zeihen
Stufen hinauf: Essex, Sir
ziemlich zu Anfang liegt, so daß ich, wenn wir's erreichten immer noch bei Fnsche war, nicht abgestumpft durch all di« Schrecklichkeiten, btt dann weiterhin folgen." ,
„Also Traitors-Gate muß ich sehn? .. ...
Unbedinqt. Freilich, wenn ich dann wieder erwäge, daß an dieser berühmten Stelle nichts unmittelbar Wirkungsvolles zu sehn «st, so mutz ich mich bei meinen Ratschlägen aus Jhre Phantasie verlassrn konnen. Und ob das geht, weiß ich nicht. Wer aus der Mark ist, W rfieift keine
City niedersahen." .
Lieat Gott sei Dank, weit zuruck.
"Ja weit zurück. Aber es kann wiederkommen. Und gerade d a s war' es' was immer, wenn ich so dastand, den größten Eindruck aus mich machte. Diese Möglichkeit, daß es wiederkehre. Denn ich erinnere mich noch sehr wohl — ja, du warst es selber, Papa, der es mir erzählte , daß Lord Palmerston einmal, unwirsch über die koburgische Nebenpol ik (ich glaube während der Krimkriegtage), sich dahm geäußert hatte. Dieser Prince-Consort, er täte gut, sich unser Traitors-Gate bei Gelegenheit anzusehen. Es ist zwar schon lange, daß Komge da di« glGbrige Treppe hinaufqestiegen sind, aber es ist doch noch nicht f o lange, daß nnr uns^dessen nicht mehr entsinnen können. Und ein Prince-Consort ist noch
Wolbemar" ^s^Melusine dies mit überlegener Miene gesagt hatte, lächelte vor sich hin, was die Gräfin derartig verdroß, daß sie nut einer gewißen Gereiztheit hinzusetzte: „Sie lächeln. Da seh ich doch, wie sehr ich im Rechte war, Ihnen die Phantasie abzusprechen.
' Und^ nun werden Sie auch noch pathetisch. Das ist die richtige Er« gänzunq. Im übrigen, wie könnt ich mit Ihnen ernsthaft zürnen! Em berühmter deutscher Prosessor soll einmal irgendwo gesagt haben: ,niemand sei verpflichtet, ein großer Mann zu sein.' Und ebensowenig wird er .große Phantasie' als etwas Pslichtmaßiges gefordert haben.
Woldemar küßte ihr die Hand. „Wissen Sie, Gräfin, daß Sie doch eiaentlid) recht hochmütig sind?" t ,, . .. .
„Vielleicht. Aber mancher entwafsnet mich wieder. Und zu diesen gehören Sie." . „
„Das ist nun auch wieder aus dem Ton.
Ich weiß es nicht. Aber lassen wir's. Und versprechen Sie mir lieber, i mir" von Windsor ober Lonbon aus eine Karte zu schreiben ... nein, eine Karte, das geht nicht ... also einen Brief, bann Sie mir en Wort über die Engländerinnen sagen und ob Sie jede taillenlose Rotblondine drüben auch so schön gefunden haben werden, wie's von den Kontinentalen, wenn sie dies Thema berühren, fast immer versichert wirb
„Es wird davon abhängen, an wen ich gerade denke.
„Nach dieser Bemerkung ist Ihnen alles verziehn.
Woldemar blieb bis neun. Er hatte gleich in den Zeilen, in denen er sich anmelbete, die Domen wissen lassen, daß er feinen Besuch auf eine kurze Stunde beschränken müsse. So war er denn bei guter Zeit wieder daheim. Auf seinem Tische sand er ein Briefchen vor und erkannte Rex- Handschrift. „Lieber Stechlin", so schrieb dieser, „ich höre eben daß Sie nach Loudon gehen. In der Zeitung, wo's schon gestanden haben oll, hab ich es übersehen. Ich beglückwünsche Sie von Herzen,zu dieser Auszeichnung und lege Ihnen eine Karte bei, die Sie (wenn s Ihnen paßt bei meinem Freunde Ralph Waddington einfuhren soll. Er ist Advokat und einer der angesehensten Führer unter den Jrvingianern. Furchten Sie übrigens keine Bekehrungsversuche. Waddington ist em durchaus seiner Mann, also zurückhaltend. Er kann Ihnen aber manmgsach behilflich sein, wenn Ihnen daran gelegen sein sollte, sich um das Wesen der englischen Dissenter, ihre Chapels und Tabernakels zu kümmern. Er ist em Wissenschaftler auf diesem Gebiet. Und ich kenne ja ihre Borliebe für derlei ^Stechlin legte den Brief unter den Briefbeschwerer und sagte: „Der gute Rex! Er überschätzt mich. Dissenterstudien. Es genügt mir, wenn id) einen einzigen Quäker sehe."
23. Kapitel.
Was Rex da schrieb, hatte doch ein Gutes gehabt; Woldemar, erheitert bei dem Gedanken, sich durch Ralph Waddington in ein Tabernakel ein- aeführt zu sehn, sah sich mit einem Male einer gewissen Abspannung entrissen und war sroh darüber, denn er brauchte durchaus Stimmung um noch einige Briese zu schreiben. Das ging ihm nun leichter von Der Hand und als elf Uhr kaum heran war, war alles erledigt.
Der andre Morgen fah ihn selbstverständlich früh auf. Fritz war uw ihn her und half, wo noch zu Helsen war. „Und nun, Fritz", so waren Waldemars letzte Worte, „sieh nach dem Rechten. Schicke mir map nach- Zeitungen wirs weg. Und die drei Briefe hier, wenn ich fort bin, die tue sofort in den Kasten ... Ist die Droschke schon da?"
„Zu Beseht, Herr Rittmeister. .
„Na, dann mit Gott. Und jeden Tag lüften. Und pah auf die Pferde. Damit verabschiedete sich Woldemar.
(Fortsetzung folgt.)
Nuswahl Und nun fragen Sie Melusine. Die hat von London und«Um- aeaenb viel mehr gesehn als ich und weih, glaub ich, >n Rampton-Court unö Waliham-Abbey besser Bescheid als an der Oberspree, natürlich das ccierbäuscken ausgenommen. Und wenn Melusine versagen sollte, NUN, fo hlen wir si> noch unsere Tochter Cordelia Cordelia war damals freilich erst stchs ober doch nicht viel mehr. Aber Smbermuni) tut Wahrst kun^ Lmgard, wie war es, wenn du dich unsers Freundes am roeift nicht Papa, ob Herr von Stechlin damit einverstanden ist oder auch nur stin kann. Vielleicht ging' es, wenn du nur,.nicht von meinen ftchs Jahren gesprochen hättest Aber so Mit sechs Jahren ha man eben nichts erlebt, was des Erzählens wert ware^ ......
Komtesse, gestatten Sie mir ... die Dinge an sich sind gleichgültig. Alles Erlebte wird erst was durch den, der er erlebt. „ ..
„Ei", sagte Melusine. „So bin ich zum Erzählen noch m°m Lebtag nicht ausgefordert worden. Nun wirst du sprechen .aussen, Armgard.
, Unö ich will auch, selbst aus die Gesahr hin einer Niederlage
„Keine Vorreden, Armgard. Am wenigsten, wenn sie wie Selbstlob nmSo wir hatten damals eine alte Person im Hause, die schon bei Melusine Kindermuhme gewesen war, und hieß Susan. Ich liebte sie «ehr denn sie hatte wie die meisten Irischen etwas ungemein Heiteres unö’ Gütiges. Ich ging viel mit ihr im Hybepark spazieren,wohnten wir doch in der an feiner Nordseite sich hinziehenden grohen Straße. Hydepark erschien mir immer sehr schön. Aber weil es tagaus, tagse.n das- felbe war, wollte ich doch gern einmal was andres sehen, morauf Sufmi auch gleich einging, trotzdem es ihr eigentlich verboten war. ,Ci f^tltd), Komtesse' sagte sie, ,da wollen wir nach Martins le Grand. ,Was ist Ms?' ragte ich; aber statt aller Antwort gab sie nur nur ein kl-mes Mäntelchen um, denn es war schon Spätherbst, so etwa wie letzt, und dunkelte auch schon. Aus dem, was dann kam, muß ich annehmen, daß es um bie fünfte Stunde war. Und fo brachen wir denn auf, unsre Straße hinunter, und weil an dem Parkgitter entlang lauter große Dohren gelegt waren, um hier neu zu kanalisieren, o sprang ich auf Du Rohren hinaus, und Susan hielt mich an meinem linken Zeigefinger So gingen wir ich immer aus den Röhren oben, bis mir an eine Stelle kamen, wo'der Park aufhörte. Hier war gerab ein Droschkenstand^ und Hafer und Häcksel lagen umher und zahllose Sperlinge dazwlschen In der Mitte von dem allem aber stand em eiserner Brunnen. Aus den wies Susan hin und sagte: ,Look at it, dear Armgard. There stood Tyburn- Gallows*. Und wer soviel gestohlen hatte, wie gerab ein Strick kostete, 6Cr„Gine^mertro^rbige Kindermuhme", sagte Stechlin. „Und erschraken Sie nicht, Komtesse?" , . , .
„Nein, von Erschrecken, solange Susan bei nur war, war keine Rede.
Sie" hätte mich gegen eine Welt verteidigt."
„Das söhnt wieder aus." (,
Und kurz und gut, wir biteben auf unfertn Weg und stiegen alsbald in ein zweirädriges Cab, aus dem heraus wir sehr gut sehen konnten, und jagten die Oxfordstraße hinunter in die City hinein, in ein immer dichter werdendes Strahengewirr, drin ich nie vorher gekommen war und auch nachher nicht wieder gekommen bin. Bloß vor zwei Jahren, als wir auf Besuch drüben waren und ich den alten Plätzen wieder nachging.
Ich glaube", legte Melusine, „daß du bei diesem zweiten Besuch eine gute Anleihe machst. Denn von dem mit Susan Gesehenen wirst du zur Zeit nicht mehr viel zur Verfügung haben."
.Doch, doch. Und nun hielt unser Hansom-Cab vor einem grohen Hause das halb wie ein Palast und halb wie ein griechischer Tempel aussah und unter dessen Säulengang hinweg wir in eine große, mit vielen hundert Menschen erfüllte Halle traten, lieber ihren Köpfen aber lag es wie ein Strom von Licht, und ganz nach hinten zu, wo die Llcht- masse sich zu verdichten schien, standen aus einem Podium zwei in rote Röcke gekleidete Bedienstete mit ein paar großen Behältern links und rechts neben sich, die wie Futterkisten mit weit aufgeklapptem Deckel
^^Der^alte Gras und Armgard schwiegen, und auch Melusine sah wohl, daß sie mit ihrer Bemerkung etwas ru weit gegangen war. Irgendeine Reoarieruna schien also geboten. „Ich will s aber doch nut Jhuen wagen" mchm sie das Gespräch wieder auf und lachte. „Traitors-Gate. Nun (eben Sie, Sie kommen da vom Eingänge her einen schmalen Gang entlang und mit einem Male haben Sie statt der grauen Stemwand ein eisenbeschlagenes Holztor neben sich. Hinter diesem Tor aber befindet sich ein kleiner, ganz unten in der Tiefe gelegener W^erhof, von dem aus eine mehrstufige Treppe herausfuhrt und an eben berStelle mündet an der Sie stehn. Und nun rechnen Sie dreihundert Jahre zu rück Wenn sich die Psorte damals austat, um sich hinter ihm wieder zu schließen, der hatte vom Leben Abschied genommen ... Es sind da, ver
Sie das Wort lauter glibbrige Stufen, und wer alles stieg diese i hinauf: Essex, Sir Walter Raleigh, Thomas Morus und zuletzt noch jene Clanhäuptlinge, die für Pence Charie gefochten hatten unö Deren Köpfe wenige Tage später von Temple-Bar herab aus die
aussahen."
„Und nun laß Stechlin raten, was es war.
, Er braucht es nicht zu raten", fuhr Armgard fort, „er weih es natürlich schon. Aber er muß trotzdem aushalten. Denn er hat es selber o gewollt. Also Podium und Rotröcke samt aufgeklappter Kiste links und rechts. Und dis hell erleuchtete Uhr darüber zeigte, daß es nur noch eine Minute bis sechs war. An ein Sichherandrängen war nicht zu denken, und so flogen denn die Bries- und Zeitungspakete, die noch mit den letzten Postzügen fort sollten, in weitem Bogen über die Kopse der in Front Stehenden weg; was aber dabei statt in die Behälter bloß auf das Podium fiel, das wurde von den Rotröcken mit einer geschickten Fußdewegung in die Futterkisten wie hineingeharkt. Und nun setzte der Uhrzeiger ein, und das Fliegen der Pakete steigerte sich, bis genau mit dem sechsten Schlag auch der Deckel jeder der beiden Kisten zuschlug.
„Reizend, Komtesse. Natürlich seh ich mir das an, und wenn ich em Rendezvous mit der Königin darüber versäumen müßte."
„Nichts Antimonarchisches", lachte der alte Graf. „Und so kommen Susans Untaten schließlich noch ans Licht."
„Und meine eignen dazu. Glücklicherweise durch mich selbst.
Das Gespräch setzte sich noch eine Weile fort, und allerlei Schilderungen aus dem Klein- und Alltagsleben behielten dabei die Oberhand. Ein paarmal, weil er wohl sah, daß Woldemar gern auch andres zu hören wünschte, versuchte der alte Gras das Thema zu wechseln, aber beide Damen blieben bei „Shopping“ und „live o’clock tea“, bis Melusine, der Waldemars Ungeduld edensalls nicht entgangen war, mit einem Male fragte: „Haben Sie denn je von Traitors-Gate gehört?"
„Nein", sagte Woldemar. „Ich kann es mir aber übersetzen und meine Schlüsse Daraus ziehn."
„Das reicht aus. Also natürlich Tower. Nun sehen Sie, Traitors- ffiate, das war meine Domäne, wenn Besuch aus Deutschland kam und ich wohl ober übel den Führer machen mußte. Vieles im Tower langweilte mich, aber Traitors-Gate nie, vielleicht deshalb nicht, weil es


