strängenden Frage: .Wodurch ermöglichen sich zugehen. Unser Freund in Spindlersfelde da
Sind Sie's? Und wenn Sie
Reisen."
(Fortsetzung folgt.)
schön .Liebesinsel' klingt, der Zauber davon geht wleoer verloren, wenn Sie sich den Namen des Ganzen vergegenwärtigen. Die sich so mächtig hier verbreiternde Spreesläche heißt nämlich der .Rummelsburger See
„Freilich nicht hübsch; das kann ich zugeben. Aber die Stelle selbst ist schön, und Namen bedeuten nichts."
„Wer Melusine heißt, sollte wissen, was Namen bedeuten."
„Ich weiß es leider. Denn es gibt Leute, die sich vor .Melusine'
dend.
„Das ist Spindlersselde.
"Doch" vielleicht, gnädigste Frau, wenn Sie hören, daß in eben diesem Spindlersselde der für die weibliche Welt so wichtige Spindler seine geheimnisvollen Künste treibt. Besser noch seine verschwiegenen. Denn unsre Damen bekennen sich nicht gern dazu."
.So der! Ja, dieser unser Wohltäter, den wir — Sie haben ganz recht - in unjerm Undank so gern unterschlagen. Aber dieses Unter- schlagen hat doch auch wieder sein Verzeihliches. Wir tun letzt (leider)so vieles, was wir, nach einer alten Anschauung, eigentlich nicht tun sollten. Es ist mein ich, nicht passend, aus einem Pserdebahnperron zu stehen, zwischen einem Schaffner und einer Kiepenfrau, und es ist noch weniger passend, in einem Fünfzigpfennigbasar allerhand Gintaufe M "lachen und an der sich dabei ausdrängenden Frage: .Wodurch ermöglichen sich diese Preise?' still vorbeizugehen. Unser Freund in Spindlersfelde da drüben degradiert uns vielleicht auch durch das, was er Jo hilfreich für uns tut. Armgard, wie denken Sie darüber?"
„Ganz wie Sie, Baronin."
„Und Melusine?" , . , ,.
Diese gab kopfschüttelnd die Frage werter und drang darauf daß die beiden älteren Herren, die mittlerweile herangekommen waren den Ausschlag geben sollten. Aber der alte Graf wollte davon nichts wissen. Das sind Doktorfragen. Auf derlei Dinge laß' ich mich nicht ein. Ich schlage vor, wir machen lieber kehrt und suchen uns im Gierhauschen einen schönen Platz, von dem aus wir das Leben auf dem Fluß beobachten und hoffentlich auch den Sonnenuntergang gut sehen können.
Auch die beiden voranschreitenden Paare waren in lebhaftem Ge-
An dem schon in Dämmerung liegenden östlichen Horizont stiegen die Fabrikschornsteine von Spindlersfelde vor ihnen auf, und die Rauch- fahnen zogen in langsamem Zuge durch die Luft.
„Was ist das?" fragte die Baronin, sich an Waldemar wen-
Ziemlich um dieselbe Stunde, wo die Barbyschen und Berchtes- gadenschen Herrschaften ihren Spaziergang auf Spindlersfelde zu machten, erschien unser Freund Mr. Robinson, von feinem Stallgebaude her, in Front der Lennestraße, sah erst gewohnheitsmäßig nach dem Wetter und ging dann quer durch den Tiergarten aus das Kronprinzenuser zu, wo die Immes ihn bereits erwarteten. . . ~
grau Imme, die, wie die meisten kinderlosen Frauen (und grauen mit Sappeurbartmännern sind fast immer kinderlos), einen großen Wirt- schafts- und Sauberkeitssinn hatte, hatte zu Mr. Robin ons Empfang alles in die schönste Ordnung gebracht, um so mehr, als sie wußte, daß ihr Gast, als ein verwöhnter Gnglänber, immer der Neigung nachgab, alles Deutsche, wenn auch nur andeutungsweise, zu bemängeln. Gs lag ihr daran, ihn sühlen zu lassen, daß man's hier auch verstehe. So war denn von ihr nicht bloß eine wundervolle Kaffeeseroiette, sondern auch eine silberne Zuckerdose mit Streuselkuchentellern links und rechts ausgestellt worden. Frau Imme konnte das alles und noch mehr infolge der bevorzugten Stellung, die sie von langer Zeit her bei den Barbys einnahm, zu denen sie schon als sünszehnjähriges junges Ding gekommen und in deren Dienst sie bis zu ihrer Verheiratung geblieben war. Auch jetzt noch hingen beide Damen an ihr, und mit Hilfe Lizzis die fo diskret sie war, doch gerne plauderte, war Frau Imme jederzeit über alles unterichtet, was im Vorderhause vorging. Daß der Rittmeister sich Jur bic Damen interessierte, wußte sie natürlich wie jeber andre, nur nicht — auch darin wie jeder andre —, für welche.
3a,- für welche? t . ....
Das war die große Frage, selbst für Mr. Robinson, der regelmäßig, wenn er die Immes sah, sich danach erkundigte. Dazu kam es denn heute auch wieder, und zwar sehr bald nach seinem Gintreffen.
Eine große Familientasse mit einem in Front eines Tempels den Bogen spannenden Amor war vor ihn hingestellt worden, und als er dem Streuselkuchen (für den er eine so große Vorliebe hatte, daß er regelmäßig erklärte, so was gäb es in den drei vereinigten Königreichen nicht) — als er dem Streusel liebevoll und doch auch wieder maßvoll zugesprochen hatte, betrachtete er das Bild auf der großen Tasse, zeigte, was bei (einer Augenbeschasfenheit etwas Komisches hatte, schelmisch lächelnd auf den bogenspannenden Amor und sagte: „Hier hinten ein Tempel und hier vorn ein Lorbeerbusch. Und hier this little fellow with bis arrow. 3ch möchte mir die Frage gestatten — Sie sind eine so kluge grau, grau Imme —: wird er den Pfeil fliegen (offen oder nicht, und wenn er den Pfeil fliegen läßt, ist es die Priesterin, die hier neben dem Lorbeer steht, oder ist es eine andre?"
„Ja, Mr. Robinson", sagte grau Imme, „barauf ist schwer zu antworten Denn erstens wissen wir nicht, was er überhaupt vorhat, und dann wissen wir auch nicht: wer ist die Priesterin? Ist die Komtesse die Priesterin, oder ist die Gräfin die Priesterin? Ich glaube, wer schon erheiratet war, kann wohl eigentlich nicht Priesterin sein."
„Ach", sagte Imme, in dem sich der naturwüchsige Mecklenburger regte, „(ein kann alles, lieber so was wächst Gras. Ich glaube, es is die Gräfin."
Robinson nickte. „Glaub ich auch. And whats the reason, dear Mrs. Imme? Weil Witib vor Jungfrau geht. Ich weiß wohl es ist immer viel die Rede von virginity, ober widow ist mehr als virgin."
grau Imme, die nur halb verstanden hatte, verstand doch genug, um zu kichern, was sie übrigens sittsam mit der Bemerkung begleitete, sie habe so was von Mr. Robinson nicht geglaubt.
Robinson nahm es als Huldigung und trat, nachdem er sich mit Erlaubnis der „Lady" ein kurzes Pfeifchen mit türkischem Tabak angesteckt hatte, an ein Fensterchen, in dessen mit einer kleinen Laubsage gemachtem Blumenkasten rote Verbenen blühten, und sagte, während er auf den Hof mit feinen drei Akazienbäumen herunterblickte: „Wer ist denn der hübsche Junge da, der da mit seinem hoop spielt? Hier sagen sie
frage."
, Lagen einmal. Aber damit ist es gründlich vorbei, auch in Italien selbst. Die letzten Entscheidungen, von denen Sie sprechen, liegen heutzutage ganz wo anders, und es sind bloß ein paar Ihrer Zeitungen, die nicht müde werden, der Welt das Gegenteil zu versichern. Alles bloß Nachklänge. Das moderne Leden räumt erbarmungslos mit all dem llcbcrtommenen auf. Ob es glückt, ein Nilreich aufzurichten, ob Japan ein England im Stillen Ozean wird, ob Ehina mit feinen vierhundert Millionen aus dem Schlaf aufwacht und, (eine Hand erhebend, uns und der Welt zuruft: .Hier bin ich', allem vorauf aber, ob sich der vierte Stand etabliert und ftabiliert (denn darauf läuft doch in ihrem vernünftigen Kern die ganze Sache hinaus) — das alles fällt ganz anders ins Gewicht als die grage .Quirinal oder Vatikan'. Es hot sich überlebt. Und anstaunenswert ist nur das eine, daß es überhaupt noch fo weitergeht. Das ist der Wunder größtes."
„Und dos jagen Sie, der Sie zeitweilig den Dingen fo nahe gestanden?"
.W - i 1 ich ihnen (o nahe gestanden."
Kalkgruben schüttete. Es waren dies die Berliner Mörtelwerke, die hier kie Herrschaft behaupteten und das Ujerbild bestimmten.
Unire Reisenden sprachen wenig, weil unter dem raschen Wechsel der Bilder eine Frage die andre zurückdrängte. Nur als der Dampfer an Treptow vorüber zwischen den kleinen Inseln hinfuhr, die hier mannigfach aus dem Fluh aufwachsen, wandte sich Melusine an Wo demar und saaie: Lizzi hat mir erzählt, hier zwischen Treptow und Stralau sei auch die ß'i'ebe^sinfel'; da stürben immer die Liebespaare., meist mit einem -Bettel in der Hand, drauf alles stünde. Trifft das zu?
,3a, Gräfin, soviel ich weiß, trifft es zu. Solche Liebesinseln gibt es übrigens vielfach in unsrer Gegend und kann als Beweis gelten, wie weitverbreitet der Zustand ist, dem abgeholfen werden soll, und wenn s auch durch Sterben wäre."
„Das nehm ich 3hnen übel, daß Sie darüber spotten. Und Armgard wird es noch mehr tun, weil sie gefühlvoller ist als ich. Zudem sollten eie wissen, daß sich so was rächt."
Ich weiß es Aber Sie lesen auch durchaus falsch in meiner Seele. Sicher haben Sie mal gehört, daß der, der Furcht hat, zu fingen an- fänat und wer nicht fingen kann, nun, der witzelt eben. Uebrigens, fo "" nfel' klingt, der Zauber davon geht wieder verloren, wenn
Namen des Ganzen vergegenwärtigen. Die sich so mächtig
fiirrhton **
„Was immer eine Dummheit, aber doch viel mehr noch eine Huldi- | gung ist." /
Unter diesem Gespräche waren sie bis über die Breitung der Spree hinaus gekommen und fuhren wieder in das schmaler werdende Flußbett ein. An beiden Ufern hörten die Häuserreihen auf, sich in dünnen Zeilen hinzuziehen, Baumgruppen traten in nächster Nähe dafür em, und weiter landeinwärts wurden ausgeschüttete Bahndämme sichtbar, über die hinweg die Telegraphenstangen ragten und ihre Drähte von Pfahl zu Pfahl spannten. Hie und da, bis ziemlich weit in den Fluß hinein, stand ein Schilfgürtel, aus dessen Dickicht vereinzelte Krickenten aus- fl°9C$5 ist doch weiter, als ich dachte", sagte Melusine. „Wir sind ja schon in halber Einsamkeit. Und dabei wird es frisch. Gin Gluck, daß mir Decken mitgenommen. Denn wir bleiben doch wohl im Freien? Oder gibt es auch Zimmer do? Freilich kann ich mir kaum denken, daß wir zu sechs in einem Gierhäuschen Platz haben."
„Ach, Frau Gräfin, ich sehe, Sie rechnen auf etwas extrem Idyllisches und erwarten, wenn wir angelangt fein werden, einen Mischling von Kiosk und Hütte. Do harrt 3hrer aber eine grausame Enttäuschung. Das Gierhäuschen ist ein sogenanntes ,Lokal', und wenn uns bie Lust on- wandelt, so können wir da tanzen oder eine Volksversammlung abhalten. Raum genug ist da. Sehen Sie, das Schiff wendet sich schon, und der rote Bau da, der zwischen den Pappelweiden mit Turm und Grter sichtbar wird, das ist das Eierhäuschen."
„O weh! Gin Palazzo", sagte die Baronin und war auf dem Punkt, ihrer Mißstimmung einen Ausdruck zu geben. Aber ehe sie dazu kam, schob sich das Schiff schon an den vorgebauten Anlegesteg, über den hinweg man, einen Uferweg einschlagend, auf das Eierhäuschen zufchritt. Dieser Uferweg setzte sich, als man das Gartenlokal endlich erreicht hatte, jenseits desselben noch eine gute Strecke fort, und weil die wundervolle Frische dazu einlud, beschloß man, ehe man sich im Eierhäuschen selber niederließ, zuvor noch einen gemeinschaftlichen Spaziergang am Ufer hin zu machen. Immer weiter flußaufwärts.
Der Enge des Weges halber ging man zu zweien, vorauf Woldernor mit Melusine, dann die Baronin mit Armgard. Erheblich zurück erst folgten die beiden älteren Herren, die schon auf dem Dampffchiff ein politisches Gespräch angeschnitten hatten. Beide waren liberal, aber der Umstand, daß der Baron ein Bayer und unter katholischen Anschauungen ausgewachsen war, ließ doch beständig Unterschiede hervortreten.
„Ich kann 3hnen nicht zustimmen, lieber Gras. Alle Trümpfe heut, und zwar mehr denn je, find in des Papstes Hand. Rom ist ewig und 3tolien nicht fo fest aufgebaut, als es die Welt glauben machen möchte. Der Quirinal zieht wieder aus, und der Vatikan zieht wieder ein. Und was dann?"
„Nichts, lieber Baron. Auch bann nicht, wenn es wirklich dazu kommen sollte, was, glaub ich, ausgeschlossen ist."
„Sie sagen das so ruhig, und ruhig ist man nur, wenn man sicher i st Sind Sie's? Und wenn Sie's sind, dürfen Sie's fein? 3ch wiederhole, die letzten Entscheidungen liegen immer bei dieser Papst- und Rom-


