Ausgabe 
10.9.1937
 
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Verantwortlich: Dr. HanS Thyriot. Druck und Verlag: Vrüh Ische Universitätsdruckerei R. Lange, Gießen.

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Wir wissen: ohne König Ludwig gäbe es heute kein Bayreuth. Sein tiesinneres Einfühlen in das Werk Wagners enthüllt der Briefwechsel. Hier stehen wir begreifen, aus welchen romantischen Regungen in erster LinieLohengrm" undTristan". Wie Adols Hitler durch eine Lohengrin"-Aufführung den Weg zu dem Bayreuther Meister fand, so auch König Ludwig durch das gleiche Werk. Enthusiastisch übersteigert sich sein Entzücken nach der Uraufführung desTristan". Es mag richtig sein, daß König Ludwig im Grunde kein ausgesprochen musikalischer Mensch war. Sein Weg zu Wagner kam von dessen Dichtung her. Auch später, z. B. nach der Uebersendung desParsisal"-Buches, fühlte sich der König von der Dich« tung besonders angezogen.

Der König ist in fast allen seinen Briefen der Wagner zum Vollenden seiner Werke Drängende. Unvermindert ist seine Anteilnahme an Wagners Tagesverlauf. Eingehend erkundigt er sich nach der Familie. Mehr noch als dieMeistersinger" oder derRing" ist dem König das Bühnenweihespiel ans Herz gewachsen. Er wird ja selbst im engsten Kreis Parzifal genannt, und wenn er schließlich zu der ersten Ausführung doch nicht nach Bayreuth kam, fo liegen die Gründe in seiner immer stärker in Erscheinung tretenden Menschenscheu. Schon sein Kommen zurRing"-Aufführung nach Bayreuth vollzieht sich unter merkwürdig anmutenden Abwehrmahnahmen gegen« über den zu erwartenden Fürstlichkeiten und Volkshuldigungen. Er schreibt, er wolle mit seinenabgeschmackten fürstlichen Collegen" unter keinen Um­ständen im Festspielhaus zusammentreffen. Bei LudwU gibt es kein Ver­steckspiel, er ist Wagner gegenüber von einer erstaunlichen Offenheit. Urteilt er schon scharf und treffend Über seine Umgebung, über die politischen Zu« stände in Deutschland, über die Lenker anderer Staaten, so scheut er nicht einmal davor zurück, die geistige Einstellung seiner Mutter dem Meister gegenüber zu beleuchten. , ,.

In dem vielfachen Auf und Ab dieser einmaligen Freundschaft besticht den Leser immer wieder die Tatsache, daß der König in Wagner jebetjew den Gleichberechtigten erkennt. Ludwig, erfüllt von seiner königlichen Wurde, forderte auch von seinen Verwandten Respektierung; Wagner allein stano er rein menschlich gegenüber. Der Meister nahm eine vollkommene Uus« nahmestellung ein. So trägt der Briefwechsel einen freien, offenen Zug, Mensch spricht zu Mensch, jeder den anderen zutiesst verstehend.

König Ludwigs Freund schaff mit Richard Wagner.

Von Ernst Stolz.

Der seit Jahrzehnten die Freundschaft des Bayernkönigs Ludwig II. mit Richard Wagner umhüllende Schleier ist nun verschwunden. Der umfangreiche Briefwechsel zivischen den beiden außergewöhnlichen Persön­lichkeiten, der jüngst vom Verlag G. Braun, Karlsruhe, in vier Bänden der Oeffentlichkeit Übergeben wurde, hat das Geheimnis gelüftet. Was wir bisher von dem fast zwei Jahrzehnte umfassenden, trotz mancher Fährnisse bis zum letzten Atemzug des Meisters dauernden Freundschaftsbunde wußten, stützte sich einmal aus einige, teilweise ungenau und unvollständig wiedergegebene Briese, zum anderen auf zeitgenösfische Darstellungen, vor allem des bewährten Sebastian Röckel (Ludwig II. und Richard Wagner"). Eindringlicher als jede Darstellung von dritter Hand, als jede Biographie wirkt das persönliche Zeugnis, wie es ungeschminkt und lebendig in den 183 Briefen, zwei Gedichten und 85 Telegrammen des Königs, in den 258 Briefen, vierzehn Gedichten, vier sonstigen Schreiben und 70 Tele­grammen Wagners dem Leser entgegentritt. Dem 597 Dokumente umfassen­den Briefwechsel (19 Urkunden sind verlorengegangen, auf ihr Vorhanden­sein können >vir vielfach nur durch Bezugnahme in Briesen schließen) sind noch sechs schriftliche Beilagen Wagners, ein Bries des Königs an Frau von Bülow und in großem Umfang den vierten Band füllende weitere 209 Dokumente beigegeben, darunter 70 bisher unveröffentlichte Briefe und Telegramme Wagners an seine Gattin Cosima und seine Freunde, ferner 100 bisher ungedruckte Briefe und Telegramme anderer mit dem König und Wagner in engster Verbindung stehender Personen, wozu noch die Veröffentlichung der Tagebuchaufzeichnungen Wagners kommt, die Über die Entwicklung seiner Beziehungen zu Cosima von Bülow, sowie

da ich die unerträglichsten Folgen voraussehe zwar nie in Unmuth Ver­salien, doch müßte ich auf lauge Zeit vor Ihnen verstummen ..." Die ein- getretene halbjährige Pause im Briefwechsel zeigt merkbar die Verstim­mung auf. Sie wird auch in diesem Fall vom König gelöst durch ein aus­söhnendes Schreiben:Wenn die Umstände, welche die Aufsührung Ihrer letzten Werke begleitet haben, auch nicht in Ihrem Sinne waren, Sie Groll und Unmuth in Ihrer Seele gegen mich vielleicht empfinden mußten, so beschwöre ich Sie, mir zu vergeben, meiner Begierde, meinem sich stets steigernden sehnsüchtigen Verlangen nach dem Bekanntwerden mit den letzten Schöpfungen Ihres großen Geistes bas Uebertreten Ihres Gebotes

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über sein Verhältnis zu Hans von Bülow und Fran» Liszt neue Auf. schlüsse bringen.

Aus der Fülle der Erscheinungen tritt durch Oteien Äriepocchiet uuo Die zahlreichen vom Herausgeber, dem Bayreuther Archivar Dr. Strobel, beigefügten Erläuterungen und Fußnoten das Verhältnis des Königs zu Richard Wagner in die erste Linie. War es bisher in gewissen Kreisen üblich, in ihm immer noch die überspannte Verbindung eines phantastischen jungen Königs mit einem exzentrischen Genie zu sehen ober im Ueberschwaug des gegenseitigen Verkehrs beider Freunde, vor allem in den Briefanreden des Monarchen an den Meister, eine unnatürliche Grundlage zu suchen, so muß nunmehr der letzte Widersacher die Massen strecken vor dieser hohen idealen Freundschaftsauffassung, die den König in eine besondere, ja ab- gesonderte Welt trug und ihm gerade deshalb das Festhalten an dem Freund­schaftsbündnis ost recht erschwerte. Wie innerlich gebunden der König zu Wagner und zu seinem Werk stand, ist als unwiderlegliche Tatsache aus dem Briefwechsel herauszulesen. Als Wagner nicht ohne eigene Schuld schließlich dem gegen ihn veranstalteten Treiben weichen und München verlassen mußte, war der Königim Innersten gebrochen", und es ist gewiß, daß sich damals der erste leise Schatten in des jungen Monarchen empfindsames Gemüt senkte. Wenn er in seinen Briesen an Wagner in jener ausgewühlten Münchner Zeit den besten Willen bekundet, gegen die Widersacher anzu- kämpfen und sie niederzuringen, so war er zuletzt den festsitzenden, selbst von der Königin-Mutter unterstützten Personen seinerKabinettsbedienung" nicht gewachsen. Die Akten über den Staatsrat von Pfistermeister und gegen den Herrn von der Pfordten, der in brüsker Weise die Verbannung Wagners erzwang, werden durch den Briefwechsel endgültig geschlossen.

Des Königs Freundschastssinn, sein Wissen um den ihm zur Lebens- aufgabe gewordenen Bund gibt ihm zu jeder Zeit die Bereitschaft, auf­tretende Verstimmungen wieder zu löschen. Nicht immer wurden die Gründe zu solchen Verstimmungen von außen hereingetragen, vielfach erwuchsen sie dem Freundschaftsverhältnis selbst. Die erste Spannung ergab sich, als Richard Wagner gezwungen war, dem König seine Beziehungen zu Frau von Bülow zu verheimlichen. In Wagners Briefen an Ludwig spiegelt sich deutlich die ihn zu jener Zeit bedrückende Gewissensnot wieder. Die srüher da und dort zum Ausdruck gekommene Meinung, Eisersucht hätte den König zu seiner zurückhaltenden Einstellung nach Enthüllung des Geheimnisses veranlaßt, wird durch den Brieswechsel schlechthin widerlegt. Der Ton des Königs Frau Cosima gegenüber ist jederzeit ein herzlicher und aufrichtiger, so daß Eifersuchtsanwandlungen als ausgeschlossen gelten müssen. Der Grund der Verstimmung des Königs gegen Wagner lag allein in der Er­kenntnis, daß nicht aufrichtig an ihm gehandelt worden war.

Eine weitere, nicht beim König, vielmehr bei Wagner sich zeigende tiefergehende Mißstimmung entsprang dem künstlerischen Stolz des Meisters. Bekanntlich waren auf ausdrücklichen Willen des Königs die ersten Aus­führungen vonRheingold" undWalküre" im Münchener Hoftheater erfolgt. In unverhohlener Weise gibt Wagner darüber seinem Unmut Ausdruck. In einem seiner Abwehrbriefe an den König heißt es:Können oder wollen Sie meiner Bitte keine Gewähr schenken, so werde ich,

aufzuschließen, wiewohl sie im ganzen ein westlich-südliches Antlitz tragt und, bayrisch erst seit etwa himdertzwanzig Jahren, mit ihrer größeren geschichtlichen Gravitation nach Mainz hinüberweist. Die wohlerhaltene Verbundenheit der Stadt mit iich selbst von Haus zu Haus erhebt sich nicht leiten zu besonderer Kraft der Erscheinung: im alten Rathaus etwa, in Kirchen, am allexmeisten in der Stistskirche, die aus dem Scheitel der "ärgerlichen Siedelung angeietzt wurde, als das Abendland noch rom'n ich baute. Rundbogig ruht die Säulenhalle, die über der Freitreppe zum Sn gang leitet und den Weg der Andächtigen säst klösterlich beschirmt; roma ti'd) steht das Innere nur eben leider mit einer Decke aus späterem, nicht ii hr gleich ernst, gleich groß gestimmtem, gleich verpflichtendem Jahrh infcert überwölbt; romanisch verharrt die eingezogene, der Welt entfremdete Frömmigkeit des angeschlossenen Kreuzgangs, der zu den allerschönsten in Deutschland zählt zum wenigsten dank der vollkommenen Konzentration und Ruhe des örtlichen Geistes, den man nicht mit dem NamenStimmung", sondern mit dem NamenSeele" recht bezeichnet. Die Kirche ist von Gotik und Renaissance zwar mit kräftigem Auftrieb überfangen worden, doch ist^es kaum zu verkennen, daß ihre romanischen Elemente ihre schönsten find. Allein man darf schließlich auch nicht ver­gessen, daß diese Kirche eines der leidenschastlichsten, der radikalsten, der großartigsten Bilder des Grünewald besitzt: die Predella mit bet Be­weinung des Herrn. Es ist das Bild, in dessen grünewaldische Traurigkeit die beiden gefalteten Muttergotteshände herabgetaucht find wie in eine starrgewordene Flut des Schmerzes. Die Hände allein; denn von der Mutter- Gottes ist sonst nichts zu sehen. Es ist das Bild, das immer wieder unbegreif­lich wird. Hat es je und je diesen Zuschnitt gehabt? Ist es später zu dieser Gestalt verkürzt worden? Man möchte selbst der alles wagenden Originalität des Genies die Absonderlichkeit dieser Komposition nicht zutrauen und doch wird sie auch wieder für Sekunden vorstellbar; nicht davon zu sprechen, daß alles Beiwerk (etwa das Wappenwerk) in der Haltung zu dieser Komposition zu stimmen scheint.

Mit einem scheidenden Blick auf den Stiftskirchenplatz, der von der Kirche selbst, den einigermaßen an den Erfurter Dom erinnernden Frei­treppen und den Häusern umher auf eine ideale Weife besiedelt und besetzt ist, wird das letzte aber noch nicht einmal getan sein. In Aschaffenburg, am Rand der Altstadt, werden noch die stillen Anlagen eines Hofgartens gefunden, der Schöntal heißt. Draußen aber, vor der Stadt, besitzt Aschaffen­burg, ob es auch selbst schon, als Ganzes, die Sommerresidenz der Mainzer Herren gewesen ist, noch ein eigenes, besonderes Nymphenburg oder Sanssouci, ein Monrepos, eine Solitude, ein Versailles ä part: es ist der Park von Schönbusch mit den darin reizend ausgestreuten Sommer­schlößchen. Eine wohlgesetzte Allee aus Linden und Akazien führt den Fuß­gänger erquicklich hinaus. Ein englischer Garten nimmt ihn auf ein Park von unsagbarem, von ganz besonderem Scharm. Es wäre nicht genug, zu sagen, daß er jenen doppelten Zauber englischer Gärten des achtzehnten Jahrhunderts besitze jenen Reiz, in dem Natur und Kunst zusammen­wirkend ein Drittes hervorbringen, das in seiner Ausgeglichenheit weder Kunst noch Natur ist und doch von beiden das Schönste besitzt, nämlich das Märchen. Es wäre nicht genug, zu sagen, daß man in diesem kleinen Park so entzückt umhergehe wie in dem köstlichsten aller vergleichbaren Gärten, dem von Schwetzingen. Vielmehr ist im Schönbusch etwas Ein­maliges. Und dies Einmalige, sowohl bedeutend als auch intim, besitzt in der Tat eine besonders starke Magie. Es läßt sich vorstellen, daß Wieland und Schiller an dieser Stätte Dalbergs Gäste gern gewesen sind.

Der Weg zum Bahnhof soll noch einmal durch den Garten des großen Schlosses führen. Man tritt ein aber am anderen Ende ist der Ausgang gesperrt. Was tun? lieber das Gitter klettern? In diesem Augenblick kommt ein Aschaffenburger Bürger daher. Er erkennt die Verlegenheit. Er zieht einen Schlüssel aus der Hosentasche; et sperrt das Tor auf. Die Aschaffen­burger Bürger haben alle einen Schlüssel zum Schloßgarten, und sie können den Garten betreten, wann sie mögen I Bedurfte es noch einer liebenswürdigen Einzelheit, um mich in allen Fasern zu einem Bewunderer und Freund dieser schönen Stadt zu machen, so war es dieser Schlüssel in der Tasche des Bürgers dies Stückchen vertrauender menschlicher Ueberlieferung.

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