Und ich hab die Angel bis heute behalten, man ist eben doch etwas Besseres damit. Und ich trag, was gibt es Schöneres aus der Welt, als wenn der Frühling anfangt — Kollege, du solltest dich anders herumsetzen, dein Schatten kommt ans Wasser. Wenn wir nachher Karauschen genug haben können wir sie uns braten. Hast du noch Streichhölzer? Ich sehe, du bist ein reicher Mann, Tabak hast du auch noch. Hattest mir langst was abgeben können! Nun, so seid ihr alle, jeder denkt immer zuerst an sich, — patz doch auf, Mann, dein Schatten — aber ich merke du bist em Grüner, Angeln ist kein leichtes Handwerk und will gelernt sein!
Geographie.
Von C a r l W o l f f.
Wenn man sich den Atlas recht betrachtet, hat auch der die Logik nicht gepachtet.
Heute suchte ich den Bodensee und fand ihn ganz unten an des Reiches Rand.
Oben aber, dicht bei Dänemark, liegt der Kellersee. Ich finde so was stark, wo ein feuchter Keller oben doch so stört und der Boden gar nicht untenhin gehört.
unter dem Bezug-, und Amandus äußert sich den ganzen Tag liebevoll über sein Meisterstück: „Ein gutes Bett ist das halbe Leben, laß dir das sagen, Klüsmudderl" spricht er wohlwollend.
„Abwarten!" brummt Klüsmudder. „Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben!" ,
Und richtig, wie Amandus am Abend beim Zubettgehen gerade nut Macht grölt: „He-he-he — Klitten in die See — Slüten in de Supp — schwupp-schwupp-schwupp!" und sich jedesmal bei „schwupp" mit Wollust auf die Matratze fallen läßt, so daß er fast einen halben Meter wieder hochhopst — da kommt er mit eins ins Kullern. „Nanu?" spricht er verwundert: „Klüsmudder, schläfst du schon? Mach' mal Licht an!"
„Kinderkram!" schimpft Klüsmudder.
Und beim Scheine der Nachtkerze betrachtet Amandus sich seine reparierte Matratze. Klüsmudder aber lacht nur kurz auf und meint: „Du bist mir ja ein schöner Matratzenreparierer — viel zu rund und fest hast du sie repariert — da kann ja kein vernünftiger Mensch drauf liegen!" „Eine Matratze kann in der Mitte nicht fest genug gebuckelt sein!" behauptet Amandus: „Weil sie sich sonst zu schnell wieder einliegt!" Aber gleich darauf brummt er: „Hm!" und probiert anschließend zwölfmal hinter- einander aus, ob er den Matratzenbuckel wohl mit Gewalt wieder ein- drücken kann, bzw. mit ganzer Körperkraft, was ihm jedoch nicht gelingt. „Am besten ist, man nimmt einen Strick und hängt sich auf!" stöhnt er schließlich und liegt die ganze Nacht schlaflos.
Drei Nächte lang läßt Klüsmudder ihn auch so liegen, bis sie ihm großmütig ihr eigenes Bett anbietet — sie will mit Amandus' Matratze schon fertig werden! .
„Großartig!" meint Amandus und jumpt mit Schwung in Klusmud- ders Bett; aber dann meint er mit Nachsicht: „Laß man, Klüsmudder — diese Matratze kriegst auch du nicht kirre — da gib dir man keine Mühe um!" und schläft wohlig ein. Klüsmudder aber kämpft durch vier Wochen hindurch einen verbissenen Kampf mit Amandus' Matratze — bis sie den Buckel angeblich eingelegen hak.
„Mal feh'n!" meint Amandus mißtrauisch und stellt denn auch sofort fest, daß Klüsmudder den Buckel zwar glattgelegen, dafür aber gleichzeitig eine neue Kuhle verursacht hat, was nicht der Zweck war. „Da sieht man mal wieder, wofür Weiber gut sind!" äußert er ingrimmig und läßt sich von nun an von Klüsmudder nicht mehr in feine Matratzenangelegenheit hineinreden.
Als erstes läßt er sich z. B. von Stellmacher Luhrs ein Brett mit geölten Scharnieren sowie einem Druckknopfe an der Seite anfertigen — am Bettrand einzubauen, weil die von Klüsmudder verursachte neue Kuhle nach außen zu abschüssig verläuft, so daß er ohne das Brett andauernd herauskullert, mit Brett dagegen gesichert ist und beim Aufstehen nur auf den Knopf zu drücken braucht. Dieses Brett mutz Amandus leider jedoch bereits nach zwei Tagen wieder abmontieren, weil sich herausstellt, daß die geölten Scharniere Kliismudders gute Bettwäsche fettig machen. „Reparier' Matratzen, soviel du willst, sein Vergnügen mutz der Mensch ja hoben!" äußert Klüsmudder erbost: „Aber geh' mir ab mit Fettflecken von Del — dafür bin ich nicht zu haben!" Als zweites besorgt Amandus sich daraufhin heimlich Klüsmudders sämtliche von sechs gerupften Gänsen herrührenden Daunen, stopft sie in einen Sack und schiebt diesen fein in die Kuhle unter das Bettuch: aber der Sack hält nicht dicht, so daß Klüsmudders kostbare Gänsefedern gleich beim ersten Versuch in der Luft Herumwirbeln, und ihm die Daunen daraufhin sofort wieder entzogen werden. Als drittes stopft Amandus feine sämtlichen alten, kaputten Fahrradschläuche in die Kuhle: aber zufolge der nächtlichen Betthitze kleben die Schläuche aneinander fest und ballen sich zu Klumpen, so daß er jeden Morgen mit wundem Rücken aufsteht und sich einmal sogar das ganze Bettuch mitsamt den Schläuchen mit Vorsicht vom Hinterteil loslösen mußte, was nicht ganz schmerzlos abgeht, und wozu Klüsmudder nur höhnisch lacht.
Und erst als er sich auf Grund dieser andauernden Mitzersolge so an feine kaputte Matratze gewöhnt hatte, daß er langsam aber sicher in die von seinem Vater ererbte Kuhle hineingewachsen war — da erst hat Amandus den Kamps aufgegeben.
Wenn heute von Matratzen die Rede ist, dann spricht er sogar: „Nichts geht über eine Matratze nach Maß — und nichts ist schlimmer als die zu fest gebuckelten Matratzen ...!" Nicht geschenkt will er heute mehr eine Matratze ohne Kuhle haben!
Und jeden Abend beim Schlafengehen macht der Forstgehilfe Amandus sich jetzt einen Heidenspaß daraus, daß er das Bettlaken über der Kuhle zunächst mal ganz straff anspannt, so daß die Kuhle äußerlich wie weggeblasen ist: dann befiehlt er sich selbst mit militärischer Stimme: „Een, troee, bree — jupp ...!!!" und springt mit haargenau abgepatztem Schwünge so zielsicher ins Bett, daß er genau in die Kuhle zu liegen kommt!
Darin hat Amandus Klüsing von llbberlah mit der Zeit sogar eine Kunstfertigkeit erlangt, auf die er direkt stolz ist. Dreimal hintereinander führt er sein Kunststück unter Umständen vor, wenn er bzw. Klüsmudder guter Laune sind. Niemand hätte das von Amandus, dem ernsthaften, alten Ubberlaher Forstgehilfen mit dem grimmigen Schnurrbart gedacht.
Aber so sind die Menschen: im Dienst alte Schnauzbärte — und zu Hause machen sie Kunststücke im Bett!
Auch Klüsmudder hätte das nicht von ihrem Amandus gedacht. „Lachhaft!" spricht sie nur jedesmal bei seinen turnerischen Bettübungen und sieht sich dieses alberne Tun eines erwachsenen Mannes mit Mitzbillignng an Aber letzten Endes ist auch Klüsmudder froh, daß sie jetzt ihre Bettruhe zurück hat und die nächtlichen Kämpfe aufgehört haben Jetzt kann sie ihrem Amandus wieder einen Holzspan in den Mund fteJen ober ihn aus Spatz am Futze kitzeln bzw. ihm die Bettdecke wegziehen — davon wacht er nicht mehr auf; besonders nicht, wenn er ihr sein Kunststück beim Zubettgehen ausnahmsweise nicht nur drei-, sonder» aus Spaß sechs- und mehrmal vorgeführt hat!
Nie ererbte Bettmatrahe.
Eine heitere Geschichte von Bruno Nelissen-Haken.
Im allgemeinen hat Amandus Klüsing, der alte Forstgehilfe in Ubber- lah einen festen und gesunden Schlaf; Klüsmudder, seine Frau, kann ihn aus Spatz am Fuße kitzeln oder ihm einen Holzspan in den Mund stecken, bzw. ihm die Bettdecke wegziehen — davon wacht Amandus nicht aus; bann schläft er eben mitsamt dem Holzspane bzw. ohne Bettdecke weiter — und über das Füßekitzeln kichert er sogar im Schlafe.
Blotz seitdem er, wegen Kaputtgehens der alten, die von seinem Vater ererbte Bettmatratze vom Kröpelbohn geholt und in Benutzung genommen hat ist es mit Amandus' festem Nachtschlafe aus und vorbei. „So gut erhalten ist sie noch!" seufzt er jeden Abend mißvergnügt: „Wenn bloß die große Kuhle nicht wäre ...I"
„Lachhaft!" meint Klüsmudder: „Amandus fein Vater und Großvater hätten bereits in dieser Kuhle geschlafen, ohne dabei zugrundezugehen — dann würde Amandus wohl auch noch damit fertig werden ...!"
„Du hast gut trillern, Lerche!" stöhnt Amandus.
Seitdem leben Amandus und Klüsmudder in nächtlichem Krache! Gewissermatzen aus Trotz legt Amandus sich zum Beispiel nicht etwa mitten m die Kuhle hinein, wie Klüsmudder ihm dies empfiehlt, sondern sozusagen drumherum, um blotz nicht reinzurutschen. Aber kaum, daß er (legt, kommt ihm die große Unruhe an, daß er entweder einmal kurz mit den Beinen strampeln, ober mit dem einen Fuß auspedden, bzw. ganz schnell einmal geradeaus Hochhopsen muß, wenn er nicht biserig werden will. Bloß einmal umdrehen! denkt er verzweifelt. Und unweigerlich rutscht er bann doch in die Kuhle!
Seit Weihnachten ist das so gegangen, und Amandus weiß ein Lied von ererbten Bettmatratzen zu fingen. Wenn er da so liegt und in die Nacht hinaushorcht, wie der Wind in den Bäumen heult und die Fensterläden klappern — und womöglich fällt in der Waschküche ein Eimer von selber um, oder die Rauchhaube am Schornstein fängt an zu quietschen — dann sieht er das Leben doppelt so trübe an. „Dafür lebt und strebt man nun .. .1" murmelt er trostlos: „Daß man in den Nächten keine Ruhe findet!"
Sogar bei Tage flüstert er seitdem schon manchmal: „Wenn bloß die Kuhle nicht wäre ...!" vor sich hin, so daß ihn schon manche Leute besorgt ansehen.
So gabt das seit Weihnachten, und so wäre es auch noch bis Ostern gegangen.
Aber eines Nachts wacht Klüsmudder davon auf, wie plötzlich neben Amandus' Bett einer mit einem Beil zugange ist. „Schreck, laß nach — da ist einer im Zimmer!" stöhnt Klüsmudder. Es ist aber nur Amandus selber.
„Mandus — was machst du da ... ??" fragt Klüsmudder bange.
Aber Amandus nimmt gerade die große Zimmermannssäge zur Hand und hör» und sieht nichts: „Biest!" knirscht er seine Matratze an: „Aas- komma 't, — jetzt sollst du mich aber mal kennenlernen — dir will ich das ewige Gegenan schon austreiben — verfluchte Matratze!"
„M >ndus, geh in dich — bist du krank?" brabbelt Klüsmudder besorgt. Aber Slim-mbus knirscht nur und weist mit zitternder Hand auf die auf- gehackte Matratze. „Und das mitten in der Nacht!" entrüstet sich Klüsmudder, indem sie ihm das Beil nebst Säge mit Gewalt aus der Hand windet . Kinderkram, Unverstand, nächtliche Ruhestörung, Matratzenverderber — woraufhin Amandus aber auch seinerseits loslegt: „Herzloses, ir-oerftänbiges Weib — welches mit ansieht, wie ihr armer Ehemann nächtlich zum Krüppel wirb — wenn bloß sie selber heil unb weich liegt!" Unb hinterher hat Amanbus lange Zeit seufzenb auf seinem Bettrande aesessen.
Am nächsten Tage bringt er die Matratze nach eingehender Rücksprache mit S'-'lmacher Lührs aber doch ganz richtig in Ordnung, was sogar Klüsm> dber zugeben muß: fest und prall stehen wieder alle Sprungfedern
Bera n «wörtlich vr. Hans Tbhriot. — Druck und Verlag: Brühl'sche Untversitäts-Buch. und Sleindruckerei. R. Lange, Gießen.


