bis ich einschlafe."
28. Kapitel.
das mein Tod."
Armgard lachte. , , , n .
„3a, du lachst, aber hast du denn die Augen von ihr gesehn? Und hast du ihre Stimme gehört? Und die Stimme, wie du doch weißt, ist die Seele."
„Gewiß. Aber Seele oder nicht, sie kann dir doch nichts tun mit ihrer Stimme und dir auch nicht erscheinen. Und wenn sie trotzdem kommt, nun, so rufst du mich."
„Am liebsten wäre es mir, du bliebst gleich bei mir.
"Nun gut, nun gut. Ich sehe wohl ein, daß das nicht gut geht. Aber was' anders! Ich habe da vorhin eine Bibel oder vielleicht auch bloß ein Gesangbuch liegen sehn, da auf dem Brettchen^ wo die kleine Puppe steht Beiläufig auch was Sonderbares, diese Puppe. Sitte, mmm die Bibel von der Etagere fort und lege sie mir hier auf den Nachttisch. Und das Licht laß brennen. Und wenn du im Bett liegst, sprich immerzu,
Sehr begreMich", versicherte Dubslav, und Melusine stimmte zu. 1 "Zahlreiche Personen traten in der Verhandlung aus, und als Sach- verständige wurden zuletzt auch K°nkurrent>,inen au d,e em ^ez,alo aebiete der vlasti chen Kunst vernommen. Alle fanden die Forderung erheblich zu hoch, und der Sieg fchien sich rasch der Herzogin juneigen I
,u sollen. Aber in eben diesem Augenblicke trat die sich arg bedrängt . übende Künstlerin an den Vorsitzenden des Gerichtshofes heran und bat । ihn an die erschienenen Fachgenossinnen einfach die Frage nach der I Dauer der durch ihre Kunst wiederhergestellten Jugend und Schönheit richten zu wollen, eine Bitte, der der Oberrichter auch sofort nachkam. Was daraus geantwortet wurde, lautete hinsichtlich der Dauer sehr ver- ichieden Als aber, trotz der Verschiedenheit dieser Angaben, keine der Konkurrentinnen mehr als ein Vierteljahr zu g°s°nUeren wagte wandte «Ä WAS? öS «SÄW.t
bof mit, und die Herzogin hatte die Riefensumme zu zahlen.
Und wäre dergleichen Hierlandes möglich? fragte Melusine I
"Ganz unmöglich" erwiderte der für alles Fremde schwärmende Koseleger „Es kann hier einfach deshalb nicht vorkommen, weil uns der dazu nötige höhere Kulturzustand und die dementsprechende, An^au- una fehlt. In unserm guten Preußen, und gar erst in unsrer Mark, fiphf man in einem derartigen Hergang nur das Karikierte, gunstlgen- salls das Groteske, nicht aber jenes Hochmaß gesellschaftlicher Verfeinerung, aus dem allein sich solche Dinge, die man tm übrigen um ihres Raffinements willen belächeln oder verurteilen mag, entwickeln tonnen.
Die meisten waren einverstanden, allen voraus Dubslav, dem der- ateichen immer einleuchtete, während die Domina von „Horreur sprach I Ld sichtlich unmutig den Kopf hin und her bewegte. Waldemar erneue natürlich seine Versuche, die der Tante so mißfällige Konversation auf andres überzulenken, bei welcher Gelegenheit er nach dem Berühren verschiedenster Themata zuletzt auch auf den Coventgardenmarkt und den englischen Gemüsebau zu sprechen kam. Das paßte der Domina.
c.Q Gemüsebau", sagt« sie, „das ist eine wunderbare Sache, daran hat "man eine wirkliche Freude. Kloster Wutz ist eigentlich eine Garten- qeqenb- unser Spargel ist denn auch weit und breit der beste, und meine oute Schmargendorf hat Artischocken gezogen so groß wie ne Sonnenblume. Freilich, es will sie keiner so recht, und alle sagen immer: ,es dauert so lange, wenn man so jedes Blatt nehmen muß, und eigentlich hat man nichts davon, auch wenn die Soße noch so dick ist. Vie! mehr Glück hat unsre alte Schimonski mit ihren großen Erdbeeren — ich meine natürlich nicht die Schimonski selber; sie selber kann gar nichts, aber sie bat eine sehr geschickte Person — und ein Berliner Händler kaust ihr alles ab, bloß daß die Schnecken oft die Hälfte jeder Erdbeere wegfressem Man sollte nicht glauben, daß solche Tiere suchen feinen Geschmack haben. Aber wenn es wegen der Schnecken mich unsicher stt Dubslav, du solltest solche Zucht doch auch versuchen. Wenn es einschlagt ist es sehr vorteilhaft. Die Schimonski wenigstens hat mehr davon als von ihren Hühnern, trotzdem sie gut legen. Denn mal sind sie billig, die Eier, und dann wieder verderben sie, und die schlechten werden einem berechnet und abgezogen, und die Streiterei nimmt kein Ende."
Kurz vor elf brach das Gespräch ab, und man zog sich zuruck. Der alte Dubslav ließ es sich nicht nehmen, die Damen persönlich treppauf bis an ihre Zimmer zu führen und sich da unter Handkuß von ihnen zu verabschieden. Es waren dieselben zwei Räume, die vor gerat) einem Vierteljahr Rex und Czako bewohnt hatten, das größere Zimmer letzt für Melusine, das kleinere für Armgard bestimmt. Aber als nun beide vor ihren Reisetaschen standen und sich oberflächlich daran zu tun machten, sagte Melusine: „Dies Himmelbett ist also für mich. Wenn es dir gleich ist, beziehe du lieber dies Ehrenlager und lasse mir das kleine Schlafzimmer. Zusammen sind wir ja doch; die Tür steht auf."
3a Melusine, wenn du's durchaus wünscht, dann natürlich. Aber ich verstehe dich nicht recht. Man will dich auszeichnen, und wenn du es ablehnst. so kann es auffallen. Man muß doch in einem Hause, wo man noch halb sremd ist, alles so tun, wie's gewünscht wird."
Melusine ging auf die Schwester zu, sah sie halb verlegen, halb schelmisch an und sagte: „Natürlich hast du recht. Aber ich bitte dich trotzdem darum. Und es braucht ja auch keiner zu merken. Direkte Kontrolle wird ja wohl ausgeschlossen sein, und ich mache keine tiefere Kute »te ou.
, Gut, gut", lachte Armgard. „Aber sage, was soll das alles? Du bist doch sonst so leichtlebig. Und wenn es dir hier in dem ersten Zimmer, weil es so nah an der scharfen Flurecke liegt, wirklich etwas ängstlich zumute sein sollte, so können wir ja zuriegeln."
„Das hilft nichts, Armgard. In solchen alten Schlössern gibt es immer Tapetentüren. Und was das hier angeht", und sie wies dabei auf das Bett, „alle Spukgeschichten sind immer gerad in Himmelbetten passiert; ich habe noch nie gehört, daß Gespenster an eine Birkenmaserbettstelle herangetreten wären. Und hast du nicht unten den mistle-toe gesehn? Mistelbusch ist auch noch so Ueberbleibsel aus heidnischer Zeit her, bei den alten Deutschen gewiß und bei den Wenden wohl auch, für den Fall, daß die Stechlins wirkliche Wenden sind. Wenn ich Tante Adelheid ansehe, glaub ich es beinah. Und wie sie von den Hühnern sprach und den Eiern. Alles so wendisch. Ich glaube ja nicht eigentlich an Gespenster, wiewohl ich auch nicht ganz dagegen bin, aber wie dem auch sein mag, wenn ich mir denke, Tante Adelheid erschiene mir hier und brächte mir eine Erdbeere, die die Schnecken schon angetnabbert haben, fo wäre
1'^Wahrend dieser Worte waren die Herrschaften an die Gruvpe heran- getreten. „Freut mich, daß ich Sie treffe, Kluckhuhn. Ich denke, Sie begleiten uns ... Frau Gräfin, darf ich Ihnen hier unfern Dorfherrfcher vorstellen? Schulze Kluckhuhn, alter Vierundsechziger."
Und nun ordnete sich der Zug. Dubslav und Uncke schlossen ab. Wolde- mar, Armgard und Tante Adelheid hielten die Mitte; Melusine schritt voran, Rolf Krake neben ihr. , .
3ch bin froh", sagte Melusine, „Sie bei dieser Partie mit dabei zu sehn. Der alte Herr von Stechlin hat mir schon von Ihnen erzählt, und daß Sie vierundsechzig mit dabei gewesen. Und ich weiß auch Ihren Namen; bas heißt den zweiten. Und ich darf sagen, ich freue mich immer, wenn ich so was Hübsches höre."
Ach Rolf Krake", lachte Kluckhuhn. „3a, Frau Gräfin, wer den Schäden' hat, darf für den Spott nicht sorgen. Das heißt, von .Schaden darf ich eigentlich nicht reden, den hab ich nicht so recht davon gehabt; ich bin nicht mal angeschossen worden. Und doch is so was billig, wenn s erst losgeht."
„3a, Schulze Kluckhuhn, unsereinern ist so was leider immer verschlossen oder, wie die Leute hier sagen, verpurrt. Und doch ist das das eigentlich-- Leben. So immer bloß einsitzen und ein bißchen Charpie zupfen, das ist gar nichts. Mit dabei sein, das macht glücklich. Es war aber trotzdem wohl ein eigenes Gefühl, als Sie da so von Düppel nach Alsen r überfuhren, und das unheimliche Schiff, der Rolf Krake, so dicht daneben lag." , , ■
(Fortsetzung folgt.)
Am andern Morgen traf man sich zum Frühstück Es war ziemlich spät geworden, ohne daß Dubslav, wie das sonst wohl auf dem-Lande Ge- mohnbeit ist ungeduldig geworden wäre. Nicht dasselbe ließ sich von Tante Adelheid sagen. ,Zch finde das lange Wartenlassen nicht gerabe Dalienb am wenigsten Personen gegenüber, denen man Respekt bezeigen S Oder^ich ge? vielleicht zu weih wenn ich hier vmi Respektbezeigung spreche?" So hatte sich Adelheid zu Dubslav geäußert Als nun aber die Barbyjchen Damen wirklich erschienen, bezwmng sich die Domina und stellte all die Fragen, die man an solchem Begruhungsmorgen zu stellen pflegt 3n aller Unbefangenheit antworten d,e Schwestern, am unbefangensten Melusine, die bei Der; ®*leBenbeit dem alten Dubslav erzählte, daß sie nicht umhin gekonnt harte, sich die Bibel an ihr Bett zu legen.
„Und mit der Absicht, drin zu lesen?"
Beinah Aber es wurde nichts daraus. Armgard plauderte so viel, freilich auf meinen Wunsch. Ich hörte von der Treppe her immer hie Uhr schlagen und las dabei beständig das Wort Museum. Aber das war natürlich schon im Traum. Ich schlief schon ganz fest. Und heute ftuh bin ich wie der Fisch im Wasser."
Dubslav hätte dies gern bestätigt, dabei nach emem Spezif isch suchend, der so recht zum Vergleich für Melusine gepaß haste. Die BI cke einer Schwester aber, die zu fragen schienen „hast du gehört? ließen ibn wieder davon abftehn, und nachdem noch einiges über den großen Oberflur und seine Bilder und Schränke gesprochen worden war, wurde, genau wie vor einem Vierteljahr, wo Rex und Czako äu Besuch da waren, ein Programm verabredet das dem bamahgen sehr ähnlich sah- Aussichtsturm, See, Globsow; dann auf dem Ruckweg die Kwche, vielleicht auch Krippenstapel. Und zuletzt das „Museum .Aber manches davon war unsicher und hing vom Wetter ab Nur den See wollte man unter allen Umständen sehn. Engelke wurde beauftragt, mit Plaids und Decken vorauszugehn und ein paar Leute zum Wegschaufeln des Schnees- mrt- zunehmen, lediglich für den Fall, daß die Damen vielleicht Luft bezeigen sollten, die Sprudel- und Trichterstelle genauer zu studieren. „Und wenn | wir auf unferm Hofe keine Leute haben, so geh ins Schulzenamt und bitte Rolf Krake, daß er aushilft."
Melusine, die dieser Befehlserteilung zugehört hatte, war überrascht, in einem märkischen Dorfe dem Namen „Rolf Krake zu begegnen, und erfuhr denn auch alsbald den Zusammenhang der Dinge. Sie «ar ganz enchantiert davon und sagte: „Das ist hübsch. Aller aufgesteifter Pa - tismus ist mir ein Greuel, aber wenn er diese Formen anmmmt und sich in Humor und selbst in Ironie kleidest dann ist er das Beste, was man haben kann. Ein Mann, der solchen Beinamen hast der lebt, der ist in sich eine Geschichte." Dubslav küßte ihr die Hand, Adelheid aber wandte sich demonsttativ ab; sie wollte nicht Zeuge dieser ewigen Huldigungen sein. „Wenn man ein alter Major ist, ist man eben ein alter TOajor und nicht ein junger Leutnant. Dubslav ist zwanzig, aber zwanzig Jahr a. D."
Es war gegen zehn, als man aufbrach, um zunächst auf den Ausstch s- turm zu steigen, und nachdem man von der obersten Etage her die Wald- landfchaft, die sich auch in ihrem Schneeschmuck wundervoll ausnahm, ge- bührend bewundert und dann den Abstieg glücklich bewerkstelligt hatte, passierte man den Schloßhof mit der Glaskugel, um über den Dorfplatz I forthin biß n<lch bcm (See binunißifübrcnbc ßrofjc ©trofjc ctnjubißflcn. Auf dem Dorfplatze war alles winterlich still, nur vor dem Kruge standen drei Menschen: Engelke, der die Schneeschipper vorausgeschickt hatte, mit seinen Plaids über dem Arm, neben ihm Schulze Kluckhuhn und neben diesem Gendarm Uncke, das Karabinergewehr über die Schulter gehängt.
„Da treffen wir ja die ganze hohe Obrigkeit", sagte Dubslav. „Engelke kann ich auch mitrechnen, der regiert mich, is also eigentlich die Feuda-


