Ausgabe 
15.11.1937
 
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niemand als du hat inich sieb", sagte sie zu Nanon.

Die Hand dieser Frau heilt die geheimen Wunden aller Familien. Eugenie geht in den Himmel ein, von einem Geleitzug von Wohltaten begleitet. Die Gröhe chrer Seele besiegte die Kleinlichkeit ihrer Er- ziehung und die Gebrauch« chrer Jugend. Das ist die Geschichte einer Frau, die mitten in dieser Welt nicht von dieser Welt ist; die dazu geschossen, eine herrliche Gattin und Mutter zu sein, weder Gatten, noch Kinder, noch Familie besitzt. Seit einigen Tagen ist von einer neuen Heirat für sie die Rede.

Die Leute von Saumur beschäftigen sich mit ihr und dem Herrn Marquis von Frvidsond, dessen Familie anfängt, die reiche Witwe zu umstellen, wie es ehemals die Cruchots gemacht hatten. Nanon und Cornoiller, sagt man, sind von der Partei des Marquis; aber nichts ist unrichtiger. Weder die lange Nanon noch Cornoiller haben Geist genug, um die Verderbcheit der Welt zu verstehen.

Oie Tänzerin.

Von Hans Thyriot.

Nur in unsern Träumen ist es uns gegeben, Willenlos, in fliehenden Sekunden, So wie sie, von Schwere ganz entbunden, Selig über uns hinauszuschweben.

Wie dem Sohn der Maja scheinen ihr verliehen An den zarten Fersen schmale Schwingen;

Wie ein Gott dem Vogel gab, zu singen. So unendlich blühen Melodien

Unter ihren Füßen auf im leichten Schreiten, Unter ihren Händen, im Vorübergleiten, Unter ihrem Herzen wunderbar ...

Da wir noch verzaubert jedem ihrer Schritte Lauschen, kehrt sie lächelnd heim zur goldnen Mitte, Die im Ansang war.

Oie Tochter des Regiments.

Von Rudyard Kipling.

Jane Harding heiratete einen Sergeanten, Eines Sergeanten Frau war sie. Sie heiratete ihn in Engelland Und fuhr dann über die See.

Chor: ,Habt chr nie gehört von Jan« Harding, Jane Harding, Jane Harding?

Habt ihr nie gehört von Jane Harding, Dem Stolz der Kompanie?"

Wies Kasernenlied.

Einer, der den .Cirkasian Circle' »ich kennt, sollte da nich für ein­treten und jedermann böse machen." So sprach Fräulein McKenna, und her Sergeant, der mir gegenüber saß, sah auch so aus. Ich hatte Angst t>or Fräulein McKenna. Sie maß sechs Fuß, war sommersprossig und hatte weißseidene Schuhe an, ein rosa Musselinkleid mit apfelgrüner .Zeugschärpe, schwarzseidene Handschuhe und gelbe Rosen im Haar. Dar­um floh ich vor Fräulein McKenna und suchte meinen Freund, den Gemeinen Mulvaney aus, der an den Schenktisch gelehnt stand.

Na, Sie haben mit die kleine Jhansi McKenna getanzt? Die nu bald Korporal Slane heiratet? Wenn Sie sich mal wieder mit Ihre seinen Damens und Herrns unterhalten, dann erzählen Sie man, daß Sie mit die kleine Jhansi getanzt haben. Da können Sie stolz auf sein."

Aber ich war gar nicht stolz, ganz im Gegenteil. Mulvaneys Augen sahen so aus, als wüßte er eine Geschichte, und dann wußte ich^auch, daß er bei längerem Verweilen am Schanktisch wieder reif zum »vtraf- exerzieren würde. Nun ist es nicht gerade angenehm, wenn man seinen geschätzten Freund vor dem Nachtlokal strafexerzieren sieht, besonders wenn man gerade mit einem seiner Offiziere vorbeigeht.

Kommen Sie mit auf den Exerzierplatz, Mulvaney, da rst es kühler, und dann erzählen Sie mir von Fräulein McKenna; was sie ist, wer sie ist, und warum sie Jhansi heißt."

Sie wolln doch nich sagen, daß Sie noch memalen was von die Tochter von die alte Pummeloe gehört haben? Und denn glauben &e mach. Sie wissen was? Ich komm gleich mit, bloß erst mir ne Pfeife mnstecken!" , m , , ., _.

Wir gingen hinaus unter den Sternenhimmel. Mulvaney setzte sich >°uf einen Protzkasten und fing auf die gewohnte Werse an zu. er­zählen: di« Pfeife zwischen den Zähnen, die großen Hande gefaltet Mischen den Knien, die Mütze weit in den Nacken geschoben:,

Als meine Frau noch Fräulein Shad hieß, da warn Sie n ganzen Teil jünger als nu, un die Armee war in wesentliche Punkte anders. Heutzutage haben die Kerls keine Lust zus Heiraten, und da kommt es won, daß in die Armee so wenig richtige, gute, anständige, forsche, »rüstige Weiber sind, die ein gutes Herz und em festen schrill haben, -wie da früher waren, als ich noch Korporal war. Spater wurde ich Sann degradiert, aber das macht nix, ich bm doch mal Korpo.al gewesen -In damalige Zeiten, da lebte un starb .der Mann b-'- Regrmenft mn wenn er dennn Mann war, denn heiratete er auch. Als rch noch Korporal war du liebe Zeit, wie oft rs seitdem das Reg ment ge Istorben und wieder geboren! da war der alt«-McKenna

nnetfter uni) oerheiratet nxir er auch. Un feine . rfirmtnn

-w°r, er ha. drei gehabt - war Bridget

-wo ich auch her bin. Ich hab vergessen, nne sie fwch«r geheihen Y^, -aber in der Z-Kompanie nannten wir chr die.alte PummÄ , von Wegen ihre Figur, die sehr gut,bei Schick war. Wie 9 J immerlos Tie Frau nun Gott geb sie die ewige Ruhe. . <^,ur

Kinder; und als das fünfte oder sechst« sich zur Stelle meldete, da schwur

McKenna, sie sollten setzt bloß Nummern kriegen. Aber die alte Pum­meloe bat ihm, er sollte sie nach die Garnisons, wo sie aus die Welt kamen, taufen. Un da gab es denn Colaba McKenna, un Mutbra McKenna, un ne ganze Präsendentschaft von noch ander« McKennas, und die klein« Jhansi, di« da drüben tanzt. Wenn da nich grab ein Kind geborn wurde, denn starb da eins; wenn heutzutage unsre Kinder sterben wie Schafe, denn starben sie damals wie die Fliegen. Ich hab auch meine kleine Shad verloren na ja. Das is all lange her, unn anders kriegte meine Frau nich.

Aber ich komm ganz von die Geschichte ab. Einmal in ein verteufelt heißen Sommer kam Befehl von irgendso'n verrückten Dummkops, seinen Namen hab ich vergeßen, das Regiment sollte weiter landeinwärts rücken. Vielleicht wollten sie mal probieren, wie die neue Eisenbahn Truppen befördert. Sie habens erfahren, warraftig, sie haben erfahren vor ihren Tode. Die alte Pummeloe hatte grade Muttra McKenna begraben, bloß die kleine Jhansi, vier Jahre war sie alt, war noch übrig geblieben.

Fünf Kinder in vierzehn Monaten verloren, das war nich leicht, was?

Na, wir fuhren aljo in die Bruthitze nach unsre neue Garnison verdammt (ein soll der Kerl, der den Befehl gegeben hat! Die Fahrt vergeß ich mein Lebtag nich! Zwei kurze Züge hatten wir gekriegt, un wir warn mindestens achthundertundsiebzig Mann. Im zweiten Zug war die A-, B=, C= und v-Kompanie, mit zwölf grauens, natürlicy keine Offiziersdamens, und dreizehn Kinders. Wir muhten sechshundert Meilen fahren, und die Eisenbahn war damals noch neu. Die Leute waren ganz toll, hatten nix als n Hemd an, tränten allens was sie bloß kriegen konnten, und aßen faules Obst, wenn sie was hatten, wir ich war damals ja Korporal konnten da nix gegen machen, und als wir so eine Nacht inn Zug eingesperrt gewesen warn, da, als es hell wurde, da brach die Cholera aus.

Bitten Sie alle Heiligen, daß Sie nie Cholera bein Truppentrans­port erleben brauchen! Das is, als ob Gottes Gericht ausn hellen Himmel herunterkommt! Wir machten, daß wir in ein Ruhelager kamen, das konnte beinahe Ludianny sein, bloß daß es nich so gut eingerichtet war. Der Kommandierend« telegraphiert nach die nächst« Station, drei­hundert Meilen landeinwärts um Hilfe. Die brauchten wir, warraftig, denn allens, was nich b ab leib en muhte, machte, dah es wegkam, als der Zug hielt; un als das Telegramm aufgesetzt war, war in der ganzen Station kein einziger Neger mehr, bloh der Telegraphist, un der auch bloß, weil wir chn an fein schwarzes Genick auf'm Stuhl festhielten. Der Tag fing an mit den Lärm in die Wagen und das Getöse von all die Leute aufn Bahnsteig, die mit Waffen un alles um fielen, als sie beim Appell standen, eh sie ins Lazarett gehen durften. Ich kann nich sagen, was das fürne Art Cholera war. Vielleicht hätte der Doktor das sagen können, wenn er nicht tot aus ein Wagen ausn Bahnsteig gefallen wär, als er die Toten rausholen wollte. Er starb grab fo gut wie die andern. Welche waren schon in der Nacht gestorben. Wir holten sieben raus, dabei wurden zwanzig andre krank. Die Weibsleute drängten sich zusammen und schrien vor Angst. Da sagt der Kommandierende, weiß nich mehr, wie er hieß: .Bringt die Frauens nach da drüben hin, nach die Baumgruppe. Schafft sie aus n Lager. Das ist kein Platz für ihnen!

Die alte Pummeloe saß auf ihren Bettsack und versucht, die kleine Jhansi ruhig zu kriegen. .Geh nach die Baumgruppe, sagt der Offizier. .Geht di« Männers ausn Wege!

.Verdammt will ich sein, wenn ich bas tun!' sagt die alte Pummeloe, und die kleine Jhansi, bei ihre Mutter hingehockt, kreischt auch: ,33er- dämmt will ich fein, wenn ich das tu!' Da dreht sich die alte Pummeloe nach die andern Frauens um un sagt: .Wollt ihr die Jungs sterben lassen, während ihr euch das gemütlich macht, ihr Weibsleute?' sagt sie. .Die brauchen Wasser, nu kommt man zu 'n Helsen.

Un damit krempelt sie ihre Aermel auf un geht nach den Brunnen hinter den Lager un die kleine Jhansi trabt hmternach mit n' Lotah unn Strick, un die andern Frauens folgen wie die Lämmer, mit Eimern un Kochtöpfe. Ms all die Gefäße voll waren, marschiert die alte Pummeloe zurück ins Lager, das ausfah roien Schlachtfeld, bloß daß der Ruhm fehlen tat, an die Spitze von bas Regiment Weiber.

McKenna, Mann! sagt sie mit ne Stimme wien Wachtposten. ,Sag die Jungs, sie solln ganz ruhig sein, die alte Pummeloe kommt, nach sie zu sehn und bringt sien Freitrunk.'

Da schrien wir Hurra, und bas Hurraschrem war lauter als bas Stöhnen der armen Teufel, die krank warn. Aber nich viel lauter.

Sehn Sie, wir warn damals ein ganz neu zusammengestelltes Regi­ment un wußten ganz un gar nich, was wir bei die Krankheit machen sollten; darum warn wir zu nix nutz. Die Leute gingen umher wie die Sjammel un warteten, wer nu Umfallen würde, un sagten bloß, immer fo vor sich hin: .Was is das bloß! Um Gotteswillen, was is bas?' Das war grauenhaft. Aber mitten durch, immer hin und her ging die alte Pummeloe mit die kleine Jhansi von die war aber nich viel zu sehn unter den Helm von ein toten Soldat, die Kinnkette baumelte auf ihren kleinen Bauch immer hin und her mit Wasser un was an Branntwein da war. .. ...

Manchmal liefen die alte Pummeloe die Tranen über ihr dickes rotes Gesickt un sie sagt: ,Ach, Jungs, meine armen, lieben, kleinen Junqs!' Aber meistens sprach sie die Leute gut zu un macht« sie ruhig, un die kleine Jhansi sagte aUen, morgen wären sie wieder besser. Sie hatte gehört, daß die alte Pummeloe das zu Muttta gesagt hatte, als di« in hohes Fieber lag. Ja, morgen! Siebenzwanzig Leute warn morgen schon bei Petrus, und zwanzig andre lagen todkrank in die brennend« heiße Sonne. Aber die Frauens warn wie Engel, wie ich schon gesagt hab, un die Männer wie die Teufels, bis zwei Doktors kamen, un wir er!&MberUgrab kurz vorher lag die alte Pummeloe auf ihre Knie bei ein Jungen von meine Korpralfchaft in die Kaserne lag er m die Soje neben mir __un sagt ihn was vor aus die Bibel, das einen immer noch

hilft un da fügt sie auf einmal: Halft mir fest, Jungs! Mir is ganz furchtbar schlecht!' Bei ihr war es die Sonne un nich die Cholera ge-