dauern; il est fou!
Herbstzeitlose.
Von Josef Weinheber.
Kränklicher Kelch, fteigft in die Welt, wenn das Jahrblau rauchigem Rot verfällt. Ach, wenn es morgen schneit! Zitternder Hauch I
Zeitloses Leid weiß um Weisheit auch: weiß um letztes Licht, lebt von der Not.
Schicksal schändet nicht: Groß ist der Tod.
Aber Vergängliches gibt schmaler Schönheit Kraft, eh sie ein herbstlicher Stern ewig en trofft,.
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Unruhig traten nunmehr der englische Gesandte und der französische c ® eschäftsträaer näher. „Der Tyrann wird endgültig wahnsinnig geworden i''n", sagte wegwerfend der Franzose. „Dieses Preußen ist e>ne tollwu rge k »leere, die ein Narr steuert. Sie wird bald kentern. Er flüsterte ,^Jch tobe verbürgte Nachricht, daß die Keller des Schlosses in Berlin voll Silberbarren liegen! Dabei bewirtet uns dieser Barbar schlechter a dauern; il est fou!" Seckendorfs, rundum lauschend bedauerte mit Henfter Stimme zum Engländer: „Leider, leider hat sich der Schlagflutz uiiederholt. Die arme Königin. Wird England trauern, wenn Der 6ran- z>'|enhasser stirbt?"
„Wir sind alle sterbliche Menschen In Gottes Hand", antwortete viel- d utig der Engländer. x
. Bösartig betrachtete der Russe die baumlangen Grenadiere mt Den foarfgelabenen Flinten vor ihres Königs Ture, sie sahen Ssährlich, streitsüchtige Puppen.
Eilige Schritte kamen im Gang: ein leichter Tritt klang vor , spornte Sofbatenftiefel traten Den Kehrreim. ,
, ..hat der Prinz die väterliche Kerkerhaft plötzlich vergessen? Er lau 1»?" lispelte der Engländer. Seckendorss antwortete nicht, er sah. Swet
Vater und Sohn.
Von Walter von Molo.
Nur Die dunkeln, kaltwägenden Diplomatenaugen lebten im Antlitz des Trafen von Seckendorfs. Sie glänzten im Kerzenlichte des düsteren Vor- jimmers im Potsdamer Schloß. Schmerzlich senkte der kaiserliche Gesandte «inen tadelfrei gepuderten Kopf, als er mit fünfter Stimme zum diensthabenden Offizier des preußischen Königs sprach:
„Meine Kaiserliche Majestät wird außerordentlich bedauern, die neuerliche Indisposition ihres getreuen Freundes erfahren zu müssen." Settern hrffs lauernder Blick glitt über Die an den Wänden ringsum aufgehängten o(fierten Bilder, auf deren Leinwänden geschmacklos und nüchtern Friedrich Wilhelm seine längsten Soldaten gepinselt hatte. Des Oester- leichers Stimme wurde herrisch. „Melden Sie mich", gebot er. „Seine Königliche Majestät befindet sich vielleicht nicht in dein Zustande, den tief» verehrenden Freund zu empfangen, die .liebste und treueste Seele', wie iod) gestern Seine Majestät mich, huldvollst auszeichnend, zu titulieren j eruhte."
„Es ist königlicher Befehl, außer dem Herrn Kronprinzen niemanden ^orzulassen!"
Unruhig fragend, böse und bestürzt glitt Seckendorsfs Blick vom wider- penftigen preußischen Hauptmann zu des Ministers von Grumbkvw icmeinem Gesicht. „Was heißt das?" Grumbkow fühlte den Vorwurf eines Geldgebers. Er krauste die Stirn und zog den Schurkenmund Irumm. Tonlos, gleichsam vor sich hin, Den anderen zur Vorsicht mahnend, Iprach er: ,Zch höre des Kronprinzen Kutsche!"
Nasse Blätter warf Der Wind an die Scheiben Der Fenster, Die auf »e finstere, menschenleere Straße niedersahen. Seckendorfs befeuchtete seine Ichmalen Lippen; sein Blick sah scheu zur Korridortür. Aus dem Kreise l«t wartenden Diplomaten trat der russische Ambassadeur und erkundigte ich täppisch:
„Was ist mit dem dicken König?"
Seckendorfs bewegte ablehnend Die Achseln, er überlegte feinen Bries »ach Wien, Den er wohl heute nacht noch abschicken mußte. Sonderbar «bärdete sich mit einemmal dieses frischgebackene Königreichlein, über bas tiefer gewalttätige Barbar dort hinter ber Tür regierte. Des Preußen- lönigs Garberobe beftanb aus zwei Hofen unb brei Röcken, aber Die fingen Soldaten feiner Marotte kaufte der knickrige Geizhals und drillte I« wie verrückt. Seckendorffs Hand hob sich sorgenvoll gegen Grumbkow. .Man muß vielleicht auf geistlichen Zuspruch bedacht fein", mahnte er i ilnahmsvoll; der Hofprediger war von ihm darauf vorbereitet, des Königs Seele nach den Wünschen des Kaisers in Wien zu ängstigen. „Wo bleiben He Königin und die Prinzessin ... wenn es mit Seiner Maiestat teurem lmb unersetzlichem Leben tatsächlich schlecht stehen sollte?
„Der König empfängt nur den Kronprinzen", erinnerte Grumbkow.
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geilte.
weitere blaue Riesen marschierten Ins Vorzimmer herein, machken „rechtsum" unb „linksum" und faßten Pofto. Ein Kammerbiener, mit einem Wachslicht in ber Hand, geleitete die kleine zierliche Gestalt des preußischen Kronprinzen. Galant grüßte dessen erhobene Hand die Vertreter der europäischen Großmächte. ,Zch freue mich, edler Freund unb Gönner von Grumbkow, Sie in der Nähe meines Vaters zu finden", sprach Friedrichs helle Stimme zu dem Mann, der ihn verleumdet unb ihm die entehrende Kerkerhaft zu Küstrin verschafft hatte. „Jetzt bin ich beruhigt."
Dem Franzosen schien es, als begleite verächtlicher Spott des Prinzen Rede; doch die döbauche von gestern nacht hatte chn geschwächt, er konnte nichts Schwieriges zu Ende denken.
„Wie portiert sich Eurer Königlichen Hoheit hochliebe Frau Gemahlin?" erkundigte sich Grumbkow unb rieb sich kriecherisch bie Hände. Die erzwungene Heirat des Kronprinzen mit der armseligen Nichte der Kaiserin war sein Werk gewesen! Friedrich lächelte undurchsichtig unb sah zum diensthabenden Offizier. Seckendorfs krümmte sich, ihn übersah der Kronprinz. Friedrich eilte zur Tür, vorsichtig pochte er an. Aus den Zehenspitzen trat er dann in feines Vaters Zimmer. Scheu flackerten vom Luftstoß der Tür, die er sofort wieder hinter sich schloß, die Kerzen im Vorzimmer.
„Parbleu“, lieh sich ber Franzose vernehmen, „biefer kleine Prinz will wohl einen Großen agieren?"
Der Russe lächelte berb. „Mir scheint gar, Ihr habt Angst vor bem Kinb?" — „Herr von Grumbkow", sprach Seckendorfs in großer Besorgnis, „es erregt sicherlich Majestät, in ber Stunde der Krankheit mit dem selbstherrlichen Prinzen, ber ihm (ein ganzes Leben hinburch Kummer bereitet hat, allein zu fein! Meines Kaisers Majestät, bie ben treuen Bunbes- genossen innig liebt, hat ein Recht, Zeuge einer Unterrebung zu fein, bie für die Gesunbheit unseres hohen Freunbes fchäbigenb wirken kann." Grumbkow gehorchte unb schlich feinohrig zur Tür. Seine Hand legte sich auf bie Klinke; er brückte sie nieber, daß ein schmaler Spalt esttstanb. Bier Männer lauschten.
Die spreizbeinig stehenden preußischen Grenadiere senkten feindselig ihre Flinten mit den langen Bajonetten. Der diensthabende Offizier trat vor. „Seine Majestät gab Befehl, daß seine Tür strenge bewacht sei, vor jedermann!" Der Ossizier schloß mit festem Ruck die Tür; Grumbkow lachte. „Es wird Majestät Merger bereiten, was schwere Ungnade für den verantwortlichen Offizier bedeuten kann, erfahren zu müssen", sagte er drohend, „daß Uebereifer sie von ihren getreuesten Freunden trennte." Hochmütig ging er davon.
Nun blieb nur noch das allwissende Loch in der königlichen Zimmerdecke, durch das er niederhorchen konnte. Hurtig lief er die Treppe hinauf.
Unruhig schritten bie Gesanbten hin unb her.
Grumbkow lag in ber Finsternis auf bem Bauch unb lauschte nieber. Nur eine Kerze brannte im einfachen Gemach. Ganz vorn, fern bem erloschenen Kamin, saß im Krankenstuhl Friebrich Wilhelms unförmige Gestalt. Das hollänbifche Linnen seines Hembes an [einem schweratmenden Halse war entzweigerissen. Das faltige Antlitz war gedunsen. Die gichtischen Hände lagen kraftlos auf der abgewetzten Tuchhose, bie mit ben Strümpfen bie wassersüchtige Fleischmasse zusammenhielt. Grumbkow sah, baß ber Sterbenbe redete, doch es war nichts zu verstehen. „Mein Sohn", sprach ber König, stockenb unb keuchenb, „leg Er Sein Ohr an meinen Munb." Rauschendes Poltern, das aus der Mauer kam, schoß zwischen die Worte; bas Dachrinnenwasser kullerte zu sehr. Es regnete braußen. „Hier vermag uns niemanb zu belauschen. Stoß Er aber zur Sicherheit noch einmal mit bem Degen unter mein Bettgestühle!" Der Kronprinz zog blank unb gehorchte.
„Nichts, mein allergnäbigfter Vater unb Herr!"
Friebrich Wilhelms breite Hanb griff nach feines Sohnes fdjmaler Schulter. „Fritz", hauchte er, mit großer Anstrengung. „Es ist Zeit! Die Hundsfötter vermeinten mich verrückt; ich erlaß Ihm das Geständnis, daß Er gleicher Meinung war. Ich bin zufrieden! ... Ich hab' dadurch bauen können! Es darf nur einen Herrn in Deutschland geben! Fritz! Wir steigen auf, wie Oesterreich niedergeht! Fritz, Geiz unb Wahnsinn für qroße Solbaten waren bie Fahnen, bie ich gegen ben Haß bes kaiserlichen Hauses aushängte, um mich vor bem Eingriff ber Mächtigen zu bewahren. Ich bin klargeistig! Ich war's immer! Glaub' Er mir! Statt ber zuge- biaigten zwanzigtausend Soldaten hinterlasse ich Ihm hunderttausend! Wien hätte das nie erlaubt, hätte nicht mein Freund Seckendorfs berichtet, ich spielte als Narr Exerzieren ...Ich hab' den Hund angeführt! Zu spät wittert er den Braten ... Die Landeinnahmen sind verdoppelt. Ich maß Krawatten unb Solbatenröcke mit ber Elle, wenn ich ber Kerls Muskeln prüfte die nun aktiv werden müssen! Müssen! ... Ich hab' alle angeführt, für Ihn!"
In heißer Angst, fragenb und befehlend, klammerte sich der Blick aus bes Sterbenben vorguellenben Augen an ben Sohn.
„Schwör' Er bei Gott bem Allmächtigen, ber bran ist, mich zu richten, baß' Er dem Vaterlande treu fein wird! Wir find ein kleines Land; ich hab' Ihm alles geschaffen, es zu vergrößern! Fritz, räch' Er mich. Versteh' Er wenigstens jetzt, daß ich rafen mußte, als Er mit Wien konspirierte. Als er mich verlassen wollte, um nach Frankreich ober Englanb zu gehen, weil ich so hart zu Ihm war, wie ich sein mußte! Regieren heißt: verzichten auf persönliches Glück."
Der Sterbenbe röchelte.
Nicht leicht Fritz, von allen mißverstanben, verhöhnt zu werben, die Pflicht einsam zu tun, zu wirken, als erlebe man noch bie Folgen feines bahingeopferten Daseins!
Er wirb mir’s im Kugelregen danken! Er muß los, Fritz! Greif' Er den Kaiser an, mit aller Kraft! Er ist hart geworden, Er wird siegen! Ich will's! ...


