Ausgabe 
10.5.1937
 
Einzelbild herunterladen

Mai.

Von Josef Weinheber.

Die Schwalbe flitzt im Sonnenglast, der Brunnen rauscht dem jungen Gast, der Zeiger an der Sonnenuhr malt an die Kirchturmwand die Spur. So wächst das Jahr mit Lust und Mühn: Sankt Urban, laß die Reben blühnl Schon rührt sich neu der Wein im Faß, Die Quetsche tönt zum Kirmesbaß, sind erst vorbei die strengen Herrn Pankraz, Servaz, dann tanzt man gern, wo auf dem Platz der Maibaum steht, dem süßer Wind die Bänder dreht.

Oer Dichter Herybert Menzel.

Bon Hanns Arens.

Tirfchttegel, Landschaft und Stadt an der Grenze der Kurmark gegen Osten. Stadt im Grenzland. Harte, fleißige Menschen leben hier, Menschen, denen stets bereiter Einsatz für ihr Deutschtum höchster und stolzester Sinn ihres Lebens ist.

Hier ist die Heimat des jungen Dichters Herybert Menzel, den wir seit einer Reihe von Jahren zu den zielbewußtesten nationalsoziali­stischen Dichtern zählen. Hier ein paar Zeilen von ihm selber:Geboren wurde ich 1906 zu Obornik, im jetzt entrissenen Osten. Ich wuchs auf in der kleinen Stadt Tirschtiegel. Mein Vater blättert in alten Akten und gräbt das Lebendige aus, er ist Heimatforscher. Während der Grenzkämpfe war ich ein Knabe noch. Tirschtiegels Männer kämpften verbissen. Vor die langen Gräberreihe führe ich die Jugend, die aus dem Reich zu uns kommt. Für Deutschlands Erwachen durfte ich als SA.-Mann kämpfen, der ich heute noch bin. Als Schriftsteller bin ich meiner Heimat Melde­gänger. In meinen Sagen und Balladen fuche ich den Auftrag zu erfüllen, den sie mir gab."

Es ist nicht allein der Dichter, dem wir in besonderem Maße unsere Anteilnahme schenken, sondern auch der Mensch Menzel, der gute Kamerad, als den wir, die öfter mit ihm Zusammentreffen, kennengelernt haben. Ja, er will uns als der vorbildliche Kamerad erscheinen, einer, der die Kameradschaft lebt, als Mensch, Dichter und SA.-Mann. So war es ihm auch ganz selbstverständlich, seinem neuen Versband den Titel Gedichte der Kameradschaft" zu geben, genau so selbstverständlich, wie er ein früher erschienenes GedichtbuchIm Marschschritt der SA." nannte. Aus denGedichten der Kameradschaft" hier eine Probe:

Wenn einer von uns müde wird, Der andre für ihn wacht.

Wenn einer von uns zweifeln will. Der andre gläubig lacht.

Wenn einer von uns fallen fallt, Der andre steht für zwei.

Denn jedem Kämpfer gibt ein Gott Den Kameraden bei.

In den Gedichten Menzels liegt die ganze Fülle und Zuversicht der deutschen Jugend beschlossen. Bei keinem anderen Dichter aus seinen Reihen spüren wir dies so klare und im höchsten Sinne Einfach der unbedingten Hingabe an eine Idee und Ausgabe. Ein tiefer Ernst beherrscht den Rhythmus aller seiner Gedichte. So wie ihm Eitelkeit der eigenen Person fernliegt, so selbstverständlich vermeidet er jede leere Phrase. Wer Menzel kennt oder ihn hat lesen hören, der weiß, wie einfach und ohne Pose sein Wesen ist. Und wie der Mensch, so sind seine Dichtungen.

Wir schreiten ernst, wir schreiten still, Es weiß das Herz, wohin es will. Der Weg ist hart, der Weg ist weit. Wir schreiten in die Ewigkeit

heißt es in seinem schönen GedichtVolk auf dem Wege".Die Gedichte der Kameradschaft" sind in ihrer Art wohl mit die besten Verse, die von jungen Dichtern geschrieben wurden. Sie werden von aller Jugend, die Gedichten und Liedern zugeneigt ist, gelesen werden. Das Schöne und immer Beglückende an Menzels Gedichten ist, daß sie von jedermann verstanden werden. Alles, was der Dichter sagen will, versucht er auf die nun einfachste Weise auszudrücken. Er will verstanden werden, in jedem Satz, in jedem Wort. Diese Einfachheit ist zugleich höchste dichterische Konzentration. , . ....

Außer mit seinen Gedichten wurde Menzel bekannt durch seine schonen drei großen Kantaten, die durch den Rundfunk vor allem weiten Kreisen zugänglich wurden. Es sind dies:Das große Gelöbnis",Die große Ernte" undIn unseren Fahnen lodert Gott". Sie zeugen von der Kraft und dem Glauben einer Jugend, deren leuchtende Vorbilder Horst Wessel und Schlageter sind.

Wenn wir nur brennen!

Dann sind wir schon den Ewigen gesellt.

Alles Lebendige leuchtet, Und nur die Äsche zerfällt.

Herybert Menzel ist nicht nur Lyriker; sein erstes kleines Prosabuch (in dem sich auch Gedichte und Balladen finden) heißt:Der Grenzmark- Rappe", von dem jetzt eine zweite Auflage erscheint. Aus diesem kleinen Buch spricht die ganze schmerzhafte Liebe des Dichters zu ;emer viel- umstrittenen Heimat; in ihm offenbart sich zugleich die starke, land­schaftlich betonte Seite seines Wesens. Eine große Liebe zu feiner grenz­märkischen Heimat ist in Menzel; ihr Schicksal ist das seine:Unter dem östlichen Himmel in der weiten Landschaft der Grenzmark Posen-West- preußen ist viel Einsamkeit, nicht so nachbarlich wie anderswo rucken die

Gehöfte zusammen, in den Hauländereien muß man schon ost weit aus» s)»ähen, um den Nachbarn zu finden. Hierher kamen die Vordern einst als Kolonisatoren, rodeten den Wald, schufen den Acker ums Haus aus Bruch und Moor, jeder für sich, so blieben sie", sagt der Dichter einmal in einer kleinen Heimatbetrachtung.

Davon lesen wir imGrenzmark-Rappen", davon handelt auch fein schon 1933 erschienener RomanUmstrittene Erde", das erste große Prosabuch Menzels. Eine vergangene Literaturkritik hat diesen Roman totzuschweigen versucht, aber er drang dennoch durch, er fand hin zu den Menschen, weil die Stimme, ja der Schrei in diesem Buch zu mächtig war, zu sehr erregt von Not und Leid. Wer will es dem jungen Dichter ankreiden, daß er mit 25 Jahren noch nicht in allen Teilen die reine Form sand? Wer will die gelegentlichen Unbeholsenheiten der Sprache, der Handlungsführung bemängeln, angesichts der mutigen und leidenschaft­lichen Haltung, die aus diesem guten und wesentlichen Buche spricht? Wir wollen uns freuen, solche Dichter unter uns zu wissen; wir wollen solche Bücher begrüßen, zumal es der unwesentlichen Unterhaltungsromane ohnedies zuviele gibt. Und Menzel ist keinUnterhaltungsromanschrift­steller". Er kennt nur ein Ziel, ihn beherrscht nur ein Gedanke: leben und kämpfen für Idee und Gestalt des Nationalsozialismus. Er weiß als Dichter und Mensch um die Pflicht seines jungen Lebens, um die harten Forderungen des neuen Reiches, dessen glühender Diener er ist!

Was morgen wird.

Das können wir nicht wissen, Uns ist der Blick Fürs Große aufgetan. Wieviele auch ins Dunkel fallen müssen, Wir alle sahen Doch das Ziel der Bahn. Was morgen wird. Das wollen wir nicht fragen, Was unser Führer Von uns fordert, gilt. Er ist der Weg, der Sturm, Das große Wagen, In feinen Augen glänzt Uns Deutschlands Bild.

Oas Gesicht meiner Heimat.

Von Herybert Menzel.

Wenn mich der Reiher erspäht aus dem Schilf eines Seenrandes, wenn ich allein ihm so nahe kam wie nie mit anderen Menschen, wenn unser Herz schlägt, meins wie das seine, hier in der Landschaft der Seen und stillen Wälder, oh, dann bitte ich ihn: bleib und vertraue mir, mir wie dir ist dies Heimat. Aber nun hebt er sich aus mit breitem Flügel­schlag und fliegt dahin in silberner, schlanker Schönheit, ein Traum, den Inseln zu, auf denen er horstet. So ergeht es mir mit den Kranichen auch, die noch viel scheuer sind. Doch ich treffe sie immer wieder so. Bisweilen auch fliegen sie, viele silberne Pfeile, über die Wälder und ©een, die noch verborgen find.

Unsere Landschaft die Landschaft der Grenzmark Posen-West- preußen ist scheu. In der Geschichte lebt sie so dunkel fast wie in der Sage. Die Chronisten beginnen erst. Und nun in jüngster Zeit erst häufig läßt sie uns Funde tun, in Urnen und Gräbern der Vorfahren, die uns wie Grüße sind von den Goten und anderen Germanenftämmen, die vor Jahrtausenden hier lebten. An einer der Netzebrücken steht ein steinerner Ordensritter auf Wacht. Und auch das Standbild Friedrichs des Großen ist mehr denn Stein. Wir aber, hart an der Grenze, haben es nahe zu den Gröbern derer, die unserer Heimat sich opferten, nach dem Weltkrieg noch, als hier der Grenzkampf entbrannte, der uns so vieles dann nahm.

Don der Zeit sind wir noch heut überschattet. Und ein jeder verspürt es wohl, der zu uns kommt.

Dies ist die Landschaft der Mütter, die ihre gefallenen Söhne in Nächten rufen hörten und während des Kampfes noch suchen gingen und zurücktrugen in die Stadt.

Langsam gehen die Menschen durch ihren Tag, aber sie wissen von draußen und drüben jenseits der Grenze. Sie sind zumeist Bauern und Ackerbürger. Sie tragen ihr Grenzerschicksal, ihre Heimat ist mehr für sie als nur Erde, die bebaut sein will, und sehen sie Wolken und Sturm auf­steigen und näher grollen, so ist das Erinnern in ihnen daran, wie oft sie hier standen und ein ander Wetter düster heranzog für eine ganze Welt. Sie tun ihre Pflicht, aber sie fühlen sich zu mehr verpflichtet, sie erfüllen ihr Leben, aber es gehen mit ihnen die Vorderen, und es ver­langen alles von ihnen, die nach ihnen kommen.

Sie sind arm, die hier wohnen, aber sie sind nicht bedürftig. Sie sind wach, aber sie sind auch von einer offenen Herzlichkeit. Gern sehen sie Gäste, und dann sind sie schon fröhlich mit ihnen und humorig. Sie erfuhren von dem Farbenspiel des Himmels und den vorüberziehenden Wolkengebilden Tieferes und Gültigeres als die in den großen Städten von allem bunten Getriebe. Weist wissen sie auch vom eigentlichen Leben mehr, denn sie sahen länger und klarer in alte und junge Herzen. Einer, der Weiden schneidet und bindet und Körbe flicht, hat auch mehr Zeit, alles recht zu besinnen. Sie machen sich nicht kleiner als sie sind vor den Fremden; darum, glaube ich, ist es gut, mit ihnen zusammenzukommen.

Die Landschaft ist nirgends trostlos, wie man vielleicht denkt, auf den weiten Feldern stehen noch immer Büsche und Bäume mit sehr eigenen Gesichtern, und am Horizont dunkelt immer der Wald, die Landstraßen sind noch selten erst Chausseen; wenn in den Sandwegen, wo die Kraft­wagen steckenbleiben, so offenbart sich in dem lächelnden Gesicht des Bauern, der dazu kommt, die ganze Verschmitztheit der Landschaft, die sich noch immer nicht ganz erobern liefe; sie mufe auch erst eigentlich noch entdeckt werden in ihrer Schönheit und Fruchtbarkeit.