Ausgabe 
15.11.1937
 
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Zeit. Nachdem die Quittung ausgestellt war Bemühungen mit einer Gabe von fünfzig»

Ton,fast

zusammen,

siebzehn."

Charles sah den Präsidenten mit verblüffter Miene an.

Wir verkündigen uns gegenseitig unsre Heiraten", sagte er zu ihm.

Ach, Sie heiraten Eugenie? Schön, ich freue mich darüber. Sie ist ein gutes Mädchen. Aber", versetzte er, plötzlich von einem erleuchteten Gedanken durchzuckt,ist sie denn reich?"

Sie halte", antwortete der Präsident in schalkhaftem neunzehn Millionen vor vier Tagen; aber heute hat sie nur noch

Siebzehn .. Mil ..."

Siebzehn Millionen, jawohl, Herr Grandet. Wir können

Fräulein Grandet und ich, wenn wir uns heiraten, siebenhundertfünfzig-

widerhandeln. Wer Sie können meine Hand und mein Vermögen nur um den Preis eines ungeheuren Dienstes erwerben."

Sie werden mich zu allem bereit finden", sagte der Präsident.

Hier find sünszehnhunderttausend Franken Herr Präsident , Me sie und zog aus ihrem Busen einen Depositenschein über hundert Aktien der Bank von Frankreich heraus.Reifen Sie nach Paris, nicht morgen, nicht beut' nacht, sondern in diesem Augenblick. Begeben Sie sich zu Herrn des Grassins; erfahren Sie von ihm die Namen aller Gläubiger meines Onkels, versammeln Sie sie, bezahlen Sie alles, was seine Crv- folqe schuldig (ein mag, Kapital und fünf Prozent Zinsen vom Tag der Schuld bis zu dem der Zurückzahlung; endlich wollen Sie so gut sein, darüber eine gemeinsame notariell beglaubigte Quittung in aller Form ausstellen zu lassen. Sie sind Richter, ich verlasse mich gur aus Sie in dieser Angelegenheit. Sie sind ein Mann ohne Falsch, em Ehrenmann, ich schiffe mich ein, im Vertrauen auf Ihr Wort, um die Klippen des Lebens unter dem Schutz Ihres Namens zu umfahren. Wir wollen jeder gegen den andern wechselweise Nachsicht üben. Wir kennen uns seit so langer Zeit, wir sind beinah wie Verwandte, Sie werden mich nicht unglücklich machen wollen."

Der Präsident siel der reichen Erbin zu Fußen und zitterte vor

Der Präsident übergab ihm zunächst folgenden Brief:

Lieber Vetter, Herr Präsident von Bonfons hat es übernommen, Ihnen die Quittung über alle von meinem Qnkel geschuldeten Beträge zu übergeben mit der, durch die ich anerkenne, sie von Ihnen empfangen zu haben. Man hat mir von Bankrott gesprochen! Ich habe gedacht, daß der Sohn eines Bankrotteurs vielleicht nicht Fräulein d'Aubrion heiraten könnte. Jawohl, Netter, Sie haben meinen Verstand und meine Art und Weise richtig beurteilt: ich weih zweifellos nichts von der Welt, kenne ihre Berechnungen und Gebräuche nicht und könnte Ihnen da nicht zu Vergnügungen verhelfen, die Sie in ihr finden wollen. Seien Sie glück­lich, gemäß den gesellschaftlichen Voraussetzungen, denen Sie unsre junge Liebe aufopfern. Um Ihr Glück zu vervollständigen, kann ich Ihnen wohl nicht mehr zum Gefchenk bieten, als die Ehre Ihres Vaters. Leben Sie wohl, Sie werden immer eine treue Freundin haben in Ihrer Kusine.

Eugenie."

Der Präsident lächelte über den Ausruf, den dieser ehrgeizige Mensch im Moment, als er die authentische Urkunde empfing, nicht unterdrücken konnte.

taufend Franken Rente verzehren."

Mein lieber Vetter", sagte Charles und sand ein wenig Sicherheit wieder,dann können wir ja einander förderlich sein."

Einverstanden", sagte der Präsident.Hier ist noch ein kleiner Kasten, den ich auch nur Ihnen übergeben soll", fügte er hinzu und stellte das Kästchen, in dem sich das Necessaire besand, auf einen Tifch.

Hören Sie, lieber Freund", sagte die Frau Marquise d'Aubrion und kam herein, ohne Cruchot zu beachten,machen Sie sich keine Sorge über das, was Ihnen soeben dieser gute d'Aubrion sagte, dem die Herzogin von Chaulieu den Kopf verdreht hat. Ich wiederhole es Ihnen, nichts wird Ihre Ehe verhindern ..."

Nichts, gnädige Frau", antwortete Charles,die drei Millionen, die mein Vater vormals schuldig gewesen ist, sind gestern bezahlt worden."

Bar bezahlt?" sagte sie.

Samt und sonders, Zinsen und Kapital; ich will das Andenken meines Vaters rehabilitieren."

Was für eine Dummheit!" rief die Schwiegermutter aus.Wer ist dieser Herr", flüsterte sie ihrem Schwiegersohn ins Ohr, als sie den Cruchot bemerkte

Freude und Angst.

,,3d) werde Ihr Sklave sein", sagte er.

Wenn Sie die Quittung haben", fuhr sie fort und warf einen falten Blick auf ihn,bringen Sie sie mit allen Schuldscheinen meinem Vetter Grandet und übergeben Sie ihm diesen Bries. Bei Ihrer Rückkehr werde ich mein Wort halten." ~ ... . m v .

Der Präsident verstand sehr wohl, daß er Fräulein Grandet einem Liebeskummer verdankte; um so mehr beeilte er sich, seine Aufträge mit der größten Schnelligkeit auszuführen, damit es nicht etwa zu einer Versöhnung zwischen den beiden Liebenden käme. ....

Als Herr von Bonfons gegangen war, ließ Eugenie sich m ihren Sessel fallen und brach in Tränen aus. Alles war vollendet. Der Präsident nahm di« Post und war am nächsten Abend in Paris. Am Morgen des folgenden Tages ging er zu des Grassins. Der Richter rief die Gläubiger im Büro des Notars zusammen, bei dem die Wechsel hinterlegt waren, und nicht einer versäumte, dem Ruf dorthin zu folgen. Obwohl es Gläubiger waren, muß man ihnen Gerechtigkeit widerfahren lasten: sie waren pünktlich. Dort bezahlte der Präsident von Bonfons im Namen von Fräulein Gründet ihnen Kapital und Zinsen der Schuld. Die Bezahlung der Zinsen war für die Pariser Handelswelt eines der erstaunlichsten Ereignisse der Zeit. Nachdem die Quittung ausgestellt war und des Grassins für seine Bemühungen mit einer Gabe von sünszig- tausend Franken, die Eugenie für ihn ausgesetzt hatte, bezahlt worden war, begab sich der Präsident zum Palais d'Aubrion, wo er Charles antrat als er gerade in feine Gemächer zurückkam, von [einem Schmie- geroater aus allen Himmeln gestürzt. Der alte Marquis hatte ihm soeben erklärt, daß seine Tochter ihm nicht eher gehören würde, als bis er mit allen Gläubigem von Guillaume Grandet abgeschlossen hätte.

Mein Sachverwalter", antwortete er ihr leise . .

Die Marquise grüßte den Präsidenten von Bonfons herablassend und ging hinaus. ,

Wir fördern uns schon", sagte der Präsident und nahm [einen Hut. )ißU Jjctter.*

Er macht sich über mich lustig, dieser Kakadu von Saumur. Ich hätte Lust, ihm [echs Zoll Esten in den Leib zu rennen."

Der Präsident war ab gereift. Drei Tage (pater veröffentlichte Herr von Bonfons feine Heirat mit Eugenie. Nach sechs Monatm wurde er zum Landesgerichtspräsidenten in Angers ernannt. Ehe sie Saumur verließ, hatte Eugenie das Gold der Schmuckfachen, die solange ihrem Herzen teuer gewesen waren, eirstchmelzen lassen und stiftete es, ebenso wie die achttausend Franken von ihrem Vetter für eine gotbene TOon. stranz, die sie der Pfarrkirche schenkte, in der sie (o oft zu Gott für ihn gebetet hatte. Sie teilte übrigens ihre Zeit zwischen Angers und Saumur. Ihr Mann, der bei einer politischen Gelegenheit (einen Diensteiftr be­wiesen hatte, wurde Senatspräsident am Qbergericht und schließlich nach Ablauf einiger Jahre Chespräsident des Qbergerichts. Er wartete unge­duldig auf die allgemeine Neuwahl, um einen Sitz in der Deputierten» tammer zu erhalten. Ihn gelüftete schon nach der Pairschast und dann...

Und dann wird der König [ein Vetter?" tagte Nanon, die lange Nanvn, Frau Cornoiller, Bürgerin von Saumur, der ihr« Herrin die hohen Würden, zu denen sie berufen waren, verkündete.

Jedoch es gelang dem Herrn Präsidenten von Bonsons (er hatte endlich (einen Vatersnamen Cruchot abgestohen) nicht, (eine ehrgeizigen Pläne zu verwirklichen. Er starb acht Tage, nachdem er zum Abgeord­neten von (saurnur gewählt worden war. Gott, der alles sieht und nie zu Unrecht [traft, bestrafte ihn zweifellos für feine Berechnungen und für die juristische Geschicklichkeit, mit der er, afturante Cruchot, (einen Heiratskontrakt ausgesetzt hatte, nach welchem sich die beiden Ehegatten, im Falle sie keine Kinder hätten, gegenseitig die Gefamcheit ihrer mobilen und immobilen Güter schenken, ohne irgend etwas davon auszunehmen oder (ich vorzubehallen, als volles Eigentum, wobei sie sogar von der Formalität einer Bestandaufnahme Abstand nehmen, ohne daß gegen die besagte Unterlassung der Bestandaufnahme von ihren Erben und Rechtsnachfolgern Einspruch erhoben werden könne, unter der Voraus­setzung, daß die besagte Schenkung ... usw. Diese Klausel kann die un­gemeine Rücksichtnahme erklären, die der Präsident beständig für den Willen und die Einsamkeit von Frau von Bonsons an den Tag legte. Die Frauen führten den Präsidenten als Muster eines zartsuhlenden Mannes an, bedauerten ihn und gingen oft so weit, den Kummer und die Leidenschaft Eugeniens anzuklagen, aber so, wie sie es verstehen, eine Frau anzuklagen, in der Form der allergrausamsten Schonung.

Die Frau Präsidentin von Bonfons muß wohl sehr leidend fein, um" ihren Mann allein zu lassen. Arme, kleine Frau. Wird sie denn nicht bald wieder gesund? Was hat sie nur, ein Magenleiden? einen Krebs? Warum sucht sie keine Aerzte auf? Sie wird feit einiger Zeit fo gelb; sie müßte berühmte Pariser Aerzte konsultieren. Wie kann sie nur sich kein Kind wünschen? Sie liebt ihren Mann sehr, sagt man: warum ihm dann keinen Erden schenken, bei seiner Stellung. Das ist doch aber schrecklich! und wenn das von einer Laune herkäme, so wäre es sehr verdammungswürdig ... der arme Präsident!"

Mit dem seinen Takt begabt, den der Einsame durch das beständige Nachgrübeln in sich ausbildet und vermöge des scharfen Micks, mit dem er die Dinge aufsaßt, die in seinen Gesichtskreis fallen, wußte Eugenie, die durch das Unglück und ihre ganze Erziehung gewöhnt war, alles zu erraten, daß der Präsident ihren Tod wünschte, um im alleinigen Besitz dieses ungeheuren Vermögens zu fein, das noch durch die Erb- fchast seines Qnkels, des Notars, und feines Qnkels, des Abbes ver­größert worden war, die es Gott gefallen hatte, abzuberufen. Die arme Einsiedlerin bemitleidete den Präsidenten. Die Vorsehung rächte sie für die Berechnungen und die gemeine Gleichgültigkeit eines Gatten, der als die stärkste aller Garantien die hoffnungslose Leidenschaft respektierte, von der sich Eugenie nährte. Einern Kind das Leben schenken, hieß ja die Hoffnungen der Selbsstucht, die Freuden des Ehrgeizes töten, von denen der Präsident träumte. Gott aber warf Masten von Gold seiner Ge­fangenen hin, der das Gold gleichgültig war und die nur nach dem Himmel verlangte, die fromm und gut in heiligen Gedanken lebte und den Unglücklichen unaufhörlich im geheimen half. Frau von Bonsons wurde Witwe mit dreiunddreißig Jahren, reich an achthunderttausend Franken Rente, noch schön, aber wie eine Frau nahe den vierzig schon ist. Ihr Gesicht ist bleich, gefaßt und ruhig. Ihre Rede ist freundlich und gesammelt, ihr Benehmen einfach. Sie besitzt den ganzen Adel des Schmerzes, die Heiligkeit eines Menschen, der feine Seele nicht in der Berührung mit der Welt befleckt hat, aber auch die Schroffheit des alten Mädchens, und die kleinlichen Gewohnheiten, die die enge Lebensweise in der Provinz mit sich bringt. Trotz ihren achthunderttausend Franken Rente lebt sie, wie die arme Eugenie Gründet gelebt hat, macht in ihrem Zimmer nur an den Tagen Feuer, an denen früher ihr Vater erlaubt hatte, bas Feuer im Saal anzuzünden, und löschte es gemäß dem Programm, das in ihren jungen Jahren in Kraft war. Sie m immer gekleidet wie ihre Mutter es war. Das Haus in Saurnur, das Haus ohne Sonne, ohne Wärme, das ohne Unterlaß beschattete uns schwermütige Haus, ist das Abbild ihres Lebens. Sie häuft sorgfältig ihre Einkünfte an und würde vielleicht knauserig erscheinen, wenn sie nicht die Verleumdung durch einen edlen Gebrauch ihres Vermögens widerlegte. Fromme und barmherzige Gründungen, ein Altersheim uno christliche Kinderschulen, eine reich ausgestattete öffentliche Bibliotyei legen alljährlich Zeugnis ab gegen den Geiz, den ihr manche Leute vor- roerfen. Die Kirchen von Saumur verdanken ihr einige Verschonerunge Frau von Bonfons, die man zum ScherzFräulein" nennt, floßt *> ' gemein eine fromme Scheu ein. Dieses edle Herz, das nur für o zartesten Empfindungen schlug, sollte nach den Berechnungen des memm lichen Eigennutzes beurteilt werden. Das Geld sollte seine falten uarD. auf dies heiligmäßige Leben werfen und Mißtrauen statt Liebe e

I Frau ernten, die ganz Liebe war.