Ausgabe 
17.12.1937
 
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Schon sehr zeitig im Leben zeigen sie jenes Interesse an ihrer Umwelt, , für den Pinguincharakter so kennzeichnend ist. Allmählich geht ihnen

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xer Mutter Pinguin beipflichtet, wenn auch unter Zittern und Beben denn sie weih, nun wird sie alle Angs! der Welt aus^lehen. Die Jungen werden also ausgeführt. Das gefällt ihnen vortrefflich. Sie mar- toteren bis zum Neftrand, stellen sich oben hin und besehen sich zum erstenmal die^Welt draußen. Sie breiten die Flossen aus und denken gewiß:Wäre Mutter nur nicht da, so wollten wir schon weiterlaufen I

Vermächtnis aus s , unvergessener Instinkt aus Tagen die Pinguine wirklich fliegen konnten.

Sobald die Kinder jenes bedeutsame Alter erreicht haben, in bem fie mehr oder weniger unbeaufsichtigt urnherfpazieren dürfen, erleben sie viel Lustiges auf der Insel. Wie alle Kinder haben sie euren ausge- irro ebenen Nachahmungssinn, und alles, was Vater und Mutter tun, i moctoen sie auch tun. Die Alten bringen täglich eine gewisse Zeit mit hcher eigenen und gegenseitigen Säuberung zu, indem sie derart, mi t.dem Schnabel im Gefieder herumstöbern, daß man meinen konnte sie hielten Jagd au Insekten. Ich glaube jedoch nicht, daß das der Fall rst; meiner Meinung nach knabbern sie nur an den kurzen Federchen, die unter de langen wachsen - genau wie sich andere Tiere von denen mar an- nimmt sie suchten sich und ihre Familie von Ungeziefer zu befreien, in Wirklichkeit die kurzen Haare abbeißen. Jedenfalls kamr man auch hier sagen daß der Apfel nicht wert vom Stamm fallt, denn die Pin guinkücken'machen es ihren Eltern in diesem wie in andern Stucken nach.

Schließlich kommt aber doch einmal die Zeit, wo Vater Pinguin findet, die Kinder müßten nun lernen, selbständig zu werden, eine An­

das für den Pinguincharakter so kennzeichnend ist. Aumayiicy gern lynen auf daß die Sandwände des elterlichen Nestes nicht die letzten Grenzen der Welt sind, und sobald sie kräftig genug sind, sich auszurichten und über den Rand hinauszugucken, tun sie es. Das kann man aber jo kleinen Kindern natürlich nicht durchgehen lassen. Wie dürften sie, die noch nuht weit laufen und noch viel weniger sich verteidigen können, sich den Ge­fahren der Welt aussetzen dem Schnabel von Ibis und Möwe? Darum kommt Vater oder Mutter (wer gerade Dienst hat) rasch herbei und ver­setzt den kleinen Abenteurern einen scharfen Schnabelhieb, zur Erinnerung daran, daß sie nicht ohne elterliche Erlaubnis in den Garten zu gehen haben. Das mögen sie natürlich gar nicht welches Kmd hat so etwas qern? aber Mutters Schnabel ist scharf und Vaters womöglich noch schärfer, und wenn man noch kein sehr dichtes Federkleid hat, tut so etwas weh. Die Kleinen ziehen sich also (wahrscheinlich maulerch und heulend) ins Nest zurück und bleiben in der Kinderstube, bis sie denken, daß die Eltern den Rücken gedreht haben, worauf sie sich wieder vor­wagen und das Experiment wiederholen mit demselben Erfolg.

Doch auch das kommt mit der Zeit. Da gehen sie nun auf Ent deckungsreisen, die kleinen Pinguine, wandern zwischen den nachbar­lichen Nistlöchern hin und her, interessieren sich für alles und jedes. Manchmal scheinen sie merkwürdigerweise das Gefühl zu haben, ihre Flossen wären Flügel, und mit ein wenig Uebung konnten sie sicher fliegen. Fliegen wie Möwen und Ibisse, ja selbst wie Kormorane Jeden- falls habe ich oft beobachten können, wie junge Vogel m deutlichem Be mühen mit den Flügeln schlugen «1s wären sie ganz ^erzeug daß man's so machen müsse. Ganz besonders einer pflegte sich hmzust. len und sich die größte Mühe mit diese» untauglichen F assen M geben trr- lahmte er, dann stellte ich mich vor ihn hm und schlug mit den Armen und sofort befeuerte ihn das so, daß er von neuem anfing. Diese Versuche sieht man so häufig, daß «s sich meiner Meinung nach Nicht nur um Entspannung der Muskeln handeln kann. Vielleicht if. es ein nur um cntipannu g ^^ii, ein durch Jahrhunderte hindurch linkt aus Tagen falls es solche Tage je gab als

Auch Freundschaften mit den Nachbarkindern werden geschloffen i man balgt sich mit ihnen und unternimmt Kletterpartien in den Felsen Das Klettern gehört Übrigens zu den Dingen, die sie einmal können muff, und früh schon beginnen sie sich an kleineren Felsblocken zu uben, mdem sie lernen, sich mit dem Schnabel an vorspringenden Kanten festzuhalten.

Endlich aber naht der Tag, an dem das Wichtigste non allem ge­lernt werden muß, und gewöhnlich fällt es der Mutter zu, diese Kunst zu lehren- die Kunst des Schwimmens nämlich. Zuweilen geht es den kleinen Pinguinen genau wie kleinen Kindern; sie sinden den Gedanken ins Wasser zu gehen höchst unangenehm, und dann muß Mutter Pingum chre Jungen richtig wie ein Schäferhund zum Meer hinunter treiben Mitunter verbinden sich mehrere Elternpaare zu diesem Zweck, si>> daß ein Dutzend Kücken oder noch mehr zum gemeinsamen Schwimmunter^ richt zusammengebracht werden. Dann gehen em paar davon, tapferer als die übrigen, ganz willig ins Wasser, während die genau wie man es an jedem Sommertag tm Seebad beobachten kann.

Es ist eigentlich sonderbar, daß Junge Pinguine, die doch Meervögel sind, sich so oft zuerst vor dem.Wasser fürchten. Die Er-klarung^liegt vielleicht tu der Geschichte der Art: es kann wohl sein, daß die ersten Pinguine statt der Flossen Flügel hatten, so daß neben der Webe zum Meer auch eine Art Haß gegen das Meer w^nen schlummert. W« das sich aber auch verhalten mag, die Tatsache bleibt, daß die erste Bekanntschaft mit dem Wasser oft eine rechte Plage ist. Die Alten fuhren oder treiben die Kücken in das nächste Wellengeriesel hinein, <cher mwiche lausen immer wieder zurück zur Mutter, als fürchteten sie, sich die Fuße naßzumachen. Doch schließlich ist das Ganze wie bei Kindern mur eine I Frage de7 Nichtlockerlassens. Eine Wellet kommt weiter heremgefpult als sonst die Füße, die man in Sicherheit glaubte, werden mitgerissen- und plötzlich merkt man, daß das schreckeinfloßende Wasser gar nicht fo torecklich ist Und Spaß wurde es natürlich machen, bei den andern Kindern mitzuspielen. Also nimmt der kleine Pinguin all fernen Mut zu- sammen und ttotzt den Wellen; er paddelt hinaus und vergißt seine Acngste allmählich, bis er auf einmal gewahr wird daß er gar nicht mehr paddelt, sondern tatsächlich mühelos dahintreibt, genau wie Vater und Mutter.

Dafi den jungen Pinguinen das 6d)tmnrmen wirklich beigebracht werden muß, glaube ich übrigens nicht; sicherlich aber wird ck)nen das Tauchen gelehrt oder doch mindestens vorgemacht. Dazu sinkt die Mutter den Kopf breitet die Flossen aus und verschwindet unter Wasser, um einen Augenblick danach wieder aufzutauchen und sich nach den Kindern umzuschauen, ob sie chrem Beispiel auch brav gefolgt sind.

Ist auch diese Kunst schließlich erlernt und sind die «einen Pinguine etwadrei Monate alt, dann kommt bald bering, anöemes mit der Kindheit endgültig aus ist. Nun ist sie da, die ersehnte Zeit, wo man ohne Vater und Mutter fertig zu werden vermag, well man "unalles kann was man zu können braucht. Es tft auch notwendig, daß die Jungen den Eltern nicht mehr zur Last fallen und sich ihren eigen«" Weg suchen, denn Vater und Mutter wissen, daß die Zukunft neue Familiensorgen birgt, so daß es ganz gut sein wird wenn die dies- jährigen Kinder aus dem Weg sind. So schwimmt die Familie denn von der Insel fort, weit hinaus, in die fischreichen Grunde des Ozeans und dort verlassen die Eltern chre Jungen vielleicht noch em wenig Angst im Herzen, die Gedanken aber schon vorwartsgerichtet dem nächsten Jahresereignis im Pinguinleben entgegen.

(Fortsetzung folgt.)

Mn das weder Herr Pinguin noch Frau Pinguin noch der Leser noch I ich selbst recht begreifen werden. Ein neues Lebewesen erfch«nt auf der Mett Eine Minute zuvor noch war da noch ein glattes, reglofes <&, nur das Werkzeug das dieses Wesen ins Leden befördert; eine Minute fpäter hat die dicke'Schale einen Sprung und drinnen regt sich etn leben­des Etwas.

ftaft jedes Kind hat wohl einmal ein Kücken aus dem Ei kriechen sehen, und doch bleibt es eines der in ihrer Einfachheit so unbegreiflichen Wunder der Schöpfung: ja es ist Vie Schöpfung selbft.

Bald verbreitert sich der Sprung, und vielleicht wird ein «eines Loch in die Schale gebrochen die erste selbständige Erdenhandlung des Ankömmlings. Und endlich fällt die Schale auseinander, und es erscheint ein Geschöpf, das niemand für einen Pinguin halten wurde - dunkel- farben, mager und furchtbar häßlich Zwar hat es mehr Vogelarttg als der ausgewachsene Pinguin, zugleich aber zeigt es auch eine Der bläffende Aehnlichkeit mit einem Teddybären.

Einen bis drei Tage später folgt chm sein BruderoderseineSchwe- ster nach, und in bemerkenswert kurzer Zeit entwickeln sich die zwei Tierchen und beginnen ihre Kräfte zu er pro den. Jchhabe ^stMei Tage alte Pinguinkücken gesehen, wie sie versuchten, die Erde im -nistloch auf zukratzen genau wie ihre Eltern beim Bau, doch weiß ich, freilich nicht

jagen, ob sie den Boden unter sich glätteten oder wie em Säugling, der mit den Füßen strampelt, nur ihre Beine bewegen wollten.

Jetzt ist es für Frau Pinguin endgültig mit der Ruhe aus- Der Hintere Teil des Nistlochs wird Kinderzimmer, weil er am geschütztesten liegt. Dennoch müssen stets Vater oder Mutter am Eingang Wache stehen denn die Gefahren sind noch keineswegs überstanden. Ibis und Möwe' treiben sich unausgesetzt zwischen den Niftlochern herum, da sie nicht nur Eier, sondern auch junge Kucken rauben, um sie auf emen Satz zu verschlingen.

Abgesehen von diesem dringend notwendigen Wachehalten hat die Pinguinin mit der unschätzbaren Unterstützung ihres Gatten jetzt tüchtig zu tun, um den Eßbedarf der Familie zu decken. Auch f£er taten firh beide Eltern zu gleichen Teilen, indem der eine zum Fischen geht, während der andere das Nest bewacht und zugleich die Mahlzett,serviert (wenn ich mich so ausdrücken darf) die er aus der zuvor erbeuteten Nahrung bereitet hat. In diesem Alter müssen die Jungen <ttle zwanzig Minuten gefüttert werden. Das geschieht auf die Weise, daß der elterliche Verdauungsapparat die verschluckten Fische in Del verwandelt, das bann in den Schnabel zurückfließt. Diese fertige Speise wird nun von den Jungen derart angenommen, daß sie chre «einen Schnabel m die grö­ßeren der Alten stecken und sich daraus die Nahrung holen, deren sie so sehr bedürfen.

Wenn sie heranwachsen, werden die Fütterzeiten sestener, bis schlleh- Ito nur jede Stunde einmal gefüttert wird. Allmählich wird dann das Menü verbessert, da die Jungen kräftig genug werden, "eme Fische zu treffen, die sie zwar noch immer aus dem Schnabel der Eltern empfan gen, aus denen sie aber nun selbst das Del herausziehen können.

Das dauert so ein Vierteljahr lang, doch hängt di« genaue Zeit­spanne von verschiedenen Umständen ab. Sind die Eltern M«cht m3°' bann ist das Futter natürlich nicht so kräftig und das Wachstum lang­samer. Vor allem aber kommt es auf ine Kopfzahl der Familie an. So habe ich ein einziges Kind (dessen Geschwister vermutlich die Beute von Möwe oder Ibis geworden war) erstaunlich rasch großwerden sehen, wah rend anderseits eine niertöpfige Kinderschar, die ich beobachtete, ersichtlich nach jeder Mahlzeit noch hungrig war. Mit einer großen Familie haben bie^Eltern in der Tat eine fast unerträgliche Last. Wahrend die arme Pinguinin findet, daß die Abendmahlzeit nun wirklich zu Ende sein sollte damit sie sich hinlegen und ein wenig ausruhen kann, wird sie von ihren sämtlichen Kindern förmlich belagert; sie folgen Ufr auf Schritt und Tritt, schubsen und drängen sich, um an ihren Schnabel zu gelangen, meinen immer, Nein müßte doch Ja sein, und lassen die Arme keinen Augenblick in Frieden. Wirklich ein jammerrourbiger Anblick.

Während die jungen Pinguine groß werden, wechseln sie allmählich die Färbung, verlieren ihr dunkelbraunes Teddybaraussehen und werden ihren Eltern immer ähnlicher. Weiße Federn erscheinen nach Ablauf von vier bis fünf Wochen zuerst auf ihrer Brust, bann breitet sich vorn das weiße Gefieder immer mehr aus, während der Rucken sich schwarz farvr, und schließlich haben sie alle das schöne Schwarzweißklech des ausge­wachsenen Pinguins.