mit ihren feingefieberten Blättern prächtige Silhouetten In ben klaren Tropenhimmel. ,
Die 'Borna — bas Bezirksamt — ein massiver Steinbau von gewaltiger Eindringlichkeit, liegt aus kleiner beherrschender Höhe im Süden der Stadt, etwa breiuiertel Stunden vom Marktplatz entfernt. Eine starke für afrikanische Verhältnisse uneinnehmbare Festung mit ein Meter bitfen nach allen Seiten mit Schießscharten versehenen Mauern, die einen rechteckigen Hof von etwa 200 Meter Ausdehnung umschließen, erinnert sie noch an die Zeiten, ba Hauptmann Tom von P r i n c e unb später Hauptmann Langhelbder deutschen Herrschaft in langwierigen Kämpfen mit dem damals allmächtigen Sultan Siki von Unyamwezi Anerkennung verschafften. Von hier aus bietet die weit in der flachen Mulde sich dehnende Stadt mit ihren Tausenden von Hütten und Häusern, die schon in ihrer Bauart das bunte Völkergemisch erkennen lassen, in dem bunten Farbenspiel vom tiefbuntlen Grün der Palmen unb Mangohaine bis zum Gelb der umgebenden Felder ein Bild außerordentlichen Liebreizes. . . ,
Nichts erinnerte mehr daran, bah noch bis vor wenigen Jahrzehnten schwere Kämpfe um die Anerkennung und Festigung der deutschen Herrschaft geführt werden mußten. Wenige Kilometer südlich, auf der Straße nach Jtetemia künden noch die Trümmer der Burg des Sultans Siki von den blutigen Opfern, die die Erstürmung dieser letzten Feste des letzten unabhängigen Herrschers von Unyamwezi heischte. Wandert man noch einige tausend Meter weiter, steht man ergriffen vor den Resten eines alten verfallenen Friedhofs mitten im wilden Pori. Dornenhecken säumen die Stätte, die gegen Osten durch mächtige, unregelmäßige Granitblöcke, so wie sie die Natur spielend hingeworfen, abgegrenzt ist. Mühsam entziffert man auf sechs oder sieben verfallenen Holzkreuzen noch einige wenige Buchstaoen von Namen. Sie gehören den tapferen Patres der Missionsstation von Kipalapala, deren nahe Ruinen heute noch Zeugnis geben, daß dort unerschrockene deutsche Männer im tapferen Kampfe gegen hoffnungslose Uebermacht ihr Leben Hingaben. Auch sie fielen für Deutschlands Ehre und Größe.
Verlassen liegen heute ihre Gräber, fernab des flutenden Lebens. Eidechsen sonnen sich auf den heißen Steinen zu ihren Häupten. Bienen summen das Lied vom ewigen Leben und jagen in lustigem Liebesspiel durch die Zweige eines verwilderten Zitronenbaumes, der-alljährlich seine weißlichen Blüten als einzigen Frühlingsgruh auf die einsame Ruhestätte schüttet.
Regiment Naulila. '
Von E. Student.
Wer hat in Deutschland wohl schon von dem Regiment Naulila gehört? Unbekannt, wie so manche Truppenteile unserer glorreichen Armee und ihre Taten, ist auch diese Einheit. Die deutsche Armee hat so zahlreiche Lorbeeren an ihre Fahnen, Gewehre, Säbel und Kanonen geheftet, daß es nicht verwunderlich erscheint, wenn einzelne ihrer Glieder weniger beachtet wurden. Jedoch, Regimentsgeschichten wenigstens bewahren die Taten der Väter den Söhnen. Da keine Geschichte des Regiments Naulila existiert und wohl kaum eine geschrieben worden ist, seien ihm hier einige Zetten gewidmet.
Das Regiment Naulila gehörte zur Kaiserlichen Schutztruppe für Südwestafrika. Ursprünglich hieß das Regiment nach seinem Führer Franke. Ms solches war es zu Kriegsbeginn gebildet aus der 2., 5. aktiven, der 1. Reservekompanie und der 1. Gebirgsbatterie. Der Regimentsführer, Major Franke, war berühmt in der alten Armee. Denn er war einer der wenigen Ritter des Pour le merite vor dem Kriege. Die hohe Auszeichnung hatte er sich 1904 im Herero-Aufstand verdient, indem er nach beispiellos raschem Marsche mit seiner 2. Kompanie die von den Herero belagerten Orte Windhuk, Okahandja und Dmaruru besetzte und die Hereros dort in hartem Gefechte schwer schlug. Der Hauptmann auf dem Schimmel war eine der populärsten Persönlichkeiten in Südwest, und seine 2. Kompanie galt als die beste Einheit. Ihre Tradition reichte zurück bis 1893, und in den elf Jahren ihres Bestehens hatte sie unter Führern wie Schwabe,von Sack, und von E ft o r f f in zahlreichen Kämpfen sich hohen Ruhm erworben.
Als der Weltkrieg die Schutztruppe zur Verteidigung des so hart umstrittenen Südwest gegen einen neuen mächtigen Feind rief, wurde das Regiment Franke gebildet. Es sicherte beim Aufmarsch im Süden der Kolonie die linke Flanke am Oranje. Zu größeren Kampfhandlungen kam es hier nicht. So anstrengend und vielseitig auch die rege Patrouillentätigkeit, den draufgängerischen Führer und seine Mannen befriedigte diese Art der Kriegführung wenig.
Aber ihre Zeit kam, und schneller, als sie es erwarteten.
Im Norden war der Kolonie plötzlich in den Portugiesen ein neuer Gegner erstanden. Es war in der Kolonie nicht bekannt gewesen, daß man sich mit den Portugiesen im Kriege befand, und Gouverneur Seitz hatte in Angola große Mengen Verpflegung ausgekauft, die das getreidearme Schutzgebiet dringend benötigte. Zur Empfangnahme war eine Kommission dorthin entsandt worden. Mittlerweile jedoch hatten die Portugiesen in Angola — den Deutschen unbekannt — den Kriegszustand erklärt, die Kommission wurde gefangen genommen, und als sie fliehen wollte, erschossen. Auf die Kunde hiervon und von starken portugiesischen Truppenansammlungen an der Grenze erschien dem Gouverneur die Lage so be- droblich, daß er gegen die Portugiesen vorzugehen beschloß. Seine Wahl fiel auf Major Franke. Stärkere Truppen allerdings standen nicht zur Verfügung. Major Franke erhielt drei Viertel seiner alten 2. Kompanie, die bei Sandfontein erprobte 6. und seine 1. Gebirgsbatterie, verstärkt durch den Zug v. Weiher; im ganzen 150 Gewehre, vier MG.s und sechs Geschütze.
Die Abteilung wurde mit der Bahn bis Otjiwarongo befördert und eilte von dort in beschleunigtem Marsche durch das wasserarme Ovarnbo-
(anb zum Kunene. Hier stand die Abteilung Mitte Dezember dem portugiesischen Fort Naulila gegenüber. Obwohl die Erkundungen ergaben, daß sich die Portugiesen in Stärke von etwa 1000 Mann mit Artillerie verschanzt hakten, griff sie Major Franke am 18. Dezember 1914 an. Nach fast sechsstündigem Gefechte schlug er sie vernichtend, erstürmte das Fort und erbeutete ein MG., 70 000 Patronen, viele Gewehre und zahlreiches Material. 70 Gefangene blieben in den Händen der Sieger. Als Auszeichnung für diesen glänzenden Sieg erhielt die Truppe den Ehrennamen „R e g i m en t Naulil a".
Da die Gefahr durch das Zersprengen der Portugiesen an der Grenze gebannt war, marschierte das Regiment wieder nach Süden und erreichte Mitte Januar Okahandja. Major Franke übernahm das Kommando über die gesamte Schutztruppe, da inzwischen der bisherige Kommandeur an schwerer Verwundung gestorben war. An seiner Stelle erhielt Hauptmann T r a i n er die Führung des Regiments Naulila.
Während der Kämpfe im Norden waren in Swakopmund und Wal- fifchdai die Südafrikaner in Stärke von mehreren Brigaden gelandet, General Botha war eingetroffen, und nach sorgfältiger Vorbereitung begann er seine Offensive längs der Bahn unb des Swakop gegen Osten.
Das Regiment Naulila, dem die 2. Kompanie entzogen worden war, erhielt Mitte März den Auftrag, die Pforteberge westlich Jakalswatet zu besetzen und die Eisenbahn hier zu sperren. Links rückwärts von ihm lag das Küstenregiment am Swakopslusse bei Riet. In Jakalswater hatte sich der Stab eingerichtet, die 1. Gebirgsbatterie stand bei Modderfontein, halbwegs zwischen Jakalswater und Riet. Die Ausdehnung der Stellung der 6. betrug etwa 30 Kilometer. Wenn auch die Berge unvermittelt aus der tischglatten Ebene aufstiegen, so waren sie doch im Norden und Süden außer Schußweite zu umgehen. Zur Verstärkung wurde am 19. März die 2. Ersatzkompanie vorgezogen, sie war aber nur 30 Gewehre stark und besetzte die Höhen nördlich der Bahnstraße. Dicht hinter der 6. stand die Halbbatterie v. Weiher.
Im Morgengrauen des 20. März 1915 gingen die Südafrikaner in Stärke von mehreren Brigaden — meist beritten — gegen bie Psorte- Rietstellung vor. Während die Pforteberge in Front und Flanke angegriffen wurden, brausten zahlreiche Reitergeschwader in der Ebene gegen Jakalswater und nahmen den dort liegenden Signalberg weg. Ader die schwache Ortsbesetzung, die, verstärkt durch den Stab, Burschen, Ordonnanzen kaum 40 Gewehre zählte, verteidigte sich tapfer und schlug nicht nur den vielfach überlegenen Feind ab, sondern stürmte auch den Signalberg wieder, wobei ihr noch an 40 Gefangene in die Hände fielen. Die aus Modderfontein eiligst herangezogene Batterie konnte nur noch die nach Westen abziehenden Reiter unter Verfolgungsfeuer nehmen.
Während des Angriffs auf die Station war der Gegner auch gegen die 6. Kompanie vorgegangen. Diese hatte sich nach Norden gezogen, um Anschluß an die 2. Ersatzkompanie bei der sehr wichtigen Eisenbahnpforte zu gewinnen. Die Halbbatterie von Weiher könnte dabei nur langsam folgen. Zwar gelang es der Bedeckung, die ersten Angriffe abzuweisen, doch dann wurde sie von allen Seiten eingekesselt und von der weit zahlreicheren feindlichen Artillerie zugedeckt. Zweimal forderte der Gegner zur Uebergabe auf, zweimal wurde dies abgelehnt. Inmitten [einer von vernichtendem Feuer überschütteten Batterie stand der Führer, bis ihn der tödliche Schuß niederstreckte. Schon war das eine Geschütz außer Gefecht gesetzt. Am anderen feuerte der (Befreite Frensel, obwohl zweimal verwundet, bis ein Volltreffer das Geschütz umwarf und den Richtkanonier zum dritten Male verwundete. Nun versuchten sich die Ueberlebenben zur 6. Kompanie durchzuschlagen.
Diese selbst focht seit dem Morgen verzweifelt. Aber als die Sonne am Zenith stand, war der größte Teil der Gewehre außer Gefecht gesetzt, der Rest hatte keine Munition mehr. Er mußte sich dem stürmenden Gegner ergeben.
Nur die paar Gewehre der 2. Ersatzkompanie hielten sich noch nörth lich der Bahnpforte. Gegen sie richtete sich nunmehr die ganze Wucht des Feindes. Nach schwerem Artilleriebeschuß wurde sie zersprengt.
Während so das Regiment Naulila größtenteils verblutete, konnte die Rietstellung gehalten werden; aber in der Nacht mußte die völlig in der Luft schwebende geräumt werden.
Mit dem Tage von Pforte-Riet begann der Endkamps um die Kolonie. Es war, als wolle eine Handvoll Menschen einen kilometerlangen Damm vor den andrängenden Wasserfluten halten. War ein Loch gestopft, so drang das Wasser an anderer Stelle desto stärker durch, bis die Flut auch hinter dem Damme schwoll und ihn hinwegschwemmte. So versuchte auch die Schutztruppe in den nächsten Monaten der immer stärker schwellenden Flut der Südafrikaner sich zu erwehren, bis sie in deren Masse unterging.
Das Regiment Naulila wurde nach dem 20. März nicht mehr neuformiert. Seine Reste gingen an andere Abteilungen. Trotzdem wird es in der Kriegsgeschichte weiterleben, würdig der Väter und Brüder, vom Führer bis zum letzten Mann im Miede.
Fast auf den Tag drei Jahre später. Es ist der 21. März 1918. Di« Südafrikanische Brigade hält den äußersten linken Flügel der britischen 5. Armee an der Eambraifront bei Heudicourt in Frankreich. Sie liegt unter schwerstem Trommelfeuer, und dann trifft sie, aus dem dichten Nebel heraus, die volle Wucht des Stoßes der deutschen Frühjahrsoffensive. Die Brigade wehrt sich verzweifelt. Doch das ist ein anderes Kämpfen als unten im heißen Südwest. Schritt für Schritt weicht die Brigade, versucht in neuen Gräben in der Nacht sich zu setzen. Doch auch hier wird sie geworfen. Am 24. März liegt sie bei Moislains, unb hier erhält sie den Todesstoß. Am Nachmittag erheben sich ihre Reste aus den zerschossenen Gräben und ergeben sich den stürmenden Deutschen. „So ended one of the most heroic episodes ok the war.“ (So endete eine der heroischsten Episoden des Krieges.)
Die deutsche Niederlage in Südwest mar gerächt.
Verantwortlich vr. Hans Tbyriot. — Druck und Derlag: Drühl'fche Univ ersitäts. Buch. und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.


