ihm nicht ab."
Zweites Kapitel.
einen Visrnarckkopf habe. „Nun ja, ja, den hab ich ich soll ihm sogar ähnlich sehen. Aber die Leute sagen es immer so, als ob lch mich dafür i
bedanken mühte. Wenn ich nur wüßte, bei wem; vielleicht beim lieben , Gott, oder am Ende gar bei Bismarck selbst. Die Stechlme sind aber auch nicht von schlechten Eltern. Außerdem, ich für meme Per on, ich habe bei den sechsten Kürassieren gestanden, und Bismarck bloß be, den siebenten, und die kleinere Zahl ,st tn Preußen bekanntlich immer die größere; — ich bin ihm also einen über. Und Friedrichsruh, wo alles jetzt hinpilgert, soll auch bloß ne Kate sein. Darm sind wir uns allo gleich. Und solchen See, wie den ,Stechlin, nu den hat er schon ganj gewiß nicht. So was kommt überhaupt bloß selten vor.
Ja aus seinen See war Dubslav stolz, aber desto weniger stolz war er aus sein Schloß, weshaw es ihn auch verdroß, wenn es überhaupt io genannt wurde. Von befc armen Leuten ließ er sich s gefallen: „tfur die ist es ein .Schloß', aber sonst ist es ein alter Kasten und weiter nichts." Und so sprach er denn lieber von seinem „Haus , und wenn einer einen Bries schrieb, so stand darüber „Haus Stechlin - Er war sich auch bewußt, daß es kein Schloßleben war, das er führte. Vordem, als der alte Backsteinbau noch stand, mit seinen dicken Türmen und seinem Luginsland, von dem aus man, über die Kronen der Bäume weg, weit ins Land hinaussah, ja, damals war hier ein Schloßleben gewesen, und die derzeitigen alten Stechline hatten teilgenommen an allen Festlichkeiten, wie sie die Ruppiner Grafen und die mecklenburgischen Herzoge Sahen, und waren mit den Boitzenburgern und den Bassewitzens ver- hwäqert gewesen. Aber heute waren die Stechliner Leute von schwachen Mitteln die sich nur eben noch hielten und beständig bemüht waren, durch eine „gute Partie" sich wieder leidlich in die Höhe zu bringen. Auch Dubslavs Vater war auf diese Weise zu seinen drei Frauen gekommen, unter denen freilich nur die erste das in sie gesetzte Vertrauen gerechtfertigt hatte. Für den jetzigen Schloßherrn, der von der zweiten Frau stammte, hatte sich daraus leider kein unmittelbarer Vorteil ergeben, und Dubslav von Stechlin wäre kleiner und großer Sorgen und Verlegenheiten nie los und ledig geworden, wenn er nicht in dem benachbarten Gransee seinen alten Freund Baruch Hirschseld gehabt hätte. Dieser Alte, der den großen Tuchladen am Markt und außerdem die Modesachen und Damenhüte hatte, hinsichtlich deren es immer hieß, „Gerson schicke ihm alles zuerst" — dieser alte Baruch, ohne das „Geschäftliche" darüber zu vergessen, hing in der Tat mit einer Art Zärtlichkeit an dem Stechliner Schlohherrn, was, wenn es sich mal wieder um eine neue Schuldverschreibung handelte, regelmäßig zu heikeln Auseinandersetzungen zwischen Hirschfeld Vater und Hirschfeld d°^,Gott^Jsidor, ich weiß, du bist fürs Neue. Aber was ist das Neue? Das Neue versammelt sich immer auf unferm Markt, und mal stürmt es uns den Laden und nimmt uns die Hüte Stück für Stück, und die Reihersedern und die Straußenfedern. Ich bin fürs Alte und für den guten, alten Herrn von Stechlin. Js doch der Vater von feinem Großvater gefallen in der großen Schlacht bei Prag und hat gezahlt mit feinem Leden."
„Ja, der hat gezahlt; wenigstens hat er gezahlt mit feinem Leben. Aber der von heute ..."
„Der zahlt auch, wenn er kann und wenn er hat. Und wenn er nicht hat, und ich fuget .Herr von Stechlin, ich werde schreiben siebeneinhalb', dann feilscht er nicht und dann zwackt er nicht. Und wenn er kippt, nu, da haben wir das Objekt: Mittelboden und Wald und Jagd und viel Fischfang. Ich seh es immer so ganz klein in der Perspektiv, und ich seh auch schon den Kirchturm."
„Aber Vaterleben, was sollen wir mit’m Kirchturm?
In dieser Richtung gingen öfters die Gespräche zwischen Vater und Sohn, und was der Alte vorläufig noch in der „Perspektive" sah, das wäre vielleicht schon Wirklichkeit geworden, wenn nicht des alten Dubslav um zehn Jahre ältere Schwester mit ihrem von der Mutter her ererbten Vermögen gewesen wäre: Schwester Adelheid, Domina zu Kloster Wutz. Die half und sagte gut, wenn es schlecht stand ober gar zum Aeußersten zu kommen schien. Aber sie half nicht aus Siebe zu dem Bruder — gegen den sie, ganz im Gegenteil, viel einzuwenden hatte —, sondern lediglich aus einem allgemeinen Siechlinschen Familiengefühl. Preußen war was und die Mark Brandenburg auch; aber das Wichtigste waren doch die Stechlins, und der Gedanke, das alte Schloß in andern Besitz und nun gar in einen solchen übergehen zu sehen, war ihr unerträglich. Und über all dies hinaus war ja noch ihr Patenkind da, ihr Neffe Waldemar, für den sie all die Liebe hegte, die sie dem Bruder versagte.
Ja, die Domina half, aber solcher Hilfen unerachtet, wuchs das Gefühl der Entfremdung zwfichen den Geschwistern, und so kam es denn, daß der alte Dubslav, der die Schwester in Kloster Wutz weder gern besuchte noch auch ihren Besuch gern empfing, nichts von Umgang besah als seinen Pastor Lorenzen (den früheren Erzieher Woldemars) und feinen Küster und Dorfschullehrer Krippenstapel, zu denen sich allenfalls noch Oberförster Katzler gesellte, Katzler, der Feldjäger gewesen war und ein gut Stück Welt gesehen hatte. Doch auch diese drei tarnen nur, wenn sie gerufen wurden, und so war eigentlich nur einer da, der in jedem Augenblick Red und Antwort stand. Das war Engelke, fein alter Diener, der feit beinahe fünfzig Jahren alles mit feinem Herrn durchlebt hatte, seine glücklichen Leutnantstage, feine kurze Ehe und feine lange Einsamkeit. Engelke, noch um ein Jahr älter als fein Herr, war dessen Vertrauter geworden, aber ohne Vertraulichkeit. Dubslav verstand es, die Scheidewand zu ziehen. Uebrigens wäre es auch ohne diese Kunst gegangen. Denn Engelke war einer von den guten Menschen, die nicht aus ^Berechnung oder Klugheit, sondern von Natur hingebend und demütig sind und in einem treuen Dienen ihr Genüge finden. Alltags war er, so Winter wie Sommer, in ein Leinwandhabit gekleidet, und nur wenn es zu Tisch ging, trug er eine richtige Livree von sand- farbenem Tuch mit großen Knöpfen dran. Es waren Knopfe, die noch die Zeiten des Rheinsberger Prinzen Heinrich gesehen hatten, weshalb Dubslav, als er mal wieder in Verlegenheit war, zu dem jüngst ver-
ZiemUch um dieselbe Zeit, wo der Telegraphenbote hei Gundermanns vorsprach, um die Bestellung des alten Herrn von Stechlin auszurichten, ritten Waldemar, Rex und Czako, die sich für sechs Uhr angemeldet hatten, in breiter Front von Gremmen ab; Fritz Woldemars Reitknecht, folgte den dreien. Der Weg ging über Wutz. Als sie bis in die Nähe von Dorf und Kloster dieses Namens gekommen waren, bog Waldemar vorsichtig nach links hin aus, weil er der Möglichkeit entgehen wollte, feiner Ponte Adelheid, der Domina des Klosters, zu begegnen. Er stand zwar gut mit dieser und hatte sogar vor, ihr, wie herkömmlich, auf dem Rückwege nach Berlin seinen Besuch zu machen; aber in diesem Augenblick paßte ihm solche Begegnung, die sein pünktliches Eintreffen in Stechlin gehindert haben würde, herzlich schlecht.
(Fortsetzung folgt.)
torbenen alten Herrn von Kortschädel gesagt hatte: „Ja, Kortschadel, wenn ich so meinen Engelke, wie er da geht und steht, ins märkische Provinzialmuseum abliefern konnte, so kriegt ich ein Jahrgehalt und °^Das°war im Mai, daß der olle Stechlin diese Worte zu seinem Jtreunbe Kortfckädel gesprochen hatte. Heute aber war dritter Oktober und ein wundervoller Herbsttag dazu. Dubslav, sonst empfinblid) gegen uUq hatte die Türen aufmachen lassen, und von dem großen Portal her zog ein erquicklicher Luftstrom bis auf die nut weih und schwarzen Fliesen gedeckte Veranda hinaus. Eine große, etwas schadhafte Markise war hier herabgelassen und gab Schutz gegen die Sonne deren Lichter durch die schadhaften Stellen hindurchschienen und auf den Fliesen ein Schattenspiel aufführten. Garfenstühle standen umher, vor einer Bank aber die sich an die Hauswand lehnte, waren doppelte Strohmatten gelegt Auf eben dieser Bank, ein Bild des Behagens, faß der alte Stechlin in Joppe und breitkrempigem Filzhut und soh wahrend er aus feinem Meerschaum allerlei Rmge bl.es, auf ein Riwdell ,n dessen Mitte, von Blumen eingefaßt, eine kleine Fontane plätscherte. Rechts davon lief ein sogenannter Poetensteig, an dessen Ausgang ein ziemlich hoher, aus allerlei Gebälk zusammengezimmerter Aussichts. türm aufragte. Ganz oben eine Plattform mit Fahnenstange, daran die preußische Flagge wehte, schwarz und weiß, schon ziemlich verschl, en.
Engelke hatte vor kurzem einen roten «Streifen annahen wollen, war aber mit feinem Vorschlag nicht durchgedrungen. ,^Lah. Ich bin nicht dafür. Das alte Schwarz und Weiß hält gerade noch; aber wenn du was Rotes dran nähst, dann reißt es gewiß.
Die Pfeife war ausgegangen, und Dubslav wollte sich eben von feinem Platz erheben und nach Engelke rufen, als dieser vom Garten- iaal her auf die Veranda heraustrat. . .
„Das ist recht, Engelke, daß du kommst ... Aber du hast da ja was roie’n Telegramm in der Hand. Ich kann Telegramms Nicht leiden. Immer is einer dod, oder es kommt wer, der besser zu Hause geblieben wäre." , . . . „
Engelke griente. „Der junge Herr kommt.
„Und Das weiht du schon?"
„Ja, Brose hat es mir getagt. .
„So, so. Dienstgeheimnis. Na, gib her
Und unter diesen Worten brach er das Telegramm auf unb las. „Sieber Papa. Bin sechs Uhr bei dir. Rex und von Czako begleiten mich. Dein Woldemar."
Engelke stand und wartete. .
„Ja, was da tun, Engelke?" sagte Duoslao und drehte das Tel«, aramm hin und her. „Und aus Gremmen und von heute ftuh , fuhr er fort. „Da müssen sie also die Nacht über schon in Gremmen gewesen fein. Auch kein Spaß."
„Aber Gremmen is doch soweit ganz gut.
Nu gewiß, gewiß. Bloß sie Haden da so kurze Betten ... Uno, wenn man, wie Woldemar, Kavallerist ist, kann man ja doch auch die acht Meilen von Berlin bis Stechlin in einer Pace machen Warum also Nachtquartier? Und Rex und von Czako begleiten mich. Ich kenne Rex nicht und kenne von Czako nicht. Wahrscheinlich Regimentskame- reckten. Haben wir denn was?"
.Ich denke doch, gnädiger Herr. Und wovor haben wir denn unfre Mamsell? Die wird schon was finden."
Nu gut Also wir Haden was. Aber wen laden wir dazu ein? So bloß ich, das geht nicht. Ich mag mich keinem Menschen mehr vorsetzen. Czako das ginge vielleicht noch. Aber Rex, wenn ich ihn auch nicht kenne, zu so was Feinem wie Rex paff’ ich nicht mehr; ich bin zu altmodisch geworden. Was meinst du, ob die Gundermanns wohl fÖnJ!ld), die können schon. Er gewiß, und sie kluckt auch bloß immer
1 änu Gundermanns. Gut. Und dann vielleicht Oberförsters. Das älteste Kind hat freilich die Masern, und die Frau, das heißt die Gemahlin (und Gemahlin is eigentlich auch noch nicht das rechte Wort), die erwartet wieder. Man weiß nie recht, wie man mit ihr dran ist und wie man sie nennen soll, Oberförsterin Katzler »der Durchlaucht. Ader man tann’s am Ende versuchen. Und dann unser Pastor. Der hat doch wenigstens die Bildung. Gundermann allein ist zu wenig und eigentlich bloß ein Älutentreter. Und seitdem er die Siedenmühlen hat, ist er noch weniger geworden."
Engelke nickte. . „ „ _.
„Na dann schick also Martin. Ader er soll sich proper machen. Oder vielleicht ist Brose noch da; der kann ja auf seinem Retourgang bei Gundermanns mit rangehen. Und soll ihnen sagen sieben Uhr, aber nicht früher; sie sitzen sonst so lange rum, und man weih nicht, wovon man reden soll. Das heißt mit ihm; sie red't immerzu ... Und gib Brosen auch neu Kornus und fünfzig Pfennig."
„Ich werd ihm dreißig geben."
„Nein, nein, fünfzig. Erst hat er ja doch was gebracht und nu nimmt er wieder was mit. Das ist ja fo gut wie doppelt. Also fünfzig. Knaps


