Cs verging längere Zeit, bis sie sich wieder trafen, es vergingen volle sieben Tage, und auch da war es eigentlich ein halber Zufall. Erich hatte sich allerdings in der Hoffnung, Hertha zu begegnen, in der Nähe ihres Hauses umhergetrieben, aber verabredet waren sie nicht.
Als er ihr braunes Pelzjäckchen in der Emser Straße auftauchen sah, eilte er auf sie zu, um ihr tragen zu Helsen, denn sie war mit einer Menge Paketen beladen. Er sah ihr prüfend ins Gesicht. Sie schien erfreut und doch verlegen.
„Sehr beschäftigt?" fragte er, nachdem sie sich die Hände gegeben und begrüßt hatten. „Du kommst ja gar nicht mehr aus die Eisbahn? Wo soll ich dich denn sehen? Vor der Schule kann ich dich doch nicht erwarten, und hier auf der Straße ist dir's sicher auch nicht recht."
Sie zog die Brauen zusammen und streifte ihn mit einem raschen Blick. Ihre grauen Augen wurden ganz schmal dabei. Dann lachte sie.
„Ach, weißt du, jetzt vor Weihnachten gibt's allerlei zu tun. Da mußt du dich nicht wundern. Mutter will, daß ich ihr bei allem helfen soll. Das macht mir ja auch Spaß, aber die Schule ..."
Mit einer ungewohnten heftigen Bewegung strich sie eine Locke aus der Stirn. Erich bemerkte es und zögerte ein wenig.
„Cato erzählte mir, daß er dich schon zweimal mit dem Goldsucher gesehen habe", sagte er endlich. „Einmal übrigens im Wäldchen ... Ihr seid oft zusammen?"
„Ich hör' ihn gern erzählen. Von seinen Reisen beispielsweise ... Ach, er hat soviel erlebtl Einmal hatten sie schlechtes Wetter bei Kap Horn, da gingen die Wellen sechs Meter hoch, und die Schiffstaue waren gefrorene Eisstangen und klirrten im Sturm. Und in Peru, in den Tälern des Maranon und Huallaga, da hat er sich von Eingeborenen an einem Seil tief in die Felsschluchten hinabsenken lassen und das Gestein untersucht. Als er auf Kuba nach Mangan bohren ließ, bebte die Erde, und Menschen und Tiere flüchteten zum Meer. Ein andermal ..."
Sie brach plötzlich ab. Erich sah sie erstaunt an.
„Wie lebhaft du das schilderst! Wie du sprichst, Hertha ... Du sprichst genau rote er!"
„Hast du ihn denn gehört?"
,^Ia, er hat in unserer Schule einen Vortrag über die Tektonik der Anden gehalten. Weißt du das denn nicht?"
Sie waren vor ihrem Hause angelangt, und Hertha vermied die Antwort. Er öffnete für sie die Tür, und während er ihr im Flur die Pakete übergab, machte er den Versuch, sie zu küssen, aber sie wehrte ihn ab: „Laß doch bitte. Es könnte uns jemand sehen."
„Früher warst du nicht so ängstlich", sagte er enttäuscht. „Du bist ganz verändert."
Als Erich auf die Straße -trat, sah er jemand auf das Haus zukonrmen. Sofort stellte er sich trotzig vor die Tür, die Fäuste in den Taschen geballt und fest entschlossen, auf keinen Fall den Platz zu räumen.
Der Näherkommende war ein schlanker, dunkelblonder Mann von etwa dreißig Jahren, nicht groß, aber in seinem Gesicht lag ein Ausdruck von Ruhe und gesammelter Energie. Es war das Gesicht eines fertigen Menschen, der es gewohnt ist, sich fein Leben mit unbeirrbarer Beharrlichkeit selbst aufzubauen. So mächtig war der Eindruck, daß Erich die Mütze zog und auf die Seite trat. Dr. Fabek dankte freundlich.
♦
Am Heiligen Abend hatte Fabek Hertha auf Umwegen durch das Wäldchen an eine Stelle geführt, wo er eine kleine Ueberrafchung für sie hatte' vorbereiten lasten: Am Rande einer Schonung war eine einzeln stehende, schlank und gerade gewachsene Tanne mit Kerzen besteckt, die flackerten und brannten.
„Das ist mein Geschenk! Gefällt es Ihnen?" fragte Fabek lächelnd.
Der Nachmittagsgottesdienst mochte eben beendet sein, denn in diesem Augenblick klang das Geläut der Kirchenglocken aus der Stadt herüber. „Wie schön", sagte sie leise, „wie wunderschön!"
Fabek griff nach ihren gefalteten Händen.
„Auf diesen Augenblick hab' ich mein Leben lang gewartet, Hertha. Weihnachten hatte bisher für mich eine schmerzliche Bedeutung. Sie wissen, daß an einem Weihnachtsabend mein Vater starb, und meine Mutter habe ich nie sehen dürfen. Aber an Sie erinnere ich mich noch, als Sie so ein kleines Mädchen waren und mit den Puppenwagen stolz auf dem Meininger Platz spazierenfuhren. Damals galt ich schon für einen Sonderling. .Goldsucher' wurde ich genannt." Er strich leise über ihr blondes Haar. „Geben Sie dem Wort die richtige Bedeutung, Hertha, dann soll das Suchen auch zu Ende sein!"
Sie blickte zu ihm auf, still und lächelnd. Da zog er sie ganz dicht zu
Die Kerzen spiegeln sich in deinen Augen. Ich will sie zählen", sagte er zärtlich, nahm ihren Kopf in beide Hände und küßte ihren Mund.
Die beiden Freunde gingen nebeneinander die Hauptstraße hinunter. Hier und da konnte man schon hinter erleuchteten Fenstern die Tannenbäume brennen sehen.
Hör mal, Cato", bat Erich, „tu mir den Gefallen und gib dteses Buch noch heute abend bei Frostreuters für Hertha ab."
„Willst du das nicht selber tun?"
„Nein, es ist schon besser so!"
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Das Fest der Kinder.
Von Herybert Menzel.
Wieviel Mütter jetzt wohl nähen Puppenkleider, Puppenhüte?! Und die Kinder dürfen lärmen. Und sie lächeln doch voll Güte. Abends, wenn schon alle schlafen, Surrt noch immer die Maschine, Fliegt noch immer hell die Nadel Für die Puppe Josephine.
Und die Puppe Josephine Wird zu Weihnacht Herta heißen, Wird mit neuen blonden Locken Und mit Seidenroben gleißen. Keiner wird sie wiederkennen. Und sie wird sich nicht verraten. Denn sogar die neuen Augen Sind ganz wunderhübsch geraten. Seht die Mütter mit den Puppen, Seht die Väter mit Trompeten, Wie sie bann noch glücklich lächelnd Vor der Kinder Betten treten.
uns ein bißchen durcheinander, weil wir morgen früh Besuch bekommen. Dr. Fabek wird bei uns wohnen. Kennst du ihn?"
Erich horchte auf. „Wolfgang Fabek? Der Goldsucher?"
Hertha lachte. „Goldsucher nennt ihr ihn? Er hat doch nur Kupfer gefunden. Aber komm her, du sollst Silber von mir haben!"
Damit bückte sie sich übermütig und bewarf ihn mit glitzerndem Schnee. Sofort machte sich Erich über sie her und rieb ihr das Gesicht tüchtig mit Schnee ein.
„Du —!" keuchte sie lachend und suchte vergeblich, von ihm loszukommen, „du sollst mich nicht so rot machen, sonst merken sie was zu Hause..."
Oer Goldsucher.
Eine Weihnachtsgeschichte von Kurt Krispien.
Nach Schulschluß gingen die beiden Freunde nebeneinander die Hauptstraße hinunter. Der Schnee fiel dick und weich aus grauem Himmel. Von Seit zu Zeit schüttelten sie ihn von ihren Mänteln, stampften ihn von den chuhen oder bliesen ihn erheitert von der Nasenspitze weg. Beide trugen sie die weiße Mütze der Unterprima, deuteten aber schon jetzt den künftigen Studenten an. Arn Mainzer Platz blieben sie unter einem Erker stehen, der Schutz vor dem Wetter bot, und verabschiedeten sich. Der Größere von ihnen, Cato genannt, neigte sich ein wenig vor.
„Seh ich dich heut noch, Erich?"
Erich Bode beobachtete mit feinen nachdenklichen braunen Augen das Spiel der Flocken auf der Straße. ,Zch glaube nicht", sagte er zögernd, »die Klausurarbeit ..."
„Verstehe, du bist mit Hertha verabredet."
Erich lächelte verlegen. „Du bist mir doch nicht böse, Cato? Sieh mal, sie kann so schwer von Hause weg, ich muß mich nach ihr richten ..."
„Geschenkt! In Ordnung! Sie ist ein nettes Mädchen, hübsch und klug. Man könnte dich beneiden. Wahrscheinlich geht ihr auf die Eisbahn? Na, behalt es nur für dich! Uebrigens, das hält' ich bald vergeßen: der Goldsucher ist wieder da!"
„Der Goldsucher? Ach!" Erich erinnerte sich. So nannten sie ihn, als sie noch ganz, ganze kleine Jungens waren, so nannten sie den Wolfgang Fabek, weil er stets etwas am Boden suchte, in der Erde wühlte und immer die Taschen voller Gesteinssorten mit sich schleppte, die er unterwegs aufgelesen hotte. Man hielt ihn allgemein für einen Sonderling, schon weil er nicht nach Jena, sondern nach Berlin studieren ging. Als Geologe! Ein paar Jahre später kam die Forschungsreise nach Südamerika ...
„3a, der ist wieder im Lande, Erich. Heute ein berühmter Mann. Großer Sohn der kleinen Stadt! Sie werden ihn vermutlich sehr beweihräuchern. Na, er hat's verdient! Weißt du noch, was alles in der Zeitung von ihm stand, als er verschollen war? In Patagonien, in den Kordilleren! Mensch, stell dir das doch mal vor: von Eingeborenen verschleppt! Daß es das heute noch gibt, Erich! Und bann hat er endlich Glück gehabt und das große Kupfervorkommen entdeckt. Am Tronador, wenn ich nicht irre. Reich und berühmt ist er geworden, reich und — na, Wiedersehen! Da kommt meine Bahn!" , , , , .
Er rannte über den Platz, erreichte die Straßenbahn gerade noch und winkte vergnügt herüber. ! ,,. r „ .,
Langsam ging Erich nach Hause, den Blick auf die Schaufensterscheiben gerichtet. Vor allem interessierte ihn di« Auslage eines Bucherlabens. Em Buch vielleicht? fo überlegte er. Denn einen Ring hatte sie ja doch nicht tragen können. Ein Buch vielleicht?
Es waren immerhin noch fast drei Wochen bis zum Weihnachtsabend, ober das Geschenk für Hertha beschäftigte ihn sehr. Er fummte leise vor sich hin. Zwei Quintaner, die Schneekapuzen über den Kopf gezogen, grüßten ehrerbietig. Er dankte. Den Goldsucher hatte er vergessen.
Am späten Nachmittag traf er sich mit Hertha am Schillerdenkmal. Don hier aus gingen sie'ins Wäldchen. Es hatte aufgehort zu schneien Die Luft war kalt und klar. Ein schwacher Wind wehte von Westen her und trug das Gebell der Hunde aus der Försterei an 'M- Ohren Erich ging schweigend und beglückt. Gr hielt Herthas Hand und bruefte sie z - weilen. Einmal, als sie aus der Sicht ber Hauser waren hatten sie sich geküßt, zärtlich unb lange, bis entfernte Schritte sie anaMch ausemanderfahren ließen. Es roch nach Schnee unb Tannen. Die Aefte knackten unter ber schweren Last, weiß stäubte es von ben Baumen, wenn Vogel auf ben Zweigen flatterten, ober es sprang ein Eichhörnchen burch Ine iipf .
Sie kehrten im Walbhaus ein unb tränten wunderbaren, heißem roten Dunsch im Hinterzimmer auf einem Ledersofa, das Hocker ha"e wie ein Dwmedar. Dann zogen sie bas Grammophon auf, ließen alterprobte Schlager spielen unb fangen bazu mit ihren Hellen jungen Stimmen, bw es Zeit zum Abenbeffen würbe und sie beibe nach Haufe mußten. Auf !dem Heimweg, da. wo der Woldpfad in scharfer Biegung fyugetab führte, blieben sie stehen und sahen hinunter auf die kleine Stadt deren Lichter vertraut zu ihnen berüberblinzelten. Groß und butter, ein schwarzer Fleck, lag bas Gymnasium inmitten ber erleuchteten Häuser. _ ,
„Komm weiter!" brängte Hertha. „Ich muß pünktlich fein. Es geht bet


