen, Wem's Ringlein foll sein? Das tat mein Schatz jagen, Das Ringlein g'hört mein.

Mein Schätzlein tät springen Bergauf unb bergein, Tät mir roieberum bringen Das Golbtinglein fein.

Kannst grafen am Neckar, Kannst grafen am Rhein, Wirf bu mir nur immer Dein Ringlein hinein.

Oie Grabrede.

Von Wilhelm Schäfer.

In Altenkirchen auf bem Westerwalb weiß man von einem Bürget- I meister zu erzählen, bet fich am offenen Grab bie eigene Leichenrede hielt. Et wat vordem Soldat gewefen, und zwar fo, baß er im Iahte siebzig tapfere Taten verrichtet hätte, wenn er nicht gleich nach Weißenburg bei einem kühnen Ritt zur Nacht in einen Fanggraben unb baburch m Die Jöänbe bet Franzosen geraten wäre, bie ihn mit wenig Artigkeit und vieler Vorficht an bie Pyrenäen verschickten. Da saß bet Hauptmann, bet fich ein Leben lang auf Schießen unb Schlagen gefreut hatte unb webet m Schles­wig noch gegen bie Bayern so recht herangekommen wat, viele Monate lang an einer wunbetschönen Küste, gebackene Fische unb tränt ben bc|te Rotwein; nicht anbei« als ein Spezeteihänblet, bet auf feinen zufammen- gekratzten Gtofchen in einem Babeörtchen ben Rentner fpielt.

Unterbeffen würbe Mac Mahon bei Seban fo ins Bein geschahen, datz er die Schlacht nicht felber zu verlieren brauchte, Napoleon sah m Wuheim. höhe die Wafferkünste fpringen, Giambetta konnte aus Paris Nicht anöcra als im Luftballon verreisen, unb Bismarck spielte eine Schachpartie, wovc> bie Franzosen den König unb bie Königin verloren. Von allem hörte oct Hauptmann auf seiner weißen Terrasse am blauen Wittelmeer nicht meyi, wie wenn bei einem Selbstmord die Dienerschaft dem Haus bte Deputation bewahren will. .... .

Erst als bie Einzugsfeier im Holzfchniit eingerahmt schon an ben ^anaen bet beutfchen Stuben hing unb er nicht anbei« als ein Dibietabummier mit bem Schnellzug nach Koblenz kam, wo feine Flau wbeffen bie Kricys iiachtichten, Tag für Tag zu vierzehn Diefenbünbeln eingeklebt. Wie ü" wanbballen auf ben Kleibetfchtank gestapelt hatte: ba las bet Hstuptm von bem Krieg, in ben et feinen Helm mit Eichenlaub fo stolz 1),nc*,'0etra2 jc hatte. Nun mags für einen Lahmen ein Hetzensjammet fein zu hören, bie Gefunben mit tot unb braun gebrannten Backen von Gletfcherfali stolz erzählen: ber Hauptmann aber hatte ©lieber stark unb lang wie ein Flügelmann. Als er zu Ende wat mit Kefen, es waren einige Wocy