Ausgabe 
19.4.1937
 
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du dazu?" , _ . , . .

Ja, gnädger Herr, was soll ich dazu sagen. Es is ja doch, was man so ne ,güte Nachricht' nennt."

Natürlich is es ne gute Nachricht. Aber hast du noch mcht erlebt, daß' einen gute Nachrichten auch genieren können?"

Jock, gnädger Herr, ich kriege keine."

Na, denn sei froh: dann weiht du nicht, was .gemischte Gefühle sind. Sieh, ich habe jetzt gemischte Gefühle. Da kommt nun mein Wolde- mar. Das is gut. Und da bringt er feine Braut mit, das is wieder gut. Und da bringt er feine Schwägerin mit, und das is wahrscheinlich auch gut Aber die Schwägerin ist eine Gräfin mit einem italienischen Namen, und die Braut heißt' Armgard, was doch auch schon sonderbar ist. Und beide sind in England gebären, und ihre Mutter war aus der Schweiz, ron einer Stelle her, von der man nicht recht weiß, wozu sie gehört, weil da alles schon durcheinandergeht. Und überall haben sie Besitzungen, und Stechlin ist doch bloß ne Kate. Sieh, Engelke, das is genierlich und gibt das, was ich .gemischte Gefühle' nenne."

Nu ja, nu ja."

,Und Sann müssen wir doch auch repräsentieren. Ich muß ihnen doch irgendeinen Menschen vorsetzen. Ja, wen soll ich ihnen vorsetzen? Biel is hier nich. Da hab ich Adelheiden. Natürlich, die muß ich emladen, und sie wird auch kommen, trotzdem Schnee gefallen ist; aber sie kann ja neu Schlitten nehmen. Vielleicht ist ihr Schlitten bester als ihr Wagen.

reb,S>is is richtig. Also Lorenzen, und vielleicht, wenn das Kind sich wiedör erholt, auch Katzler. Ein Schelm gibt mehr, als er hat.Und dann Engelke solche Damen, die überall rum m der Welt waren, da weiß man nie, wiä der Hase Pft. Es ist möglich, daß sie sich sur Krippen- stapel interessieren. Oder hure, da fällt mir noch was ein. Was meinst du zu Koseleger?" .

",N-ch,^aber Not lehrt°betem' Ich mache mir eigentlich nicht viel aus ihm, indessen is und bleibt er doch immer cm Superintendent und das klingt nach was. Und dann war er >a mit ner russischen Großfürstin auf Resten und solche Großfürstin is eigentlich noch mehr als ne Prin­zessin. Also sprich mal mit Kluckhuhn, der soll nen Boten schicken. Ich schreibe gleich ne Karte."

Katzler sagte ab oder ließ es doch unbestimmt, ob er kommen könne Koseleger dagegen, was ein Glück war, nahm an, und auch Schwester Adelheid antwortete durch den Boten, den Dubslav geschickt holte,daß sie den zweiten Feiertag in Stechlin eintresfen und soweit wie dienlich und schicklich nach dem Rechten sehen würde." Adelheid war in ch^r Art eine gute Wirtin und stammte noch aus den alten Zeiten, wo die Damen bis zum Schlachten" undAalabziehm" herunter alles lernten und alles konnten. Also nach dieser Seite hin entschlug sich Dubslav jeder Befurch- tung Aber wenn er sich dann mit einem Male vergegenwärtigte, daß es stiner Schwester vielleicht in den Sinn kommen könne, sich auf ihren Uradel oder auf die Vorzüge sechshundertjähriger märkischer ..Emgesessen- lje.it" zu besinnen, so fiel alles was er sich in dem mit Engelke ge führten Gespräch an Trost zugesprochen hatte, doch wieder von ihm ab. Ihm bangte vor der Möglichkeit einer seitens feiner Schwesterauf­gesetzten hohen Miene" wie vor einem Gespenst, und desgleichen vor der Kostümfrage. Wohl war er sich, ob er nun seine rote Landstandsumform

I oder seinen hochkragigen schwarzen Frack anlegte, feiner eignen alt­modischen Erscheinung voll bewußt, aber nebenher was seine Person an- ging, doch auch wieder einer gewissen Patriarchalitat. Einen Zeichen Trost könnt er dem äußern Menschen seiner Schwester Adelheid n.cht entnehmen. Er wußte genau, wie sie kommen wurde: schwarzes Seiden­kleid, Rüsche mit kleinen Knöpfelchen oben und die SieHenkurfu.sten drösche. Was ihn aber am meisten ängstigte, war der Moment nach Tisch wo sie, wenn sie sich einigermaßen behaglich zu fühlen an.ing, ihre Wutzer Gesamtchaussure auf das Kamingltter zu stellen und die Wärme von unten her einzusaugen pflegte.

Gleich na di sieben trafen Waldemar und die Barbyschen Damen auf dem Grande? Lahnhof ein und fanden Martin und den Stechlinfchen Schlitten vor, letzterer insoweit ein Frachtstück, als er em richuges Bärenfell hatte, während andrerseits Geläut und Schneedecken und säst auch die Pferde mehr oder weniger zu wünschen ubrigließen. Aber Mein- sine sah nichts davon und Armgard noch weniger. Es roar eine reizend« hahrt- die Luft stand, und am stahlblauen Himmel oben blinkten die Sterne So ging es zwischen den eingeschneiten Feldern hin, und wenn ihre Kappen und Hüte hier und dort die herniederhangenden Zweige streiften, fielen die Flocken in ihren Schlitten. In den Dörfern war überall noch Leben, und das Anschlägen der Hunde, das vom nächsten Dorf her beantwortet wurde, klang übers Feld. Alle drei Schlittenlnsos,en waren glücklich und ohne daß sie viel gesprochen hatten, bogen sie zuleM, eine weite Kurve machend, in die Kastanienallee ein, die sich nun ralch, über Dorfplatz und Brücke fort, bis auf die Rampe von Schloß Stechlin führte Dubslav und Engelke standen hier schon im Portal und waren den Damen beim Aussteigen behilflich. Beim Eintritt in den großen Flur war für diese das erste, was sie sahen, ein mächtiger, von der Decke herabhängender Mistelbusch; zugleich schlug die Treppenuhr, deren Hippen- mann wie verwundert und beinahe verdrießlich auf die fremden Gaste herniedersah. Diele Lichter brannten, aber es wirkt« trotzdem alles wie dunkel Waldemar war ein wenig befangen, Dubslav auch. Uno nun wollte Armgard dem Alten die Hand küssen. Aber das gab diesem seinen Ton und seine gute Laune wieder.Um^ -kehrt wird cm Schuh draus."

Und zuletzt ein Pantoffel", lachte Melusine.

(Fortsetzung folgt.)

Gott wenn ich an das Verdeck denke mit der großen Lederflicke, da wird mir 'aud) nicht besser. Und dabei denkt sie, ,fie is was', was am Ende auch wieder gut is, denn wenn der Mensch erst denkt, ,es is gar nichts mit ihm', dann is es auch nichts." . . . ,

Und dann, gnädger Herr, sie is ja doch ne Domina unb hat nen Rang. Und ich hab auch mal gelesen, sie sei eigentlich mehr als em ^Na jedenfalls ist sie mehr als ihr Bruder; fo'n vergessener Major is ein Jammer. Aber Adelheid selbst, so aus n ersten Anhieb, is auch bloß jo so. Wir müssen jedenfalls noch wen dazu haben. Schlage was vor Baron Beetz und der alte Zählen, die die besten sind, die wohnen zu weit ab, und ich weiß nicht, feit wir die Eisenbahnen haben, laufen die Pferde schlechter Oder es kommt einem auch bloß fo oor. Also die guten Nummern fallen aus. Und da sind wir denn wieder bei @unberrnanm

Ach gnädger Herr, den nich. Un er fall ja auch so zweideutig sein, linde hat es mir gesagt; Uncke hat freilich, immer das Wort .zweideutig. Aber es wird wohl stimmen. Un dann die Frau Gundermann. Das is ne richtige Derlinfche. Verlaß is auf ihm nich und auf chr nich.

Ja Engelke, du sollst mir helfen und machst es bloß noch schlimmer. Wir könnten es mit Katzler versuchen, aber da ist d a sKind kvank und vielleicht stirbt es. Und dann haben wir natürlich noch unfern Vaftor. nu der ginge, bloß daß er immer so still dasitzt, wie wenn er auf den heiligen Geist wartet. Und mitunter kommt er; aber noch o^er kommt er nicht. Und solche Herrschaften, die dran gewohnt sind, daß erner m einem fort was Feines sagt, ja, was sollen die mit un-ferm Lorenzen? i|[ ^Ab^^er^jchweigt doch immer noch besser, als die Gundermannsche

Immer dieselbe Geschichte, rote mit Protz und Proletarier wie sie noch I edjt waren jetzt mag es wohl anders damit jein waren auch bloß immer dazu da, die Kastanien aus dem Feuer zu^holen: "der ging es dann schieß dann wanderte Bruder Habenichts nachspandauund Bruder Protz legte sich zu Bett Und mit Hochadel und Kleinadel ist es beinah ebenso. Natürlich heiratet eine Ermyntrud mal einen Katzler, aber eigent­lich äugt sie doch mehr nach einem Stuart ober Wasil, wenn es deren noch gibt. Wird aber wohl nich. Entschuldige diesen Herzenserguß dem Du nicht mehr Gewicht beilegen mußt, als ihm zukommt. Es tom mir das alles so von ungefähr in die Feder, weil ich grade heute wieder gelesen habe, wie man einen von uns, der durch Eintreten eines Jppe- Bllchsenstein hätte gerettet werden können, schaudllch im Stich.gelassen Hatz Jppe-Büchscnstein ist natürlich nur Begriff. Alles in allem: ich habe zu Dir das Vertrauen, daß Du richtig gewählt hast, und daß man Dich nicht im Stiche lassen wird. Außerdem, em richtiger Marker hat Augen im Kopf und is beinah so Helle wie'n Sachse

Wie immer Dein alter Vater Dubslav von Stechlin.

Es war Ende November, als Woldemar diesen Brief erhielt. Er überwand ihn rasch, und am dritten Tag las er alles schon mit einer gewissen Freudigkeit. Ganz der Alte; lebe Zeile voll Liebe, voll Gute, voll Schnurrigkeitcn. llnb eben diese Schnurren, trafen sie nicht eigentlich auch den Nagel auf den Kopf? Sicherlich. Was aber bas Beste war so sehr das alles im allgemeinen passen mochte, auf die Bavbys paßte so gut wie nichts davon; die waren doch anders, die suchten nicht Füh­lung nach oben und nicht nach unten, die mardjanbterten nicht mit links und nicht mit rechts, die waren nur Menschen und daß nm d as sein wollten, das war ihr Glück und zugleich ihr Hochgefühl. Woldemar sagte lick denn auch, daß der Alte, wenn er sie nur erst kennengelernt haben | würde, mit fliegenden Fahnen ins Barbyjche Lager übergehen wurde, i Der alte Graf, Armgard und vor allem Melusine. Die war genau das, was der Alte brauchte, wobei ihm das Herz aufging.

Den Weihnachtsabend verbrachte Woldemar am Kronprinzenufer. Auch Wrschowitz und Eujaciusvon denen jener natürlich unverheiratet, dieser wegen beständiger Streiterei von feiner Frau geschieden war waren zugegen. Eujacius hatte gebeten, ein Krippentransparent malen zu dürfen, was denn auch, als es erschien, auf einen Ncbentisch gestellt und allseitig bewundert wurde. Die drei Könige waren Portrats: der alte Gras, Eujacius selbst und Wrschowitz (als Mohrenkomg); letzterer, trog Wollhaar und aufgeworfener Lippe, von frappanter Aehnlichkeit Auch in der Maria suchte man nach Anlehnungen und sand sie zuletzt; es war Lizzi, die, wie so viele Berliner Kammerjungfern, einen sittig verschämten Ausdruck hatte. Nach dem Tee wurde musiziert, und Wrschowitz jptelte weil er dem alten Grasen eine Aufmerksamkeit zu erweisen wünschte die Polonäse von Orginski, bei deren erster, nunmehr um siebzig Jahre zurückliegender Ausführung, einem alten on dit zufolge der pol­nisch gräfliche Komponist im Schlußmoment« sich erschossen haben sollte. Natürlich aus Liebe.Brav, brav", sagte der alte Graf und war, wah­rend er sich beinah überschwenglich bedankte, so sehr aus demHäuschen, daß Wrschowitz schließlich schelmisch bemerkte:Den Piffpaffschluß muß ich mir versagen, Herr (Steif, trohdem meine Dererrung (Blick aus Arm- garb) serr groß ist, fast so groß wie die Vererrung des Grafen vor Graff Oginski."

So verlief der Heiligabend. _. . ,

Schon vorher war man übereingekommen, am zweiten Feiertage zu britt einen Ausflug nach Stechlin zu machen, um bort die künftige Schwiegertochter dem Schwiegervater vorzustellen. Noch am Ehr,stabend selbst, trotzdem Mitternacht schon Darüber, schrieb denn Woldemar einige Zeilen nach Stechlin hin, in denen er sich samt Braut und Schwägerin für den zweiten Feiertagabend anmeldete. .

Rechtzeitig trafen Waldemars Zeilen in Stechlin cm.Lieber Papa. Wir haben var, am zweiten Feiertage mit dem Spätnachmittagszuge van hier aufzubrechen. Wir sind bann um sieben auf dem Granseer Bahnhof und um neun ober nicht viel später bei bir. Armgard ist glücklich. Dich endlich kennen zu lernen, den kennen zu lernen, den sie seit lange verehrt. Dafür, mein lieber Papa, hab ich Sorge getragen. Graf Barby, der nicht gut bei Wege ist, was ihn bindert mitzukammen, will Dir angelegentlich empfahlen sein. Desgleichen Gräfin Ghiberti, die uns als Dame d'hanneur begleiten wird. Armgard ist in Furcht und Aufregung wie vor einem Examen. Sehr ohne Not. Kenn ich doch meinen Papa, der die Gute und Liebe selbst ist. Wie immer Dein Woldemar."

Engelke stand neben seines Herrn Stuhl, als dieser die Zeilen halb­laut aber doch in aller Deutlichkeit vorlas.Nun, Engelke, was sagst