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Jahrgang 1957
Montag, -en 15. November
Nummer 89
Gesellschaft erhob, um den Salon zu verlassen, g< coup, der in Saumur widerhallte, von da im Ki
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iab es einen Theater- ireis und in den vier
ihr im
ist. be-
,^)err Pfarrer", sagte Eugenie mit einer edlen Kaltblütigkeit, die der Gedanke gab, den sie aussprechen wollte, „wäre das eine Sünde, Stand der Jungfräulichkeit während der Ehe zu bleiben?"
„Das ist eine Gewissensfrage, deren Lösung mir unbekannt Wenn Sie wissen wollen, was in seinem Abriß De Matrimonio der rühmte Sanchez darüber denkt, kann ich es Ihnen morgen sagen."
„Das war ein schöner .Schlemm'", sagte der Notar.
Jeder gab seine Bemerkung zum besten, machte seinen Witz, alle sahen sie die Erbin hoch auf ihren Millionen thronen wie auf einem Piedestal. Das Drama, das vor neun Jahren begonnen hatte, ging der Lösung entgegen. Im Angesicht von ganz Saumur den Präsidenten zum Bleiben auffordern, hieß das nicht verkünden, daß sie ihn zu ihrem Gatten machen wollte? In den kleinen Städten werden die herrschenden Gebräuche so streng befolgt, daß dort ein Bruch dieser Art das feier« lichste Versprechen ausmacht.
„Herr Präsident", sagte Eugenie mit bewegter Stimme, als sie allein waren, „ich weiß, was Ihnen an mir gefällt. Schwären Sie mir, mir mein Leben lang meine Freiheit zu lassen, feine der Rechte von mir zu fordern, das die Ehe Ihnen über mich gibt, und meine Hand gehört Ihnen. Ich", fuhr sie fort, als fie sah, daß er auf die Knie fiel, „ich habe noch nicht alles gesagt. Ich will Sie nicht täuschen. Ich trage in meinem Herzen ein unauslöschliches Gefühl. Freundschaft wird das einzige Gefühl sein, daß ich für meinen Mann hegen könnte: ich will ihn nicht kränken, aber auch den Gesetzen meines Herzens nicht zu-
umliegenden Distrikten.
„Bleiben Sie noch, Herr Präsident", sagte Eugenie zu Herrn de Bonsons, als sie sah, daß er seinen Stock nahm.
Bei diesem Wort gab es niemanden im ganzen Saal, der sich nicht bewegt fühlte. Der Präsident erbleichte und mußte sich setzen.
„Dem Präsidenten die Millionen", sagte unterwegs Fräulein de Gribeaucourt.
ROMAN
von Honore de Balzac
Schluß.
„Wohlan, gnädiges Fräulein, wenn wir uns mit diesem Mädchen beschäftigen, beschäftigen wir uns mit Ihnen. Hören Sie zu. Wenn Sie Ihr Seelenheil erlangen wollen, können Sie nur zwei Wege beschreiten, entweder die Welt verlassen oder ihre Gesetze befolgen; entweder müssen Sie Ihrer irdischen Bestimmung oder Ihrer himmlischen Bestimmung gehorchen."
„Ach, Ihre Stimme spricht zu mir im Moment, da ich eine Stimme hören wollte. Ja, Gott schickt Sie her, Herr Pfarrer. Ich will ' der Welt Valet sagen und für Gott allein im Schweifen und in der Zurückgezogenheit leben."
_ „Es ist notwendig, meine Tochter, reiflich einen so gewaltsamen Schritt zu überlegen. Die Ehe ist ein Leben, der Schleier ist ein Tod."
„Ja, den Tod! den schnellen Tod! Herr Pfarrer", sagte sie mit erschreckender Lebhaftigkeit.
„Den Tod? Aber Sie haben große Verpflichtungen gegen die Gesellschaft zu erfüllen, Fräulein. Sind Sie denn nicht die Mutter der Armen, denen Sie Kleidung, Holz im Winter und Arbeit im Sommer geben? Ihr großes Vermögen ist ein Darlehen, das Sie zurückgeben müssen, und Sie haben es in heiliger Weise auch so angenommen. Sich in ein Kloster vergraben, das würde Egoismus (ein; und als Mädchen ult. werden, das dürfen Sie nicht. Erstens, könnten Sie Ihr ungeheures Vermögen allein verwalten? Sie würden es vielleicht verlieren. Sie würden sich tausend Prozesse zuziehen und in unentwirrbare Schwierigkeiten verstrickt werden. Glauben Sie Ihrem Seelsorger: ein Gatte ist ' Ihnen nützlich. Sie sollen das bewahren, was Ihnen Gott gegeben hat. , 3ch spreche zu Ihnen als zu einem geliebten Pfarrkind. Sie lieben Gott »u aufrichtig, um nicht Ihr Seelenheil auch inmitten der Welt zu er« I engen, deren schönster Schmuck Sie sind und der Sie heilige Beispiele leben."
In diesem Augenblick ließ sich Frau des Grassins melden.
Sie wurde hergeführt von der Rache und einer großen Verzweiflung.
„Fräulein ...", sagte sie. — „Ach, da ist der Herr Pfarrer. Ich bin •HI, ich wollte von Geschäften mit Ihnen reden, und ich sehe, daß Sie in wichtigen Unterhandlungen sind."
„Gnädige Frau", sagte der Pfarrer, „ich räume Ihnen das Feld."
„Ach, Herr Pfarrer", sagte Eugenie, „kommen Sie doch in ein paar Dlinuten wieder. Ihr Beistand ist mir in diesem Moment sehr nötig."
„Ach ja, mein armes Kind", sagte Frau des Grassins.
„Was meinen Sie?" fragten Fräulein Gründet und der Pfarrer.
„Weiß ich denn nicht von der Rückkehr Ihres Vetters und seiner ideirat mit Fräulein d'Aubrion? ... Eine Frau trägt doch nicht ihren verstand in der Tasche."
Eugenie wurde rot und verstummte; aber bann beschloß sie, in 3U’ '»inft die kaltblütige Haltung zur Schau zu tragen, die ihr Vater an- unehmen gewußt hatte. ,,
„Run, gnädige Frau", antwortete sie ironisch, „ich trage zweifellos ; neinen Verstand in der Tasche, denn ich verstehe nichts. Sprechen Sie, brechen Sie vor dem Herrn Pfarrer, Sie wissen ja, daß es mein Beicht- iMter ist."
„Run gut, Fräulein, hier des Grassins' Schreiben. Lesen Sie."
Eugenie las den folgenden Brief:
„Meine liebe Frau, Charles Grandet ist aus Indien zuruck, er ist Ht einem Monat in Paris ..." t „ „ „ , .
e — Einen Monat! dachte Eugenie und ließ die Hand sinken. Rach einer *au[e las sie weiter: . .. , ... ,,.
„Ich mußte zweimal antichambrieren, ehe ich mit diesem zukünftigen "fafen d'Aubrion sprechen konnte. Obgleich ganz Pans von seiner leirai spricht und das Aufgebot veröffentlicht ist ..." ,
Er schreibt mir also im Augenblick, wo ...? sagte Eugenre zu sich Ibst. Sie vollendete den Satz nicht, sie rief nicht wie eine Pariserin, isr Elende! Aber auch unausgesprochen war ihre Verachtung Nicht j eniger gründlich
' . • ist diese Heirat noch weit im Felde; der Marquis d'Aubnon
»irb seine Tochter nicht dem Sohn eines Bankrotteurs S/ben. Ich kam iu ihm, um ihm von der Mühe zu berichten, die sein Onkel und ichi uns M den Geschäften seines Vaters gegeben haben, und von den geschickten Maßnahmen, durch die wir die Gläubiger bis jetzt beruhigen tonnten.
Hai doch dieser kleine Frechdachs die Stirn, mir zu antworten, mir, der ich mich fünf Jahre lang in seinem Interesse und für seine Ehre Tag und Nacht aufgeopfert habe, daß die Geschäfte seines Vaters nicht seine Geschäfte wären. Ein Anwalt hätte das Recht, ihm dreißig- bis vierzigtausend Franken Honorar abzufordern, entsprechend einem Prozent von der Summe der Schulden. Aber Geduld, er schuldet nach Recht und Gesetz den Gläubigern zwölfhunderttausend Franken, und ich werde seinen Vater bankrott erklären lassen. Ich habe mich auf dieses Geschäft eingelassen und auf das Wort dieses alten Krokodils von Grandet hin, und ich habe Versprechungen im Namen der Familie gemacht. Wenn der Graf d'Aubrivn sich wenig um seine Ehre kümmert, so interessiert mich die meine sehr stark. Daher werde ich meine Lage den Gläubigern aus« einandersetzen. Jedoch habe ich zuviel Hochachtung vor Fräulein Eugenie, mit der wir uns in glücklicheren Zeiten zu verbinden hofften, als daß ich vorgehen möchte, ohne daß Du mit ihr Über diese Angelegenheit gesprochen hast ..."
Hier gab Eugenie den Brief kalt zurück, ohne ihn zu Ende zu lesen.
„Ich danke Ihnen", sagte sie zu Frau des Grassins; „das wird sich finden."
„In diesem Augenblick haben Sie ganz die Stimme Ihres verstorbenen Vaters", sagte Frau des Grassins.
„Madame, Sie haben uns achttausend Franken Gold auszuzahlen", sagte Nanon zu ihr.
„Richtig, tun Sie mir den Gefallen, mit mir zu kommen, Frau Cornoiller."
„Das ist klar, der Präsident von Bonsons heiratet Fräulein Grandet", schrie Frau d'Orsonval.
war der höchste Stich des Spiels", sagte der Abbe.
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Der Pfarrer ging. Fräulein Grandet stieg in das Kabinett ihres Vaters hinauf und verbrachte da den Tag allein, wollte auch nicht zur Effensstunde herabkommen, trotz den inständigen Bitten von Nanon. Sie erschien am Abend zur Zeit, da die Stammgäste ihres Kreises ankamen. Niemals war der Salon der Grandets so voll gewesen wie an diesem Abend. Die Neuigkeit von der Rückkehr und dem törichten Verrat von Charles war in der ganzen Stadt ausgesprengt worden. Aber wie scharf auch die Neugierde der Besucher auf der Lauer lag, sie wurde nicht befriedigt. Eugenie, die sich darauf gefaßt gemacht hatte, ließ in ihrem ruhigen' Gesicht keine der inneren Qualen durchblicken, die sie erregten. Sie konnte ein lachendes Gesicht zur Schau tragen, wenn sie denen antwortete, die ihr durch betrübte Blicke oder Worte Teilnahme bezeugen wollten. Mit einem Wort, sie verstand es, ihr Unglück mit den Schleiern eines höflichen Tons zu bedecken. Gegen neun Uhr waren die Spiele zu Ende, und die Spieler verließen ihre Tische, zahlten sich aus und besprachen die letzten Stiche im Whist, während sie sich dem Kreis der Plaudernden anschlossen. Im Augenblick, als sich die ganze
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Siebener Samilienblättcr
Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger


