So sucht er sich die besten Reiser aus und schleppt sie davon, um sie bei sich daheim als Teppich auszubreiten und nach getaner Arbeit genau wie die rechtmäßigen Besitzer voll Genugtuung mit seinem Weibe di« Wirkung zu bewundern.
Stiebitzen aber macht natürlich viel Arbeit und danach verdient man eine kleine Ruhepause, und was könnte unter solchen Umstanden genußreicher sein als ein Bad? Also machen fich nun ihrerseits der Dieb und seine Frau zum Strand auf, — und währenddessen kommt ein Zweiter Dieb vorbei erblickt den vielbewunderten Reiserteppich und transportiert
ihn in seine Behausung.
Unser junges Paar kommt nun heim, immer noch voll gegenseitiger Freude aneinander und voll Stolz auf das neue Haus. Beide sreuen sich schon auf seinen Anblick und find gekannt ob es wirklich so schon -st, wie sie es in der Erinnerung haben. Sie klimmen selbander den Abhang hinauf, erblicken das wundervolle Haus von weitem, wat^eln hinunter — und dann, o Schreck I Es ist kahl und leer. Kem prächtiger Teppich
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seinen hält. ,
Das ist dis Hochzeitszeremonie, und danach gibt es viel zu tun. Der Gatte hat sich, wie es scheint, bereits für den Platz entschieden, wo genistet werden soll: es ist die Stelle, an der er sich wahrend der letzten ■»eit der Liebeswerbung aufhielt. So wird also nach der, Eheschließung keine Zeit verloren und es kann sofort ernschaft mit Hausbau und Em- richten begonnen werden.
Die erste Scholle wirst Herr Pinguin aus, damit seine junge Gattin sieht, wie stark und tüchtig er ist und was für ein schönes Haus es geben wird Er liegt auf der Seite, lockert die Erde mit einer Flosse und schiebt sie dann mit den Füßen beiseite. Rach einer Weile wird er müde, worauf die junge Frau ihre Schicht macht, während Herr Pinguin dabei stehen bleibt und ihr zusieht, zweifellos voller Stolz über seine tüchtige Frau, die Erde und Sand fast ebensogut auswerfen kann wie er selbst. jn seiner Begeisterung kommt er ihr manchmal etwas zu nahe, so daß ihm eine Staubwolke ins Gesicht fliegt. Aber das macht ihm natürlich nichts — welcher Ehemann würde sich an seinem Hochzeitstag daraus etwas machen! Er schüttelt sich und nähert sich von neuem, denn er kann es kaum erwarten, bis die Reihe an ihn kommt.
Wenn das Ristloch etwa einen halben Meter tief in die Erde hinein- reicht, findet der Ehemann, dem es kaum schnell^ genug gehen kann, daß dies für das Haus genügt und es Zeit wird, für die Einrichtung zu sorgen. So stiebt er, während seine Frau gerade eine Pause macht, eilends davon, sammelt kleine Reiser und läßt sie in das Loch fallen. Die Frau ist darüber ein wenig entrüstet. ,JD Hans, siehst du denn gar nicht, daß wir noch längst nicht fertig sind!" ruft sie, geht in das Loch zurück und wirft den ganzen Hausrat wieder hinaus, um weiterzugraben. Richt im geringsten beleidigt, wartet der Gatt«, bis er wieder daran ist, und versucht dann von neuem, die Einrichtung hineinzuschaffen und den Bodenbelag ordentlich zu verteilen. Diesmal läßt sie es vielleicht geschehen. Und nun stehen beide vor der Tür des Hauses, blicken m das prachtvoll hergerichtete Zimmer und schnattern fröhlich, als wollten sie sagen: „O Schatz, denk doch, unser eigenes Heim!"
Ach, nur zu oft folgt diesem natürlichen Stolz bald ein harter Rückschlag denn es ist ein offenes Geheimnis, daß das Sjaus eines jungen Ehepaars Einbrechern leichte Beute gewährt. Es ist vielleicht gerade em schöner sonniger Tag, so daß Mann und Frau sich sagen, nach all der Plackerei verdienten sie wirklich ein bißchen Ausspannung — ganz zu schweigen von der dringenden Notwendigkeit einer Säuberung — und was könnte unter solchen Umständen genußreicher sein als ein Bad? Also spazieren sie fröhlich zum Strand hinab und lasten das prachtvolle neue Haus unbewacht, so daß jeder freche Dieb ungehindert eindringen kann. Und zu meinem aufrichtigen Bedauern muß ich sagen, daß es aus der Insel der Pinguine recht viele Diebe gibt. Da wandert einer umher, gewahrt das schöne neue Haus mit seiner eleganten Einrichtung und findet aus den ersten Blick, daß diese ganz das ist, was er in seiner eigenen Wohnung braucht. Wieviel einfacher also, sie hier mitzunehmen, als sie mühsam Stückchen um Stückchen selbst zusammenzuttagen!
Gegen solchen Frevel gibt es nur em einziges Argument — das Arcmment des Schnabels mit feiner zweiten aber überaus wichtigen Ver- wendungsart. So geht denn Herr Pinguin — den es bei all fernem Aerqer offenbart freut, auch bei dieser Gelegenheit wieder mit semer Stärke und zudem mit feiner Tapferkeit vor der Eheliebsten paradieren zu können — zum Angriff über. Und die hübsche Frau PinMin, di« sich nicht ausstechen lasten will, verwandelt sich in em Mannweib und folgt dem Gatten in den Kampf.
Es geht heiß her. Sie raufen sich und balgen sich und versetzen sich Hiebe mit ihren Flossen, die laut klatschend hintreffen, wo sie mögen — auf Brust und Rücken und Kopf des Gegners. Auch zugeblsten wird gehörig, so daß Blut zu strömen beginnt. Aber danach wird nicht gesra^ — Gnade gibt es nicht. Auf Leben und Tod geht der Kampf, sofern nicht vorher die eine Partei endgültig in die Flucht geschlagen ist.
Drei vier Stunden kann die Schlacht dauern. Meist geht sie in dem umkämpften Rest vor sich; bisweilen dehnt sie sich aber auch aus das umliegende Gelände aus, ja selbst bis hinab in die anliegenden Wohn- höhlen, sehr zur Verwirrung der neutralen Nachbarn. Unter dem heftigen Getrappel beginnen die Wände des frisch gegrabenen Nestes abzubröckeln, und auch der kostbare Teppich ist ganz rulmert; aber niemand kehrt sich daran. Das bräutliche Gefieder des Herrn Pmgmn ist elend zerrauft, und die junge Gattin blutet heftig aus ihren Bißwunden; aber sie haben mehr Hiebe ausgeteitt als empfangen, und ihren Gegnern ist sichtlich anzumerken, daß sie genug haben. Denn mäst oft vermögen räuberische Eindringlinge der blinden Wut von Pinguinen zu widerstehen, denen Verlust ihres Nestes droht. Es ist ihr einziger kostbarer Besitz, hier haben sie beschlossen, ihr eheliches Leben zu fuhren und -hre Brut auszuziehen, und darum sind sie um keinen Preis gesonnen nachzugeben.
Weiter geht die Schlacht. Alle vier Streiter bluten jetzt, allein Herr und Frau Pinguin zeigen em neues Feuer, das der offenbaren Schwächung der Feinde entspringt. Durch das ganze Nistloch haben sie sie vor sich hergetrieben, um oben den Kampf sortzufetzen, und als die Rainer gewahren, daß sie den Boden verloren haben, schwindet ihr letzt« Kampfesmut, und sie treten einen etwas unwürdigen Ruckzug an, um am Meeresufer ihre Wunden zu waschen.
Auch Herr und Frau Pinguin haben Wunden zu waschen, allein auf dem wiedereroberten Boden muß eine Schildwache Zurückbleiben, und so geht zunächst die Hausfrau allein zum Strand hinab. Noch immer wuno, aber doch sichtlich erquickt, kehrt sie alsbald zurück um chrersetts de Wache zu übernehmen, während Herr Pinguin mühselig hugelab dem Wasser zu watschelt. . ,
Aber auch jetzt ist der Tag noch nicht ru Ende denn nvch «nnuu muß das Haus in Ordnung gebracht, baufälliges Mauerwerk ^stutzt, der Hausrat repariert oder erneuert werden. Ist das aber gelchey - dann finden zwei mütx kleine Pinguin« endlich chren Frieden und uge
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Da- wäre jetzt ideal, gehen sie getrennt, damit der eme aufpasten turnt, solange der andere schwimmt.
Manchmal ereignet sich eine noch schlimmere Katastrophe. Es ist scbon traurig genug, wenn man zurückkommt und sein Heim zerstört findet. Nun stelle man sich aber vor, wie es Herrn und Frau Pinguin zumute sein muß wenn sie, von einem kleinen Bummel heimkehrend, >emand anders in ihrer Wohnung installiert finden! Wenn zwar der unvergleich- liche Teppich noch den Boden ziert, aber ftemde Fuße darauf herum trampeln. Uni) mehr noch — dieses ftemde Paar sche-mt keineswegs geneigt den Platz zu räumen, sondern zeigt im Gegenteil die fest« W>- ficht, zu bleiben und nach dem Grundsatz .finden heißt Behalten zu
Sobald die jüngeren Pinguine nach langer Flostenreise landen, geht jeder seinen eigenen Weg Selbstverständlich wissen sie ganz genau, w.e sie sich ^ verhalten haben - welches junge Mädchen oder meld)«junge Mann wüßte das heutzutage nicht? Die Strandpromenade ist dazu ganz der geeignete Ort. Herr Pinguin junior schüttelt das Wasser von sich ab und^putzt zunächst sein Gefieder; bei derartigen Gelegenheiten muß man sich möglichst nobel machen. Dann durchstreift er die Menge, Augen bald rechts bald links, bis er endlich ftehenbleibt, den Kopf em roemg auf tue Seite legt und jedenfalls denkt: „Ei, das da drüben ist ein nettes Madel! __worauf er rasch, wenn auch nicht so rasch, daß es seiner Wurde Eintrag tut, in ihrer Richtung abschwenkt.
Das junge Ding, auf das er ein Auge geworfen hat, psitzt zuchttg ihr Gefieder und vertieft sich dann noch züchtigeren Blickes m di« Betrachtung dessen, was um sie herum vorgeht — natürlich ohne ihren Anbeter eines Blickes zu würdigen. Durch so etwas laßt er sich aber
Bor dreißig Jahren, denke ich mir, wurde das junge Pinguinfraulein f b 9 > . $ röinb alles entführt? Ist es möglich, daß
wohl errötend zu Boden geblickt und Ach, das k°mmt ^r jo unerwar- stef^rn si-m^ann Hat^drMWeü fein - biefe tet!" gestammelt haben. Aber heutzutage ist von jo etwas keine Rede I em Lneo ...rjiem, m r , v. KJ.' ------
mehr. Sie schlägt die Augen zu Pinguin junior auf und da sie sich langst darüber im klaren ist, daß er der Rechte ist, ruckt sie den Kopf schief auf die Seite, und kurz darauf „gehen" beide miteinander.
Da es heute nicht mehr nötig ist, erst lange wie die Katze um ben heißen Brei herumzugehen, begeben sie sich schnurstracks zum nachst- v !D ____nr ininlm-ht-ffen aber aud
wohlverdient« Ruhe. ...
(Fortsetzung folgt.)
ein Dieb ...? Nein, so grausam kann niemand auf oer -weu i«m — unschöne neue Wohnung auszurauben, in der sich so wunderbar« Dingt abspielen sollten!
Aber der Teppich ist fort — daran ist nicht zu zweifeln.
Ach so, so ist bas Leben nun einmal Kaum hat man sie, verschwinden die besten Dinge wieder, und das Einzig«, was einem übrig bleibt, ist ^ettoenen Nisivlatz'Was'nün Lr^Pinquin ftni^ infolgedessest aber astch I von vorne anMfangen. Also macht sich Herr Pinguin wiederumausdi dnt«7-nag-!o leicht istdieDame denn doch nicht zu haben. Zunächst Pein«, und in wenigen Minuten schon ist er junirf - nu «t««rt WZMZMWW WZMZMM Neigung zu beweisen, als um ihr zu zeigen, was für ein außergewöhnlich | leisten, daß «^noch Mfer usgj bQg nä^[te Mal finden, «in
hübscher Kerl er ist.
Endlich naht der schicksalhafte Augenblick. Anscheinend kommt er ganz unverhofft, wenn auch der künftige Gatte einen neuen Ausdruck der Zärtlichkeit in den Augen bemerkt, die ihn so aufmerksam betrachten. Auf alle Fälle tritt er plötzlich ganz dicht an sie heran, und die beiden Liebesleute küssen sich.
Das meine ich wortwörtlich. Die Schnäbel berühren sich- und mit gestrecktem Hals, den Kopf hoch erhoben, reiben die beiden Vogel mit einem Klick — Klick ihre Schnäbel aneinander. Zehn bis fünfzehn Sekunden dauert das. Die Flossen breiten sich aus, und zuweilen umarmt der Bräutigam in seiner Begeisterung das nun endgültig gewonnene Weib mit den Flossen, während er die ganze Zeit über ihren Schnabel in dem


