Ausgabe 
3.5.1937
 
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Pavia.

Volksweise.

Herr (Borg von Fronsberg,

Herr Sorg von Fronsberg,

Der hat die Schlacht von Bavia gewannen,

Gewannen hat er die Schlacht vor Bavia in eim Tiergart, In neunthalben Stunden gewunnen Land und Leut.

Der König aus Frankreich,

Der König aus Frankreich,

Der hat die Schlacht vor Bavia verloren,

Verloren hat er die Schlacht vor Bavia in eim Tiergart, In neunthalben Stunden verlor er Land und Leut.

Nun grüß dich Gott, du Königstöchterlein im ganzen Frankenreich! Euerm Vater hab ich abaewunnen in neunthalben Stunden Land und Leut.

Ich hab's gewagt frisch unverzagt. Ich hab's gewagt frisch unverzagt, Euerm Vater hab ich abgewunnen in neunthalben Stunden Land und Leut.

Im Blut mußten wir gähn, Im Blut mußten wir gähn, Bis über, bis über die Schuch: Barmherziger Gott, erkenn die Notl Barmherziger Gott, erkenn die Notl Wir müssen sonst verderben also.

Lärmen, lärmen, lärmen,

Lärmen, lärmen, lärmen,

Tät uns die Trummel und die Pfeifen sprechenl

Her, her, Herl Ihr frommen deutschen Landsknechte gut!

Laßt uns in die Schlachtordnung ftahn. Laßt uns in die Schlachtordnung ftahn. Bis daß die Hauptleut sprechen: Jetzt wollen wir's greifen an!

Reiter zum Pferd, Sattel und Zaum! Der Feind, der ist vorhanden.

Gustav Adolfs Kampf um Pommern.

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Seit dem 11. Jahrhundert hatten in Pommern die Herzöge aus dem Greifengeschlecht geherrscht. Zu Anfang des 17. Jahrhunderts aber schien die Kraft dieses Geschlechtes plötzlich gebrochen. Ohne sichtbaren Grund starben die Männer rasch nacheinander ohne Leibeserben dahin, so daß im Jahre 1625 der letzte überlebende Herzog Bogislaw XIV. nach langer Teilung noch einmal ganz Pommern in seiner Hand vereinte. Doch auch dieser Bogislaw war zu jener Zeit schon ein kranker Mann, und bald wurde es gewiß, daß auch er kinderlos bleiben, das alte Herzogshaus mit ihm erlöschen und das Erbe in die Hand eines Fremden gelegt werden würde.

Bogislaw XIV. lebte bewußt auf seinen Tod hin. Sein ganzes Leben lang war es seine Sorge, für die kritische Stunde, wo er aufgehört haben würde, zu sein, dem Lande Ordnung, Sicherheit und Frieden zu gewährleisten. Es lagen alte und immer wieder neu beschworene Erb­verträge mit Kurbrandenburg vor. Die Rechtslage war klar. Unklar, verworren, voller Gefahr und Spannung aber war die Zeit. In Böhmen war der Brand ausgebrochen, der sich mit erschreckender Schnelligkeit über das ganze Land verbreitete. Plötzlich waren die feindlichen Fronten enthüllt: die süddeutschen und rheinischen Fürsten standen in der katho­lischen Liga, die mittel- und norddeutschen in der protestantischen Union zusammen Die Herzöge von Mecklenburg drängten den pommerschen Vetter, sich der protestantischen Sache offen anzuschliehen. Bogislaw aber widerstrebte. Er wünschte nur eins: Frieden für sein Land und Neu- tralUät. Jahrelang bemühte er sich, den Krieg von den pommerschen Grenzen fernzuhalten. Vergebliche Anstrengung! Immer näher brandeten die Wogen, und im November 1627 endlich mußte zehn kaiserlichen Regimentern Quartier gegeben werden. Damit begann die Drangsal. Der Truppen wurden es in den nächsten Jahren immer mehr, und sie hausten in Pommern wie in Feindesland. Die Pommern empfanden die kaiserlichen Truppen als Landesseinde, und viele murrten über des HerzogsDevotion gegen den Kaiser". Die habsburgischen Ziele hatte ja das Restitutionsedikt unzweideutig enthüllt: Rekatholisierung ganz Deutschlands. Aber auch der künftige Erbherr Brandenburg war vielen nicht recht. Dieses Fürstenhaus war zur reformierten Kirche über­getreten, und den strenggläubigen Lutheranern erschienen die Calvinisten fast ein ebenso großer Greuel wie die Papisten. So richteten sich viele Blicke sehnsüchtig nach Norden ...

Eine pommersche Stadt war es, die sich, gegen den Willen ihres Landesherrn, zum Schicksals- und Wendepunkt in diesem Kriege machte, eigenmächtig dem Kaiser Trotz bot, nach dem Fremden die Bundes­hand ausstreckte: Stralsund! Der unbesiegbare Wallenstein sogar mußte erfolglos die Belagerung abbrechen, während in der Stadt beliebig viele schwedische Truppen landeten und sich nach und nach dort häuslich ein­richteten. Endlich, am 26. Juni 1630 erschien der Schwedenkönig Gustav Adolf selbst mit seiner Flotte vor der pommerschen Küste. Ungehindert besetzte er Usedom und Wollin. Beim Betreten pommerschen Bodens soll er ausgerufen haben, er würde hundert Jahr-« um Pommern kämpfen,

bevor er dieses Land wieder hergeben würde. Und nach einem anderen Ausspruch leitete er sein Recht, in den deutschen Krieg einzugreisen, von dem Titel her, den der Kaiser Wallenstein verliehen hatte:General des ozeanischen und baltischen Meeres". Denn dieses mare balticum nahm der Schwedenkönig für sich in Anspruch, die Umländer als mehr oder weniger unmittelbaren schwedischen Herrschaftsbereich. Tatsächlich ist die Gefahr einer endgültigen Zerreißung Deutschlands, di« Errichtung eines nordischen protestantischen Ostseereiches niemals so zum Greifen nahe gewesen wie in diesen Tagen. Allein Gustav Adolfs früher Tod mag die Ursache dafür sein, daß er sogar heute noch in weiten Kreisen als der selbstlose Beschützer und Retter des evangelischen Glaubens ge­feiert wird.

Tatsächlich wurde bei seinem Erscheinen in Deutschland derLeu aus Mitternacht" von vielen mit Begeisterung begrüßt, voran von der lutherischen Geistlichkeit, zahlreiche Pommern traten freiwillig in sein« Dienste. Das erstrebte Bündnis mit Pommern kam jedoch nur mühsam zustande. Mit Sorge bedachte Herzog Bogislaw, wie er das Land be­wahren sollte, treu seinem Lehnseid gegen den Kaiser, treu dem von den Vätern beschworenen Vertrag mit Brandenburg. Nur weil er buchstäblich in der Hand der Schweden und nicht Herr feiner Entschließung war, ließ er sich endlich den Vertrag «bringen, behielt aber ausdrücklich das Erbrecht Brandenburgs vor. Die Hoffnung Gustav Adolfs, daß Bogislaw sich vielleicht gegen eine hohe Entschädigung bewegen lassen würde, ihm die Regierungsgewalt zu übertragen, erfüllte sich nicht. Die Art, wie der König Pommern tatsächlich bereits als Eigentum behandelte und es seine Kriegslasten tragen ließ, dämpfte auch die Begeisterung für ihn nicht wenig. Dennoch löst« die Kunde von seinem Tode in Pommern Be­stürzung und Trauer aus. Erschüttert grüßten die Pommern den Leich­nam des Königs, als er in Wolgast zu Schiff gebracht wurde. An der Politik seines Königs hielt Schweden auch nach dessen Tode fest, nur noch unverhüllter traten di« schwedischen Besitzansprüche unter dem Kanzler Oxenstjerna hervor. Dazu kam, daß im Frühjahr 1633 ein Schlaganfall Bogislaws die Fruge der Erfolge in bedrohliche Nähe rückte. Das Recht lag bei Brandenburg, alle Macht bei Schweden, beide miteinander im Krieg. In dieser Not arbeiteten die herzoglichen Räte mit Genehmigung Bogislaws eine Jnterimsverfassung aus, nach der bet seinem Ableben die Regierung bis zum Abschluß des Friedens von den Räten weitergeführt werden sollte. Am 10. März des Jahres 1637 trat der lang erwartete und doch von allen gefürchtete Augenblick ein: der letzte Pommernherzog schloß seine Augen für immer.

Pommersche Abgesandte weilten gerade beim Kurfürsten Georg Wil­helm, um feine Einwilligung zu der Zwischenregierung einzuholen, als die Kunde vom Heimgang ihres Herzogs sie erreichte, womit, wie der Chronist berichtet,es nicht wol getreffen war". Der Kurfürst versagte sich dem Plan der Pommern und ließ im Gegenteil unverzüglich durch Trompeter seine Besitzergreifung Pommerns verkünden. Bis ans Ende seines Lebens vertrat er den schroffen Rechtsstandpunkt, und sein Kanzler Graf Schwarzenberg bezeichnete die Zwischenregierung alshoch- schedlich und schimpflich" und eine,die wol ewig bleiben würde". Die kurfürstlichen Bedenken gegen eineselbständige" pommersche Regierung unter schwedischer Kontrolle, seine Sorge, daß sie als Herrschaft Schwe­dens enden würde, waren freilich nur allzu begründet. Dennoch führte seine Haltung gerade das herbei, was er verhindern wollte. Die Zwischen­regierung hatte ja gerade den Sinn, eine gewaltsame Besitzergreifung Schwedens zu verhüten und das Land für Brandenburg zu erhalten, und trotz dem Einspruch des Kurfürsten wurde sie zunächst unter Dul­dung Schwedens in Kraft gefetzt, gewissermaßen als das lebende Recht des toten Herzogs. Aber dadurch, daß der rechtmäßig« Landesherr sie nicht anerkannte, fehlte ihr der eigentliche Rückhalt Schweden gegenüber, und sie mußte sich nach einiger Zeit auflösen. Damit lösten sich aber auch alle Bande staatlicher Ordnung, Verwaltung und Rechtsprechung. Schwedische, kaiserliche, brandenburgische Truppen rangen miteinander im Lande und sogen ihm das letzte Mark aus. Ungezählte Höfe und Herrensitze lagen verödet, die Bewohner waren tot oder ausgewandert. Pommerland ist abgebrannt" singt der Volksmund noch heute, im Ge­denken an diese Zeit. Die Einrichtung einer neuen schwedischen Regierung wurde endlich zur Notwendigkeit, sogar von vielen Pommern als solche bezeichnet. Wieder war es die lutherische Geistlichkeit, die hier voranging. Das Ansinnen, die schwedische Regierung als rechtmäßige anzuerkennen, lehnte Pommern zwar in aufrechter Lehnstreue ab, doch wie nicht anders möglich, wurde über den pommerschen Einspruch hinweg eine schwedische Regierung in Kraft gesetzt, die Pommern zur schwedischen Provinz machte.

Der junge Kursürst von Brandenburg, Friedrich Wilhelm, der spätere Große Kurfürst, der 1640 zur Regierung kam, bewies zwar von vorn­herein mehr Wirklichkeitssinn und staatsmännischen Weitblick als sein Vater, aber es war zu spät, noch unmittelbar zu helfen. Das Schlacht­feld, auf dem das Schicksal des Landes entschieden wurde, waren in den nächsten Jahren die Friedenskongresse von Münster und Osnabrück. Und auf diesem Boden rangen Brandenburg und Schweden mit leidenschaft­licher Zähigkeit um den Besitz Pommerns. Keiner wollte einen Fußbreit hergeben, wobei der eine sich auf sein verbrieftes Erbrecht, der andere sich auf das Recht der Eroberung, beide auf höhere politische Notwendig­keit beriefen. Das Reich und die ausländischen Mächte sprachen ihr Wort dazu, Pommern wurde zur europäischen Frage, an der das ganze Frie­denswerk zu scheitern drohte. Unter der Vermittlung der Mächte mußten endlich beide nachgeben, vor allem aber Brandenburg, das nur das karge und hafenarme Hinterpommern erhielt, während das fruchtbare Vor­pommern mit Rügen, Stettin, die Ober mit ihren drei Mündungen, die Insel Wollin und sogar einzelne Punkte und Kllstenstreifen von Hinter­pommern an Schweden fielen. Nur mühsam und Schritt um Schritt gelang es den nächsten (Benerationen, bie Schweden aus Pommern wieder hinauszudrängen. Erst im Wiener Kongreß räumten sie ihr letztes Bollwerk im Lande fast zwei Jahrhunderte, nachdem Gustav Adolf hier gelandet war.

Verantwortlich vr. Hans Tbvrivt. Druck und Derlag: Drühl'sche Untverlitäts-Buch- und Etetnbruckerei. 2L Lana«, Gieße».