Reiten gegen den Sturm an, der von den Gipfeln
Derontwortlich: Dr. HanS Thyriot. — Druck und "Verlag: vrühlfche UniverfttätSdruckerei ».Lange, Sieben.
Wo
Zu
er im neuen Blütenkleid Gottes Lob wird rauschen.
öer Uhu.
Von Otto A l f ch e r.
Südostko.rpathen.
Er mutz die Augen offen halten, trotz des Sturmes, der ihn zwingt, sich tief über den Hals des Pferdes vorzubeugen. Der Mantu, der Bandit, ist wieder in der Gegend, und wenn der ihn früher wahrnimmt, als er ehn, sendet er ihm eine Kugel durch die Brust, wie er es ihm hat sagen • lassen, und wie er den armen Pirkner, seinen besten Forstgehilsen, aus dem Hinterhalt erschossen hat.
Wenn er morgen dem Jagdherrn, der mit seinen Gasten zur Hirsch- jagd im Gasthaus unter dem Weihen Gipfel eintrifft, meldet, dah der Manu wieder in ihren Wäldern steckt, wird der schön wettern.
Und es ist bestimmt der Mantu, der Raubmörder, der aus dem Zuchthaus von Aiud ausgebrochen ist, um von hier aus aus Raubzüge auszugehen und zu wildern. Bei der Hirtenhütte unter dem Dobri B,r hat es der Bub verraten, als er ihn fragte, woher er die ausgeschossene Patronenhülse hat. Eine 6-mm-Mannlicher-Schönauer-Patrone der . früheren Militärgewehre der rumänischen Armee — mit dem gleichen Geschah wurde auch der Pirkner ermordet. Die Gendarmerie sucht den Banditen seit mehr als einem Jahr, ein Preis ist auf seinen Kopf ausgesetzt, und doch wagt es keiner der Hirten, ihn zu verraten, obwohl er sie arg brandschatzt.
Der Sturm wird jetzt, in den späten Nachmittagsstunden nur noch hestiger. Er schneidet durch die Kleider, läht die Glieder erstarren und auch den Uhu in seinem Weidenkorb, der am Sattelknopf befestigt ist, stört der Wind, denn er wird immer unruhiger. Der Jagdherr möchte einen der Steinadler schießen, die dieses Jahr bös unter den Gemskitzen hausten, darum hat er den Uhu mitgenommen. In einer Stunde ist er bei der Kordonhütte, wo er übernachtet, um auch hier die Hirsche zu verhören, da muh er trachten, ein Murmeltier oder eine Dohle zu schießen, damit der Uhu Atzung für die Nacht hat.
Er hätte den Dackel mitnehmen sollen. Nun ist er ohne Wächter, und wenn der Mantu ahnt, daß er in der Hütte schläft, überfällt er ihn bestimmt.
Winternacht.
Bon Joseph Freiherrn von Eichendorff.
Verschneit liegt rings die ganze Welt, Ich hab' nichts, was mich freuet, Verlassen steht der Baum im Feld, Hat längst sein Laub verstreuet.
Der Wind nur geht bei stiller Nacht Und rüttelt an dem Baume, Da rührt er seine Wipfel sacht Und redet wie im Traume.
Er träumt von künft'ger Frühlingszeit, Von Grün und Quellenrauschen,
Es ist ein schweres Reiten gegen den Sturm an, der von Den Gipfeln herüber, den Wald herauffaucht, die Heidelbeersträucher des Kahlhanges raffelnd durchschneidet und mit schrillem Pseisen über die Felsen des Grates hinwegdonnert. Der Wind kommt von Nordost, solange er anhalt, bleibt auch der Oktober noch klar und regenfrei, wie immer hier in den
Endlich erreicht er die Hütte. Es ist eines jener Wachthäufer der früheren rumänisch-ungarischen Grenze, aus rohen Steinen die Mauern, mit einem weit überstehenden Schindeldach darüber. Sie hat einen kleinen, offenen Vorraum an der Schmalseite, wo auch die Tur mundet. Hier will er nachtsüber das Pferd einstellen, das er nicht im Freien zur Weide anpstocken darf - nicht wegen Bär oder Wölfen sondern weil es der Bandit fortnehmen kann. Auch das Feuer in der Hütte will er erst nach Dunkelwerden entzünden, um sich nicht durch den Rauch zu verraten.
Es ist gut, daß unter dem Bordach der Hütte ein großer Stoß Holz aufgestapelt ist, da braucht er dieses nicht aus dem Walde heraufzutragen, der mehr als hundert Schritte tiefer den Hang unten beginnt.
Er sattelt ab, trägt alles in die Hütte, nimmt den Uhu aus dem Korb und setzt ihn mit der Fessel auf den Holzstoß. Das Pferd aber loht er einstweilen noch im Freien weiden. Bon der Quelle bei der Hütte Wasser holend sieht er Murmeltiere am Hang oben zwischen den Felsen verschwinden. Er nimmt die Büchse, setzt sich an, und jdjon nad) kurzer Zeit Muckt ein dickes, altes Männchen auf, das mißtrauisch zu ihm herabsichert. Obwohl er eine schwache Patrone mit Rauchpulverladung zum Schuß verwendet, rollt dieser doch weit über den Wald und die Berge hm. Während er die Beute aufnimmt, denkt er: „Wenn der Mantu in der Nähe ist, muß er den Schuß hören und kommt nachsehen, was es Da 9'b®eaen Abend läßt der Wind nach — kaum, daß die Sonne ver- schwunden ist, hört er auch schon den ersten Hirsch im Wald unten rohren. Bald orgelt ein Zweiter, als es bann dunkel geworden, meldet auch der starke Vierzehnender, dem sein Verhören gilt.
Er sitzt vor der Hütte, neben dem Eingang und dem Uhu, dem er erst später das Murmeltier zum Kröpfen geben will, damit er wahrend der Nacht nicht zu unruhig ist, und lauscht in den schon finsteren Wald hinab, wo nun der Vierzehnender allein zu Horen ist. Noch ist das Vorfeld so hell, daß man jede stärkere Bewegung darauf erkennen kann, doch allmählich verschmelzen Büsche und Felsblöcke mit dem Boden, und auch der Waldrand ist vollständig in der Nächt eingesunken. In der Hütte brennt schon das Feuer, fein Schein fällt durch die offene Tur tn Den Vorraum, wo das Pferd schnaubend Mais und Haferkörner iml Futterfack zermalmt. Von weit drüben, wo das Jagdhaus liegt, kommt schwach der Schall eines Schußes, — also sind sie schon dort eingetroffen.
Es ist Zeit schlaseir zu gehen, er muß nur noch den Uhu versorgen. — Da sieht er wie dieser weit vorgeneigt in die Finsternis späht, den Kops aufgeregt im Kreise dreht, als sehe er dort draußen etwas Außergewöhnliches. Ist es ein Fuchs oder ein anderes, größeres Raubtier? Doch dann müßte er die Schwingen spreizen und zornig fauchen.
Was der Uhu sieht, kann auch ein Mensch sein. Er greift nach der Büchse und drückt sich enger in den Winkel zwischen Mauer und Holzstotz. So wartet er eine lange Zeit, doch nichts geschieht. Auch der Uhu hat sich wieder beruhigt — dennoch hat er etwas Verdächtiges gesehen, und er muß aus der Hut fein. . ,
War das der Mantu, der sich tn der Finsternis angefchlichen hat so weiß er nun, daß die Hütte bewohnt ist — der Feuerschein hat es ihm verraten —, und er kann es sich leicht denken, wer in der Hütte übernachtet Er wird so lange warten, bis er sicher ist, dah er schläft, dann wird er sich der Hütte nähern, um ihn im Schlafe zu ermorden. Er kann aber nicht wissen, ob er nicht einen Hund hat, darum wird er nicht von der Türseite her, sondern bergab, gegen den Wind sich anschleichen, um durch die kleine Fensteröffnung in der Stirnwand ihn auf seiner Schlas- stelle zu erschießen. Er muß also, den Banditen zu erwarten, hinter der Hütte Aufstellung nehmen, die Seite aber, wo das Fensterloch ist, und den Eingang versichert er am besten durch den Uhu, den er an die Ecke setzt wo'die beiden Seiten zusammenlausen.
Er hat seinen Posten eingenommen. Die Hütte ist hier zur Halste in den Berg hineingebaut, zwischen dem Boden und dem weit vorstehenden Dach ist nur ein kleiner Zwischenraum, der ihn vollständig verbirgt. Vor ihm liegt der stell ansteigende, freie Hang, vom Sternenlicht so erhellt, daß sich niemand ungesehen nähern kann.
Die Zeit vergeht. Wolfsgeheul steigt in der Ferne auf, kommt naher und verklingt wieder. Die Stimmen nächtlich wandernder Vögel fallen aus der Finsternis nieder, dann ist wieder nichts zu hören, als das eintönige „Zirr, Zirr" der Herbstgrillen. Zeitweilig wirft er einen Blick um die Ecke, sieht matt erhellt die Fensteröffnung, die ungewissen Formen einiger Büsche, die sich eng an die Finsternis lehnen.
Mitternacht muß schon vorüber stin, er ist müde, auf einem Stein hockend, an die Mauer gelehnt, kämpft er gegen den Schlaf an, doch die Augen fallen ihm immer wieder zu. Plötzlich fährt er auf, denn der Uhu faucht und klappt zornig mit dem Schnabel. Erschreckt wendet er sich bin — wie aus dem Boden gewachsen steht dort eine Gestalt, zum Sprung gekrümmt, eine Gewehrmündung sucht den Uhu.
„Hände hoch!" schreit er und bringt die Büchse in Anschlag Eine Hand erhebt sich widerwillig, doch der Gewehrlauf schwingt jäh herum, gegen ihn zu. Und schon fährt ihm ein Feuerftrahl entgegen. Doch auch er hat geschossen. Unwillkürlich duckt er sich, denn dicht über seinem Kops prasselt es im Gebälk, da sieht er die Gestalt eine halbe Schwenkung machen, das Gewehr rasselt aus die Steine, und nun schlägt der Mensch vornüber zu Boden.
Es dauert eine Weile, bis er seine Taschenlampe ausblitzen lassen kann. Der Mensch ist schon tot. Es ist der Mantu. Mitten im Rücken hat er den Ausschuß der Kugel. ......
Er steht vor dem Uhu Dessen große gelbe Augen blinzeln ihn vertraut an und hoch mit einem Vorwurf — oh, er hat ganz vergessen ihn zu füttern. Rasch holt er das Murmeltier und legt es dem Uhu vor.
> Darauf holt er das Pferd aus dem Verschlag. Er muß gleich zum Jagdhaus reiten, dort melden, damit bei Tagesanbruch ein Bote zu Tal I gehen kann, die Gendarmerie zu verständigen.
im Etzzirnmer für die Dorfkinderbescherung Aus den Truhen und Korn- M’X bi Weihnachisschmuck hervorgeholt, all die me enMeuten- Den Sterne, Kometen, Engel, das glitzernde Engelhaar. Kaum ist Der letzte Kerzenhalter am Baurn angesteckt, schleiche, ich, die Tchchen mit Lichtchen, Haselnüssen und Pfefferkuchen vollgestopft hmaus« Es ist keine Zeit zu verlieren Bald wird tm Hof die große Glocke gelautet, zum Zeichen, daß die Dorfkinder sich zur Weihnachtsbescherung versammeln "^Draußen erwarten mich schon die drei Weisen. Auch Jan, der als Teufel so echt wie ein Schwein gegrunzt hat, ist mit Dabei. Wir stapfen durch den hohen Schnee in den Wald. Dort stecken wir die Kerzen an einen kleinen verschneiten Tannenbaum und zünden sie an. Denn auch die Rehe, Hasen, Eichhörnchen und die Nägel sollen einen Weihnachts- baum haben. Ein dünner, blasser Mond steht schon über dem Walde, der Frost zwickt einen tüchtig, und unter den Bäumen wachsen die Schoten Die Lichtchen brennen mit zuckender, goldener Flamme Die Eichhörnchen lassen nicht lange aus sich warten Jnrik schnalzt mit der Zunge und schon kommen sie von den Bäumen heruntergeflitzt und tn raschen Springen auf uns zu. Sie sehen uns mit ihren glänzenden runden Augen an und Halen sich die Nüsse aus der ausgestreckten Hand. Die Nuß zwischen den Vorderpfoten, richten sie sich auf, und, — eins, zwei, Drei, — ist die Nuß durchbissen, die Schale sortgeworfen, und sie greifen nach der nächsten Auch die Vögel fliegen herbei. Sie Hüpfen wie tleine Balle über den schimmernden Schnee und picken die Pfefferkuchenkrumen auf, die wir in den Schnee streuen. Nur die Hasen und Rehe wagen sich nicht heran, sie warten wohl ab, bis wir sortgegangen sind.
Jetzt beginnt hinter den Bäumen die große Hosglocke zu lauten. Wir werfen die letzten Nüsse und Psesferkuchen den Eichhörnchen und Vögeln hin und rennen um die Weite durch Den stillen, abendlichen Wald dem Hause zu, das bald mit festlich erleuchteten Fenstern hinter der Weg- biegung austaucht. In Den Ehzimmersenstern steht ein Heller Schein. Es ist Der Weihnachtsb aum, der im Lichte von hundert goldenen Kerzen- slämmchen strahlend uns erwartet.


