,.„u a_ jräujd) an, das uns allen Schlummer raubte. Mit Erinnerungen an Katzen auf heimischen Dächern im Sinn stand ich aus, um zu sehen, was dagegen zu tun wäre. Ich gewahrte im Dunkel der Nacht ein« Anzahl schneeweißer Gestalten, zum Teil nicht mehr als zehn Meter vom Zelt entfernt, deren jede dieses Geräusch hervorbrachte, das wie ungleichmäßiges Holzsägen klang
Aus meiner jammervollen Müdigkeit heraus rief ich laut: „Ruhig, ihr da!" Das hatte aber nur den einen Erfolg, daß ein Dutzend oder mehr Pinguine näherrückten, wie um zu fragen, was ich wünschte, und dann mit ausgebreiteten Flossen stehen blieben, um ihre Musik von
neuem aufzunehmen. , .....
Ich fühlte mich nicht weit von Gewalttätigkeit entfernt: doch das hatte
ausreichen würde. *
Sobald das Wetter sich aufklärte, ging ich $um Strand hinab kletterte an den Felsen entlang und betrachtete den Schauplatz. Wie es icbien war ich gerade recht zum Morgenbad gekommen. Hunderte von Vögeln plantschten im seichten Wasser, ließen sich von benWellen auf und niederschnellen, liefen herum und plauderten im Sand« gang offenbar miteinander. , , ,, . ...... -
Eine Zeitlang beobachtete ich di« belebte Szene, und plötzlich tarn mir etwas daran höchst sonderbar vor. Immerzu kamen Pinguine aus dem Meer, mischten sich zunächst unter die auf dem Strande bestnd- lichen und wanderten dann landeinwärts. Bestimmt aber waren wahrend der guten Stunde, seit ich zusah, nicht annähernd so viele ins Wasser gegangen, wie jetzt daraus hervorkamen! Es war genau wie das Taschenspielerkunststück, bei welchem ein Taschentuch in einen Hut gelegt wird, und heraus kommen dann Meterlängen von zusammenge- knupsten Taschentüchern. Ununterbrochen kamen die Pinguine letzt aus. öer See geströmt, und obwohl beständig Vögel zu den Nistplatzen watschelten, wurde die Menge auf dem Strand immer dichter.
Ich begriff es einfach nicht. , , .. .
Und dann blickte ich zufällig auf das Meer hinaus. Da sech 'ch wie innerhalb der Bucht Köpf« von Pinguinen kurz aus dem Wasser empor- tauchten und dann wieder verfchwanden, genau wie Schwimmer, ine einen Moment zum Luftschnappen aussetzen — und nun wuß e ich, was vorginq. Die Vögel, die ich während der letzten zwei Tage auf der 3n|ei gesehen hatte waren die wenigen, die am Ende des letzten Jahres wegen Krankheit oder Mauser oder aus irgendeinem anderen Grund zuruw geblieben waren. Jetzt erst kam die wirkliche Jnselbewohnerschaft durch die Bucht dahergeschmommen, stieß Kopf um Kopf aus dem Woher aus und tauchte bann wieder zum Endspurt dem Land entgegen. D>« Dor hüt der fünf Millionen Pinguine, von denen ich gelesen und an oeren Vorhandensein ich vielleicht doch nicht so ganz geglaubt hatte, landete unbestreitbar vor meinen Augen auf der Insel.
So hob mein Besuch auf der Insel der Pinguin« an Wie ichschon sagte blieb ich viele Monate lang dort und erlebte viele seltsame Dinge. Doch'liegt es nicht in meiner Absicht, nun die Erzählung meiner eigenen Abenteuer fortzusetzen — aus drei Gründen. Der erste ist, daß ichf zum Lernen hinkam und ein Bericht über das Gelernte sicherlich viel wisiens- roerter ist als ein Bericht über di« Art, wie uf) meine Erfahrungen sammelte. Der zweite Grund ist daß fede der zahlreichen Fragen die sich in mir erhoben, als ich die Insel durchwanderte, ihre Anttvort ge fnnden hat, und wenn ich di« genaue Geschichte vom tagWn twn der Pinguine niederschreibe, bleibt mir kein Raum ur anderes. Drittens und letztens aber sind die Pinguine unendlich viel unterhaltender, a ,d) Solche ich als der^Schausteller mich in die Kulissen zurück und die vielen kleinen Mitwirkenden, alle in chrem besten Frack, treten nun vor und machen ihre Verbeugung
(Fortsetzung folgt?
nickis gefruchtet. Da ich beabsichtigte, monatelang auf der Insel zu bleiben war es natürlich ganz ausgeschlossen, Nacht um Nacht einen Guerillakrieg gegen die Pinguine zu führen, deren Beobachtung doch der Zweck des ganzen Aufenthalts war. Zudem war ich überzeugt, daß ich bei ihrer Ueberzahl doch eine Schlapp« davontragen wurde. Es blieb mir «Iso nichts weiter übrig, als mich wieder hinzulegen und mich, so gut ick tonnt» mit den Verhältnissen abzufinden. Mit der Zeit, so sagte ich mir tonn' man sich wohl selbst an das Rattern der Straßenbahn ge- wöhnen die am Schlafzimmer vorbeifährt — vielleicht wurde ich mich vor meiner Abreise auch an das mitternächtliche Schreien der Pinguine gewöhnen Jo, vielleicht würde ich es zum Schluß sogar gern Horen und ahn« dieses Wiegenlied gar nicht mehr «inschlafen tonnen.
Fahl und trostlos dämmerte der Morgen. Es ging ein IHhrfer Wind, der den Sand aufwirbelte, und diefes Wetter dauerte d.« nächsten zwei Tage an, die ich mit der Erforschung der Insel verbrachte. Es war sehr unangenehm. Sand flog mir in Augen und Ohren, Sand kitzelte nnch n der Nase. Mit einem Sandsturm in der Sahara war es freilich nicht zu vergleichen, immerhin aber war es schlimm genug, weil gerade der Umstand, daß es nicht noch schlimmer war, einen immer'm über ms Srei« hinauslotfte — und bann war man im Handumdrehen rote mit Blind beit geschlagen. Selbst den Pinguinen mertte man an, roie ungemütlich ihnen zumute roar, denn sie drängten sich, dem Wind den Rucken keh- renb, in Gruppen dicht aneinander. . , v . ,, .
Damals waren wohl so gegen v'erzigtausend PinMine auf der Insel: jedenfalls schien es nur, wahrend ich teils über Fels, teils über Sandboden hierhin und dorchin wanderte, eine ganz Utzerhorte Menge. f>ätte ich freilich gewußt, was ich jetzt weih, dann wurde ich gesagt haben, es sei „recht leer". Die ganze Insel mar roie getüpfelt mit Pinguinen, die sich meist in und vor den Nestern aufhielten. Manch« brüteten, manche schliefen, andere sahen genau aus wi« Freunde di« auf der Straße schwatzend beieinander stehen: etliche sch,enen sinten, einzelne entfernten sich und spazierten auf eigene F°ust umher. Viele waren gerade in der Mauser begriffen; diese machten einen jammervollen Eindruck mit ihrem aufgeplusterten Körper ^ ruppigen Ge- fieber und schienen nichts zu tun, als still dazusitzen, in die Betrachtung ihres Elends und der Nichtigkeit des ganzen Daseins ?erfunken
Ick fraate mich welches wohl wirklich das Dasein der zahllosen Be wohiier der Insel sei, roie sie sich paarten ihr Nest hernchteten Ewk legten, die Brut aufzogen, wie st« sich ernährten, ob sie sich bei bet: (E g der Nachbarschaft immer miteinander vertrugen, ob «s Verbrechen auf der Insel gebe und wenn, wie es gesühnt wurde. Jch fragte mich, ob ine Pinguin« ttotz ihrer komischen Gesichter wohl ernste Geschöpf«seren oder ob ihnen bas Leben rechten Spaß mache, wenigstens solange ihnen^ nichts fehlte. Tausend Fragen stellten sich ein, und es woMemir scheinenatt ob die Spanne Zeit, di« vor mir lag, zu ihrer Beantwortung kaum
das siegt ihnen im Blut, rote es diesem Leuchtturmwärter und seinen 1 Gehilfen im Blute liegen muß. „„
Allmählich kamen mir in dem Sturm voran, di« Nadelspitze wurde zu einer dünnen Linie, und endlich tauchte der niebrrge gelsroaU ber anfei selbst vor uns auf. Sie machte, als wir naher kamen, den Eindruck eines oben reizlosen Flecks, von gefährlichen Riffen umzogen und mit Schaumkämmen gegürtet. Wir hielten nun auf eine kleine Bucht ■>u tzen einzig möglichen Anlegeplatz — und der Kapitan roar scharf I auf bem VS, um nicht auf ein flutüberspültes Riff zu stoßen, m welchem Falle meine Ankunft allerdings der Ueberheferung besser entsprochen haben würbe. Wir gingen indes ohne Zwischenfall vor Anker, und ein paar Minuten danach bestieg ich mit meiner Frau em kleines Boot, das uns an Land bringen sollte. . . .
Diesen Augenblick zu beschreiben, ist nicht leicht. Vor uns lag eine ruhige Wasserfläche, die sich einem bis gegen zwölf Meter steigenden Sandstrand entgegenträufelte. Auf diesem Strand erblickten wir etwa tau enb Pinguine. Es roar wirklich ein wunderbarer Anblick. Zwar waren wir natürlich nicht ganz unvorbereitet darauf, aber dennoch rangen wir buchstäblich nach Lust, als mir diesen Strand nnt seiner dichtgedrängten Vogelmenge vor uns sahen, mit Dogeln, die standen, liefen und im Sande lagen. Es war ein großer Augenblick in unserem Leben. Diese komisch aussehenden schwarzroeihen Geschöpfe sollteni nun auf Monate hinaus unsere unmittelbaren Nachbarn werden. Welchen Empfang würden sie uns wohl bereiten? , , . I
Peim Näherkommen schien es uns, als erwarteten sie uns, begierig, uns zu bewillkommnen und ausfindig zu machen, wer die seltsamen Besucher wären. Das roar aber ein vollkommener Irrtum, denn ihr Verhalten bewies, daß wir ihnen eine bestenfalls mäßige Neugierde ablockten, die nicht genügte, ihr« Alltagsgeroohnheiten zu unterbrechen. In der Tat beobachteten sie uns nicht einmal, sie standen einfach beschaulich umher, gleich einem Heer von Philosophen, die ms Nichts bl‘VeDor wir jedoch an Land gingen, tarnen wir an mehreren Gruppen vorbei die in tiefem Wasser badeten, und diese hielten.allerdings mne, um uns anzustarren. Furcht zeigten sie gar nicht nur mteresiierteV«r- rounberunq; und sobald wir vorüber waren, wurde ihre Ausmerksamkeit wieder voll und ungeteilt von den Freuden des Wassers m Anspruch genommen — ganz genau wie bei einer menschlichen Badegesellschaft, bie einen Augenblick im Schwimmen einhält, um gelassen einem vor- übersahrenden Boot nachzuschauen.
Und wirklich erinnerte uns die ganze Szene an einen englischen Badeort an den sie uns auch später immer wieder erinnerte. Wir begegneten zuerst den Schwimmern, die sich ihrem Sport zu eifrig Angaben, um auf etwas anderes zu achten; dann tarnen wir am Samilienbab vorbei, wo Väter, Mütter und Kinder im Wasser auf und nieder tanzten; und als wir landeten, sahen wir ganz nahe am Rande die PI an s eher (das dort ist doch sicher ein alter Herr, der seine Hosen bis zum Km« aufgekrempelt hat?) und fchließlich in ziemlich seichtem Wasser die schwatzenden Mütter. m . —.
Noch immer zollte uns niemand ausgesprochene Beachtung. Erne Gruppe drehte sich um, und betrachtete uns, die Köpfe schief aus Sen Schultern, roie um zu sagen: „Schau, schau, da sind ,a neue Gaste angekommen!" Eine Mutter roackelle davon, um sich zu vergewissern, datz ihre Kinder nichts von den ungeschlachten Ankömmlingen zu befurchten hätten, während andere sich in ihrem Gespräch oder ihrem Schlummer nicht stören ließen. Ein Pinguin, der sich genau benahm roie der Oberkellner eines Cafes, stellte sich vor uns hin, sah uns über die Schulter roeg an und trottete dann voran, als wolle er uns zu einem Tisch führen, an dem wir unfern Aperitif einnehmen könnten. Ein anderer kam voll Neugier direkt auf uns zu und pickte an meinem photographischen Stativ herum. , ..., ‘ .. r .
Ein aufsallender Unterschied bestand freilich zwischen diesem und dem englischen Badestrand, mit dem wir ihn verglichen: es fehlte die Farbe. Es fehlten die bunten Kleider, die den Anblick unferer Seebäder so fröhlich machen, die Badeanzüge, Bademäntel und Strandkoftüme, die Zelte, die rotberockte Strandkapelle oben auf der Promenade. Das Ganze war eine Schroarzweihftudie. Außer meiner Frau und nnr waren alle Anroefenden korrekt im schwarzen Rock, weißer Weste, kurzen .weihen Hosen, weihen Socken und schwarzen Sttefeln — alle, das heiht mit Ausnahme der jüngeren Kinder, die unterschiedslos grau gekleidet waren. Doch die Szene war darum nicht weniger eindrucksvoll. Die Sonne schien, und das glänzende Schwarz und Weiß zeichnet« sich scharf gegen den Sand ab.
Wir waren zu müde, um an jenem Abend viel zu beginnen, außer daß wir uns auf dem höhergelegenen Teil eine Stelle ausjuchten, wo wir unfer Zelt auffchlugen und uns davorsetzten, um einem herrlichen Sonnenuntergang zuzusehen und später dem Aufst.eigen des Mondes. Dann legten wir uns zu Bett und glaubten, durch teinerlei Sachkenntnis getrübt, wir würden schlafen.
Aber ach! ... . . . _.
Man stelle sich vor, man befände sich mitten in einem Feld, wo hundert Esel angebunden sind. Und dann stelle man sich weiter vor, alle diese Esel iahten zu gleicher Zeit ... „
So hörte sich das mißtönige Geräusck


