Ausgabe 
15.1.1937
 
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Briare.

erbetene Geld.

geweidcn der Mütze.

Was hast du da bloß für einen Drecklappen?"

Meine alte Mütze hat sich wiedergefunden."

Schön sieht die aus! Und was meinte der Mann mit den Schneeballen, jetzt im Hochsommer?"

Klick zerrte geöltes Zeitungspapier aus der Mütze. Cs war die Zwischenlaoe.

Ach, Onkel, die Schneeballen gehören auch zu meinen dunkeln Geld­geschäften. Davon erzähl ich dir morgen."

Der Onkel knurrte etwas, er sei nicht neugierig, und Klick meinte darauf, es gäbe eine Ueberraschung, wenn ... Er verstummte, denn soeben fischte er die auseinandergerollten, zerknitterten und ölglänzenden Los- Zettel heraus. Die Mütze entfiel feiner Hand, ein Seufzer entwich seinem Mund.

Onkel", sagte er,das wird bestimmt eine große Ueberraschung werden."

Die geglätteten Zettel verwahrte er in seinem Nottzbuch. Ali, lobte er insgeheim, du bist das gescheiteste Mädel in der ganzen Stadt. Ein schönes Geschenk hast du dir verdient.

Ich mutz gehn, morgen komme ich wieder."

Er hob die Mütze auf und ging. Zuerst, ehe er dem Hustenonkcl etwas erzählte, sollte es der Kater erfahren. Wenn nur die Leute das ölbelchmierte Los auch aelten lassen! sorgte er sich.

Der Vater saß am Tisch. Seine Blicke starrten in den Vogelbauer zu dem unzeitgemäß fröMidjen Stieglitz, der auf seinem Stängchen sang.

Klick eilte zum Kindersernsprecher. Er lockerte die Röhre und rief hinein. Ali, ich will dir nur sagen, daß du wirklich das gescheiteste und tüchtigste

Danke!" sagte der und gab es dem Manne.

Erledigt! Sie haben mir einen Dienst erwiesen. Eme'solche Mutze finden Sie nicht ein zweites Mal ..

Verständnislos blickte der Hustenonkel die beiden an.

Schon recht", antwortete der Kraftfahrer, der nicht wissen konnte, um welchen Dienst und welche einzigartige Mütze es V; tl-* recht, aber im nächsten Winter, das sag ich: aufgepatzt und nicht wieder Schneeballen gegen die Autoscheiben geschmissen!"

Er verließ den Laden.

Und nun steckte Klick, zitternd vor Ungeduld, seinen Zeigefinger in den kleinen Nahtriß innen, durch den er einst die zwei Lose in seinen Safe geschoben hatte, und fetzte das Futter heraus.

,Hch dachte, als du Geld verlangtest", bemerkte der Onkel,du wolltest wieder eine Sparbüchse öffnen."

Beinahe hast du recht, Onkel. Vielleicht aber lege ich sogar eine neue an ...", antwortete Klick mit Doppelsinnigkeit und bohrte in den Ein»

Klicks Herz begemt rasend zu klopfen. e..,

Suchen Sie vielleicht Nikolaus Bodenweber, wegen der Anzeige? Der bin antwortete der Mann und faßte Klick scharf ins 2luge.

Unb zu gleicher Zeit mutzte Klick, wer dieser Mann war. Der Kraftfahrer war es ^gegen dessen Auwscheibe er bei jener Schneeballschlacht gefeuert hatte. Auch der Mann schien ihn wiederzuerkennen.

Bist du nicht", fragte er unsicher,jener Lausebengel k

Klick unterbrach ihn schnell.Ich bin jener Junge, der versehentlichZeinen Schneeball gegen Ihren Wagen warf. Hoffentlich habe ich kernen Schaden ""^Lausebengel, dachte er zugleich, hat er mich genannt, etwas höflicher hätte er schon sein können. Na, gleichgültig, wenn er nur die Mutze hat! Man mutz sich viel gefallen lassen.

fiaben Sie die Mutze?" stieß er hervor

'.Die Mütze hab ich", antwortete der Kraftfahrer,das heitzt, was von tf,rEr^zerrte^aus (einer Tasche ein verschmiertes ölfleckiges Ding, das einmal eine Mütze war, eine braune, liebe Wollmutze

Sie ist es! jubelte Klick innerlich. Seine Mutze! Er hat sie. Die Freude, sie wiederzufehn, war fo stark, daß er kein Wort hervorbrmgen konnte

Zum Aufsetzen taugt sie kaum noch ... , meinte der Kraftfahrer, em Lächeln im Gesicht.Hab sie damals gefunden und zur Strafe als Putz- ^^Jch^wM sie nicht aufsetzen, nur ausheben", versicherte Klick,es ist nämlich ein Andenken an meine verstorbene Mutter."

Und damit sagte er nicht die Unwahrheit, wenn auch nicht die ganze

Ein Heldenkamps des 2. hessischen 3nfonttrie-»egimento.

Bon Fritz Hein.

Wenn in der Vorkriegszeit alljährlich am 14. Jamuar aus den Gießener Kasernen die Fahnen wehten, und man nach dem »Warum fragte, tonnt« man nur von einem aktiven ober ehemaligen 116er b*e ridjtige Aatwor bekommen; sie lautet:Briare". Weshalb aber spielte dI-s kleine, süd­östlich von Orleans an der Loire gelegene französische Städtchen in der Geschichte des ehemaligen 2. Hessischen Insantene-Regimentseme so be sondere Rolle? Weil in den Kämpfen vom 20. Dezember dis 14. Ja- nuar 1871 die Existenz des Regiments und feine Ehre auf dem Spiel stand. Durch eine sechsfache Uebermacht schlug es sich »m Verband des Detach« ments des Generals vonRantzau intagelangen Kämpfen und Marschen inmitten eines im fanatischen Aufstande befindlichen Landes, unter Mit nähme fast aller Verwundeten und Kranken durch und rettete Fahnen und Ehre. Zum Gedächtnis dessen wurde alljährlich aus den Kasernen aeflaqqt, und die Regimentsparole lauteteBriare .

Am 19. Dezember hatte General von Manstein der ihm unterstellten nicht wissen konnte, I 25. Grohh. Hessischen Division besohlen,einJnsantene-Regimentz em fidi bandelte schon I Reiter-Regiment und die reitende Batterie östlich von Orleans nach Mon- sich handelte,schon gelter jttflimem Briare aufzuklären und nach Osten

Verbindung mit dem 7. Korps aufzunehmen. Das Detachement Rantzau bestand aus dem 2. Hessischen Infantene-Regnnent unter Oberst Kraus, - - -- - ' bem 2.Hessischen Reiter-Regiment unter Oberstleutnant von Buseck

und der reitenden Batterie unter Hauptmann Davidso " Der Marsch erreichte am 22. Montargis. Der Weihnachtsabend wurde von dem Detache­ment friedlich begangen, als ein neuer Befehl des Armeeoberkommandos eintraf nach dem der Vormarsch schon am nächsten Tage angetreten werden und der Angriff am 26. erfolgen sollte. Nicht klar ging aus dem Befehl hervor, ob mit einer Mitwirkung des 7. Korps noch zu rechnen fei, und da auch die Bayern am 26. nach Orleans abruckten, bhebeni als «« ftärhmq nur drei Eskadrons des 16. Husaren-Regiments, die in La Bustier e zum Detachement stießen. Eine gegen Briare vorgetriebene Kn- valleriepatrouille meldete, daß die Stadt anscheinend nicht vom Feinde besetzt sei jedoch beklagte sie den Verlust von vier Mann, die von versteckt gewesenen Franktireurs teils abgeschossen, teils gefangen genommen worden waren. Am 26. Dezember trat das Detachement den Marsch nach Briare an, wo es, ohne mit dem Feind in Berührung gekommen zu (ein eintraf Die Vorhut rückte in die Stadt ein, stieß mit der Kavallerie durch über die Höhen von Chatillon hinaus und erhielt erst vor Bonny Feuer. Dann rückte auch das Gros in Briare ein und bezog Quartier. Bei dem Franktireurunwesen und der ungeklärten Allgemeinlage war nun erhöhte Alarmbereitschaft erforderlich. Briare liegt für eine Verteidigung nicht günstig. Auf der einen Seite fließt die Loire, auf der anderen erheben sich teils bewaldete, teils mit Weinbergen bedeckte Höhen.

' General von Rantzau erhielt den Befehl, über Cosne hinaus vor­zugehen und dabei die Nachricht zu verbreiten, sein Detachement fei nur bis Avantgarde eines auf Nevers marschierenden Armeekorps. Am 27. ging Hauptmann Leih mit der 2. und 4 Kompanie und der 5. Eskadron aeaen Cosne zur Erkundung vor. Bereits unweit Ouston und dann vor Bonny, das von Franktireurs besetzt war, schlug ihnen Feuer entgegen, doch wurde der Feind verjagt und Bonny besetzt, das für emen UeberfaU feiner Bewohner tags zuvor auf eine Patrouille 3000 Franks Strafe be» -ohlen mußte. Während die 4. Kompanie mit einem Zug Kavallerie Bonny I besetzt hielt, wurden Teile der 2. mit 30 Reitern unter Hauptmann Wed er gegen Cosne vorgeschickt und stießen aus einen überlegenen Feind. Hierbei I wurden vier Leute von Frankttreurs gefangen und sofort nach Cosne

Und wie steht's mit der ausgesetzten Belohnung? erkundigte er sich. Damit steht's gut. Sie ist Ihnen sicher. Nur einen Augenblick noch.

Fünf Mark ist mir nämlich die Mütze wert, wenn es die richtige ist.

Füns Mark?" sagte der Fahrer, mit großen Augen auf Klicks gestickt« Hosenbeine blickend, die nicht nach fünf Mark Besitz in ihren

idt'ben'iBetrag auszahle", bemerkte Klick,möchte ich die Mütze genauer ansehen. Sie hat sich ziemlich verändert, wie mir scheint ...

Kraftfahrer gab sie ihm, und Klick musterte das fleckige, speckige Dina Aber unter der Oelschmiere entdeckte er wahrhaftig den blauen Kopierstiftfleck. Sie war es. Zugleich aber fühlte er unauffällig und mit listigen Fingern nach den Losen. Ihm war, als spüre er zwischen Futter und Stoff zwar Papier, aber keine Röllchen.

Stimmt, sie ist es wirklich!" sagte er zu dem Chauffeur.Kommen Sie mit, ich hol das Geld."

Der Mann folgte ihm die Stiege hinunter. ,

Wenn das Papier, das ich gespürt habe, nur nicht die Mutzeneinlage ist, überlegte Klick besorgt und fingerte im Hingehn noch einmal. Sie traten in die Tierhandlung.

DnM, leih mir, bitte, mal fünf Mark", bat er,ich muß sie dem Herrn bezahlen, mußt mir aushelfen."

Wie unter Freunden und Ehrenmännern nicht-anders üblich, zahlte der Hustenonkel, ohne nach einer Erklärung zu fragen, an Klick das

Mädel in bet ganzen Stadt bist. Kein Wunder, du stammst ja auch nicht ÖOn .Quatsch!" scholl es herüber.Sprich vernünftig!"

In das Zwiegespräch zirpten die Mundharmonika des Vaters und der Schnabel des Singvogels. Der große Musikant mit der leisen Stimme hatte Sorgen, der kleine mit der lauten sprudelte vor Lebensfreude. 0 Iw Ernst!" sagte Klick.Meine Anzeige hat (Erfolg gehabt, vor fünf Minuten habe ich die Mütze zurückbekommen. Ein Kraftfahrer brachte sie. Wie? Ja die Lose waren noch drinnen, sind aber ganz olbelchmiert. 3K.V »"«".*«<. w -- »>.mch

dich schon einmal anfleloflen? Margen holen wir das Geld. Zwänzigtausend! ... Nein, Vater weiß noch nichts davon. Neugierig bin ich, was er sagen wird." '

(Schluß folgt.)

Werdende Bauernmutter.

Von Ferdinand Oppenberg.

Wintersturm und Schrei der Krähen, In der Scheune steht der Pflug. Deine lieben Hände nähen Still das erste Kindertuch.

Leise sollen weiße Flocken Auf das kahle Ackerland. Ruhig läuft am alten Rocken Schnur an Schnur durch deine Hand. Schnurrend laufen Rad und Spindel, Wenn du weiße Fäden spinnst. Sorgsam wickelst du die Windel, Da du lächelnd träumst und sinnst. Zähltest du mit stillem Munde Schon die Wochen, wenn du schwiegst. Bis nach einer schweren Stunde Du dein Kind am Herzen wiegst?