fortgeschafst. Ein Befreiungsversuch des Hauptmanns Weber scheiterte: I stark überlegener Feind nötigte ihn zum Rückmarsch aus Bonny. Anderntags marschierte Hauptmann L e i s z mit seiner Abteilung wieder nach Briare zurück. Am gleichen Tage marschierte die 7. Kompanie (Oberleutnant Metzler) nach Gien ab, während Major Hoffmann mit der 5. Kompanie (Oberleutnant C u l l m a n n), 6. (Oberleutnant H e y d a ck e r) und 8. (Oberleutnant Haupt) sowie der 4. Eskadron und dem 1. Zug der reitenden Batterie abermals zur Erkundung gegen Cosne vorging. Obwohl man von bedeutenden feindlichen Berstärkungen erfahren hatte, bestand General von Rantzau auf einem Angriff, um eine Klärung der Sage zu erzwingen. Bei völliger Dunkelheit stieß man abends vor Neuvy auf den Feind. Obwohl sich der Gegner, der aus Mobilgarden bestand, bald zurückzog, beschloß Major Hoffmann, das Gefecht abzubrechen und auf Briare zurückzugehen. Als General von Rantzau Meldung davon erhielt, gab er den Befehl, den Angriff am nächsten Morgen nach Eintreffen von anderthalb Kompanien Verstärkung als gewaltsame Rekognoszierung zu erneuern.
Mit Tagesanbruch wurde der Marsch gegen Cosne angetreten, aber schon kurz hinter Bonny durch überlegene feindliche Kräfte aufgehalten. In dem Gefecht versuchten die Franzosen bei ihrer großen Ueberzahl die hessischen Truppen zu überflügeln, so daß sich Major H o f f m a n n , um nicht abgefchnitten zu werden, entschloß, den Rückmarsch nach Briare anzutreten. Schon am nächsten Tag schickte General von Rantzau den Hauptmann Seitz zu neuer Erkundung auf Neuvy vor, doch hatte sich der Gegner derartig verstärkt, daß Seih wieder nach Briare zurückging. Am 31. ging Hauptmann Weber wiederum gegen Bonny vor. Ein feindlicher Angriff nötigte ihn, über den Bahnhof von Chatillon für Soire hinaus zurückzugehen. General von Rantzau befahl jedoch, dem Feind erneut entgegenzutreten, und der Bahnhof wurde von der Abteilung unter Führung des gerade eingetroffenen Regimentskommandeurs Oberst Kraus auch wieder genommen.
In Briare war inzwischen alarmiert worden, und die Seibkompanie (Hauptmann Buff), 4. und 8. Kompanie (Hauptleute H a u p t und S e i h) der 2. zur Unterstützung nachgeschickt. Gleichzeitig wurden drei Züge der Seibeskadron unter Major vanderHoopmit einem Zug der 5. Kompanie (Seutnant Goldmann) an den Kanal vorgeschoben. Die 2. Kompanie lag indessen in einem äußerst heftigem Feuergefecht gegen den sich immer weiter verstärkenden Feind. Oberst Kraus, der mit dem Pferde gestürzt war, mußte sich nach Briare zurückbegeben, da erschien General von Rantzau auf dem Gefechtsfeld und übernahm die Seitung. Er ließ die in Reserve haltenden vier Geschütze vorgehen, und es gelang, den gegnerischen Angriff zu zerschlagen. Das gleiche Schicksal erlitt ein neuer Angriffsversuch der Franzosen, aber die Gefahr des Umgangenwerdens war inzwischen höchst bedrohlich geworden, weshalb General von Rantzau den Rückzug auf Briare befahl. Dieser wäre ohne das Eingreifen der 5. Kompanie (Seutnant Cullmanni und von Teilen der 4. (Seutnant Klingelhöffe r) durch die französischen Umgehungskolonnen ernstlich gefährdet gewesen. In erbittertem Basonettkamvf vertrieb Seutnant Cull - mann den Gegner aus Schloß und Park Beauval und verschaffte den weichenden Kompanien den geordneten Rückzug auf die von Rantzau bei Briare bestimmte Widerstandslinie. Seiber verlor hierbei das Regiment einen hochverdienten, tapferen Offizier, Hauptmann Weder von der 2. Kompanie.
Mittlerweile hatte General von Rantzau zur Verteidigung von Briare eine Aufnahmestellung einnehmen lasten, in welche die zurückweichenden Komvanien einrückten und einen Angriff der Franzosen abroiefen. Die in Gien gelegene 7. Kompanie wurde am 1. Januar nach Briare heran- gezoaen. Die Verluste des Regiments am 31. Dezember betrugen 1 Offizier, 12 Mann tot, verwundet 2 Offiziere, 33 Mann, 6 Vermißte.
Der Morgen des 1. Januar verlief zunächst ruhig, bald aber stellten Patrouillen fest, daß der Feind eine weit nach Norden ausholende Umgehung machte, um dem Detachement den Rückzug abzuschneiden, doch wurde die Absicht des Gegners vereitelt. Da dieser seine Kolonnen immer weiter gegen die Rückzugslinie Vordringen ließ, befahl General von Rantzau, um nicht abgefchnitten zu werden, den Rückzug auf Gien. Das Detachement war einer großen Gefahr entgangen, denn eine ganze französische Division (General du Stemple) stand ihm gegenüber.
Eine Stunde nach der Räumung rückten die Franzosen in Briare ein, wo die zurückgelassenen hessischen Verwundeten, die wie alle Deutschen „Prussiens“ hießen, den Hauptanziehungspunkt ihrer Schaulust bildeten; die Behandlung war jedoch gut. Schon am 3. räumte aber General d u lern»le Briare und zog sich loireaufroärts zurück, gefolgt von General von Rantzau, der am 4. abends feine Quartiere in Briare wieder
^Es folgte nun eine ungemein aufregende Zeit. Da der nach Montargis sich hinziehende Kanal fo fest zugefroren war, daß ihn selbst geschlossene Formationen überschreiten konnten, bildete er jetzt eine erhöhte Gefahr; wegen der Ueberfallgefahr mußte man in steter Alarmbereitschaft bleiben. Dazu verschlechterte sich der Gesundheitszustand, namentlich durch Blattern- erkrankungen. von Tag zu Tag, auch die Verpflegung gestaltete sich immer schwieriger. Besonders in der linken Flanke verstärkte sich der Feind, was am 12. zu einem glücklichen Erkundungsgefecht unter Hauptmann 8 e i ß führte; am 13. wurde überall eine vermehrte feindliche Tätigkeit fest- gestellt. Am Morgen des 14. gereichte dichter Nebel dem Detachement zum Vorteil, denn die unter seinem Schutz vorgetriebenen Patrouillen meldeten das Herannahen starker feindlicher Kräfte. Alles schloß darauf, daß der Feind das Detachement im Rücken angreifen wollte, ja, daß diesem bereits die Rückzugslinie abgeschnitten war. Der Vorpostenkommandeur Hauptmann Seitz warf sich dem überlegenen Feinde entgegen und drängte ihn 1500 Me»er zurück, wobei Seutnant Weimer schwer verwundet wurde. Die gewonnene Stellung wurde gegen alle feindlichen Gegenangritte gehalten. Gegen 9 Uhr wurde das Detachement alarmiert und in Briare gesammelt. Während der Gegner auf der Straße nach Montargis zumck- gebrängt wurde, war es ihm gelungen, die Hauvtruckzugsstraße nach Gien zu besetzen. Um den Weg für das Detachement frei zu machen, erhielt die
Kavallerte den Befehl, durchzubrechen. Zwei Eskadronen unter Major van der Hoop, der bei der Attacke leider den Heldentod fand, gelang dies auch, die dritte jedoch wurde durch das heftige feindliche Feuer zum Kehrtmachen gezwungen. Die abführende Bagage mußte hinter Briare halten, da ein Weiterkommen unmöglich war. Da erschien an der Spitze der 8. Kompanie Oberst K r a u s, der auf das gegen den Kavallerieangriff einfetzende verstärkte feindliche Feuer unter dem Schutze des Nebels längs der Bahnlinie herbeigeeilt war, und warf sich mit schlagenden Tambours auf den Feind. Dieser, ein ganzes Jranktireurbataillon, wurde derartig überrascht, daß es das ganze Soiretal räumte. In einem Waldstück ließ Oberst K r a u s die 8. Kompanie sich einniften und feindliche Gegenangriffe frischer Kräfte abweifen. Die Kompanie ging sogar ihrerseits zum Angriff über und warf die Franzosen im ersten Anlauf aus ihren Stellungen. Noch einmal versuchte sich der Gegner festzufetzen, wurde aber in erneutem Angriff geworfen und aus seiner letzten Stellung verjagt.
Nachdem so die Rückzugslinie frei gemacht war, konnten Batterie, Reiterei und Kolonnen ihren Marsch nach Gien fortfetzen. Hauptmann Seih erhielt den Befehl, sich allmählich an die Straße nach Gien heranzuziehen und das Detachement zu decken. Durch einen kräftigen Vorstoß warf Hauptmann Seih den Feind, der ihm hier mit vier Bataillonen gegenüberstand, bis tief in den Wald hinein und nahm ihm jede Sust zu ferneren Störungen des Rückzuges. General von Rantzau sammelte fein Detachement nördlich Gien und fetzte feinen Rückmarsch nach Ouzouer fort, bas abenbs erreicht würbe.
Die Verluste betrugen 1 Offizier, 3 Mann tot, 10 Offiziere, 10 Mann verwundet, wovon 4 noch starben, 9 Mann vernäht. Van seinen im Sazarett befindlichen Verwundeten und Kranken blieben nur 19 unter Pflege des Feldassistenzarztes Dr. K ö h l e r zurück, während 14 an Blattern Erkrankte mit der Truppe zurückgingen und später sämtlich genasen. Auf französischer Seite focht mit erdrückender Uedermacht die Division d u Stemple, 13 300 Mann stark. Das Mihlingen ihrer Unternehmung schrieben die Franzosen, wie aus Zeitungsberichten hervorging, wieder der Unfähigkeit ihrer Führer zu, während in Wirklichkeit der geringe Gefechtswert der Truppe daran schuld war. Auf deutscher Seite gebührte das Hauptverdienst der hingehenden Tapferkeit der Truppe. Die ungewöhnliche Sage der rings vom Feinde umschlossenen Detachements bedingte es, nach allen Seiten Front zu machen. Hohe Anerkennung verdient das vorzügliche Verhalten von Unterführern und Mannschaften, die nicht nur einer erdrückenden Uebermacht zäh standhielten, sondern sogar im richtigen Augenblick zum Angriff übergingen und mit dem Bajonett ganze Bataillone zum Weichen brachten. Im Tagesbefehl wurde dies auch von General von Rantzau zum Ausdruck gebracht. Zum Andenken an diesen Heldenkampf trugen in den Jahren vor dem Weltkriege die (Siebener Kasernen Flaggen- schmuck, und die Parole lautete; „Briare". Daß der Geist von Briare im Regiment allzeit hochgehatten wurde, bafür konnte es keinen glänzenderen Beweis geben als seine Seiftungen im Weltkriege.
Die Fahnenweihe.
Von Norbert Bruchhäuser.
NSG. Ein nassauisches Dörfchen von knapp vierhundert Einwohnern hatte einen Männergesangverein, der auf den schönen Namen „Frohsinn" hörte. Der „Frohsinn" war nach kurzer Jugendblüte etwas versackt und jahrelang nur bei Beerdigungen in Tätigkeit getreten. Aber bann kam eine Zeit glänzenden Aufschwungs: Ein musikalisch nicht unbegabter junger Lehrer kam an Stelle des abgebantten alten ins Dorf und übernahm, auch an Stelle seines greifen Vorgängers, die Bettung des Vereins. In einer hochbedeutsamen Generalversammlung wurde der geistig bedeutendste Mann des Dorfes, Matthias Sauerbier, zum ersten Vorsitzenden gewählt.
Diese Tat bedeutete den entscheidenden Wendepunkt in der Geschichte bes „Frohsinn". Nachdem die Reihen einigermaßen aufgefüllt waren und das Repertoire sich um einige Feld-, Wald- und Wiesenchöre bereichert hatte war Sauerbiers größte Sorge die Beschaffung einer Veremssahne. Nach fünfjähriger mühevoller Arbeit hatte er es erreicht. Die Fahne wurde beschafft und harrte nun der Einweihung.
Die Fahnenweihe, gleichzeitig der Erinnerungstag des fünfundzwanzig- jährigen Bestehens des „Frohsinn", sollte ein Fest ganz großen Stils werden, wie es Dannweiler noch nicht erlebt hatte. Das war Sauerbiers Wille. Und Sauerbier war einer, der weiß, was er kann, und zumeist auch kann, was er weiß.
Im Hauptamt Ortsoorsteher, hatte er feinen amtlichen Laden — wie er sich in der Festfreude etwas delvektterlich ausdrückte — auf drei Wochen geschlossen und während dieser Zeit Dutzende von handschriftlichen Einladungen an alle erreichbaren Gesangvereine der näheren und weiteren Umgebung gesandt. Nun memorierte er seit drei Tagen morgens, mittags unb abenbs Begrüßungs-, Fest- und Abschiebsreden. Man macht sich ja keinen Begriff, was alles auf einem Vereinsvorfihenben lastet, ber obendrein noch ber Meinung ist, er muß alles selber machen, weil's ihm boch kein anderer recht zu machen versteht. Vorsichtigerweise — man kann nie mi Jen was vajsiert — hatte er den Schutterhannes. einen geweckten, redegewandten Tenor, instruiert und einige R-destilblüten auswendig lernen jaffen, falls eine Aushilfe nötig werben sollte. Immerhin blieb bis Hauvt- forge unb Verantwortung auf Sauerbiers breiten Schultern liegen. In ftiHen, nächtlichen Stunben, wenn ber Schlat feine Biber floh, malte er sich qern ben großen Tag, ber recht eigentlich fein Tage werden sollte: er sah sich in all seiner Herrlichkeit auf ber Rednertribüne lieb-"' sah bie I Tausende andächtig lauschenb an feinem Munde hängen, ber Warte ber Weisheit unb Begeisterung formte, sah ein Fest, seine Red"" in allen I Zeitungen ber Umgegenb gebrückt — eine beravschenbe Fernsich'
Und ber große Tag kam unb füllte die festlich geschmückten Straßen mit einer roimmelnben Iahrniarkt-cherrlichkeit. Begrüßungsfeier nnö Preissingen gaben ben Auftakt. Ein Fantarenttoß verkündete den R-nnn des Weiheaktes. Auf einem erhöhten Standort unter ßaubarm '>nd Fett- fihmuif. nahmen die Würdenträger, die Fe«n,nafrauen in W->
! Musik Ausstellung. Die Dorffchöne trug auf seidenem Kissen das kostbare


