Ausgabe 
9.7.1937
 
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Von Josef Weinheber.

Kornblume blau, Mohn flammig rot: Im Mittag rauscht das heilige Brot. Die Linde schneit, die Wachtel schlägt, der Bauer bang das Wetter wägt. Die erste Birn bricht Margaret, drauf überall die Ernt' angeht.

Im Schatten steht der Schnitterkrug, die Magd geht mit dem Ochsenzug. Der starke Leib, die schwere Fracht: Im fernen Land ein Donner kracht. Mög' uns der Himmel gnädig sein Sankt Jakob, Dank! Das Korn fährt ein.

Schön ist die Jugend...

Eine Erzählung von Otto Doderer.

Drei junge Leute Timm, Werner und Rolf hatten plötzlich den Zinfall gehabt, einen Wochenend-Ausslug in den Rheingau zu machen.

Am späten Nachmittag saßen sie auf einer der Hotelterrassen am Rheinufer in Rüdesheim und waren noch unschlüssig, ob sie die Nacht hier verbringen sollten. Als aber von Laube zu Laube die Tischlämpchen »rannten und die ganze Rheinfront des Städtchens wie illuminiert war, »ogte der Rhein doch so in ihnen, daß sie keine Ruhe zum Bleiben »allen. Sie wanderten weiter stromaufwärts, bis sie nach etwa zwei Stunden in den mit modernen Bequemlichkeiten ausgestatteten alten ^achwerkbau eines Gasthauses traten, über dessen Tür ein goldener Schwan glänzte, und mieteten sich dort ein Zimmer für die Nacht. Das Wasser rauschte vor ihren Fenstern, die Sterne schienen in ihre Betten, und so sanken sie bald in einen zufriedenen Schlummer.

Am frühen Sonntagmorgen wurden sie geweckt durch Paukenschläge und schmetternde Blechmusik und sahen, als sie hinter die Vorhänge prangen, noch die letzten Gehröcke und Zylinder eines Umzuges, der in dem Haus vorbeigekommen war. Auch die Girlanden an den Nach- arhäusern und der Triumphbogen an der Straßenecke verrieten, daß > i e zu einem Festtag des Dorfes zurecht gekommen waren.

Am Nachmittag beschlossen sie, an dem Fest teilzuhaben, und gingen i i ad) einem Bummel über den Festplatz in die Winzerhalle, wo am i neiften junges Volk hineindrängte, um zu tanzen. Timm und Werner > fühlten sich gleich heimisch in dem Trubel zwischen den braungestrichenen ; holzwänden des weinig duftenden Saales. Sie hatten sich schnell zwei , totwangige Mädchen ausgesucht, mit denen sie nun Tanz für Tanz xi[ammen waren. Kamen sie ab und zu einmal durstig zu ihren Pokalen nrück, so neckten sie Rolf.Pack doch an, Mensch', sagten sie zu ihm. I Half hatte eine zaghafte Natur und mochte sich nicht ohne weiteres mit änem der Bauernmädchen einlassen, weil er es auch nicht betrügen J wollte.

Nach einer Weile aber trat ein Mädchen mit einem älteren Mann, i isssenbar seinem Vater, in den Saal und setzte sich an einen Tisch in mer Nähe. Dieses Mädchen gefiel ihm. Ein wenig aschenbrödelhaft. in I «ment schlichten Sommerkleidchen, sah es scheu und begehrlich in das I Betriebe der Tanzpaare.

Schließlich holte sich Rolf das Mädchen. Die Musikanten hatten einen I !i heinländer angestimmt; während Rolf seine Tänzerin führte, in dem H 'i gentümlicf) ausgelassenen und doch gar nicht wilden Rhythmus, sann II darüber nach, warum gerade diese anmutige Tanzart, die sich allem 1 <us der Rokokozeit erhalten hat, den Namen der Landschaft führt, in | irr er sich befand. Den nächsten Tanz ließ er vorübergehen, um mäst |[ ufdringlich zu fein. Dann kam,auf besonderen Wunsch em Walzer. Jj-as Mädchen folgte ihm nun schon so unbefangen, daß es an feiner || » ruft leise die Melodie des Walzers mitsang.

I Rolf hatte daheim eine Freundin, die schon in der Kindheit Jeine B&efpielin gewesen war und wohl auch einmal seine Braut sein wurde; Iriver noch niemals hatte ein Menschenkind so anschmiegsam und arglos I» zutraulich sich seinen Armen überlassen wie dieses Mädchen. Mit einem s | SRale stimmte er ein in ihr leises Singen; und so summten sie zwei- L f mmig, sie in ihrem dunklen Alt und er in seinem junglmgshellen || Seenor:Schön ist die Jugend", und lächelten einander dabei im Tanzen |i entgegen.

Als er wieder an seinen Tisch kam, trat in der schwarzen L^rmel- usefte und der grünen Schürze der Hausbursche desHotels zum Schwan i| 3 ihm mit einem Brief.Dorfburschen eifersüchtig , stand darin,da || Lage gefährlich, sofort abreifen." Erst jetzt fiel Rols bas lange Weg- q bäiben der Freunde auf. Aergerlich zahlte er bie Zeche und ging ms iffrtel, vergeblich bestrebt, feiner Tänzerin wenigstens noch einmal zu- A 3 nicken, die jedoch gerade eifrig aus ihren Vater e'itsprach und nicht ff mfs und rechts sah. Schon, weil seiner Ordnungsliebe alles Unvor- H bncitete zuwider war weigerte er sich, die Abreise mit anzutreten unter t btn Vorwand, um seiner kunstgeschichtlichen Liebhaberei willen noch U^ige Tage in der Gegend verweilen zu wollen. Er begleitete bic lipunbe an den Bahnhof und ging auf dem Heimweg noch einmal an

Winzerhalle vorüber, traf aber das Mädchen nicht mehr an und

begab sich verdrießlich mit dem Gefühl von mancherlei Unzulänglichkeit zu Bett.

Am nächsten Morgen wanderte er nach Hallgarten und sand dort in einem bescheidenen Kirchenbau an der Längswand die sogenannte Schrö- termuttergottes, ein allerliebstes Geschöpf aus dem Volk, von einem un­bekannten Meister des 15. Jahrhunderts als Bildwerk verewigt. Je länger er sich in bie Züge der mütterlich glücklichen unb schelmisch lächelnden Frau vertieste, um so mehr erkannte er in ihr bas Mäbchen roieber, mit bem er gestern getanzt hatte.

3m Weltergehen trat bas Mabonnenbilb immer mehr in ihm zurück und bie Erscheinung bes Mädchens um so beutlicher an ihn heran; aber er sah jetzt, ganz aus bem Alltag gehoben, in bem Mäbchen bie Ma­donna, ein ideales Wesen voll Sanftmut unb Ruhe. Er hatte nur wenig mit ihm gesprochen, es hatte nur Ja unb Nein geantwortet, und er hatte kaum einen Eindruck von seiner Art, sich zu äußern; sie hatten nur gemeinsam leiseSchön ist bie Jugenb" gesungen. Die Weise jener Elegie im Walzertakt schwank) ihm jetzt nicht mehr aus bem Sinn; unb nun wußte er auch, daß er wie ein Traumwanbler den ganzen Tag über nach bem Mäbchen gesucht hatte. Das Verlangen nach ihm wurde immer heftiger, so daß er weiter unb weiter ins Sanb hineinlief bis in bie Wälder auf den Höhen.

3m Hotel ließ er sich eine Flasche Johannisberger bringen. Aber da feine Sinne beschwert waren, wurde seine Stimmung mit jedem Glase verbitterter. In diesem Zustand schrieb er an seine Freundin.Liebe 3uliane", so schrieb er etwa,ich bin unglücklich, weil ich Dich nicht mehr lieben kann. 3ch will ein neues Leben anfangen; denn ich habe erkannt, daß bas Eure zu weit entfernt ist von den Urgrünben ber Natur. Ihr lebt nur noch ein fiktives Dasein. Ein Dasein im Vollgefühl bes Ganzen ist nur einem naiven Menschen möglich. Lebe wohl! 3ch banke Dir für alles Gute, was Du mir zugesonnen hast." Er steckte den Brief selbst in ben Postkasten, trank die Flasche zur Neige unb ging in einer bumpfen Besinnungslosigkeit zu Bett.

So streifte er auch am nächsten Tag roieber umher auf der Suche nach dem Mädchen, das aus diesem Lande hervorgegangen war unb sich in ihn hineingetanzt hatte. Das lebende Ebenbild ber Madonna aber sand er nicht wieder. Ganz krank gemacht durch das Alleinsein unb bie Sehnsucht, lag er am Abend in einer Wiese am Rheinufer, getrennt von ber Vergangenheit, ziellos vor ber Zukunft. Er lauschte einer Zieh­harmonika, die ein Schiffer auf einem vor Anker liegenden Schlepp­kahn spielte, und hörte nicht, daß ein Auto auf ber Lanbstraße hinter ihm hupte und anhielt, unb ein Mäbchen ausftieg unb auf ihn zu- schritt. Erst als es ihm von hinten bie Augen zuhielt, wandte er sich um. Es war Juliane. In ber Ueberrafdiung vorbehaltlos beglückt, [prang er auf, schüttelte ihr bie Hände und fuhr, als ob nichts geschehen fei, neben ihr in benSchwan".

Erst in feinem Zimmer fiel ihm ein, wie er durch bie unverhohlene Freude, mit der er Juliane begrüßt hatte, und die zu der großartigen Geste, mit der er sich gestern von ihr losgefagt hatte, nicht paßte, sich in ihren Augen lächerlich gemacht haben mußte. Es klopfte an ber Tür, unb Juliane schob sich yerein.Wir haben noch gar nicht über beinen verrückten Brief gesprochen", sagte sie lächelnd.Es war durchaus ernst gemeint, es bleibt dabei", beteuerte, Rolf. Je mehr sie ihn bespöttelte, um so hartnäckiger versteifte er sich darauf, daß sein Entschluß unab­änderlich sei, bas Vergangene abzubrechen unb in einem länblichen Leben wieder einfach zu werben.

Ganz unvermittelt erschlaffte mit einem Male alle Spannkraft In Juliane. Die schlanke, blonbe Gestalt sank auf einen Stuhl nieder und legte ben Kopf schluchzend auf bie Arme am Tisch. Rolf hatte sie nie so gesehen. Sie war eine völlig andere. In der Verlassenheit unb Hilflosig­keit war alles Verwöhnte, Eitle unb Herrschsüchtige von ihr abgeglitten, und in holder Verwirrung erkannte er auch in ihr bie Madonna, bie Keuschheit, bas Kindliche und Dbütterliche, eine Unschuld dem Leben gegenüber, bie nicht ein Zurück ins Unwissen erforbert, die Ursprünglich­keit der Natur, bie durch verfeinerte Empfindungen nicht verloren, son­dern veredelt roar. Ihr tieferes Wesen war ihm nun offenbar geworden. Sie war ihm ganz neu geschenkt und inniger als jemals verbunden. Er zag sie zu sich auf feinen Schoß unb tröstete sie liebkosend.

Juliane bestand darauf, ihn in seine Stadt zurückzubringen. Durch den Morgen des nächsten Tages fuhren sie dahin. Links von ihnen mar der Rhein, rechts waren bie Weinberge, bahinter bie dunkelgrünen Wäl­der unb über allem ber blaue Himmel. Juliane ließ ben Wagen laufen, und Rolf war glücklich. Es war ihm klar, baß er aus einem Zustand ber Ermattung und Verweichlichung gerettet worden war und einen Schritt weiter aus ber verspielten Kinbheit in bie entschlußseste Mann­heit getan hatte

Hinter dem Dorf fuhren sie vorüber an einem Gefährt mit einem Zink faß, wie es von den Winzern gebraucht wird, um die Kupservitriol- löfung gegen die Rebenschädlinge in die Weinberge zu bringen. Ein Mäd­chen, ein weißes Tuch um den Kopf gebunden, hielt die vorgespannten Kühe und sah in das Dorüberrafenbe Auto. Es roar bas Mädchen, bem Rolf mit aller Inbrunst der Jugend nachgeirrt roar. In dieser einen Sekunde des Vorüberfahrens war wohl die Schmerzlichkeit des Ab­schieds von einer lieben Erinnerung, aber sie roar ihm nicht mehr gefähr­lich. Errötend sah er Juliane von der Seite an, betastete zärtlich mit den Augen bie schöne Linie des lässig gebogenen Nackens unter der kecken Mütze, der leicht unb elegant auf das Steuerrad aufgelegten unb fest bie Bewegungen bes Wagens bestimmenden Hände in ben Stulpenhand­schuhen. Die ganze Erscheinung roar Ausdruck ber Zucht, ihr Antlitz von ber Klarheit der Erkenntnis und selbstbewußter Entschlossenheit geprägt. Mein Genius! dachte Rolf. Es roar, als ob Juliane feine Gedanken gehört habe. Sie nickte ihm zu, nahm einen Augenblick ihre Hand vom Steuer und drückte kräftig feine Rechte.Schön ist die Jugend!" summte der Motor, aber schneller und härter als die Tanzmusik am vergangenen Sonntag in der Winzerhalle.