würdige, das hatten wir schon oster erlebt, hatten wir auch schon selbst ausprobiert in den verschiedensten Varianten, sondern das Unerwartete, Merkwürdige geschah erst jetzt, als der Neue dem „Schwarzen Büffel" in die Augen schaute mit einem Blick, der nicht erkennen lieh, ob er ihm glaubte oder nicht und nur ein ganz klein wenig die Hand hob und sagte: „Sie können sich setzen". Er sagte nicht mehr und nicht weniger, es war alles was er jagte und wir wußten immer noch nicht, was wir davon halten sollten, aber es ging uns auch gar nicht mehr darum, denn er hatte „Sie" gesagt zu unserem Häuptling und das ließ uns erstaunen und erschien uns so wunderlich und merkwürdig, wie der Neue selber.
Das Wunderlichste und Merkwürdigste aber geschah einige läge später, an einem schulfreien Nachmittag und von dem wollte ich ja eigentlich erzählen: .
Unsere Jagdgründe waren draußen vor der Stadt, im leeren Hochwasserbett der Isar, Weidensträucher standen überall darin umher und kleine silbrige Zitterpappeln und dort spielten wir unsere wilden Knaben, spiele, warfen Tomahawk und Lasso, schossen mit Bogen und Pfeil, schlugen uns die Kopse blutig, rauchten wir unsere Friedenspseifen. Der beste Schütze aber war der „Schwarze Büffel", unser Häuptling, und sein Meisterschuß, das war der Schuß durch den Dorhangring. Einmal, ein paar Tage nachdem der Neue zu uns gekommen war, waren wir wieder, eine stattliche Horde, in den Jagdgründen versammelt und der „Schwarze Düfsel" zeigte seinen Meisterschuß. Er holte einen Ring aus der Tasche, einen Ring aus weißem Porzellan, nicht großer als der Teller einer Knabenhand, es war ein Ring, wie ihn die Hausfrauen zum Aufhängen der Vorhänge an den Gardinenstangen hatten, damals in der Zeit vor dem Kriege; der „Schwarze Büffel" also zog einen solchen Ring aus der Tasche und hängte ihn an den Ast einer niederen Zitterpappel und dann schritt er die Entfernung ab, und wir saßen im Streik der Zitterpappel und sahen gespannt auf den Rmg und der „Schwarze Büffel" legte einen Pfeil auf und spannte den Bogen und es dauerte nur die Zeit von ein paar Herzschlägen, dann schwirrte der Pfeil heran, schoß haarscharf — wir sahen es ganz deutlich — mitten durch den Ring, schoß mitten durch den kleinen Kreis des Porzellan- rings es war ein staunenswerter Schuh, ein Meisterschuh, niemand von uns hätte ihn dem „Schwarzen Büffel" nachgemacht aber dann, als wir ausblickten, stand auf einmal der Neue vor uns da, stand wirklich und leibhaftig der Neue mitten unter uns und keiner wußte, woher er o plötzlich gekommen war. Er trug auch diesmal seinen feinen Anzug mit der messerscharfen Bügelfalte, aber seine Hellen braunen Schuh« waren beschmutzt und hatten graue, schlammige Ränder von dem feuchten Schwemmsand des Hochwasserbettes, aber das schien ihn nicht anzu» fechten, er lächelte uns zu, und dann nahm er dem .^Schwarzen Bussel den Bogen aus Der Hand und lieh sich auch einen Pfeil geben und er nannte erst prüfend den Bogen und dann legte auch er em en Psett aus und zielte nach dem Vorhangring und wir starrten wie gebannt nach dem Ring und in unseren Herzen kicherte schon die Schadenfreude, aber da schwirrte auf einmal der Pfeil heran, schwirrte, weih Gott, mitten durch das runde Loch des Porzellanrings, schwirrte nicht anders hindurch, als wie bei dem Schuh des „Schwarzen Büffels" und es schlug uns das t-eri ,um Halse herauf vor Staunen und Verwunderung. Was war das nicht für ein Kerl der Mann mit der messerscharfen Bügel alte, und. den bedreckten Schuhen, der Schulsuchs, der nicht einmal unseren Prunus hatte gelten lassen wollen, er schoß mit Pfeil und Bogen als hatte er nie etwas anderes getan, aber setzt nahm er den Rmg von dem Ast und hängte ihn an eine andere Pappel, an eine sehr viel weiter ent» (ernte Pappel und dann ging er wieder zurück zu dem Anstand und gab den Bogen wieder an den „Schwarzen Büffel" und uns schwindelte vor einem solchen neuen Schuh, vor einem Schuh auf solche Entfernung, aber der „Schwarze Büffel", unser tapferer Häuptling nahm den Vogen in Empfang, nahm den Wettkampf auf Er prüfte Entfernung und ttuff die Augen ein, er blieb ganz ruhig, aber uns bangte um den Schuß und dann hob er langsam den Bogen und zielte lange und bedächtig, es schien uns, als zielte er schon zu lanae, aber dann schoß der Pstil von dem Bogen, schoß zu dem Ring, haarscharf zu dem Rmg, aber schoß nicht hindurch, schoß daneben vorbei, ganz hart daneben vorbei, es war als hätte sich der Ring bewegt, vielleicht war es der Wind, vielleicht auch hatt? ihn dkr Pfeil noch ein wenig gestreift. Das Gesicht des „Schwarzen Bükfels" wurde plötzlich blaß, er tat uns leib, unfer tapferer Haupt Hng es war ein Schuh gewesen, der sich hatte sehen lassen können es war fast unmöglich, einen besseren zu tun und überhaupt, man mußte erst abwarten, ob ihn der Neue auch nur annähernd erreichte Wir sahen J hem Neuen hin, der sich den Bogen von dem Häuptling hatte geben lassen er hatte den Pfeil schon aufgelegt, er zielte bereits nach dem Ring und unsere Herzen begannen hesti-ger zu schlagen, wir bangten, baß et treffen daß er den Sieg davontragen könnte über unseren Häuptling, ab f'elttam jetzt da e? immer noch zielte, schlich sich ein sonderbares Gefühl in Mete Angst, fast eine Hoffnung daß es so sein W
a!g ,öae er unsere Herzen von dem „Schwarzen Büffel weg und zu sich heran, so wie ein kleines Stückchen Eisen durch emen f nr» keren Magnet weggezogen wird von einem schwächerem Und dann fckwttrte Plötzlich der Pfeil von der Sehne, schwirrte durch die Lust b?ran schwirrte durch den kleinen Kreis des Ringes mitten durch den vorzellanweihen, knadenhandgrohen Vorhangring, und da nur
ünb mit offenem Mund, trat der Neue zu dem Schwär- ftSÄlS zurück, schüttelte ihm die Han.wmkte uns noch einmal flüchtig zu und ging langfam durch die Weiden ich
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Oer Wanderer in der Sägemühle. ;
Von Iustinus Kerner.
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Dort unten in der Mühle ।
Saß ich in süher Ruh
Und sah dem Räderspiele, Und sah den Wassern zu.
Sah zu der blanken Säge, Es war mir wie ein Traum, Die bahnte lange Wege In einen Tannenbaum.
Die Tanne war wie lebend;
In Trauermelodie,
Durch alle Fasern bebend, Sang diese Worte sie: Du kehrst zur rechten Stunde, O Wanderer, hier ein, Du bifts, für den die Wunde Mir bringt ins Herz hinein;
Du bifts, für den wir werden, Wann kurz gewandert du, Dies Holz im Schoß der Erden Ein Schrein zur langen Ruh. Vier Bretter sah ich fallen, Mir wards ums Herze schwer, Ein Wörtlein wollt ich lallen, Da ging das Rad nicht mehr.
Oer Neue.
Von Rudolf Kreutzer.
Er war zu uns gekommen, mitten im Schuljahr, als unfer alter Ordinarius, der Professor Engelbrecht, an einer heimtückischen Blutvergiftung erkrankt und plötzlich gestorben war. Er trug einen Anzug aus fernstem Schneidertuch und mit messerscharfer Bügelfalte, es war_nid)t au agen, ob er alt war ober jung, fein Gesicht war scharf geschnitten, bie finger bicke Narbe eines Säbelhiebes lief quer burch dieses braungebrannte Gesicht, lief vom Ohr bis fast in den Winkel des Mundes, und feine Gestalt war straff und hager und glich eher der eines Soldaten oder Offiziers, als eines Lehrers an unserem Gymnasium. Da er, wie gejagt, ganz plötzlich zu uns gekommen war, mitten im Schuljahr, über Nacht gewissermaßen wußten wir nichts von ihm, konnten wir auch von anderen über ihn nichts in Erfahrung bringen, mar er für uns em ""besihnebenes SRIatt Wir waren wie alle Tertianer, nicht unerfahren in Der crtunoung dessen was zu wissen für uns wichtig war, wir beobachteten ihn vom ersten' Augenblicke an Sorgfältig und lauernd, lasen in seinem Gesicht, Eten den BM seiner Hellen wachen Augen, studierten die Bewegungen feiner Hände aber wir wurden nicht recht klug aus ihm, tarnen aus einem Lsühl der Verwunderung nicht ^eraus. ÜBas follte man 3unBwftnd denken, was sollte man darüber sagen, daß er ber SJeue, Won l o
zu einem einzigen Satz „Der Anführer n g i wohl
Gelände zu erkunden", lautete der Satz, das Yeitzt er^ya^ w anders lauten müssen, denn auf einmal jh Der.
ob er Essig getrunken hätte, unb, meint«, er habe “X" ®as hätte er standen, und unser Primus sagte den S tz cy sollen, aber da auch anderes'tun sollen, wie hatte er auch ^nst sagen wuem spielte auf einmal ein halb belustigtes, h Stinmie voll beißenden Sippen des Neuen und er sprach, m hes kleinen Primus
Spottes, und in dem. etwas ch^uerlich f lächerlichen Betonung das Wort „Anführer nach, mit eine g , & „Und fo etwas der Vorsilbe „An" und fetzte bann topff ) hert an, wir lächelten will hier Primus fein!" Wir fahen u„ . “ hem Musterknaben, biefe
belustigt, aber wenn wir auch unserem st ’ un5 hoch nicht recht Niederlage aus ganzem Herzen gomken, I a(s Scr Anführer" wohl dabei, wir felbft hatten nie ander 0’9 -Qlter x)tt>inarius, hatte und auch der Professor Engelbrecht, uns 9 Iie& her Neue unseren nie einen anderen Ausdruck ^brauchst unj) wußten, daß jetzt Klassenletzten in der Uebersetzung fortf h Klassenletzte war der
etwas Entscheidendes geschehen werde denn. ber• inanen S im
„Schwarze Büffel", unser Häuptling breit und stamm g^^ sahen Stimmbruch begriffen, auf der Schule emhst nu g haß er völlig
fchon an der Art, mit der er sich m fein« *ant « was nun ge- unnorbereitet war, wie immer, und erwartetes und Merkwür-
schehen werde. Und es 9^4^, €t™?5f J) aUen Kriegslisten, machte
biges. Der „Schwarze Büffel .erfahren m ou De^teint über den plötzlich ein schmerzgepemigtes Gesicht st einer jähen, ge-
Rand des Buches hinweg ms Leere, zuy 1 - unt) stammelte mit quälten Bewegung seiner Hand an d pon fürchterlichen Zahn-
leidgepreßter, gutverstellter Stimme, h Unerwartete, Merk-
fchmerzen gepeinigt fei, aber bas war mcyi w


