Kachelofens
kam der Blick gewiß nicht. Er lachte befriedigt und ging
gelassen an etwas; der je, der aus
seine Arbeit.
Aber es war sonderbar; so ost et den Weg ging, fehlte Peinsipphos lag öde, weil keiner da war, so wie eh und , . geheimer Absicht gleichmütig über Berg und Tal starren konnte. Pretten- thaler lachte über'bie(e Gedanken und wollte sie vertreiben, aber er kam von ihnen nicht los. Und eines Abends, inmitten aller Grübelei, stellte
Peinsipp krank sei und im Bett liege.
Brettentbaler atmete einen Augenblick lang tief auf. Er knurrte zufrieden. So, der Haderlump der, jetzt soll er steif schauen! Weiter als über den Aufbau seiner Bettstatt, zu den grünen Patzen des
zum Verkauf von vier Tauben, deren Gefieder Herrn Ebermann^zwar ein wenig murklig und unansehnlich erschien, die er aber dann doch erstehen mU!Eoas daraus überreichte er dem Schwiegersohn dieses Geschenk - jede Taube truq von Helenens Hand ein rotes Bändchen — und wahrend der iunae Wermenthal seine wiedergefundenen Lieblinge streichelte, sagte Herr Ebermann: „Es sind weder deine weißen Tauben von ehemals, noch deine berühmten Hähertauben von damals, ganz gewöhnliche Dachvogel sind es, aber dessen ungeachtet sind sie die Boten des Friedens und die Vogel der Liebe."
März.
Von Josef Weinheber.
Die Wälder brausen nah und fern. Die Erde riecht, es regnet gern. Windröschen stehn im apern Grund, an Kunigund wird's warm von unt Die Kranich ziehn, bald blüht der Schleh: Um Benedikt den Hafer fä!
Den Hering iß zu Okuki, das Licht zur Gleiche loscht Marie, Maria richt' die Reben auf, nimmt auch den leichten Frost in Kauf; und ist getan, was nötig war, so gebe Gott ein gutes Jahr!
Oie Nachbarn.
Von Paul Anton Keller.
Es wußte keiner genau zu sagen, wann zwischen Nikolaus Peinsipp und Simon Prettenthaler die große Feindschaft aufgekommen war, die beide gegeneinander hegten. Sie bestand nun schon durch viele Jahre, sie blieb stet und äußerte sich in immer gleicher Kraft.
Das Schicksal hatte es gefügt, daß sie einander öfter sehen mußten, als andere Dorfbewohner. Simon Prettenthaler hatte eine kleine Keusche an der Berglehne oberhalb Kainach. Nikolaus Peinsipps Gehöft lag eine halbe Stunde weiter drüben am gleichen Hang und war durch denselben Weg mit dem Ort verbunden. , . .
Wahrscheinlich war es ein geringer Anlaß, aus dem der Hader entstanden war, aber stark und anscheinend unauslöschlich baute sich der Haß darüber auf. Es redete keiner etwas über den andern. Wenn ein Fremder etwa auf den Nachbarn hinwies, schwieg einer so gut wie der andere. Auch handgreiflich Böses taten sie sich nie; kurz gesagt, sie waren und blieben einander absichtlich fremd.
Am Sonntag, wenn es an der Zeit zum Kirchgang war mußte Simon Prettenthaler am Nachbargehöft vorüber. Nikolaus Peinsipp richtete es dann immer so ein, daß er zu gleicher Zeit aus dem Hause trat und Gelegenheit hatte, über den andern mit einem steifen Blick hinwegzufehen. Aber der Zufall wollte es, daß Peinsipp eine Grundparzelle zwischen den Feldbreiten Prettenthalers hatte und so ost er, dort hinüberging, kam — wenn sich die Gelegenheit dazu ergab •— Simon Prettenthaler pfeifend hinter dem Hausgarten hervor und spuckte in weitem Bogen in seine eigenen Blumenbeete hinein. Da konnte keiner eine Beleidigung wahrnehmen, allein Nikolaus Peinsipp wußte, was damit gemeint war und kochte innerlich vor Wut; jedoch der Weg war da und band die beiden Gehöfte zusammen. Die Art und Zielfolge dieser Begegnungen hatte sich im Laufe vieler Jahre zu etwas Selbstverständlichem gefestigt. All dies war einfach nicht mehr fortzudenken, es gehörte schon zum Tag und zur Begegnung, und über die Gewohnheit dieses Tuns vergaßen beide die eigentliche, gewiß sehr geringe Ursache des ^Gines Tages geschah es, daß Simon Prettenthaler an seinem sonntäglichen Kirchgang, als er an Nikolaus Peinsipps Gehöft vorbeigmg, niemand begegnete.
Ihm stockte das Herz. Er hielt den Schritt an und wartete einen Augenblick, allein es kam niemand. Der Gegner blieb unsichtbar. Er wanderte gedankenverloren und nicht ohne leise innere AufreMNg talwärts und versuchte im Gespräch mit anderen etwas über Peinsipps Fernbleiben zu erfahren. Aber keiner wußte etwas darüber zu fagen; später vertröstete er sich auf den kommenden Sonntag. Am nächsten Sonntag kalbte eine Kuh, und weil es hohe Zeit war, die Kirche zu besuchen, rannte er spornstreichs weiter und vergaß die heimlich nagende Frage. Als er an Peinsipps Gehöft vorüber war, blieb er überlegend stehen; er hatte das feste Gefühl, als hätte er etwas vergessen. Er klopfte die Taschen ab, da war alles in Ordnung. Der Hut saß auf dem Kopfe, den Regenschirm hielt er in der Hand, es fehlte also nichts. Plötzlich ward es ihm klar bewußt: es fehlte der starre, weithinschauende und jahrelang gewohnte Blick des Nachbarn ...
Am Nachmittag sandte er die Saudirn heimlich hinüber, sie sollte horchen und trachten, etwas in Erfahrung zu bringen.
Sie kam mit der großen und schweren Neuigkeit zurück, daß Nikolaus
murmelte aus
und dem
Sie wie
und starr ihre Blicke.
Dem Prettenthaler war es, als käme der andere aus dem „Grabe heraufqestiegen; Nikolaus Peinsipp aber hatte das Gefühl, als wäre die Begegnung, die er solange vermißt hatte, nun irgendwie anders als vorher Seine Lippen glätteten sich wieder, Prettenthaler stutzte sich mit beiden Händen auf den Stock. Dem Peinsippbauern fiel die Hand von der Klinke, er murmelte etliche unverständliche Worte, wagte einige Schritte nach vorn und glotzte den andern stumm an.
Sonderbares war geschehen. Sie konnten nimmer widerstehen, gehörten zusammen, dumpf fühlten sie, daß der Haß ebenso verbindet die Liebe.
Oder war das ein und dasselbe? .
Nun, im ersten Wiedersehen, hob Prettenthaler zögernd die Hand dem dichtbuschigen Bart heraus die Frage, wie es Peinsipp wohl ginge. Ob es ihm besser wäre?
„3a , sagte Nikolaus Peinsipp.
Das fiel wie ein Klotz von feinen Lippen. Und da wagte er wiederum einen Schritt; Prettenthaler kam ihm entgegen, sie standen beisammen, und Peinsipp lachte verlegen. Prettenthaler lachte auch
„Nachdem is eh guat", sagte er mit etwas gesuchten Worten.
Sie verharrten stumm und fühlten die bedeutsame Erleichterung, die über ihrem Wesen schwebte.
Es war genau so, als wäre die Sonne noch einmal aufgegangen. Wie nun plötzlich die Kirchenglocken im Tale läuteten, gab es dem Prettenthaler einen Ruck. Er machte einen freundlichen Deuter und ging den Weg dahin. Einmal noch, von unten, spähte er zum Peinsipp zurück und der Peinsipp schaute beileibe nicht über über ihn hinweg, sondern mitten in sein Gesicht hinein. Prettenthaler nickte schwerfällig und schluckte. Er wußte: wenn der Peinsipp auch noch so oft zu seiner Grundparzelle kam, nie mehr würde er in den Hausgarten spucken.
Als der Pfarrer in der Predigt die merkwürdigen Worte sagte, daß Gott viele Verschlingungen selber löse, ohne daß der Mensch es gewahr würde da glaubte Simon Prettenthaler etwas davon zu verstehen. Der Heimweg war ihm heute doppelt leicht, weil er wußte, daß der Nachbar nunmehr wieder zu sehen war. Damit war die quälende, drückende Kluft der letzten Wochen verschwunden.
Ein Steg spannte sich darüber hin, aber die Art da drüben mar anders als vorher. Allein darüber war er auch nicht bös.
Er wußte beiläufig, daß er und Nikolaus Pemsipp zusammen gehörten, auf Glück und Verderb nach Menfchenart. Das Schicksal sucht sich nur manchmal sonderbare Wege aus, um seine Gesetze wahr und erkennbar zu machen.
er fest, daß er und Nikolaus Peinsipp weit Uber -in halbes Menschenalter in das Leben hineingefchritten waren; der Gleichklang der Tage und Stunden hatte ein Recht und wollte nicht unterbrochen fern. Jeder haßte, aber der Haß blieb ohne Widerspruch und wurde im Keime “"^ein, Simon Prettenthaler tarn aus diesem sonderbaren Kummer nicht heraus. *
Inzwischen lag Nikolaus Peinsipp im Bett, war von Gicht geplagt unb raun te rnie ein Todkranker. Wenn es zum Kirchgang war, genau zu jener Stunde, die ihm unauslöschlich tm Blute festgebunden war hob er den Kopf, als vermöchte er den andern zu sehen. Aber da war die Stubenecke, war der Ofen und stand der Holzrahmen; über den die Magd ihre alten Strümpfe gehängt hatte. Und die Schritte draußen chluiten vorbei und verklangen ... Das war schwerer zu ertragen als Öie Allein^das Leid, das den Körper angefallen batte, übte feine Macht und beugte sich vor keiner fremden Absicht. Nikolaus Pemsipp war und blieb ans Bett gefesselt, viele Wochen lang. Eine große Einsamkeit kam über sein Gemüt, gleichermaßen wie über das des Simon Prettenthaler. Sie war selber wie eine Krankheit ohnegleichen und hockte einem trub- innig im Schädel herum. Nichts vermochte das Feh en der lahrelangen Gewohnheit zu ersetzen. Einmal raffte sich Prettenthaler aus der Zurückhaltung auf und sandte einen Boten zum Pemsipphof hinüber. Fragen ließ er wie es dem Bauern ginge, und der Bote brachte die Frage beiläufig so, als ob es bloß die Christenpflicht wäre, die den Bauern zur Gewißheit drängte und nichts anders sonst. Der Pemsipp, als er solches vernähme, krächzte ein wenig im Bett, bohrte den Kopf in die ißölfter und wollte den Boten abweisen lassen. Aber dann überlegte er es sich doch, sann ein wenig darüber hin und sagte der Magd, sie harte dem Boten die Antwort so zu geben, als käme sie von ihr selber. Der Prettenthaler war es hernach zufrieden.
Er fragte nicht mehr; daher wurde es ihm auch nicht gewiß, als es sich mit der Krankheit des Nikolaus Peinsipp zum Besseren wendete. Das kam jach und schier unerwartet. Der harte Leid des Bauern hatte lange genug wider den Ansturm der Krankheit gestanden. Nun war die dose Kraft gebrochen. Seine ureigene Natur war stärker geblieben und stieg mit unheimlich rascher Gewalt wieder in die Kammern des Leibes em.
Es geschah an einem der darauf folgenden Sonntage. Simon Prettenthaler war auf dem Weg zur Kirche und lugte, wie gewöhnlich, als er oorübergehen wollte, zum Nachbarhof hinüber. Aber plötzlich wurde dort die Tür aufgestoßen und Nikolaus Peinsipp trat heraus.
Ein heißer Schlag fuhr dem Prettenthaler an das Herz. Er zuckte zusammen, malmte mit den Zähnen und fuhr mit der Spitze des Stockes unruhig am Wegrand hin und her. Aber dann raffte er sich aus und noch in der Empfindung, wie die faule Schwäche in die Knie hinuntersank und den festen Stand der Füße brechen wollte, wendete er den Kopf, wie er es sonst immer getan hatte, wenn der andere pfeilgerade über sein Haupt so grausam weit in die Welt geschaut hatte.
Der Peinsipp — mit einer Hand hielt er sich noch an der Klinke fest, das Gesicht war fahl und schwammig — hob die Lider zur gewohnten wortlosen (Entgegnung. In diesem Augenblick trafen sich ungewollt, fest
«eraniworiNch: vr. Hans Thhriot. - Druck unb Derlag: Brühl'sche UniversitStS-Buch. unb Steinbruckerei, R. Lanae. Gieße».


