fein auf, vor allem aber diejenige, die ich „Die Insel der fünf SDhUtonen Pinguine" nenne, weil sich dort alljährlich zweimal ungeheure Mengen versammeln. Fragt man mich, woher sie denn so genau wissen, wo diese Insel im Weltmeer liegt, dann antworte ich, daß sie es wissen, weil he alle schon dort gewesen sind; sie sind nicht nur in den Erd- oder Sandlöchern geboren, die ihre Eltern dort in den Boden gehöhlt haben, sondern sie kehren Jahr für Jahr immer auf dieselbe Insel, immer zum gleichen Brutplai; zurück. Das ist durch einen beringten Pinguin, über dessen Nest sozusagen Buch geführt wurde, einwandfrei erwiesen: an drei aufeinanderfolgenden Jahren legte er zweimal jährlich feine Eier in demselben Bau. _ , , ... . . s.
3m Februar also und dann wieder im September überkommt die Tiere der Paarungstrieb, und dann schwimmen sie auf und davon, lieber sechs bis acht Wochen erstreckt sich der grosie Wanderzug. Dort strömt aus einer Richtung eine Million zusammen, zwei Millionen vielleicht kommen aus Osten, eine halbe aus Westen — und alle halten in instinktivem Drang auf die Insel zu, die wenn auch nicht ihre eigentlichste Heimat, so doch ihrer aller Geburtsort ist.
Drittes Kapitel.
Die Insel. — Nisthöhlen der Pinguine. — Der Bau. — Innenausstattung. — Ein geknickter Gatte. — Die kalte Pfeife.
Eine kleine Insel ist es, die zweimal jedes Jahr von all diesen Millionen Pinguinen aufgesucht wird, damit sie dort ihrem wichtigsten Geschäft der Paarung und der Aufzucht der Jungen — nachgehen können.
Die tiefliegende Insel, die annähernd die Form einer Schildkröte hat, ist etwa vier Kilometer lang und über zwei Kilometer breit. Es ist ein flacher Felsen, der aus dem Wasser oufsteigt, nichts als ein Felsen, wenn seine Oberfläche auch zum Teil mit einer dünnen Schicht von Erde und Sand bedeckt ist. v
Da die Insel inmitten eines Weltmeeres liegt, das wegen der Unbilden seiner Witterung berüchtigt ist, saßt die Brandung sie gleich einem Gürtel ein, und fast zur Hälfte wird ihre Küste (im Nordwesten) so un- ausgesetzt von schwerer See gepeitscht, dah Schiffe sich dort so gut wie überhaupt nicht nähern können.
Für den Menschen gibt es in der Tat nur eine einzige Landungsstelle, und auch die Pinguine können nur an vier Orten leicht an Land gehen. Die Insel bildet vier kleine Buchten, von denen jede einen Sandstrand hat, und eine davon, di? durch ein Korallenriff halb geschützt ist, bildet einen kleinen natürlichen Hafen, der, ungemein gefährlich für jeden Schiffer, der ihn nicht kennt, dem Kundigen den einzig möglichen Zugang zur Insel bietet.
Es ist nicht leicht, dies« kleine Felseninsel zu schildern, denn hier oder dort weist sie fast jede Art von Szenerie auf, mit Ausnahme von Bäumen, Seen und Bergen.
So etwas wie Hügel gibt es überhaupt nicht; die höchste Stelle erhebt sich tatsächlich nicht mehr als etwa achtundzwanzig Meter über den Meeresspiegel, und frisches Wasser findet man nur in einigen Tümpeln, wo sich der Regen ansammelt. Anderseits gleichen einzeln« Teile der Küste völlig der Küste von Cornwall mit ihren zackigen Fels- rändern; ein Stück weiter ist feiner heller Sandstrand, der es mit der englischen Ostküste aufnehmen kann, und andere Stellen wieder nehmen sich wie winzige Sanddünen aus. Felsplatten gibt es, die durch dis jahrhundertelange Arbeit der Wogen so glattpoliert worden sind, dah ein beschuhter Fuß unweigerlich davon abrutschen muh; es gibt Strecken stachen trockenen Sandes, da und dort von kümmerlichem Buschwerk unterbrochen; es gibt große runde glatte Steinblöcke, wie sie mit Wonne von Kindern — und Pinguinen — erklettert werden; und gibt scharfkantige, zackige Felsen, die nadelspitz am Rande der tosenden See in die Luft stechen.
Der Pflanzenwuchs ist sehr gering: hier und da wachsen ein paar unordentliche windgepeitschte Büsche, nicht mehr als einen viertel, einen halben Meter hoch, auf Flecken erdigen Sandes oder in anderen dünnen Erdablagerungen, die der Regen in Schlamm verwandelt; in der Regenzeit kommt ein bißchen Gras, und gelegentlich blüht Mischen den kleineren Felsen einmal eine Art Zehrwurz. Das Klima ist sehr veränderlich, zuweilen tagsüber unerträglich heiß und dann nachts plötzlich so, kalt, daß ich zwei oder drei Decken brauchte, um schlafen zu können.
Es ist just die Art einsamer Inseln, wie sie die wilden Bögel lieben.
Kormorans, Austernfischer, Möwen, Jbisie und Regenpfeifer sind das ganze Jahr über da. Und auch Pinguine sind immer da — das heißt ein paar, im Verhältnis zu sonst; doch kann man sie nicht zu den ständigen Bewohnern zählen, denn sie kommen nur „vorübergehend zu Besuch".
Mit Ausnahme der paar Stellen, wo der nackte Fels zutage tritt, ist die ganze Oberfläche der Insel mit Löchern gespickt, die oft kaum einen Meter auseinander liegen — den Nisthöhlen der Pinguin«. Ich glaube, man fände, abgesehen von jenen kahlen Felsstellen, keinen einzigen Fleck von dreißig Quadratmetern, der von solchen Nestern oder Bauen frei wäre. Jedes Fleckchen erdigen Bodens, jeder überhängende Felsblock, jede Stelle, wo gegraben werden kann, wird benutzt, und spät Ankommende, die das Pech haben, alle besseren Plätze schon besetzt zu finden, müssen zusehen, was sie aus einer dünnen Erdschicht machen können, die nur eine leichte Aushöhlung zuläßt.
Natürlich sucht sich nicht jedes neue Pinguin-Ehepaar, das auf die Insel kommt, ein neues Nest. Im nächsten Kapitel, in dem ich versuchen will, einige gerade angekommene Pinguine zu schildern, werde ich .zeigen, daß die früher schon Dagewesenen unbedingt zu ihrem alten Nistplatz zurückkehren. Nur Neuankömmlinge, junge Paare, die sich ihren Hausstand erst gründen, wollen natürlich gern ihre eigen« neue Wohnung haben.
Der Hauptzweck beim Nestbau der Pinguine ist. sich und ihre Eier vor Wind und Stürmen zu schützen. Das wird am besten durch unterirdische Baue erzielt. Infolgedessen wählen st« «inen Platz mit möglichst viel sandiger Erde und beginnen zu graben
Dazu legen sie sich hin und scharren mit Füßen und Flossen am Boden, bis ein Stückchen locker genug ist, um sich entfernen zu lassen; dann rücken sie ein wenig vor und fangen an mit den Fußen auszu- schlaaen. Aus solche Art höhlen sie allmählich einen abschüssigen Tunnel bis zu einer Tiefe von dreißig bis neunzig Zentimeter aus, so dah sie sich in der Tat so etwas wie einen offenen Vorgarten nut einem besuchten Haus dahinter geschaffen haben.
Das ist natürlich eine harte Arbeit. Die beiden Pinguine, die sich ae- paart haben, wechseln sich darin ab, damit der eine ausruhen kann, so- lange der andere sich abrackert, und die meiste Arbeit wird des Morgens geschafft, gewöhnlich in Schichten von zwei bis drei Stunden. Jeden Tag gehen sie nach beendeter Arbeit dann zur See hinab, teils um zu fischen, teils um sie zu säubern. Denn während der letzten drei Stunden ist die Erde um den Bau dauernd in die Höhe geflogen, und ein gut Teil davon haben die-Handwerker abbekommen — da laßt sich denken, in welchem Zustand sie sind und wie chr schwarzweißes Gefieder von Sand und Erde starrt. Doch ein Bad wirkt Wunder, und bald sehen die Arbeiter wieder anständig aus.' v ..... |
Ist der Boden hart, dann kann es tagelang dauern, bis eine Nisthöhle ertiq ist Aber ganz weicher Sand kann (wie jeder weiß, der versucht hat, n den belgischen Sanddünen Schützengräben zu bauen) noch schlimmer ein weil die Seitenwände einbrechen. Ich beobachtete ein Pinaumpaar, jas” auf diese Weife eine ungeheure Müh« hatte, da das am Tag« gegrabene Loch sich bei Nacht immer wieder halb füllte. Zehn Tage lang sah ich die beiden Tiere unermüdlich Weiterarbeiten, bis ft« schließlich an einer sechs Meter vom Ausgangspunkt entfernten Stelle ankamen, um vielleicht schließlich nur auf harte Felswand zu stoßen.
Oftmals hätte ich gern den kleinen Kerlen gezeigt, wie man eine Wand abfprieht; da ich aber zweifelte, ob die Unterweisung ihnen wirklich Nutzen bringen würde, begnügte ich mich damit, an einer andern Stelle, wo der Boden so hart war, daß die grabenden Pinguine ihn kaum auflockern konnten, mit dem Spaten nachzuhelfen. Es war komisch — und auch ein wenig rührend — zu sehen, wie sie das zu würdigen wußten. Solange ich grub, traten sie beiseite und sahen zu; doch im Augenblick, wo ich auf« hört«, nahmen sie ihre Arbeit mit frisch beflügelter Hoffnung wieder auf und warfen emsig die ganze Erde heraus, die ich aufgelockert hatte.
Eines Tages kam ich auf den Gedanken, daß es interessant fein müßte, Pinguinphotographien aus Bodenhöhe zu machen. So grub ich em J)n>el Quadratmeter großes und entsprechend tiefes Loch in den Boden. Etwa ein Dutzend Pinguine tarnen heran, um sich den Vorgang anzusehen, stellten 'sich am Rand der Grube auf und beobachteten mich mit Dem größten Interesse. Ich hörte förmlich, wie [te zueinander sagten: „Aha, jetzt gräbt sich das sonderbare Geschöpf also doch endlich selber em Nest!
Zwei Tage später entdeckte ich, dah sie eine der steilen Wände der Erdgrube in eine schief« Ebene verwandelt hatten, so daß nun ein bequemer Weg hinein führte; in der einen Ecke hatte sich bereits ein Pinquinpaar in Erwartung des Eis, das wenig« tage darauf eintraf, häuslich eingerichtet. Und ich kann nicht leugnen, daß die Pinguine meine Grube, obwohl es an sich wirklich eine sehr feine Grube war, vom Wohnstandpunkt aus unbedingt verbessert hakten.
Das Höhlen von Erdlöchern ist auf der Pinguininsel bei weitem die verbreitetste Methode, sich ein Heim zu schaffen, aber dennoch möchte ich nicht ohne weiteres behaupten, daß das, was dabei herauskommt, als das idealste Heim betrachtet wird. Da es vor allem auf ein wind- und roetter- seftes Obdach ankommt, kann es wohl keine ander« Brutstätte mit einem felsüberdachten Nest aufnehmen, und ich denke mir, daß die Pinguine, die fo glücklich waren, unter einem Steindach Unterschlupf zu finden, den Neid aller übrigen erregen. Solch llberhängende Felsstücke sind Verhältnis- mäßig selten; aber hier und da stößt man wie an allen felsigen Küsten auf breite Steinplatten, die durch den ewigen Anprall der Wogen von unten her ausgehöhlt worden sind, fo daß sich eine lange, stäche offen. Höhle gebildet hat. An jeder derartigen Stelle kann man sicher fein, rnehiere Pinguinfamilien zu finden. Am Boden haben sie die Erd« muldensörmig beiseite gekratzt, und das ist dann das Nest, das der überspringende Felsen in jeder Weise schützt.
Dann gibt es auch ein paar Felsen, die die Hand der Vorsehung quer über andere Felsen gelegt hat, wodurch äußerst einladende Pinguinhäuser entstanden sind. Und gemütliche Rundlöcher, vom Wasser in flache Steinplatten gehöhlt, gehören gleichfalls zu den begehrenswertesten Wohn- ftätten.
Manche Vögel graben sich im offenen Lande flache Löcher, die von oben keinerlei Schutz haben. Solche Nester gehören aber wohl den Eheneulingen und werden kaum ein zweites Mal benutzt, west ihre Bewohner während der heißen Sommertage sicher ungemein unter der Sonne zu leiden haben.
Ich habe Löcher gesehen, die genau wie die Stockwerke eines Ha ist es übereinander in den Felsen lagen; nur ganz schwach ausgehöhlte Löcher unter schützenden Büschen; ein Nest lag so in einen vorteilhaft gewachsenen Strauch eingebettet, daß Graben überhaupt nicht nötig gewesen war; ein Bau hatte den besonderen Reiz, außer dem Vordereingang auch eine Hintertür zu besitzen.
Kurz jede erdenkliche Baumethode machen sich die erfindungsreichen Pinguine zunutze.
Ist das Nest als solches fertiggestellt, dann gilt der nächste Gedanke der Inneneinrichtung. Da alles an Ort und Stelle fabriziert ist, herrscht keine große Abwechslung. Zunächst legt jeder Pinguin, der etwas auf sich halt, ÜBert auf einen anständigen Fußboden. Dazu werden Hölzchen jeder Art verwandt. Wie ich schon sagte, ist die Vegetation aus der Insel sehr spärlich — aber der Pinguin ist, wie ich ebenfalls sagte, äußerst erfindungsreich. Wo es geht, holt er sich Zweige und Wurzeln von den Sträuchern. Lebt er in einer gebüschlosen Gegend, dann merkt er bald, daß Seetang einen guten Ersatz abgibt. Und als letzter Ausweg dienen die trockenen strohigen Gräser, die während der nässeren Jahreszeit dünnverteilt aus der Insel sprießen.
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