Ausgabe 
4.6.1937
 
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Kieße^

Siebener Samilienblätter

Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger

Jahrgang 1937

Zreitag, den 4. Juni

Nummer 42

Dev G <eOlin

Vornan von Theodor Fontane

35. Fortsetzung.

Am Ende geht es doch", sagte Krippenstapel.Ich weiß wohl, in eine richtige Kur dars der Laie nicht eingreifen. Aber der Honig macht Dielleicht ne Ausnahme. Richtiger Honig ist wie gute Medizin und hat die ganze Heilkraft der Natur."

Js denn aber nicht auch was drin, was besser fehlte?"

Nein, Herr Major. Ich sehe die Bienen oft schwärmen und sammeln, und seh auch, wie sie sammeln und wo sie sammeln. Da sind voran die Linden und Akazien und das Heidekraut. Nu, die sind die reine Unschuld; davon red ich gar nicht erst. Aber nun sollten Sie die Bienen sehn, wenn sie sich auf eine giftige Blume, sagen wir zum Beispiel auf den Nenuswagen, niederlätzt. Und in jedem Benuswagen, besonders in dem roten (aber doch auch in dem blauen), sitzt viel Gift."

Benuswagen; kann ich mir denken. Und wie sammelt da die Biene?"

Sie nimmt nie das Gift, sie nimmt immer bloß die Heilkraft."

Na, Sie müssen es wissen, Krippenstapel. Und auf Ihre Berantwor- i tung hin will ich mir den Honig auch schmecken lassen, und die Buschen muß sich drein finden und sich wohl oder übel zufrieden geben. Uebrigens äUt mir bei der Alten natürlich auch das Kind ein. Da sitzt gs am Fen- 'ter. Na, komm mal her, Agnes, und sage, daß du hier auch was lernst. Ich hab ihr nämlich Bücher gegeben, mit allerlei Bildern drin, und seit »orgestern auch eine Götterlehre, das heißt aber noch eine aus guter, inständiger Zeit und jeder Gott ordentlich angezogen. Und da lernt sie, glaub ich, ganz gut. Nicht wahr, Agnes?"

Agnes knickste und ging wieder auf ihren Platz.

Und dann hab ich dem Kind auch unfern Dragoner und die Mühle Begeben. Also unsre besten Stücke, soviel ist richtig. Ich denke mir aber, nein Museumsdirektor wird über diesen Eingriff nicht böse sein. Eigent­lich is es doch besser, das Kind hat was davon als die Spinnen. Und aas macht denn Ihr Oberlehrer in Templin? Hat er wieder was ge- unben?"

Ja, Herr Major. Münzenfund."

Na, das is immer das beste. Vermutlich Georgstaler oder so was; ldreißigjähriger Krieg. Es war ja ne gräßliche Zeit. Aber daß sie damals !US Angst und Not soviel verbuddelt haben, das is doch auch wieder ein Segen. Is es denn viel?"

Wie mans nehmen will, Herr Major; praktisch und profan ange- tzhen ist es nicht viel, aber wissenschaftlich angesehen ist es allerdings viel. Sämlid) drei römische Münzen, zwei von Diokletian und eine von tzvracalla."

Na, die passen wenigstens. Diokletian war ja wohl der mit der tzhristenoerfolgung. Ader ich glaube, es war am Ende nicht so schlimm. 2-erfolgt wird immer. Und mitunter sind die Verfolgten obenauf."

Dabei lachte der Alte. Dann rief er Engelke, daß er den Honig her- ausnehme. Krippenstapel aber verabschiedete sich, seine leere Terrine vor- fichiig im Arm.

41. Kapitel.

Dubslav hatte sich über Krippenstapels Besuch und sein Geschenk «»frichtig gefreut, weil es ja das Beste war, was ihm die alte treue Eeele bringen konnte. Er bestand denn auch darauf (trotzdem Engelke, dm ein Vorurteil gegen alles Süße hatte, dagegen war), daß ihm die Rabe jeden Morgen auf den Frühftückstifch gestellt wurde.

Siehst du, Engelke", sagte er nach einer Woche,daß ich mich ®: eher wohler fühle, das macht die Wabe. Denn man muß jedes Fiffel- **n miteffen, Wachs und alles, das hat er mir eigens gefegt. Das is S.iab fo wie beim Apfel die Schale; die hat die Natur so gewollt und is (>n Fingerzeig und muß respektiert werden."

Ich bin aber doch für abschälen", sagte Engelke.Wenn man so °iht, was mitunter alles dran ist ..."

!Ja, Engelke, ich weiß nicht, du bist jetzt so fein geworden. Aber ich it noch ganz altmodisch. Und bann glaub ich nebenher wirklich, daß in pi Wachs die richtige, ,gesamte Heilkraft der Natur' steckt, fast noch «i hr als in dem Honig. Krippenstapel übrigens is jetzt auch so furcht-

gebildet und hat so viele feine Wendungen, wie zum Beispiel die '^t der gesamten Heilkraft'. Aber so sein wie du is er doch noch lange fifjt, darauf will ich mich verschwören. Und auch darauf, daß er sich ene Birne schält."

In dieser guten Laune verblieb Dubslcw eine ganze Weile, sich mehr mehr zurechtlegend, daß er sich die Quälerei mit all dem andern k'ug eigentlich hätte spuren können;denn wenn alles drin ist, so st doch auch Bärlapp und Katzenpfötchen drin und natürlich auch

Fingerhut oder wie Sponholz sagt: ,Die Digitalis'. Engelke freilich wollte von diesen Sophistereien nichts wissen; sein Herr aber ließ sich durch solche Zweifel nicht stören und fuhr vielmehr fort:Und dann, Engelke, macht es doch auch einen Unterschied, von wem eine Sache kommt Die Katzenpfötchen kommen von der Buschen, und die Wabe kommt von Krippenftapel. Das heißt also, hinter der Wabe steht ein guter Geist unb hinter ben Katzenpfötchen steht ein böser Geist. Und das kannst du mir glauben, an solchen Rätselhaftigkeiten liegt sehr viel im Leben, unb roenn mir Lorenzen feine Patsche gibt, so ist bas ganz was anders, wie wenn mir Koseleger seine Hand gibt. Koseleger hat solche weichen Finger und auf dem vierten einen großen Ring."

Aber er is doch ein Superintendent."

3a, Superintendent is er. Und er kommt auch noch höher. Und wenn £5 "ad) der Prinzessin geht, wird er Papst. Unb bann wollen mir uns Ablaß bei ihm holen; aber viel geb ich nicht"

Als Dubslav und Engelke dies Gespräch führten, saß Agnes wi« gewöhnlich am Fenster, mit halbem Ohre hinhörend, unb so wenig sie davon verstand, so verstand sie doch gerade genug. Krippenstapel war ein guter Geist und ihre Großmutter war ein böser Geist. Aber das alles war ihr nicht mehr, als ob ihr ein Märchen erzählt würde Sie hatte schon so vieles in ihrem Leben gehört unb war wohl bazu be­stimmt, noch viel, viel andres zu hören. Ihr Gesichtsausbruck blieb benn auch derselbe. Sie träumte bloß so hin, unb baß sie dies Wesen hatte, das war es recht eigentlich, was den alten Herrn fo an sie fesselte. Das Auge, womit sie die Menschen ansah, war anders als das der andern.

Engelke hatte sich in die nebenan gelegene Dienststube zurückgezogen; etn Heller Schein fiel von der Veranda her durch bie Balkontür unb gab dem etwas buntlen Zimmer mehr Licht, als es für gewöhnlich zu haben pflegte Dubslav hielt bie Kreuzzeitung in Hänben und schlug nach einem Brummer, der ihn immer und immer wieder umfummte.Ver­dammte Bestie", und er holte von neuem aus Aber ehe er Zuschlägen konnte, kam Engelke und fragte, ob Uncke den gnädigen Herrn spre­chen dürfe.

Uncke, unser alte Uncke?"

Ja, gnäbger Herr."

Na, natürlich. Kriegt man doch mal wieder nen vernünftigen Men­schen zu sehn. Was er nur bringen mag? Vielleicht Verhaftung irgend­wo: Demokratennest ausgenommen.

Agnes horchte. Verhaftung! Demokratenneft ausgenommen! Das war doch noch besser als ein Märchenvom guten und bösen Geist".

Inzwischen war Uncke eingetreten, Backenbart und Schnurrbart, wie gewöhnlich, fest angeklebt. In der Nähe der Tür blieb er stehen' und grüßte militärisch. Dubslav aber rief ihm zu:Nein, Uncke, nicht da. So weit reicht mein Ohr nicht und meine Stimme erst recht nicht Und ich denke doch, Sie bringen was. Was Reguläres. Also ran hier Und wenn es nicht was ganz Dienstliches is, so nehmen Sie den Stuhl da."

Uncke trat auch näher, nahm aber keinen Stuhl unb sagte:Herr Major wollen entschuldigen. Ich komme so bloß ... Der alte Baruch Hirschfeld hat mir erzählt, unb die alte Buschen hat mir erzählt ..."

Ach so, von wegen meiner Füße."

Zu Befehl, Herr Major."

Ja, Uncke, wollte Gott, es stünde besser. Immer denk ich, wenn wieder ein Neuer kommt, ,nu wird es'. Aber es will nicht mehr; es hilft immer bloß drei Tage. Die Buschen hilft nicht mehr, unb Krippen­stapel hilft nicht mehr, unb Sponholz hilft schon lange nicht mehr; ber kutschiert fo in ber Welt rum. Bleibt also bloß noch ber liebe Gott."

Uncke begleitete bies Wort mit einer Kopfbewegung, bie feine respekt­volle Stellung (aber boch auch nicht mehr) zum lieben Gott ausbrücken sollte. Dubslav sah es unb erheiterte sich Dann fuhr er in rasch wachsen­der guter Laune fort:3a, Uncke, wir haben so manchen Tag mitein­ander gelebt. Denke gern daran zurück sind noch einer von ben Alten. Und der Pyterke auch Was macht er benn?"

Ah, Herr Major, immer noch tüchtig ba; schneidig", unb babei rückte er sich selbst zurecht, wie wenn er bie überlegene Stattlichkeit seines Kollegen wenigstens anbeuten wolle.

Dubslav verstand es auch so unb sagte:Ja, ber Pyterke; natürlich immer yoch zu Roß. Unb Sie, Uncke, ja, Sie müssen laufen wie'n Land- briefträger. Es hat aber auch fein Gutes; zu Fuß macht geschmeidig, zu Pferde macht steif. Und macht auch faul. Unb überhaupt, Gebrüder Beeneke is schon immer bas Beste. Da kann man nicht zu Fall kommen. Aber jeber will heutzutage hoch raus. Das is, was sie jetzt bie .Signatur ber Zeit' nennen. Haben Sie ben Ausdruck schon gehört, Uncke?"

Zu Befehl, Herr Major."

Und bie Sozialdemokratie will auch hoch raus und so zu Pferde sitzen wie Pyterke, bloß noch viel höher. Aber das geht nicht gleich fo.