Ausgabe 
6.12.1937
 
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Jahrgang 1937

Montag, den b.vezember

Nummer 95

Die Insel

der fünf Millionen Pinguine

Von Lherrg Kearton

Deutsche Rechte durch I. Engelhorns Rachf., Stuttgart

Nachdruck verboten

Einleitung.

Für mich als Naturforscher ist die Insel der Pinguine das achte Welt­wunder. Sie ist nichts als ein Stück Fels von höchstens sechseinhalb Quadratkilometer Umfang und beherbergt doch in gewissen Jahreszeiten «sicht weniger als fünf Millionen Vögel: Taucher, Kormorane, Auftern- iischer, Möwen, See- oder Meerschwalben, Regenpfeifer und denhei­ligen" Ibis. Und dann die Pinguine millionenweise.

Er wag nicht immer einen besonders gescheiten Eindruck machen ob­wohl er, vermutlich instinktiv, oft erstaunlich klug und bedacht handelt__

°ber er ist ein braves und treues Geschöpf und im ehelichen Leben ein wahres Musterbild.

Monatelang beobachtete ich ihn, und dieses Buch ist das Ergebnis meiner Forschungen. Ich hofse sehr, daß ich darin dem Pinguin einiger­maßen gerecht werde, denn wenn ich auch über ihn lache wie jeder- mann, ist er mir doch lieb geworden. Und mehr als einmal, wenn ich meine Pinguine betrachtete und sie, den Kopf schief auf die Seite gelegt auch ihrerseits gedankenvoll nach mir herschauten, fragte ich mich, ob es der Naturforscher sei, der den Pinguin, eine merkwürdige Vogelart studierte, oder ob nicht vielmehr sie die Naturforscher seien, die das merk- wurdigste aller Geschöpfe den Menschen studierten. Wenn ich also hoffe, daß dieses Buch der Pinguine würdig ist, muh ich zugleich hoffen, daß auch sie sofern mein Besuch bei ihnen der ungeschriebenen Natur- eder Insel em Kapitel hinzugefügt haben sollte trotz allem Lächerlichen, das sie sicher an mir fanden, ebensoviel Liebenswertes an mir entdeckt haben wie ich an ihnen.

E r st e s Kapitel.

Während der langen Monate, die meine Frau und ich auf der Insel

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Pinguine gibt es zwar in vielen Teilen der südlichen Meere. Nir­gends aber wimmelt es so von ihnen wie auf dieser Insel, dem Hcmpt- jrutplatz der Schwarzfußpinguine, die wegen des unangenehmen Ge­schreis, das sie ausstoßen, auch Eselspinguine genannt werden. Sie lammen hier so zahlreich vor, daß man stellenweise zwischen ihren Nist- löchern kaum hindurch kann, und nicht selten finden zwei nistende Paare io wenig Platz, daß ihre Baue ineinander übergehen. Auf den vier kuadratmeilen der Insel bestehen große Nistkolonien, und jede von ihnen zählt grob geschätzt dreiviertel Millionen Pinguine.

siipel, die zu Tausenden eine Nachbarinsel bevölkerten. Auch Robben « ich, Riesenkrabben, Walfische, Delphine, Meerschweine, Seepolypen Jni> Haifische wenn ich diese letzteren auch nur aus respektvoller j Meinung betrachtete, weil mir mein FreundEinbein" und die Ursache likes Gebrechens unauslöschlich im Gedächtnis hafteten.

; Doch obwohl ich bald diesem, bald jenem meine Aufmerksamkeit lenkte, kehrte ich doch stets zu den Pinguinen zurück, weil nichts anderes ®ii) so fesselte. In der Tat weiß ich nicht, ob mir während der vierzig llwre, die ich nun schon naturforschend durch die Welt ziehe, je ein so pressantes und zugleich unterhaltsames Geschöpf begegnet ist. wie der rüguin. Wegen seines komischen Ausdrucks, für den er berühmt ist, pt man über ihn lachen, ob man will oder nicht. Allein die Insel der »Uguine Hot mich gelehrt, daß er nicht nur belacht zu werden verdient.

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«brachten, wohnten wir meist in einem Zelt, das wir auf einem kleinen eien Fleck mitten zwischen Nistlöchern aufgeschlagen hatten. Beständig imen Pinguine zu uns hereinspaziert, entweder aus bloßer Neugierde ober mit diebischen Absichten. Sie zogen ihre Jungen sozusagen an un- sirer Schwelle auf; sie stritten sich, kämpften, mauserten sich und liebten einander unmittelbar unter unseren Augen. Während dieser fünf Monate lernte ich viele Vögel genau unterscheiden und gewann besonderes Inter- efe an einigen, denen ich wegen ihres eigentümlichen Aussehens Namen lob wieShylock",Der Ratsherr" (ein großer Fresser),Der Richter", i »Der Landstreicher" (ein zerlumpter schäbiger Geselle),Der Cherub", Tharlie Chaplin" (er hatte die komischste Unschuldsmiene, die man sich dnken kann),Der Albino" undEinbein". Ich beobachtete alte und I nge Pinguine, kranke und gesunde, Pinguine in allen Lebenslagen, bei Sonnenschein, Sturm und Regen. Ich schloß Bekanntschaft mit dem bolzen und dem Sanften, dem Quälgeist, dem Unfugstifter, dem gemüt­lichen alten Herrn, dem verachteten Schwächling, dem Paria. Ich sah Hochzeiten, Kämpfe, sah den tragischen Einsturz eines Hauses, lustige 5:ranb[pie[e alles Vorgänge, wie sie die Spalten unserer Zeitungen lullen würden, wenn sie sich in London oder Neuyork zutrügen statt iti. den Pinguinen und ebenso die zahlreichen, persönlicheren Erleb- ibie, die jedes Menschenleben kennt, die aber den Journalisten berufs- Aißig nichts angehen. Ich lernte sowohl die Gefahren, Mühen und Bergen des Pinguinlebens als seine Freuden aus dem Vollen kennen.

Reben dieser Hauptbeschäftigung mit dem Charakter und der Lebens-

.henen ' Me der Pinguine beobachtete ich die Kormorane und Meerschwalben . h,n gr* Wb die sonstige Vogelwelt der Insel und besonders auch die weißen

ifc, 3* i Man stelle sich vor, was das für den Naturforscher bedeutet! Die Tisch m wissenschaftlichen Mitglieder der Scottschen Slldpolarexpedition beob- ® * achteten eine Kolonie voneinigen Dutzend" und schon unter diesen mich P, finden sie mehrere verschiedene Typen und konnten viele verschiedene lach allis. I zarakteristische Merkmale feststellen. Auf meiner Insel aber lebe ich als ijen »W | enjiger Fremder unter fünf Millionen Eingeborenen buchstäblich im Deich der Pinguine. Ich lernte jede individuelle Abart kennen, wurde tobte i® I Hit allen kleinen Vorkommnissen des Pinguinlebens vertraut.

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Ein moderner Gulliver. Empfang durch die Pinguine. Die erst« Nacht. Erforschung der Insel. Die Vorhut der 5 Millionen Pinguin«.

Ich kann meine Ankunft auf der Insel der Pinguine nur mit der Gullivers in Liliput vergleichen.

2lls Gulliver Schiffbruch gelitten hatte, suchte er sich durch Schwim- men zu retten undkämpfte sich durch Wind und Wogen hindurch" bis er schließlich auf einer unbekannten Insel landete. Todmüde warf er sich am Strande nieder und schlief ein. Als er endlich erwachte, sah er sich einer Unmenge kleiner Wesen gegenüber, die Menschengestalt hatten, aber nur sechs Zoll hoch waren. Er blieb bei ihnen und lernte allmählich ihre merkwürdigen Sitten, Gebräuche und sozialen Einrichtungen kennen die sämtlich zum Vergleich mit denen seines eigenen Volkes heraus- forberten.

Auch ich landete auf einer Insel, die ich von unzähligen kleinen Wesen mit eigenen Sitten und Gebräuchen und eigenen sozialen Einrichtungen bevölkert fand. Unb währenb der Monate, die ich in ihrer Gesellschaft verbrachte, mußte ich sie wieder und wieder mit den Menschen der Welt, aus der ich tarn der Welt des zivilisierten Menschen vergleichen,' und zuweilen ging es mir wie Gulliver, wenn er die Liliputaner mit feinen Zeitgenoffen verglich: das Urteil fiel entschieden zugunsten der Insulaner aus.

Ich wollte, ich könnte die Erzählung all des Seltsamen, das ich er­lebte, gleichfalls mit einem Schiffbruch beginnen, wie er Gulliver als Einleitung so gut zustatten tarn. Wenn man an Inseln denkt, stellt man sich ja sogleich auch gestrandete Fahrzeuge vor, und es würde meiner Geschichte einen romantischen Beigeschmack verleihen, könnte ich gleich eingangs beschreiben, wie ich mich halbtot vor Erschöpfung an einen Balken klammere und schließlich an eine einsame Küste gespült werde. Aber wenn ich das auch nicht tun kann, bleibt mir doch wenigstens die Genugtuung, unter ganz dramatischen Umständen auf der Insel gelandet zu sein, unter Begleitung eines Sturmes, der uns fortwährend schwere Sturzseen über Bord warf und unsere Decks unter Wasser setzte.

Kurz nachdem wir Kapstadt verlassen hatten, gerieten wir hinein und wurden ihn die ganze Zeit, die wir nach Nordwesten steuerten, nicht mehr los. Doch da ich einigermaßen seefest bin, interessierte mich weniger der Sturm an sich als das, was es dabei zu sehen gab: die Hunderte von kreisenden, schwebenden und schreienden Möwen, die dem Schiffe folgten; der plötzliche Anblick von fteuerborbfeits schwimmenden Robben, die verschwanden und wieder auftauchten; die weißen Tölpel, die aus der Höhe nach Fischen stießen und große Gischtwolken durch ihren Auf­prall hochwirbelten; das Vorüberhuschen eines dunkeln Streifens unter Wasser mit einem Aufblitzen von Weiß unb Schwarz, an dem ich den ersten schwimmenden Pinguin erkannte, der uns begegnete; unb etwas später ber Anblick von Gruppen von fünf oder sechs Pinguinen, die plötzlich zum Atemholen emportauchten.

Das alles war mehrere Mellen vor unserem Ziel lange ehe wir durch unsere Gläser eine Nabelspitze entdeckten, die, wie der Schiffsführer uns versicherte, ber Leuchtturm der Pinguininsel war. Wahrscheinlich sind die Wärter jenes Leuchtturms keine begeisterten Naturforscher und finden darum die Gesellschaft von Vögeln nicht so be­friedigend wie ich. Ihr Leben auf der weltverlorenen Insel, wo das Radio das einzige ist, was ihnen so etwas wie menschliche Gesellschaft vortäuschen kann, muß sehr einsam sein; allein über die ganze Welt verstreut findet man ja Menschen, die «in einsames Leben lieben