Ausgabe 
15.10.1937
 
Einzelbild herunterladen

Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger

Jahrgang <957

Hreitag, den J5. Oktober

Nummer 80

K-r?

'W

opanfttd lebunj J r°jafütiJ ' bchch Wtj r «WJIW 'ufelsmw ' 84 t inten ib beicht den Ufe ^ch (e

> an biii stroh,,

ROMAN von Honore de Balzac

9. Fortsetzung.

Gegen vier Uhr, gerade als Eugenie und ihre Mutter den Tisch für fchs Personen gedeckt hatten und der Hausherr einige Flaschen von erlesenen Beinen heraufgeholt hatte, die Kleinstädter mit Liebe ausheben, erschien sharles im Saal. Der junge Mann war bleich. Seine Bewegungen, seine Haltung, seine Blicke und der Ton seiner Stimme besaßen eine Traurig­pit voll Anmut. Er spielte nicht den Schmerz, er litt wirklich, und der Tchleier, den das Leid über sein Gesicht breitete, gab ihm diesen interessanten $ ug, der den Frauen so gut gefällt. Eugenie liebte ihn um so mehr. Vielleicht Machte ihn auch das Unglück ihr näher. Charles war nicht mehr der reiche, fljöne junge Mann in einer unerreichbaren Sphäre, sondern ein Verwandter, let in schreckliche Rot geraten war. Die Not gebiert Gleichheit. Die Frau hat i la? mit dem Engel gemein, daß ihr die Wesen gehören, die leiden. Charles iitb Eugenie verstanden sich und sprachen miteinander nur durch Blicke; lenn der arme gestürzte Dandy, die Waise, setzte sich in eine Ecke und verhielt Ich dort stumm, ruhig und stolz; doch von Zeit zu Zeit leuchtete der sanfte inb liebreiche Blick seiner Cousine zu ihm hinüber und zwang ihn, seine

Strjjit Wilm oft 8* oom W ten W K nb tmfi dem Sut m, IG m siichie Aber ins iiirlid) m iahlen|iiif i hoch, |i den Stil ten fte ebenie nbu len als ir ich auf! auf fte ichck, * ilperti, | jman.i K incourl Ei r jdjon t |tn uni i in, m t tollt e

M

Sd

ud das # >r * mbreif'fe

iMt P'i Bk-

t otiU

ib <

< *.

;-5'

MetzenerZamiljenbMer

ten «t - es R«

,72, de ff nig zmG erflir* trampt«-' grill?

jitribi®' nb eiiM n, * .B rjon M:; 3 miebtt f

t.eurigen Gedanken aufzugeben und mit ihr in die Gefilde der Hoffnung tnb der Zukunft zu enteilen, wo sie sich gerne mit ihm zusammen erging. ;ii dieser Stunde regte sich die Stadt Saumur mehr über das Essen auf, z» dem Grandet die Cruchots eingelaben hatte, als am Abend vorher iöer den Verkauf seiner Ernte, der doch ein Hochverratsverbrechen gegen im Weinbau war. Wenn der weltkluge Winzer sein Essen in der Absicht rgeben hätte, die dem Hund des Alkibiades den Schwanz kostete, hätte e vielleicht ein großer Mann werden können; aber bei seiner Ueberlegenheit Her die Stadt, die er fortwährend zum besten hatte, legte er kein Gewicht «us Saumur. Die Grassins erfuhren bald den gewaltsamen Tod und den t ahrscheinlichen Bankrott des Vaters von Charles: sie beschlossen, noch ttn selben Abend zu ihrem Klienten zu gehen, ihm in seinem Unglück ihre sciinahme und Freundschaft zu zeigen und dabei in Erfahrung zu bringen, :<as für Gründe ihn bestimmt haben könnten, bei einer solchen Gelegenheit !e Cruchots zum Essen einzuladen. Pünktlich um fünf Uhr erschienen der häfibent C. be Boufons und sein Onkel, der Notar, vom Scheitel bis zur -ohle im Sonntagsstaat. Die Tischgenossen setzten sich und aßen hervor- i gend gut. Gründet war ernst, Charles schweigsam, Eugenie stumm, f*au Gründet sprach nicht mehr als gewöhnlich, so daß bies Essen ein wirk- Ws Trauermahl war. Als man sich von Tisch erhob, sagte Charles zu seiner Sonte und seinem Onkel:

Erlauben Sie mir, mich zurückzuziehen. Ich habe mit einer langen mb traurigen Korrespondenz zu tun.

Recht, lieber Neffe."

Als et weg war und der Alte annehmen durste, daß er nichts mehr | ten konnte und in seine Schreibereien vertieft sein würde, warf er seiner ücau einen heimlichen Blick zu: .

. «Frau Grandet, was wir zu besprechen haben, würde Latein für sie Hi n, es ist halb acht, Sie sollten in die Klappe gehen. Gute Nacht, meine Achter."

Er küßte Eugenie und die beiden Frauen gingen hinaus. Jetzt begann j be Szene, bei der Grandet wie zu keinem andern Zeitpunkt seines Lebens I bc Geschicklichkeit ausnutzte, die er im Verkehr mit den Menschen erworben [ frtte und die ihm manchmal den Beinamenalter Hund" von denen ein» |b tg, denen er etwas zu grob das Fell gezaust hatte. Wenn der Bürgermeister M n Saumut größeren Ehrgeiz besessen hätte und glücklichere Umstande ihn [' bie höheren Kreise der Gesellschaft geführt hätten und er zu den Son« lassen geschickt worden wäre, wo man die Geschäfte der Rationen ver- r bmdelt, und wenn et da das Genie gezeigt hätte, das er für ^^^nnches i Sjatereffe entfaltete, io ist kein Zweifel, daß er in rühmlicher Weise Frankreich IS'mtzt haben würde. Doch ist es vielleicht ebenso wahrscheinlich, daß auher- iMb von Saumur der Alte nur eine traurige Figur gespielt hatte. Vielleicht t'M hierin im Reich der Geister wie bei manchen Tieren, die nicht mehr l-inigen können, wenn sie auS dem Klima verpflanzt werden, in dem sie Waren wurden. <

«Herr P... P... P... räfibent, Sie s... s... sagten, daß der B ...

Bank... k.. .krott..."

I Das Gestammel, das der Akte seit so langer Zeit künstlich hervorbrachte Wb das für natürlich galt, ebenso wie die Taubheit, über die er nch bei li" 9enn>etter beklagte, wurde in diesem Gespräch so ermüdend für die pben Cruchots, daß sie, während fie dem Winzer zuhörten, unbewußt

Gesichter schnitten und Anstrengungen machten, wie wenn sie die Worte vollenden wollten, in bie er sich zu seinem Vergnügen verhedderte. Hier ist es vielleicht am Platze, die Geschichte des Stotterns und der Taubheit von Grandet zu geben. Niemand in Anjou verstand besser und konnte deut­licher das Französisch dieser Provinz aussprechen als der durchtriebene Winzer. Nun war er früher einmal, trotz seiner Schlauheit, von einem Israeliten betrogen worden, der beim Verhandeln die Hand ans Ohr legte an Stelle eines Hörrohrs, unter dem Vorwand, so besser zu verstehen, und der so gut kauderwelfchte beim Suchen nach Worten, daß Grandet, als Opfer seiner Menschlichkeit, sich verpflichtet fühlte, diesem boshaften Juden die Worte und Gedanken zu suggerieren, die der Jude zu suchen schien, selbst die Schlußfolgerungen des befagten Juden zu ziehen, zu sprechen, wie der verdammte Jude sprechen sollte, kurz der Jude und nicht Grandet zu sein. Für den Böttcher endete dieser wunderliche Zweikampf damit, daß er den einzigen Handel abschloß, den er im Laus seines ge­schäftlichen Lebens bedauerte. Aber wenn er dabei in pekuniärer Hinsicht verloren hatte, so hatte er als moralischen Gewinn eine gute Lektion davon­getragen, deren Früchte er später erntete. Und so kam der Alte dahin, den Juden zu segnen, der ihn die Kunst gelehrt hatte, den geschäftlichen Gegner ungeduldig zu machen, ihn damit zu beschäftigen, den Gedanken des andern auszudrücken und dabei beständig seinen eignen aus den Augen zu verlieren. Nun wohl, kein Geschäft verlangte mehr als das gegenwärtige, das Sichtaubstellen, das Stottern und die unbegreiflichen Umschweife, in die Grandet feine Gedanken einwickelte. Zunächst wollte er nicht die Verantwortlichkeit für feine Ideen übernehmen, ferner wollte er Herr feiner Worte bleiben und feine wahren Abfichten im Zweifel lassen.

Herr von B ... B ... B ... onsons ..."

Zum zweitenmal in drei Jahren nannte Grandet den Neffen Cruchot: Herr von Bonfons."

Der Präsident durste glauben, der arglistige Alte hätte ihn zum Schwie­gersohn gewählt.

S ... S... Sie s... f... sa ... sagten doch, daß B... Ba... Bank___trotte in g .. . g... geto ... wissen F ... F ... Fällen v...

v ... verhindert werben k... k... können, d .,. d .'.. urch___"

Durch die Handelsgerichte selbst. Das kommt alle Tage vor", sagte Herr von Bonfons, indem er den Gedanken des Baker Grandet ausdrückte oder ihn zu erraten glaubte und ihn freundlich erklären wollte.Hören Sie zu!"

Ich h ... ... höre", antwortete der Alte bescheiden, indem er die boshafte Haltung eines Kindes annahm, das innerlich über seinen Lehrer lacht, während es ihm scheinbar die größte Aufmerksamkeit schenkt.

Wenn ein achtbarer und angesehener Mann, wie es z. B. Ihr ver­storbener Herr Bruder in Paris war ..."

M... m. . . mein Bruder, ja ..."

von einer Zahlungsunfähigkeit bedroht wird ..."

D ... d ... das n... n... nennt man Z... Za ... Za ... ahlungs- unfähigkeit?.. ."

Jawohl. Wenn fein Bankrott bevorsteht, so ist das Handelsgericht, dem er unterworfen ist (folgen Sie genau), berechtigt, durch einen Gerichts­spruch in seinem Geschäftshaus Liquidatoren zu ernennen. Liquidieren ist nicht Bankrott machen, verstehen Sie? Wenn jemand Bankrott macht, ist er entehrt, aber wenn er liquidiert, bleibt er ein ehrlicher Mann."

D ... as ist ein g ... gt... großer Untersch ... fch ... schied, wenn d ... d___das nicht mehr k... k... kostet", sagte Grandet.

Aber eine Liquidation kann man auch herbeiführen, selbst ohne die Hilfe des Handelsgerichts. Denn", sagte der Präsident, indem er eine Prise Tabak schnupfte,wie wird ein Bankrott erklärt?"

Ja, ich habe niemals darüber nach ... ge ... ge ... dacht", antwortet« Grandet.

Erstens", versetzte der Richter,durch die Deponierung der Bilanz in der Gerichtskanzlei durch den Kaufmann selbst oder durch seinen regelrecht eingetragenen Bevollmächtigten. Zweitens auf das Nachfuchen des Gläu­bigers hin. Nun wohl, wenn der Kaufmann die Bilanz nicht deponiert und wenn kein Gläubiger vom Gerichtshof ein Urteil erwirkt, das den besagten Kaufmann als bankrott erklärt, was geschieht dann?"

Ja, w ... w ... was dann?"

Dann liquidiert die Familie des Verstorbenen, seine Vertreter, seine Erben, oder der Kaufmann selbst, wenn et nicht tot ist, oder seine Freunde, wenn er sich verbirgt. Vielleicht wollen Sie die Geschäfte Ihres Bruders liquidieren?" fragte der Präsident.

Ach, Grandet", tief der Notar aus,das wäre schön. Es gibt noch Ehrgefühl bei uns tief in der Provinz. Wenn Sie Ihren Namen retten, denn es ist ja Ihr Name, wären Sie ..."

Erhaben!" fiel der Präsident seinem Onkel ins Wort.

S ... S ... Sicherlich", versetzte der alte Winzer;m .... mein B ... Bruder h ... h ... hieß Grandet, s... sso w ... wie i... i... ich. D... das ist s... s... sichet und g ... g ... gewiß. I ... i... ich sage nicht n ... n ... nnein. U ... u ... und diese L... L ... Liquidation würde auf alle F... F... Fälle und in j... j... jeder 53... Be... Beziehung