Ausgabe 
19.7.1937
 
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Und erweist, daß in der Nähe Guter Menschen flute Geister Treu und unablässig dienen.

hier frohes Leben blühe, den Lieben, die hier Hausen,

3n neuer Wohnung.

(3n das Gedenkbuch eines befreundeken Hauses.) Von Gustav Freytag.

Die in dunkler Ecke lauern, Kobold, Wichtel, heinzel, Klaus I Seid auch ihr aus alten Mauern Mitgezogen in dies Haus? Alles ist hier neu und zierlich, Darum haltet euch manierlich, Laßt auf Sofa und auf Tischen Bürst' und Lappen nie erwischen; Seid verträglich in der Küche, Achtet sehr auf Wohlgerüche, Daß der Braten nicht verbrenne, Nicht die Milch ins Feuer renne. Gießet niemals Rotweinflecke Auf der Hausfrau Tischgedecke, Untersteht euch nicht zu necken, Hut und Handschuh zu verstecken, Gummischuhe zu vertauschen; Und daß keiner daran denke,

Behagen niemals fehle.

ihr nur vermögt zu mausen _____ den Tiefen, in die Luft: Farbenglanz und Blütenduft, Lieder aus der Vögel Kehle, Mondenlicht und Sonnenschein Tragt in dieses Haus hinein;

Malt die Wände, Wangen, Mienen

Je die Gäste zu berauschen!

Aber sorgt für gut Getränke. Doch vor allem gebt euch Mühe, Daß " ' " ......

Daß Das Was Aus

jiihle, die von dem Stich ausging und sich rasch ausbrefteke. Sie stieg iurcf) den Arm an, sie durchströmte meinen Körper und drang mir ins Htn. Ich sah und hörte alles wie zuvor, aber es war den Gescheh- Ässen der Bezug aus mein Dasein genommen, meine Beteiligung daran r»ar wie ausäelöscht. Alles, was da vorging, sah ich ganz genau, aber s ereignete sich wie jenseits einer gläsernen Scheibe, hinter einer voll- !>mmen durchsichtigen Wand von der Eigenschaft, Licht und Geräusch ! ndurchzulassen und nur das Gefühl wie ein Filter zurückzuhalten.

Ja, da führte man nun Miguel zum Galgen.

Ich bemerkte, daß dem Generalauditor unsere Anwesenheit ausfiel, r schaute fick verwundert nach uns um und wandte sich mit einer iiage an Endeslant. Er fragte wohl, was diese beiden Fremden, diese (panier in Bürgertracht, hier zu suchen hätten. Und Endeslant mei­ste ihm gehorsamst, daß wir Murats schriftliche Erlaubnis hätten, l:r Hinrichtung beizuwohnen. Es war also alles in Ordnung.

3d; sah auch, daß Miguel zwischen den Soldaten langsam und ge­messen einen Fuß vor den andern setzte. Er warf keinen Blick um sich, r schaute weder nach rechts noch nach links, er suchte mich nicht, er litte sich so völlig in sich selbst zurückgezogen, daß die Welt schon jetzt i:r ihn nickst mehr vorhanden war. Gewiß die beste Art, sich mit dem höermetblidjen abzufinden und es gefaßt über sich ergehen zu lassen. Ir bewegte sich, als würden seine Schritte nicht von seinem Willen ,-lenkt, sondern als gehorche er einer von außen wirkenden Macht, der t sich bedingungslos unterworfen hatte.

Und genau in derselben Weise schritt sein geistlicher Tröster neben im, Pater Barnabas, der Kapuziner, die Kapuze tief ins Gesicht ge= ;gen und ein elfenbeinernes Kruzifix an die Brust gedrückt, das grell iriß von der Kutte abstach. Wortlos und blicklos wie der Verurteilte ftst schritt der fromme Bruder neben ihm.

(Fortsetzung folgt.)

Tabora.

Von Gerhard Scheicher.

.Tabora eh Tabora eh" klingt aufmunternd, anseuernd «rBingsang durch die langen Reihen müder Träger. Tagaus, tagein, ^1 leit Jahrhunderten der Zug der Trägersasaris über die bald grau, 'E grün, bald blau schimmernde Unendlichkeit der afrikanischen Baum- N Grassteppe. Kurze Tagemärsche, in denen schon nach vier bis sechs senden die Wasserstelle und damit das Tagesziel erreicht war, ent- U'c,igten für lange wasserlose Strecken, die in 40 bis 50 Kilometer P>®n Nachtmärschen (telekesa) überwunden werden muhten. Zwischen H°u>goro und Ngomberenga dehnt sich die Mkattasteppe, eine schone, Fertige Graslandschaft mit Tamarisken, Akazien und herrlichen Dum- kl-aen, die oft ganze lichte Wälder bilden, durchsetzt. Spater muß der >->iecken aller Reisenden, die marenga mkali, eine 60 bis 70 «dorneter £-se trostlose Salzwüste durchquert werden. Und nochmals fuhrt zwischen Eiatinde und Tura die Karawanenstraße durch weite, unbewohnte d°»te, die man in einem Gewaltmarsch hinter sich bringen muß, wenn ^Karawane nicht verdursten soll. Apathisch, stumpfsinnig, den Blick nur

>»ie Füße des Vordermannes gerichtet, ziehen in den letzten Stunden j ,. r Dauersafaris die Träger ihres Weges, und nur der Zuruf |t?ora" vermag zuletzt noch die sinkenden Lebensgeister wieder zu | d n, den zu Tode ermüdeten eine Vision aller Freuden des Paradiese SrWbernb.

^bora ist für den Neger, ob Askari, Träger oder Boy, der In- W aller Schönheiten des irdischen Daseins, das Mekka des -^|t-

afrikaners, das, was dem Franzosen Paris ist. Da gibt es chakula (Essen) in hülle und Fülle, holde schwarze Schöne, die einem freundlich zu­lächeln, wenn der Lohn von drei, vier Wochen verheißend in der Tasche klimpert, da gibt es Pombe und Tembo (Hirsebier und Palmwein), daß man sich für wenige Heller einen Kanonenrausch antrinken kann und jeden Tag in irgend einem Stadtteil, auf dem Marktplatz oder in der Umgegend eine Ngoma (Tanz).

Als Schnittpunkt der alten Karawanenstraße von Bagamoyo nach Udjidji und von Muanza nach Langenburg und Bismarcksburg war Tabora schon lange vor unserer Zeit das Zentrum des innerafrikanischen Handels, seine Blütezeit fiel in die Aera der berühmten oder besser be­rüchtigten arabischen Sklavenhändler Tippo-Tip und Rumaliza, die hier ihre hauptsilialen unterhielten, um die Todeskarawanen der Tausende in den Urwäldern rund um die zentralafrikanischen Seen geraubten Negersklaven zusammenzustellen und mit Elfenbein beloben zur Küste zu senden.

Den Hauptteil der Bevölkerung bilden die Wanyamwezi, die Be­wohner der gesegneten, sruchtdaren und ausgedehnten Landschaft Ungarn» wezi, deren Hauptstadt Tabora ist, große, kräftige, harmlose Kinder, fleißige und tüchtige Ackerbauer, die auch das Hauptkontingent der ost- afrikanischen Träger stellen. Einen säst ebenso großen Prozentsatz der etwa 30 000 dis 40 000 Köpse zählenden Bevölkerung Taboras bilden die Wasuaheli, die ostafrikanischen Küstenneger mit arabischem Einschlag, die von irgendeiner Safari hier hängengeblieben sind, oder durch persön­liche Geschäfte oder auch durch das böse Gewissen nach dem Inneren verschlagen worden sind. Dennbarra", d. h. das Innere des schwarzen Erdteils war von jeher die Zufluchtsstätte für jeden, dem der Boden in den mit wirksamerer Polizeigewalt ausgestatteten Küstenstädien zu heiß geworden war, und gar manchen durchgebrannten schwarzen Porto- kassenjüngling hat schließlich doch noch der Arm der blinden Göttin in Tabora erreicht.

Neben Wasuaheli und Wanyamwezi geben sich wohl fast alle Stämme Ostafrikas in Tabora ein Stelldichein. Die zwei Meter hohen Gestalten der Watussi aus Ruanda, der Aristokraten des Ostens, treiben ihre großgehörnten Rinderherden zu Markte, Manjema, ein wildes, räube­risches Volk aus dem Seengebiet, die noch allerdings heute wohl zu Unrecht, im Geruch stehen, gelegentlich auch Menschensteisch nicht zu verschmähen, lungern überall herum. Dunkelhäutige, fast pechschwarze Wangoni und hellfarbige, rotbraune Wanyaturu, Wassandaui und Wagogo, Wakami, Wasseguha, selbst Massai und Sudanesen, und wie die zahlreichen Stämme alle heißen, vervollständigen das Bild eines oftafri- kanischen Babel. Selbstverständlich fehlt auch der Inder nicht, der überall, auf dem Markte, wie in seinen winkligen Kontoren wenn man die windschiefen, fchmutzstarreiÄen und übelriechenden Kramläden mit diesem hochtönenden Wort bezeichnen darf, den handel beherrscht. Neben Syrern und Persern findet man Leute von den Komoren und aus Mada­gaskar, die ihren Tribut an dem innerafrikanischen Geschäftsleben fordern und mit dem Inder wetteifern in der Kunst, die naiven Kinder Afrikas übers Ohr zu hauen.

Eine besondere Rolle spielt der Araber, der allerdings nur noch von der Erinnerung an verblichene Macht und Herrlichkeit zehrt. Ehedem, als noch der Sklavenhandel blühte, den die braunen Söhne der Wüste mono­polisiert hatten, war er unumschränkter Herr, und noch heute, Jahr­zehnte nachdem er durch die europäische Herrschaft feiner Macht entkleidet ist, beherrscht ein Abglanz seiner einstigen Herrenstellung völlig das Ver­hältnis zwischen ihm und den Eingeborenen. Ihn umgibt im Bewußt­sein des Negers auch wenn dieser die tatsächliche Herrschaft des Euro­päers über sein Land und [ein persönliches Geschick ohne jeden Vorbehalt anerkennt der Glanz einer alten Tradition, und seine Autorität gegen­über dem Neger ist innerlich viel fester verwurzelt als die des weißen Mannes. Die unantastbare, nur von dem Willen oder der Laune eines einzelnen abhängige Macht über Leben und Tod, wie sie ein Rumaliza, ein Tippo-Tip unumschränkt ausübten, wirkt noch durch Generationen fort, denen die Ehrfurcht des geborenen Sklaven vor dem Herrscher schon im Blute vererbt worden ist.

Wirtschaftlich sind die meisten Araber heute zugrunde gerichtet und geraten mehr und mehr in die Gewalt des indischen Wucherers, der ihnen an geschäftlicher Gerissenheit und Betriebsamkeit hundertfach über­legen ist. Aeußerlich aber sind sie noch immer die Herren, und niemand würde in dem würdigen Orientalen, der in prächtigen Gewändern, den vergoldeten Dolch im Gürtel, auf deinem Maskatesel mit goldgesticktem Geschirr und silberbeschlagenem Zaumzeug, umgeben von einem Troß von Dienern, über den Marktplatz reitet, den ihn unterwürfig grüßenden Inder, dem er vielleicht Tausende schuldet, kaum eines Blickes würdigend, eine gestürzte Größe von gestern vermuten.

Die Landschaft um Tabora unterscheidet sich merklich von allem, was der Reisende bisher gesehen und erlebt hat. hier spürt man nicht die grandiose, oft lähmende Monotonie der weiten, unberührten Steppe, nicht die erdrückende Wucht gewaltiger Gebirgsstöcke, wie des Uluguru- oder Ngurui-Gedirges ober gar die Hochlandkrater von Jramba. In­mitten der dämonischen Wildheit, der formvollendeten Schönheit des rätselhaften Afrika liegt Tabora wie eine Insel bürgerlicher Geruhsamkeit.

Eingebettet in einen Kranz niedriger, licht bewaldeter mit Granit­blöcken übersäter Hügelketten liegt die Stadt im tiefsten Teil einer flachen Senke, wie in einer weiten grünen Schale, über die sich ein leuchtender Himmel spannt. Nach allen Seiten steigt das Gelände in leichten Wellen an, um sich in der fernen Hochebene zu verlieren. Rund um die Stadt ziehen sich weite Felder von Mais, Mtama (Negerhirse), Weizen, Erd­nüssen, Bananen und zahlreichen anderen Nutzpflanzen, durchbrochen von tiefdunkelgrünen Euphorbienhecken. Ihr besonderes Gepräge erhält die Gegend durch die überall in Höfen, Gärten und Feldern stehenden Mangobäume, üppige, Schatten spendende Laubbäume, mit den herr­lichsten Früchten, die Afrika bietet, deren dichte, blaugrüne Laubmassen ohne Stamm unmittelbar aus der Erde herauszuwachsen scheinen. Die schlanke, hochstämmige Kokospalme blickt Herat, auf all das Blühen und Grünen zu ihren Fußen, und überall schneidet die von den Arabern ein- geführte, schönste aller afrikanischen Palmen, die graziöse Dattelpalme,