Ausgabe 
3.9.1937
 
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Jahrgang 1937

Zreitag, den 3. September

Hummer 68

29) Quacksalber.

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Doge und Oogaresse

Erzählung von E. T A. Hoffmann.

2. Fortsetzung.

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Alten, die sie mit ganz seltsamer fremder Stimme unter beständigem Mjctn hermurmelte. Sie waren an die Säule gekommen, die den Adria« Men Löwen trägt. Die Alte wollte immer weiter fortmurmelnd Darüber« liceiten; Antonio, von der Alten Betragen gepeinigt, von den Vorüber­lekenden ob seiner Dame wunderlich angegafft, blieb aber stehen und sprach wt barschem Ton:Hier auf diese Stufen fetz' dich hin, Alte, und halt' eu mit deinen Reden, die mich toll machen könnten. Es ist wahr, du hast Mine Zechinen in den Flammengebilden der Wolken gesehen, aber eben ,-chalb was schwatzest du von Engeln des Lichts von Braut jung« Dulicher Witwe von Rosen und Myrten? willst du mich betören, nisetzliches Weib, daß irgendein wahnsinniges Streben mich in den Ab- !und schleudert? Eine neue Kapuze sollst du haben, Brot Zechinen wi, was du willst, aber laß ab von mir 1" Antonio wollte rasch svrt, win die Alte ergriff ihn beim Mantel und rief mit schneidender Stimme: «ronino mein Tonino, sieh mich doch nur noch einmal recht an, sonst llP tcf) ja hin bis an den äußersten Rand des Platzes dort und mich trostlos Aobstürzeu in das Meer." Antonio, um nicht noch mehr Blicke auf sich IV ken'auf ihn zu richten begannen, blieb wirklich stehen.Tonino", Nr die Alte fort,setze dich her zu mir, es drückt mir das Herz ab, ich muß «o,r sagen o setze dich her zu mir." Antonio ließ sich aus den Stufen so ''cr, daß er der Alten den Rücken zuwandte, und zog fein Rechuungsbuch wor, dessen weiße Blätter von dem Eifer zeugten, mit dem er feine -Widelsgeschäfte auf dem Rialto betrieb.Tonino", lispelte nun die Alte W leise,Tonino, wenn du so in mein verschrumpstes Antlitz schaust, ®imert denn gar keine leise Ahnung in deinem Innern auf, daß du mich

wohl in früher, früher Zeit gekannt haben könntest?» -Ich jagte dir schon", frf.°lbe9m ebenso leise und ohne sich umzuwenden,ich sagte dir schon, Alte, daß ich aus eine mir unerklärliche Weise mich zu dir hingeneigt fühle; aber daran ist dem häßliches, verschrumpstes Gesicht nicht "schuld Schaue ich vielmehr deine seltsamen schwarzen blitzenden Augen, deine spitze Nase, deine blauen Lippen, dein langes Kinn, dein struppiges eisgraues Haar an, hör ich dem widriges Kichern und Lachen, deine verworrenen Reden ei so möcht' ich mit Abscheu mich von dir abwenden und gar glauben, irgend verruchte Mittel stünden dir zu Gebote, mich an dich zu lodenO Herr des Himmels", heulte die Alte, von unsäglichem Schmerz erfaßt, o Herr des Himmels, welcher böse höllische Geist gab dir solche entsetzliche Gedanken ein! O Tonino, mein süßer Tonino, das Weib, das dich als Kind so zärtlich hegte und pflegte, das dich in jener Schreckensnacht rettete aus dringender Todesgefahr, das Weib war ich." Im Plötzlichen k bet. lteberraschung drehte sich Antonio rasch um, aber wie er nun ber Alten in das abscheuliche Gesicht starrte, rief er zornig:So gedenkst du mich zu betören, altes verruchtes wahnsinniges Weib? Die wenigen F"ber, die aus meiner Kindheit mit geblieben, sind lebendig und frisch. Jene holde freundliche Frau, die mich pflegte, o, ich sehe sie lebhaft vor Au« gen! Sie hatte ein volles, frisch gefärbtes Gesicht mild blickende Augen schönes dunkelbraunes Haiipthaar zierliche Hände sie mochte kaum dreißig Jahre alt sein und du? ein neunzigjähriges Mütterchen." 0 all ihr Heiligen", fiel die Alte ihm schluchzend in die Rede,o all ihr Heiligen, wie beginn' ich es denn, daß mein Tonino an mich, an seine treue Margareta glaubt."Margareta?" murmelte Antonio,Margareta? Der Name fällt wie vor langer Zeit gehörte, längst vergessene Musik

die Ohren. Aber es ist nicht möglich es ist nicht möglich!" »Wohl war , fuhr die Alte ruhiger fort, indem sie gesenkten Blicks mit dem Stabe auf dem Boden hin und her kritzelte,wohl war der große schöne Mann, der dich auf den Arm nahm, dich abherzte und dir Zuckerwerk in den Mund steckte, wohl war das dein Vater, Tonino! wohl war es das herr­liche, volltönende Deutsch, das wir miteinander sprachen. Dein Vater war ein angesehener reicher Kaufmann in Augsburg. Sein schönes junges Weib starb ihm, als sie dich gebar. Da zog er, weil er sich selbst nicht dmden konnte an dem Ort, wo sein Liebstes begraben lag, hierher nach Venedig und nahm mich mit, mich, deine Amme, deine Pflegerin. In jener Nacht erlag dein Vater einem grausenden Schicksal, das auch dich bedrohte. Es gelang mir, dich zu retten. Ein edler Venetianer nahm dich auf. Aller Hilfsmittel be­raubt, mußte ich in Venedig bleiben. Von Kindheit auf machte mich mein Vater, ein Wundarzt, dem man nachsagte, er treibe nebenher verbotene Wissenschaften, bekannt mit den geheimen Heilkräften der Natur. Von ihm lernte ich, durch Wald und Flur streifend, die Abzeichen manches heilbringen­den Krauts, manches unscheinbaren Mooses, die Stunde, wann es gepflückt, gelesen werden mußte, die verschiedene Mischung der Säfte kennen. Aber dieser Wissenschaft gesellte sich eine besondere Gabe bei, die der Himmel mir verlieh in unerforschlicher Absicht. Wie in einem fernen dunkeln Spiegel erschaue ich oft künftige Ereignisse, und beinahe ohne eigenen Willen, in mir oft selbst unverständlichen Redensarten das, was ich erschaut, auszusprechen, zwingt mich dann die unbekannte Macht, der ich nicht zu widerstehen vermag. Als ich nun einsam, von aller Welt verlassen, zurückbleiben mußte in Venedig, gedachte ich durch meine erprobte Kunst mein Leben zu fristen. Ich heilte die bedenklichsten liebel in kurzer Zeit. Kam nun noch hinzu, daß meine Erscheinung auf die Kranken wohltuend wirkte, daß oft das sanfte Bestreichen mit meiner Hand in wenigen Augen­blicken die Krisis löste, so könnt' es nicht fehlen, daß mein Rus bald die Stadt durchdrang und mir die Fülle des Geldes zufloß. Da erwachte der Neid der Aerzte, der Eiarlatani29), die auf dem Markusplatz, auf dem Rialto, auf der Zecca ihre Pillen, ihre Essenzen verkauften und die Kranken ver­gifteten, statt sie zu heilen. Ich stehe mit dem leidigen Satan im Bündnis, das sprengten sie aus und fanden Glauben bei dem abergläubischen Volk. Bald wurde ich verhaftet und vor das geistliche Gericht gestellt. O, mein Tonino, mit welchen gräßlichen Martern suchte man mir das Geständnis des abscheulichsten Bündnisses zu erpressen! Ich blieb standhaft. Meine Haare verbleichten, mein Körper schrumpfte ein zur Mumie Füße und Hände erlahmten. Die entsetzlichste Folter, die sinnreichste Erfindung des höllischen Geistes, war noch übrig; die entlockte mit ein Geständnis, vor dem ich noch jetzt zusammenschaudre. Ich sollte verbrannt werden; als aber das Erdbeben die Grundmauern der Paläste, des großen Gefängnisses erschlilterte, sprangen die Türen des unterirdischen Kerkers, in dem ich gefangen saß, von selbst auf, ich wankte wie aus tiefem Grabe durch Schutt und Trümmer hervor. Ach, Tonino, du nanntest nkich ein neunzigjähriges Mütterchen, da ich kaum über fünfzig Jahre alt. Dieser knochendürre Leib, dieses abscheulich verzogene Gesicht, dieses eisige Haar, diese erlahmten Füße nein, nicht Jahre, nur unsägliche Martern konnten das kräftige Weib in wenigen Monden umwandeln in ein Scheusal. Und dieses widrige Kichern und Lachen die letzte Folter, vor der sich noch meine

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Schweig, Alte«, unterbrach sie Antonio,schweig, noch etwas ist es, was mir mein Leben verkümmert, mich rastlos verfolgt, was mich über kurz oder lang rettungslos verderben wird. Ein unaussprechliches Verlangen, eine mein Innerstes verzehrende Sehnsucht nach einem Etwas, das ich nicht zu nennen, nicht zu denken vermag, hat, seitdem ich im Spital zum Leben irwachte, mein ganzes Wesen erfaßt. Wenn ich als ein Armer, Elender ermüdet, zerschlagen von der mühseligen Arbeit, nachts auf dem harten vager ruhte, dann kam der Traum und goß, mir in lindem Säuseln die heiße stiru fächelnd, alle Seligkeit irgendeines glücklichen Moments, in dem mch die ewige Macht die Wonne des Himmels ahnen ließ, und dessen Be- oußtsein tief in meiner Seele ruht, in mein Inneres. Jetzt ruhe ich auf wei- Ijen Kissen und keine Arbeit verzehrt meine Kraft; aber erwache ich aus dem xraum, ober kommt mir wachend das Bewußtsein jenes Moments in den dmn, so fühle ich, daß mein armes verlassenes Dasein mir ja ebenso wie amals eine drückende Bürde ist, die abzuwerfen ich trachten möchte. Alles ginnen, alles Forschen ist vergebens, ich kann es nicht ergründen, was mir Wer im Leben so Hochherrliches geschah, dessen fauntter, ach mir nntier« äudlicher Nachklang mich mit solcher Seligkeit erfüllt; aber wird diese seligteit nicht zum brennendsten Schmerz, der mich zu Tode foltert, wenu (£) erkennen muß, daß alle Hoffnung verloren ist, jenes unbekannte Eden uederzufmden, ja es nur zu juchen? Gibt es denn Spuren des spurlos verschwundenen?" Antonio hielt inne, indem er ans tiefer Brust schwer Mseufzte. Die Alte hatte sich während seiner Erzählung gebärdet Ivie einer, °sr, ganz hingerissen von dem Leid des andern, alles selbü fühlt und jede Bewegung, die diesem der Schmerz abnötigt, wie ein Spiegel zurückgibt. Tonino", fing sie jetzt mit weinerlicher Stimme an,mein lieber Tonino, durum willst du verzagen, weil dir im Leben etwas Hochherrliches begegnet 1(1, dessen Erinnerung dir erloschen? Törichtes Kind, törichtes Kind werk' auf hi hi hi." Die Alte begann nach ihrer gewöhnlichen Weise werlich zu kichern und zu lachen und auf dem Marmorboden herumzu- ibfen. Leute kamen, die Alte kauerte nieder, man warf ihr Almosen

i-Antonio Antonio, bring mich fort fort ans Meer!" So kreischte it auf, Antonio wußte nicht, wie ihm geschah, beinahe willkürlos faßte er l<e Alte und führte fie über den Markusplatz langsam fort. Während sie Ingen, murmelte die Alte leise und feierlich:Antoniosiehst du wohl die binflen Blutflecken hier auf dem Boden? ja Blut viel Blut, überall M Blut! aber hi hi hi! ans dem Blut entsprießen Rosen, schöne rote Men zum Kranze für dich für dein Liebchen. O du Herr des Lebens, welcher holde Engel des Lichts ist es denn der dort so anmutig, so sternen- lur lächelnd auf bich zuschreitet? Die lilienweißen Arme breiten sich aus, irn dich zu umarmen. O Antonio, hochbeglücktes Kinb halte bich wacker Hte bich wacker! Unb Myrten kannst bu pflücken im süßen Abenbrot, "beten für bie Braut, für bie jungfräuliche Witwe hi hi hi Myrten, im Abenbrot gepflückt, aber sie blühen erst um Mitternacht hörst bu wohl toä Geflüster bes Nachtwinbes bas sehnsüchtig tlagenbe Sausen bes Meeres? Rudere wacker zu, mein kühner Schisser, rubere wacker zu!"

d tept g-. , uiuucic muuei zu, mein luyner öiyifier, ruoete mauer zu i

ier i* wonio fühlte sich von tiefem Grauen erfaßt bei ben tvunberlichen Reben iS ; muß/ t »er#- icr* «Beul J ben«'1 ch, dtt «H

Siebener ftuniliciiblättcr

Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger